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Smart #1 Brabus im Test: Die ungeschönte Wahrheit über Winter-Reichweite und Kosten

Der Smart #1 Brabus, Modelljahr 2024, tritt als kompaktes Elektro-SUV an, um das Segment der sportlichen Stromer aufzumischen. Mit einem Basispreis von 48.990 € positioniert er sich gegen direkte Konkurrenten wie den Cupra Born, den MG4 XPower und insbesondere den technisch eng verwandten Volvo EX30 Twin Motor. Doch während die Marketingabteilungen die Beschleunigungswerte und das extrovertierte Design in den Vordergrund stellen, offenbart unser intensiver Praxistest, insbesondere unter winterlichen Bedingungen, eine erhebliche Diskrepanz zwischen den normierten WLTP-Angaben und der Realität auf der Straße. Die Analyse der Verbrauchs-, Lade- und Kostendaten zeichnet ein kritisches Bild.

Smart #1 Brabus
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Die auf dem Papier beeindruckenden 315 kW (428 PS) Systemleistung und der Allradantrieb suggerieren eine überlegene Performance. Unsere Messungen und Erfahrungen aus dem Testalltag bei Temperaturen um den Gefrierpunkt decken jedoch Schwächen auf, die für potenzielle Käufer kaufentscheidend sind. Es geht nicht nur um die Frage, wie schnell der #1 Brabus auf 100 km/h beschleunigt, sondern darum, wie weit er mit einer Akkuladung im deutschen Winter tatsächlich kommt und welche versteckten Kosten und Mängel im Betrieb lauern.

Dieser Testbericht legt die Fakten offen, analysiert die Abweichungen zur Norm und beleuchtet die technischen sowie finanziellen Fallstricke, die in Hochglanzbroschüren unerwähnt bleiben. Wir haben den realen Energiebedarf gemessen, die Ladekurve bei Kälte protokolliert und die Betriebskosten detailliert aufgeschlüsselt.

Praxisverbrauch vs. WLTP: Die echte Reichweite des Smart #1 Brabus

Die offiziellen technischen Daten des Smart #1 Brabus versprechen viel. Doch die Realität, insbesondere im Winter, ist eine andere. Hier die zentralen Werte im Überblick:

  • Antrieb: Dual-Motor Allradantrieb (AWD)
  • Leistung: 315 kW (428 PS)
  • Drehmoment: 543 Nm System-Drehmoment
  • Batterie: 66 kWh (brutto), 62 kWh (netto), NCM-Chemie
  • WLTP-Verbrauch: 18,2 kWh/100 km
  • WLTP-Reichweite: 400 km
  • DC-Ladeleistung: Bis zu 150 kW (10-80% in ca. 30 Minuten unter Idealbedingungen)

Der WLTP-Verbrauch von 18,2 kWh/100 km ist ein reiner Laborwert. Unsere Testfahrten im Winter bei Temperaturen zwischen -2 °C und +5 °C ergaben einen Durchschnittsverbrauch zwischen 22,5 kWh/100 km bei vorausschauender Fahrweise und bis zu 27 kWh/100 km im Kurzstreckenbetrieb mit häufigen Kaltstarts. Ein besonders extremes Beispiel aus unserem Protokoll: Eine 15 Kilometer lange Fahrt zur Arbeit bei Frost führte zu einem Bordcomputer-Wert von 27 kWh/100 km. Der Grund ist der hohe Energiebedarf für die Temperierung des Innenraums und vor allem der 62-kWh-NCM-Batterie, die erst auf Betriebstemperatur gebracht werden muss.

Diese Verbräuche reduzieren die Praxis-Reichweite drastisch. Statt der normierten 400 km sind im Winter auf der Autobahn bei einer konstanten Geschwindigkeit von 110 km/h nur noch rund 230 Kilometer realistisch, bevor der nächste Ladestopp zwingend wird. Im gemischten Betrieb aus Stadt, Landstraße und kurzen Autobahnetappen pendelte sich die Reichweite bei etwa 275 Kilometern ein. Das ist eine Abweichung von über 30 % gegenüber der WLTP-Angabe und ein Faktor, der die Langstreckentauglichkeit erheblich einschränkt.

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Parameter
Smart #1 Brabus
Volvo EX30 Twin Motor
MG4 XPower
Cupra Born (77 kWh)
Preis (Basis)
48.990 €
48.490 €
46.990 €
ca. 46.450 €*
Leistung
315 kW / 428 PS
315 kW / 428 PS
320 kW / 435 PS
170 kW / 231 PS
0-100 km/h
3,9 s
3,6 s
3,8 s
7,0 s
Batterie (netto)
62 kWh
64 kWh
61,7 kWh
77 kWh
WLTP-Reichweite
400 km
450 km
385 km
550 km
Real-Reichweite Winter (ca.)
275 km
300 km
260 km
380 km
DC-Ladeleistung (Peak)
150 kW
153 kW
140 kW
170 kW
*Letzter bekannter Basispreis; Modell in Deutschland nicht mehr frei konfigurierbar.
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Ladekurve im Kältetest: Die Fiktion der 150 kW

Die beworbene DC-Ladeleistung von bis zu 150 kW ist ebenfalls mit Vorsicht zu genießen. Dieser Wert wird nur unter optimalen Bedingungen erreicht, sprich: bei einer Batterietemperatur von etwa 25-30 °C und in einem niedrigen Ladezustand (SoC). Unsere Tests an einer 300-kW-HPC-Säule bei 7 °C Außentemperatur und mit einer nicht vorkonditionierten Batterie zeigten ein ernüchterndes Bild. Bei einem Start-SoC von 7 % begann der Ladevorgang mit lediglich 59 kW. Die Leistung stieg erst nach etwa 10 Minuten langsam an, als sich die Batteriezellen durch den Ladevorgang selbst erwärmten. Den Peak von 150 kW erreichten wir nur für ein sehr kurzes Zeitfenster zwischen 20 % und 40 % SoC, bevor die Ladekurve bereits wieder abfiel. Ab 60 % SoC lag die Leistung bereits wieder unter 100 kW, was die Gesamtladezeit verlängert. Eine manuelle Vorkonditionierung der Batterie über das Infotainmentsystem ist zwar möglich, indem man einen Lader als Navigationsziel eingibt, doch die Umsetzung ist wenig intuitiv und nicht immer zuverlässig. Während der Smart #1 sich auf das reine Laden konzentriert, zeigt die Branche bereits die nächsten Entwicklungsschritte. Technologien wie Hyundai Vehicle-to-Grid demonstrieren, wie Elektrofahrzeuge zukünftig als aktive Speicher ins Stromnetz integriert werden könnten, ein Aspekt, der bei der aktuellen Smart-Generation noch keine Rolle spielt.

Fahrdynamik und Fahrwerk: Zwischen Sportlichkeit und ESP-Debakel

Mit 315 kW Leistung und Allradantrieb ist der Smart #1 Brabus auf dem Papier eine Waffe. Die Beschleunigung aus dem Stand ist vehement und drückt die Insassen fest in die Sitze. Der Sprint von 0 auf 100 km/h in 3,9 Sekunden ist ein Wert, der vor wenigen Jahren noch Supersportwagen vorbehalten war. Doch Leistung ist nicht alles. Die entscheidende Frage ist, wie das Fahrwerk diese Kraft auf die Straße bringt. Frühe Modelle des #1 zeigten hier eklatante Schwächen, die in einem spektakulär gescheiterten Elchtest gipfelten. Das ESP war unzureichend abgestimmt und konnte das Fahrzeug bei abrupten Ausweichmanövern nicht stabilisieren. Smart reagierte und lieferte ein Software-Update (OTA), das die Regelcharakteristik des ESP deutlich verbesserte. Unser Testwagen mit aktueller Software zeigte sich hier unauffällig, wenngleich die Abstimmung des Fahrwerks einen Kompromiss darstellt. Es ist straff, um die Wankneigung der hochbauenden Karosserie zu minimieren, was jedoch zu Lasten des Abrollkomforts auf schlechten Straßen geht. Querfugen und Kanaldeckel werden spürbar an die Insassen weitergegeben. Im Vergleich zum etwas coupéhafteren SMART #3 BRABUS, der eine leicht flachere Dachlinie aufweist, wirkt der #1 im Grenzbereich nervöser.

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Technische Basis und bekannte Schwachstellen: Ein Blick unter das Blech

Der Smart #1 Brabus basiert, wie auch der Volvo EX30, auf der SEA2 (Sustainable Experience Architecture 2) Plattform des Geely-Konzerns. Der interne Entwicklungscode lautet HX11. Diese Information ist entscheidend, um technische Zusammenhänge und potenzielle Gleichteile zu verstehen. Trotz der direkten Plattform ist das Fahrzeug nicht frei von Mängeln, die sich in Foren und Werkstattberichten häufen. Für Gebrauchtwagenkäufer und Besitzer sind dies kritische Informationen.

  • Brummgeräusch von der Hinterachse: Insbesondere bei Fahrzeugen, die vor Juni 2023 produziert wurden, tritt bei Geschwindigkeiten zwischen 65 und 90 km/h ein lautes Brummen auf. Die Ursache sind defekte oder unzureichend dimensionierte Motorlager-Isolatoren an der Hinterachse. Eine Reparatur auf Garantie ist möglich, außerhalb davon jedoch kostspielig.
  • Defekte Türgriffe: Die bündig versenkten, elektrisch ausfahrenden Türgriffe sind eine bekannte Schwachstelle. Sie reagieren oft nicht mehr auf Berührung oder fahren nicht korrekt aus, was besonders bei Frost ein Ärgernis ist. Als Ursache wird häufig Feuchtigkeit im Kabelstrang vermutet.
  • Software-Instabilität: Das zentrale Infotainment-System neigt zu gelegentlichen Abstürzen und langen Ladezeiten. Auch die „Hello Smart“-App zur Fernsteuerung des Fahrzeugs leidet unter häufigen Verbindungsabbrüchen und unzuverlässiger Statusübermittlung.
  • Ausfall des On-Board-Chargers (OBC): Bei einer Reihe von Fahrzeugen aus dem Produktionszeitraum 2022 bis Q3 2023 wurde von Ausfällen des 22-kW-AC-Lademoduls berichtet. Dies hat zur Folge, dass das Fahrzeug nicht mehr an Wallboxen oder öffentlichen AC-Säulen geladen werden kann.

Diese Mängel werfen die Frage auf, ob die Qualitätssicherung bei der schnellen Entwicklung und Markteinführung gelitten hat. Es bleibt abzuwarten, ob diese Kinderkrankheiten bei zukünftigen Modellen wie dem erwarteten SMART #5 2025 ausgemerzt sein werden. Auch für den angekündigten SMART #5 Brabus wird entscheidend sein, ob Geely und Smart aus diesen Fehlern gelernt haben.

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Kostenanalyse: Der wahre Preis des Brabus-Logos

Der Basispreis ist nur ein Teil der Wahrheit. Die Kostenwahrnehmung für den Smart #1 Brabus war turbulent. Während der offizielle Basispreis bei 48.990 € liegt, ist die ausgelaufene „smart Prämie“, die den Preis für Frühbesteller effektiv auf 40.990 € drückte, für Neukunden entscheidend. Dies bedeutet einen realen Preisanstieg von 8.000 € im Vergleich zu den subventionierten Einführungskonditionen. Der im Umlauf befindliche Preis von 52.490 € entspricht keinem offiziellen Listenpreisanstieg, sondern einem bereits konfigurierten Modell mit Sonderausstattung wie einer Metallic-Lackierung. Diese Preispolitik und die weggefallene Förderung schmälern die Attraktivität des Modells erheblich.

Ein weiterer, oft übersehener Kostenfaktor sind die Versicherungseinstufungen. Der Brabus wird in Deutschland mit den Typklassen Haftpflicht 19, Teilkasko 22 und Vollkasko 25 eingestuft. Zum Vergleich: Das schwächere Modell „Premium“ liegt bei den Klassen 15/21/20. Dieser Unterschied führt zu spürbar höheren Versicherungsprämien, die mehrere hundert Euro pro Jahr betragen können. Die Kostenstruktur im Geely-Konzern ist generell ein spannendes Thema, wie unsere Volvo EX50 Analyse zeigt, wo ähnliche Plattformstrategien auf andere Preismodelle treffen.

Für Besitzer nach Ablauf der Garantiezeit werden die potenziellen Reparaturkosten relevant. Basierend auf Werkstatt- und Forenangaben sind folgende Schätzungen realistisch:

  • Tausch der Motorlager an der Hinterachse: ca. 600 – 1.200 €
  • Reparatur eines defekten Türgriffs: ca. 300 – 800 €
  • Tausch des On-Board-Chargers (OBC): ca. 1.500 – 3.000 €

Rückrufe und Service-Aktionen: Was die Werkstatt weiß

Offizielle Rückrufe bestätigen einige der Qualitätsprobleme. Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) führt mindestens zwei relevante Aktionen für den Smart #1.

Der gravierendste Rückruf (interne Aktion: TBR24003-2) betrifft das mittlere Gurtschloss der Rücksitzbank. Es besteht die Gefahr, dass bei hoher Querbeschleunigung, beispielsweise in einer scharfen Kurve, das mittlere Gurtschloss unbeabsichtigt das linke Gurtschloss entriegeln kann. Weltweit sind rund 43.772 Fahrzeuge aus dem Bauzeitraum August 2022 bis Dezember 2024 betroffen, davon etwa 18.000 in Deutschland. Die Halter werden angeschrieben und müssen eine Werkstatt aufsuchen.

Ein weiterer Rückruf (KBA-Aktion: TBA23019) wurde wegen vertauschter Typengenehmigungsnummern auf den Typenschildern und in den CoC-Papieren (Certificate of Conformity) initiiert. Dies ist zwar kein sicherheitsrelevantes, aber ein administratives Problem, das bei der Zulassung oder bei einem Wiederverkauf zu Komplikationen führen kann.

Fazit aus Jurij Senkewitsch

Der Smart #1 Brabus ist ein Fahrzeug der Extreme. Er liefert eine Beschleunigung, die in dieser Klasse ihresgleichen sucht und verpackt sie in ein modisches, kompaktes Format. Doch unter der Oberfläche offenbart unser Test erhebliche Schwächen, die potenzielle Käufer nicht ignorieren dürfen. Die Diskrepanz zwischen der WLTP-Norm und der realen Winter-Reichweite von nur 230 bis 275 Kilometern ist gravierend und macht das Fahrzeug für Fahrer ohne zuverlässige, tägliche Lademöglichkeit oder mit regelmäßigem Langstreckenbedarf zu einer Herausforderung. Die Ladeleistung bei Kälte enttäuscht und verlängert die Standzeiten an HPC-Ladern spürbar.

Hinzu kommen eine Reihe dokumentierter Qualitätsmängel, von mechanischen Geräuschen über defekte Türgriffe bis hin zu Software-Problemen, die den Eindruck eines nicht vollständig ausgereiften Produkts hinterlassen. Die hohen Versicherungseinstufungen und die drastische Preissteigerung seit der Markteinführung stellen die Wirtschaftlichkeit weiter in Frage. Der Smart #1 Brabus ist somit kein Allrounder, sondern ein Nischenfahrzeug für Enthusiasten, die bereit sind, für die brachiale Längsdynamik erhebliche Kompromisse bei Reichweite, Qualität und Betriebskosten einzugehen.

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