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Xiaomi SU7 Pro fährt 892 km im Test – doch was bleibt bei 130 km/h?

Xiaomi SU7 Pro
Xiaomi SU7 Pro

892 Kilometer mit einer Akkuladung und ein gemessener Verbrauch von nur 11,96 kWh/100 km: Der Xiaomi SU7 Pro des Modelljahres 2026 erzielte im chinesischen AH-100-Test von Autohome ein bemerkenswertes Ergebnis. Die fast fünf Meter lange Elektrolimousine erreichte damit 98,9 Prozent ihrer offiziellen CLTC-Reichweite von 902 Kilometern. Für deutsche Autofahrer ist allerdings eine andere Frage entscheidend: Wie viel von dieser Reichweite bleibt bei Autobahngeschwindigkeiten zwischen 120 und 130 km/h? Wir vergleichen die chinesischen Messergebnisse, untersuchen die technischen Grundlagen und ordnen ein, was die Werte für den europäischen Langstreckenbetrieb bedeuten.

Das AH-100-Messprotokoll: 892 Kilometer unter realen Testbedingungen

Die chinesische Automobilplattform Autohome veröffentlichte ihren Vergleich der überarbeiteten Xiaomi-SU7-Modellfamilie am 20. März 2026. Im Mittelpunkt standen die drei Varianten Standard, Pro und Max, die sich hinsichtlich Antrieb, Ausstattung und Batteriekapazität unterscheiden. Das beste Reichweitenergebnis erzielte der Xiaomi SU7 Pro mit Hinterradantrieb. Im standardisierten AH-100-Verfahren legte die Limousine 892 Kilometer zurück. Der dokumentierte Energieverbrauch betrug 11,96 kWh/100 km.

Der Test fand bei Außentemperaturen zwischen 8 und 17 °C statt. Die Klimaautomatik war auf 23 °C eingestellt. Nach mehr als 20 Stunden Fahrt erreichte das Fahrzeug einen angezeigten Batterieladestand von null Prozent. Auch die verbleibende Reichweite stand bei null.

Entscheidend für die Interpretation ist das Geschwindigkeitsprofil. Nach den von Xiaomi veröffentlichten Angaben zum Autohome-Test befanden sich zwei Personen im Fahrzeug, die Durchschnittsgeschwindigkeit lag bei 43,7 km/h. Damit bildet das Ergebnis vor allem einen gemischten Alltagsbetrieb mit moderaten Geschwindigkeiten ab. Die 892 Kilometer sind deshalb ein aussagekräftiger Effizienznachweis unter den dokumentierten Bedingungen, aber kein Beleg dafür, dass der SU7 Pro dieselbe Distanz auf deutschen Autobahnen zurücklegen könnte.

892 statt 902 Kilometer: Wie gut erreicht der Xiaomi SU7 Pro seinen CLTC-Wert?

Die offizielle Reichweitenangabe für den überarbeiteten SU7 Pro beträgt 902 Kilometer nach dem chinesischen CLTC-Prüfzyklus. Das AH-100-Ergebnis liegt lediglich zehn Kilometer darunter. Daraus ergibt sich eine Reichweitenerfüllung von rund 98,9 Prozent. Für eine große Elektrolimousine ist diese Annäherung an den Homologationswert bemerkenswert.

Allerdings unterscheiden sich CLTC und der in Europa verwendete WLTP-Zyklus in ihren Geschwindigkeitsprofilen und Prüfbedingungen. Ein CLTC-Wert lässt sich deshalb nicht über einen universell gültigen Umrechnungsfaktor in eine WLTP-Reichweite übertragen. Gerade die hohe Übereinstimmung zwischen CLTC und AH-100 muss im Zusammenhang mit der niedrigen Durchschnittsgeschwindigkeit betrachtet werden. Bei moderatem Tempo fallen die aerodynamischen Verluste deutlich geringer aus als bei längeren Autobahnetappen.

Für deutsche Käufer ist der Vergleich zwischen verschiedenen realen Geschwindigkeitsprofilen daher informativer als die reine Gegenüberstellung von CLTC- und AH-100-Kilometern.

Der zweite Reichweitentest: 533 Kilometer bei 120 km/h

Ein weiterer chinesischer Reichweitentest liefert einen wesentlich direkteren Bezug zum deutschen Autobahnverkehr. Bei einer Hochgeschwindigkeitsprüfung auf einem Rundkurs fuhr der Xiaomi SU7 Pro nach veröffentlichten Angaben mit 120 km/h und einer Zuladung von 375 Kilogramm. Das Fahrzeug erreichte dabei eine Distanz von 533 Kilometern bis zum Stillstand infolge entladener Batterie. Xiaomi verwies in seiner offiziellen Zusammenfassung auf diesen Test des chinesischen Automobilmediums Dongchedi.

Damit stehen zwei Ergebnisse für dieselbe Modellgeneration zur Verfügung, die unterschiedliche Nutzungsbedingungen abbilden:

Messgröße AH-100 Hochgeschwindigkeitstest
Reichweite 892 km 533 km
Geschwindigkeit Ø 43,7 km/h 120 km/h
Beladung 2 Personen 375 kg Zuladung
Reichweitenziel Anzeige 0 % / 0 km Fahrt bis zum Stillstand
Charakter Gemischter Alltagsbetrieb Hochgeschwindigkeitsprüfung

Die Differenz beträgt 359 Kilometer. Das entspricht einem Rückgang der gemessenen Reichweite um rund 40 Prozent gegenüber dem AH-100-Ergebnis. Dieser Unterschied ist jedoch nicht ausschließlich auf die Geschwindigkeit zurückzuführen. Auch Beladung, Teststrecke, Witterung und Abbruchkriterien waren verschieden. Die beiden Prüfungen sind deshalb keine kontrollierte Messreihe, bei der nur ein einziger Parameter verändert wurde. Dennoch zeigt der Vergleich deutlich, wie stark die tatsächlich nutzbare Reichweite eines Elektroautos vom Fahrprofil abhängt.

Aerodynamik und Antrieb: Warum der SU7 Pro effizient fährt

Die technische Grundlage des Xiaomi SU7 Pro ist eine Kombination aus strömungsgünstiger Karosserie, einem einzelnen Elektromotor und einer vergleichsweise großen Batterie. Der Xiaomi SU7 besitzt nach Herstellerangaben einen Luftwiderstandsbeiwert von cW 0,195. Dieser Wert ist für eine knapp fünf Meter lange Limousine niedrig. Die lang gezogene Dachlinie, die flache Front und die aerodynamisch gestaltete Karosserie helfen dabei, den Luftwiderstand zu reduzieren.

Allerdings beschreibt der cW-Wert allein noch nicht den gesamten aerodynamischen Widerstand. Entscheidend ist das Produkt aus Luftwiderstandsbeiwert und Stirnfläche. Eine große Limousine kann trotz niedrigem cW-Wert eine höhere absolute Widerstandsfläche besitzen als ein kleineres Fahrzeug.

Beim Antrieb setzt die Pro-Version des Modelljahres 2026 auf einen einzelnen V6S-Plus-Elektromotor an der Hinterachse. Im Gegensatz zum allradgetriebenen SU7 Max ist keine zweite Antriebseinheit an der Vorderachse erforderlich. Ein Einzelmotor-Konzept kann Gewicht und bestimmte mechanische Verluste reduzieren. Ob und in welchem Umfang daraus ein Verbrauchsvorteil entsteht, hängt jedoch vom jeweiligen Motorwirkungsgrad, der Übersetzung und der Betriebsstrategie ab.

Autohome nennt für den überarbeiteten Heckantrieb eine Leistung von 320 PS, entsprechend rund 235 kW. Damit bietet der SU7 Pro ausreichend Leistungsreserven für Überholvorgänge, ohne die zusätzliche Antriebstechnik des Max-Modells mitzuführen.

Batterietechnik: 96,3 kWh und moderne Hochvoltarchitektur

Der Xiaomi SU7 Pro des Modelljahres 2026 verfügt über eine Batterie mit 96,3 kWh Kapazität. Gegenüber dem früheren Modell wurde der Energiespeicher vergrößert. Gleichzeitig erhielt die überarbeitete SU7-Baureihe eine modernisierte elektrische Architektur. Der Pro nutzt nun eine Hochvoltarchitektur der 800-Volt-Klasse. Damit unterscheidet sich das Fahrzeug technisch deutlich vom ursprünglichen SU7 Pro mit niedrigerer Systemspannung.

Eine höhere Batteriespannung kann bei gleicher Ladeleistung die erforderliche Stromstärke reduzieren. Das schafft technische Voraussetzungen für geringere Leitungsverluste und hohe DC-Ladeleistungen. Die tatsächlich erreichbare Ladegeschwindigkeit hängt jedoch weiterhin von Batteriechemie, Temperatur, Ladestand und Ladekurve ab.

Autohome dokumentierte für den SU7 Pro eine Ladezeit von 33 Minuten zwischen 30 und 80 Prozent Batterieladestand. Dieser Messwert sollte nicht mit einer vollständigen Ladung von null auf 100 Prozent verwechselt werden. Für Langstreckenfahrer ist neben der Reichweite vor allem relevant, wie viele Kilometer sich während eines kurzen Ladestopps nachladen lassen. Eine große Batterie allein garantiert noch keine kurzen Reisezeiten.

Autobahn-Transfer: Was bedeuten 533 Kilometer bei 120 km/h für Deutschland?

Die Hochgeschwindigkeitsprüfung mit 533 Kilometern bei 120 km/h liefert einen wichtigen Orientierungspunkt. Sie erlaubt allerdings keine exakte Aussage darüber, welche Strecke der Xiaomi SU7 Pro bei konstant 130 km/h zurücklegen würde. Der Grund liegt im stark zunehmenden Luftwiderstand. Die aerodynamische Widerstandskraft steigt bei unveränderten Bedingungen quadratisch mit der Geschwindigkeit. Die dafür benötigte Antriebsleistung wächst sogar annähernd mit der dritten Potenz.

Beim Wechsel von 120 auf 130 km/h erhöht sich die aerodynamische Widerstandskraft rechnerisch um rund 17 Prozent. Der reine aerodynamische Leistungsbedarf steigt um ungefähr 27 Prozent. Der gesamte Fahrzeugverbrauch wächst allerdings nicht im gleichen Verhältnis, weil Rollwiderstand, Nebenverbraucher und Antriebsverluste anderen Zusammenhängen folgen.

Für die Reichweite bei 130 km/h bedeutet das: Sie dürfte unter vergleichbaren Bedingungen unter den gemessenen 533 Kilometern liegen. Eine konkrete Kilometerzahl wäre ohne zusätzliche Messungen oder ein transparent kalibriertes Fahrzeugmodell spekulativ. Hinzu kommt, dass deutsche Autobahnen selten ideale Konstantfahrbedingungen bieten. Baustellen, Beschleunigungsphasen, Höhenunterschiede, Gegenwind und niedrige Außentemperaturen beeinflussen den Energiebedarf.

Auch die Reichweite bis zum vollständigen Stillstand ist nicht mit einer sinnvoll nutzbaren Reiseetappe gleichzusetzen. Im Alltag planen viele Fahrer ihre Ladestopps mit einer verbleibenden Batteriereserve.

Was bedeutet das für die Ladeplanung auf langen Strecken?

Für die Reiseplanung zählt nicht allein, wie weit ein Fahrzeug theoretisch mit einer vollen Batterie kommt. Entscheidend ist die Kombination aus Autobahnverbrauch, nutzbarer Batteriekapazität, Ladeleistung und Infrastruktur. Bei einem Elektroauto mit großem Akku können längere erste Etappen möglich sein, wenn die Fahrt mit vollständig geladener Batterie beginnt. Anschließend verschiebt sich der Schwerpunkt auf die Ladegeschwindigkeit im bevorzugten SoC-Fenster.

Der Xiaomi SU7 Pro zeigt mit seinem Hochgeschwindigkeitsergebnis, dass eine große Limousine auch bei höherem Tempo eine beträchtliche Strecke ohne Ladestopp zurücklegen kann. Für eine belastbare Bewertung im deutschen Fernverkehr fehlen allerdings noch unabhängig dokumentierte Messungen bei konstanten 130 km/h einschließlich Verbrauchsanzeige, Ladezustand und Umweltbedingungen.

Ebenso wichtig wäre eine vollständige DC-Ladekurve. Erst damit ließe sich berechnen, wie lange beispielsweise eine 800-Kilometer-Fahrt mit einem oder mehreren Ladestopps tatsächlich dauert.

Konkurrenzvergleich: Tesla Model 3, BMW i4 und Mercedes EQE

Der Xiaomi SU7 Pro tritt hinsichtlich Fahrzeugformat und Langstreckenausrichtung gegen etablierte elektrische Limousinen an. Das Tesla Model 3 Long Range mit Hinterradantrieb setzt auf einen besonders effizienten Antriebsstrang und eine kleinere Karosserie. Der BMW i4 eDrive40 verbindet einen einzelnen Heckmotor mit einer großen Traktionsbatterie. Die Mercedes-Benz EQE Limousine verfolgt einen stärker komfortorientierten Ansatz mit aerodynamisch optimierter Karosserie.

Ein unmittelbarer Verbrauchsvergleich auf Grundlage von WLTP-Werten und chinesischen AH-100-Messungen wäre jedoch methodisch problematisch.

Modell Antriebskonzept Einordnung
Xiaomi SU7 Pro 2026 Heckantrieb, 1 Motor 892 km AH-100, 533 km im 120-km/h-Test
Tesla Model 3 Long Range RWD Heckantrieb, 1 Motor Europäische Effizienzreferenz
BMW i4 eDrive40 Heckantrieb, 1 Motor Sportlich ausgelegte elektrische Gran-Coupé-Limousine
Mercedes-Benz EQE 350+ Heckantrieb, 1 Motor Komfortorientierte elektrische Oberklasse

Für einen fairen Vergleich müssten alle vier Fahrzeuge auf einer identischen Strecke mit gleicher Geschwindigkeit, vergleichbarer Beladung und ähnlichen Wetterbedingungen geprüft werden. Der Xiaomi SU7 Pro liefert überzeugende Einzelresultate. Daraus lässt sich aber noch kein allgemeiner Effizienzvorsprung gegenüber sämtlichen europäischen Konkurrenten ableiten.

Technische Daten und Messwerte des Xiaomi SU7 Pro 2026

Parameter Xiaomi SU7 Pro 2026
Karosserie Elektrische Limousine
Antrieb Hinterradantrieb
Elektromotor Xiaomi V6S Plus
Leistung ca. 235 kW
Batteriekapazität 96,3 kWh
Architektur 800-Volt-Klasse
CLTC-Reichweite 902 km
AH-100-Reichweite 892 km
AH-100-Verbrauch 11,96 kWh/100 km
CLTC-Erfüllung 98,9 %
Hochgeschwindigkeitsreichweite 533 km bei 120 km/h
AH-100-Ladezeit 33 Minuten von 30 auf 80 %
Luftwiderstandsbeiwert cW 0,195

Fazit von Jurij Senkewitsch: 892 Kilometer beeindrucken, 533 Kilometer sind für Deutschland aussagekräftiger

Der Xiaomi SU7 Pro des Modelljahres 2026 zeigt, wie weit sich die Effizienz großer Elektrolimousinen inzwischen entwickelt hat. Mit 892 Kilometern im AH-100-Test erreicht das Fahrzeug nahezu seine offizielle CLTC-Reichweite. Das ist angesichts seiner Abmessungen und der dokumentierten Außentemperaturen eine beachtliche Leistung.

Für deutsche Autofahrer ist allerdings der zweite Messwert interessanter. Die 533 Kilometer aus einer Hochgeschwindigkeitsprüfung bei 120 km/h zeigen, dass der SU7 Pro auch außerhalb langsamer Stadt- und Überlandprofile über eine hohe Reichweitenreserve verfügt. Die beiden Ergebnisse machen zugleich deutlich, warum Reichweitenangaben ohne Geschwindigkeit und Testbedingungen wenig über die tatsächliche Langstreckentauglichkeit aussagen.

Die entscheidende offene Frage bleibt, wie effizient der SU7 Pro bei konstanten 130 km/h fährt und wie schnell sich seine Batterie auf längeren Reisen wieder aufladen lässt. Für einen möglichen europäischen Markteintritt wäre genau diese Kombination aus Autobahnverbrauch, Ladeleistung und alltagstauglicher Reichweite entscheidend. Der chinesische Test liefert dafür eine interessante Grundlage – einen vollständigen deutschen Praxistest ersetzt er nicht.

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