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Škoda Elroq 60 bekommt LFP-Akku – doch die Ladeleistung fällt von 165 auf 105 kW

Skoda Elroq 60 105 kW Schnellladung

Škoda verändert den Elroq 60 für das neue Modelljahr deutlich stärker, als es auf den ersten Blick scheint. Der kompakte Elektro-SUV erhält erstmals eine LFP-Batterie mit 61 kWh brutto beziehungsweise 58 kWh netto. Gleichzeitig sinkt die maximale DC-Ladeleistung jedoch von bislang bis zu 165 kW auf nur noch 105 kW.

Das klingt zunächst wie ein klarer technischer Rückschritt. Doch die offiziellen Ladezeiten erzählen eine überraschend andere Geschichte: Von 10 auf 80 Prozent benötigt der neue Elroq 60 laut Škoda rund 26 Minuten. Der bisherige Elroq 60 mit NMC-Batterie lag trotz deutlich höherem Spitzenwert bei ungefähr 24 Minuten.

Damit verliert der Elroq auf dem Datenblatt 60 kW Ladeleistung – in der Praxis aber nur etwa zwei Minuten Ladezeit. Genau diese Diskrepanz macht die neue Batterieversion für deutsche Käufer interessant. Die entscheidende Frage lautet nicht mehr: Wie hoch ist der maximale kW-Wert? Sondern: Wie viel Energie kann das Auto über den gesamten Ladevorgang tatsächlich aufnehmen?

Wer zunächst einen vollständigen Überblick über Abmessungen, Ausstattung, Innenraum und die bisherigen Antriebsvarianten sucht, findet die technischen Grundlagen in unserem ausführlichen Škoda Elroq Testbericht.

Neue LFP-Batterie: 61 kWh brutto, 58 kWh nutzbar

Die wichtigste technische Änderung betrifft die Zellchemie. Der neue Elroq 60 verwendet eine Lithium-Eisenphosphat-Batterie. Sie speichert 61 kWh brutto, davon sind 58 kWh nutzbar.

LFP-Zellen verzichten auf Nickel und Kobalt und gelten als besonders robust gegenüber hohen Ladezuständen. Für viele Käufer kann das im Alltag ein Vorteil sein: Die Zellchemie ist kostengünstiger und thermisch stabil. Gleichzeitig besitzt LFP allerdings eine geringere Energiedichte als viele NMC-Zellen und reagiert bei niedrigen Temperaturen empfindlicher.

Damit wird der Elroq 60 stärker zu einer Variante für Fahrer, die überwiegend zu Hause oder am Arbeitsplatz laden und keine maximale Langstreckenleistung benötigen.

Die größeren Versionen verfolgen eine andere Strategie. Hier setzt Škoda weiterhin auf größere Batterien, höhere Reichweiten und deutlich mehr Ladeleistung.

105 statt 165 kW: Warum die Zahl schlimmer aussieht als die Realität

Beim Blick auf die technischen Daten entsteht zunächst ein deutlicher Nachteil. Der bisherige Elroq 60 konnte mit bis zu 165 kW DC laden. Mit der neuen LFP-Batterie sind es nur noch 105 kW.

Das entspricht einem Rückgang der maximalen Ladeleistung um rund 36 Prozent.

Doch der Vergleich der vollständigen Ladezeiten fällt wesentlich weniger dramatisch aus. Der bisherige 60er benötigte unter optimalen Bedingungen ungefähr 24 Minuten von 10 auf 80 Prozent. Die neue LFP-Version braucht rund 26 Minuten.

Der Grund: Die maximale Ladeleistung ist nur ein Spitzenwert. Entscheidend ist die Ladekurve – also wie lange eine Batterie hohe Leistung aufnehmen kann. Ein Fahrzeug, das nur kurzzeitig 165 kW erreicht und anschließend deutlich reduziert, muss am Ende nicht wesentlich schneller laden als ein Modell, das über einen größeren Teil des Ladefensters relativ konstant um 100 kW bleibt.

Genau hier liegt eine der häufigsten Fehlinterpretationen beim Elektroauto-Kauf. 200 kW sind nicht automatisch doppelt so gut wie 100 kW. Für eine Autobahnreise zählt vielmehr, wie schnell tatsächlich genügend Energie für die nächste Etappe in der Batterie landet.

Elroq 60 gegen Elroq 85: Welcher Akku ist sinnvoller?

Technik
Elroq 60 LFP
Elroq 85
Batterie brutto/netto
61 / 58 kWh
82 / 77 kWh
Leistung
140 kW (190 PS)
210 kW (286 PS)
Antrieb
Heckantrieb
Heckantrieb
WLTP-Reichweite
bis ca. 453 km
bis ca. 576 km
Max. DC-Laden
105 kW
165 kW
10–80 %
ca. 26 min
ca. 29 min
0–100 km/h
8,5 s
6,6 s

Das Ergebnis zeigt, warum ein Vergleich ausschließlich anhand der maximalen Ladeleistung wenig aussagekräftig ist. Der Elroq 85 lädt mit einem wesentlich höheren Spitzenwert, muss dabei aber auch deutlich mehr Energie in seine größere Batterie übertragen.

Für Vielfahrer bleibt die 85er-Version klar interessanter. Die zusätzliche Batteriekapazität reduziert auf langen deutschen Autobahnetappen die Zahl der notwendigen Ladestopps. Wer täglich 30 bis 60 km fährt und zu Hause laden kann, benötigt diese Reserve dagegen möglicherweise nur selten.

LFP bringt Vorteile – aber Kälte wird zum entscheidenden Punkt

LFP-Batterien gelten als langlebig, thermisch stabil und vergleichsweise günstig. Sie besitzen allerdings eine bekannte Schwäche: Bei niedrigen Temperaturen kann ihre Ladefähigkeit stärker nachlassen als bei vielen NMC-Zellen.

Deshalb wird die Batterievorkonditionierung beim neuen Elroq 60 besonders wichtig.

Die MEB-Plattform verfügt über ein aktives Batterie-Thermomanagement. Wird eine Schnellladestation über die Fahrzeugnavigation angesteuert, kann das System die Hochvoltbatterie vor dem Ladestopp auf eine günstigere Temperatur bringen.

Wer im deutschen Winter mit kalter Batterie direkt an eine HPC-Säule fährt, sollte deshalb nicht automatisch erwarten, sofort die maximalen 105 kW zu erreichen.

Gerade hier könnte der Unterschied zwischen Laborwert und Winteralltag größer ausfallen als die lediglich zwei Minuten Differenz bei den offiziellen 10–80-Prozent-Angaben.

MEB-Plattform: Schwäche oder inzwischen ein Vorteil?

Der Elroq basiert weiterhin auf der MEB-Architektur des Volkswagen-Konzerns. Dieselbe Grundplattform wird inzwischen für zahlreiche Elektroautos von Volkswagen, Škoda, Cupra, Audi und Ford verwendet.

Die ersten MEB-Generationen wurden unter anderem wegen Softwareproblemen und teilweise träger Infotainmentsysteme kritisiert. Daraus lässt sich jedoch nicht automatisch auf heutige Fahrzeuge schließen. Motoren, Software, Batteriemanagement und Thermoregelung wurden über mehrere Modelljahre weiterentwickelt.

Für den Elroq kann die inzwischen hohe Stückzahl der Plattform sogar ein Vorteil sein. Statt einer völlig neuen Architektur setzt Škoda auf Technik, die mittlerweile in hunderttausenden Fahrzeugen eingesetzt wird.

Elroq RS zeigt, was technisch am anderen Ende möglich ist

Wie breit Škoda den Elroq inzwischen aufstellt, zeigt der Blick auf das andere Ende der Baureihe. Während der Elroq 60 mit LFP-Akku auf niedrigere Kosten und Alltagseffizienz zielt, setzt der Škoda Elroq RS auf deutlich mehr Leistung, Allradantrieb und höhere Schnellladeleistung.

Damit verfolgt Škoda innerhalb derselben Modellfamilie zwei nahezu gegensätzliche Strategien: Der 60er soll Elektromobilität günstiger und unkomplizierter machen, während der RS zeigen soll, welche Performance die MEB-Basis ermöglichen kann.

Für deutsche Käufer ist dieser Vergleich interessanter als die reine PS-Zahl. Wer hauptsächlich pendelt, benötigt weder Allradantrieb noch extreme Beschleunigung. Wer dagegen häufig Autobahn fährt und Wert auf Leistung legt, bekommt mit dem RS ein völlig anderes Fahrzeug – muss dafür aber auch erheblich mehr bezahlen.

Welcher Elroq passt zu welchem Fahrer?

Der neue Elroq 60 dürfte vor allem für Stadtfahrer, Pendler und Familien mit eigener Wallbox interessant sein. Seine 58 kWh nutzbare Batteriekapazität reichen für den typischen deutschen Alltag problemlos aus. Gleichzeitig könnte die LFP-Technik langfristig Kostenvorteile bringen.

Wer regelmäßig mehrere hundert Kilometer Autobahn fährt, sollte dagegen die größeren Batterievarianten berücksichtigen. Dort ist nicht nur die maximale Ladeleistung höher – entscheidender ist die größere Energiemenge, die zwischen zwei Ladestopps zur Verfügung steht.

Der RS richtet sich wiederum an eine völlig andere Zielgruppe. Allradantrieb, sportlicheres Fahrwerk und höhere Leistung machen ihn zum Performance-Modell der Familie. Einen ausführlichen Überblick über die gesamte normale Baureihe gibt unser Škoda Elroq Testbericht, während wir die stärkste Version separat im Škoda Elroq RS Test analysieren.

EvAutos25-Einschätzung: 105 kW sind kein Fortschritt – aber die falsche Zahl für den Vergleich

Auf dem Datenblatt sieht die Veränderung drastisch aus: 165 kW werden zu 105 kW. Normalerweise erwartet man bei einem neuen Modelljahr steigende und nicht sinkende technische Werte.

Doch gerade der Elroq 60 zeigt, warum die maximale DC-Leistung allein wenig über die tatsächliche Langstreckentauglichkeit eines Elektroautos aussagt.

Wenn der neue LFP-Akku für 10 bis 80 Prozent rund 26 Minuten benötigt und sein Vorgänger trotz 165-kW-Peak ungefähr 24 Minuten brauchte, verliert der Fahrer in einem kompletten Schnellladestopp nur wenige Minuten.

Aus unserer Sicht liegt das größere Fragezeichen deshalb nicht bei den 105 kW, sondern beim Winterverhalten der neuen LFP-Batterie. Bei niedrigen Temperaturen wird entscheidend sein, wie effektiv Škoda die Zellen vorkonditioniert und welche durchschnittliche Ladeleistung unter realistischen deutschen Winterbedingungen erreicht wird.

Genau hier sollten unabhängige Tests ansetzen. Erst dann lässt sich beurteilen, ob der Wechsel von NMC auf LFP für den Elroq 60 tatsächlich nahezu ohne praktischen Nachteil gelingt.

Strategisch ist die Entscheidung trotzdem interessant. Škoda akzeptiert einen schlechter aussehenden Spitzenwert, um eine günstigere und robuste Batteriechemie einzusetzen. Wenn die reale Ladezeit tatsächlich nur geringfügig steigt, könnte das wirtschaftlich sinnvoller sein als der Kampf um immer höhere kW-Zahlen.

Fazit

Der neue Škoda Elroq 60 zeigt, dass technische Daten bei Elektroautos manchmal täuschen. Die maximale DC-Ladeleistung fällt von 165 auf nur noch 105 kW – ein Rückgang von rund 36 Prozent.

Beim tatsächlichen Schnellladestopp schrumpft der Unterschied jedoch erheblich: Von 10 auf 80 Prozent benötigt die neue LFP-Version unter optimalen Bedingungen nur ungefähr zwei Minuten länger.

Für Pendler und Fahrer mit eigener Wallbox könnte der LFP-Elroq deshalb sogar die vernünftigere Wahl sein. Vielfahrer profitieren weiterhin stärker von den größeren Batterievarianten, während der Elroq RS das andere Ende der Modellpalette abdeckt.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, warum Škoda 60 kW Ladeleistung gestrichen hat – sondern ob deutsche Fahrer diese 60 kW im Alltag überhaupt vermissen werden.

Jurij Senkewitsch

Fachautor für Elektromobilität bei EvAutos25. Er spezialisiert sich auf Elektroautos, Batterietechnologien und Ladeinfrastruktur sowie auf die Analyse des deutschen und europäischen E-Auto-Marktes.

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