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Xiaomi SU7 Ultra: Neuer Nürburgring-Prototyp mit Münchner Kennzeichen und Aero-Upgrade

Xiaomi SU7 Ultra
Überarbeitete aerodynamische Stoßfängerelemente und Lufteinlässe in der Motorhaube werden auf einer Rennstrecke in Deutschland getestet.

Auf der Nürburgring-Nordschleife hat ein modifizierter Versuchsträger des Xiaomi SU7 Ultra intensive Testrunden absolviert. Der ungetarnte Prototyp fiel durch ein offizielles Münchner Elektro-Zulassungskennzeichen („M SU 7650 E“) sowie durch ein umfassend überarbeitetes Aerodynamik-Paket auf. Gegenüber dem regulären Serienmodell des viertürigen Hochleistungs-Stromers sticht vor allem ein neu konstruierter Heckflügel mit obenliegender Schwanenhals-Befestigung und erkennbar veränderten Anströmprofilen ins Auge.

Der Prototyp, der in einem blasseren Gelbton lackiert ist als das leuchtende „Lightning Yellow“ der Serienversion, behält den dreimotorigen Allradantrieb mit einer Gesamtleistung von 1.138 kW (1.548 PS) bei. Dieser setzt sich aus zwei HyperEngine V8s-Maschinen an der Hinterachse und einer V6s-Einheit an der Vorderachse zusammen. Gespeist wird der Antrieb von einer CATL Qilin II-Hochleistungsbatterie mit NMC-Zellchemie, die für Entladeraten von bis zu 1.330 kW ausgelegt ist. Die Modifikationen an Karosserie und Luftführung deuten darauf hin, dass Xiaomi gezielt an der aerodynamischen Balance für extreme Kurvengeschwindigkeiten arbeitet.

Für Branchenbeobachter in Deutschland markiert der erneute Auftritt in der Eifel die Fortsetzung des prestigeträchtigen Duells um die Krone der schnellsten viertürigen Serien-Elektrofahrzeuge gegen den Porsche Taycan Turbo GT. Während die zivile Modellpalette mit dem reichweitenstarken Xiaomi SU7 Pro den Alltagsmarkt bedient und Patentanmeldungen für den gestreckten Xiaomi SU9 LUX auf künftige Luxusansprüche hinweisen, nutzt der Technologiekonzern die Grüne Hölle als industrielles Testlabor. Die konstruktiven Details des gesichteten Testträgers fasst dieser Bericht zusammen.

Aero-Upgrade: Neuer Schwanenhals-Heckflügel mit DRS-Segment

Die auffälligste Veränderung des Versuchsträgers betrifft das Heck. Während das straßenzugelassene Serienmodell des SU7 Ultra auf einen feststehenden Kohlefaserflügel mit traditioneller Fußabstützung setzt, nutzt der neue Nordschleifen-Prototyp eine zweistufige Doppelprofil-Konstruktion. Diese ist an zwei massiven, oben angeschlagenen Schwanenhals-Pylonen (Swan-Neck Mounts) aufgehängt.

Xiaomi SU7 Ultra
Überarbeitete aerodynamische Stoßfängerelemente und Lufteinlässe in der Motorhaube werden auf einer Rennstrecke in Deutschland getestet.

Diese Konstruktionsform stammt direkt aus dem GT3-Rennsport. Da die aerodynamisch wirksamere Saugseite an der Flügelunterseite liegt, verhindert die Aufhängung von oben störende Strömungsabrisse an der Unterkante, wodurch der erzeugte Abtrieb bei gleichem Luftwiderstand um rund acht bis zwölf Prozent zulegt. Nach ingenieurtechnischer Einschätzung generiert dieser Flügelaufbau bei 250 km/h mehr als 285 Kilogramm reinen Abtrieb auf der Hinterachse (Berechnung / Schätzung), was das Heck beim Anbremsen aus Höchstgeschwindigkeit stabilisiert.

Xiaomi SU7 Ultra
Überarbeitete aerodynamische Stoßfängerelemente und Lufteinlässe in der Motorhaube werden auf einer Rennstrecke in Deutschland getestet.

Detailaufnahmen des Flügels zeigen zudem eine beweglich gelagerte Abrisskante am oberen Element. Dies deutet auf die Erprobung eines aktiven Luftwiderstands-Reduktionssystems (DRS – Drag Reduction System) hin. Auf kurvenreichen Passagen wie dem Kesselchen oder im Hatzenbach sorgt der steile Anstellwinkel für maximalen mechanischen Grip; auf langen Vollgaspassagen wie der Döttinger Höhe kann das Profil hydraulisch oder elektromechanisch flachgestellt werden, um den Topspeed jenseits von 300 km/h nicht durch übermäßigen Luftwiderstand einzubremsen.

Frontpartie und Unterboden: Gezielte Entlüftung gegen Auftrieb

Auch die vordere Fahrzeughälfte weist tiefgreifende Modifikationen auf. Der vordere Kohlefaser-Splitter ragt weiter nach vorn und geht an den Flanken in markante Luftleitelemente (Canards bzw. Dive Planes) über. Diese leiten die Luft gezielt an den Vorderrädern vorbei und erhöhen den Anpressdruck auf der Vorderachse beim Einlenken in schnelle Kurven wie das Schwedenkreuz oder den Flugplatz.

Hinter den Vorderrädern sind in den Kotflügeln geschlitzte Entlüftungslamellen (Louvres) integriert. Sie führen den im Radhaus rotierenden Überdruck kontrolliert nach außen ab, was den aerodynamischen Auftrieb an den vorderen Federdomen verringert. Auf der Fronthaube befinden sich vergrößerte Entlüftungshutzen, die den Luftstrom der schräg gestellten Wasserkühler über die Windschutzscheibe ableiten, statt ihn unter den Fahrzeugboden strömen zu lassen. Dies verhindert, dass sich unter dem flachen Unterboden ein destabilisierendes Luftpolster aufbaut.

Die Bremsanlage stützt sich auf Carbon-Keramik-Scheiben mit einem vorderen Durchmesser von 430 Millimetern und Sechskolben-Festsätteln von Akebono. Die gelb lackierten Sättel greifen auf hochtemperaturbeständige Rennbeläge zurück, die für Betriebstemperaturen von über 1.000 Grad Celsius ausgelegt sind. Bemerkenswert am Erlkönig: Trotz des radikalen Rennstrecken-Setups behält das Fahrzeug den LiDAR-Sensorkubus auf dem vorderen Dachquerträger bei. Xiaomi nutzt die harten Testrunden offensichtlich auch dazu, die mechanische Belastbarkeit optischer Sensoren und die thermische Entkopplung der Rechnereinheiten unter extremen Querbeschleunigungen von über 1,6 g zu validieren.

Münchner Kennzeichen und Ausblick auf das Modelljahr 2027

Die Zulassung auf das Kennzeichen „M SU 7650 E“ ist kein Zufall. Xiaomi unterhält in München europäische Entwicklungs- und Designkapazitäten. Die Zulassung über die Landeshauptstadt München ermöglicht es dem Hersteller, Testträger legal auf öffentlichen Verbindungsstraßen zwischen Testzentren und der Rennstrecke zu bewegen.

Branchenkreise in China werten das aufwendige Aero-Paket als Vorboten für eine verschärfte Track-Edition oder ein optionales Rennstrecken-Paket, das für das Modelljahr 2027 vorbereitet wird. Bereits mit dem seriennahen Prototyp hatte Xiaomi im Herbst 2024 eine Fabelzeit von 6:46,874 Minuten vorgelegt, die allerdings unter Nicht-Serienbedingungen mit Vollcarbon-Karosserie erzielt wurde. Das offizielle Serienfahrzeug peilt nun eine beglaubigte Rundenzeit an, um die Bestmarke des Porsche Taycan Turbo GT (7:07,55 Minuten) auf der 20,832 Kilometer langen Nordschleife anzugreifen. Die finalen Abstimmungsfahrten vor Ort belegen, dass Xiaomi diesen Rekordversuch unter realen europäischen Streckenbedingungen mit voller Konsequenz vorbereitet.

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