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Zeekr 9X in Europa: 897 PS, 900-Volt-Technik und gravierende Software-Mängel im Detail

Der chinesische Geely-Konzern startet mit dem Zeekr 9X, Modelljahr 2025, einen weiteren Angriff auf den europäischen Automobilmarkt. Dieses große Plug-in-Hybrid-SUV tritt mit einem Kampfpreis an, der in China bei umgerechnet rund 56.820 Euro beginnt, für Europa jedoch in einem sechsstelligen Bereich erwartet wird. Damit direkt das Fahrzeug als direkter Herausforderer für etablierte Modelle wie den BMW XM, den Porsche Cayenne E-Hybrid und den kommenden, rein elektrischen Range Rover.

Zeekr 9X: Vorderansicht
Zeekr 9X – Bild: Offenlegung / Zeekr

Allerdings ist bei den Leistungsdaten eine präzise Differenzierung notwendig: Während in China eine Tri-Motor-Version mit bis zu 1.381 PS für Schlagzeilen sorgt, ist für den europäischen Markt ausschließlich eine Dual-Motor-Variante mit einer Systemleistung von 660 kW (897 PS) bestätigt. Diese Leistung trifft auf ein Leergewicht von rund 2,9 Tonnen, was die beeindruckenden Zahlen auf dem Papier in der Praxis relativiert.

Zeekr 9X: Ansicht von rechts
Bild: Offenlegung / Zeekr

Unsere Analyse geht jedoch weit über die reinen Leistungsdaten hinaus. Wir beleuchten die technischen Fallstricke der 900-Volt-Architektur, kalkulieren die realistischen Endkosten für deutsche Käufer und decken gravierende Software- und Hardwaremängel auf, die in Nutzerforen bereits für erheblichen Unmut sorgen und für jeden potenziellen Interessenten von entscheidender Bedeutung sind.

Zeekr 9X: Rückansicht
Bild: Offenlegung / Zeekr

Antrieb und Leistungsdaten: Die europäische Realität des Zeekr 9X

Der für Europa bestimmte Zeekr 9X basiert auf der SEA-R Plattform (interner Code: EX1H), einer spezialisierten Variante der Sustainable Experience Architecture von Geely. Das Direkt ist ein Plug-in-Hybrid-System, das einen Benzinmotor mit zwei Elektromotoren kombiniert, um einen permanenten Allradantrieb zu realisieren. Die exakten Spezifikationen des Verbrennungsmotors sind seitens des Herstellers noch nicht final für den EU-Markt kommuniziert worden.

Zeekr 9X: Exterieur
Bild: Offenlegung / Zeekr

Die technischen Eckdaten der europäischen Version lesen sich wie folgt:

  • Antrieb: Dual-Motor Allradantrieb (AWD) als Plug-in-Hybrid
  • Systemleistung: 660 kW (897 PS)
  • Systemdrehmoment: Nicht final spezifiziert, Schätzungen liegen über 800 Nm
  • Beschleunigung (0-100 km/h): ca. 3,7 Sekunden (Herstellerangabe)
  • Batteriekapazität (brutto): 55,1 kWh
  • Batteriechemie: Nickel-Mangan-Cobalt (NMC) von CATL
  • Elektrische Reichweite (WLTP): 179 km
  • Kombinierte Reichweite (WLTP): 737 km
  • Leergewicht: ca. 2.900 kg

Besonders die elektrische Reichweite von 179 Kilometern nach WLTP-Norm muss kritisch betrachtet werden. Angesichts des hohen Fahrzeuggewichts von fast drei Tonnen und der großen Stirnfläche eines Full-Size-SUV ist dieser Wert unter realen Bedingungen, insbesondere im Winter bei niedrigen Temperaturen, kaum zu erreichen. Aus unseren Erfahrungen mit vergleichbar schweren Elektrofahrzeugen und Plug-in-Hybriden schätzen wir die praxisnahe elektrische Reichweite auf unter 160 Kilometer, bei Autobahntempo oder Kälte dürfte sie sogar deutlich unter 120 Kilometer fallen.

Ladeperformance unter der Lupe: Das 900-Volt-Versprechen und die fehlende Ladekurve

Zeekr bewirbt den 9X mit einer technologischen Speerspitze: einer 900-Volt-Systemarchitektur. Diese soll in Verbindung mit der NMC-Batterie von CATL extreme Ladeleistungen ermöglichen. Die offizielle Angabe lautet, dass ein Ladevorgang von 10 auf 80 Prozent State of Charge (SoC) in nur 9,5 Minuten abgeschlossen sein kann. Dies entspräche einer Laderate von bis zu 6C, was bedeutet, dass die Batterie mit dem Sechsfachen ihrer Kapazität geladen wird – ein theoretischer Wert von über 330 kW im Peak.

Zeekr 9X: An der Ladestation
Bild: Offenlegung / Zeekr

Diese Marketingaussage ist jedoch mit Vorsicht zu genießen. Eine derart hohe Ladeleistung kann nur in einem sehr kleinen SoC-Fenster und unter idealen thermischen Bedingungen (vorkonditionierte Batterie) an einer entsprechenden HPC-Ladesäule (Hyper-Charger) erreicht werden. Eine detaillierte Ladekurve, die den Verlauf der Ladeleistung über den gesamten Ladevorgang darstellt, hat Zeekr bisher nicht veröffentlicht. Es ist davon auszugehen, dass die Leistung bereits ab einem SoC von 40 bis 50 Prozent signifikant einbricht, um die Batteriezellen zu schonen. Ohne diese transparente Darstellung bleibt die Angabe von 9,5 Minuten ein reiner Laborwert mit geringer Praxisrelevanz für den durchschnittlichen Nutzer.

Interessant ist auch die in China für einige Varianten erwähnte „Freevoy“-Batterietechnologie, die Lithium-Ionen- mit Natrium-Ionen-Zellen kombinieren soll. Ziel ist eine verbesserte Kälteresistenz und Kostenreduktion. Für die europäische Version des 9X ist jedoch vorerst ausschließlich die 55,1 kWh NMC-Batterie bestätigt.

Parameter Zeekr 9X (EU-Spec, PHEV) BMW XM (PHEV) Porsche Cayenne E-Hybrid
Antriebssystem Dual-Motor AWD + Verbrenner V8-Biturbo + E-Motor V6-Turbo + E-Motor
Systemleistung 660 kW / 897 PS 480 kW / 653 PS 346 kW / 470 PS
Batteriekapazität (netto) ca. 52 kWh (geschätzt) 25,7 kWh 21,8 kWh
Elektr. Reichweite (WLTP) 179 km 82-88 km 79-90 km
Beschleunigung 0-100 km/h ca. 3,7 s 4,3 s 4,9 s
DC-Ladeleistung (max.) >300 kW (theoretisch) 7,4 kW (AC) 11 kW (AC)
Preis (geschätzt/Basis) ca. 120.000 € ab 178.000 € ab 103.399 €

Preisstruktur und Importkosten: Was der Zeekr 9X in Deutschland wirklich kostet

Offizielle Euro-Preise für den deutschen Markt hat Zeekr noch nicht bekannt gegeben. Die chinesischen Preise, die zwischen umgerechnet 56.820 € und über 73.000 € liegen, dienen jedoch nicht als realistische Orientierung. Für deutsche Käufer kommen erhebliche Zusatzkosten hinzu. Ein Blick auf die Angebote von unabhängigen Importeuren gibt eine erste Indikation: Ein Händler listet die „Hyper Edition“ des Schwestermodells Zeekr 009 für 111.270 € netto. Auf diesen Preis müssen noch 19 % Mehrwertsteuer aufgeschlagen werden, was zu einem Brutto-Endpreis von rund 132.411 € führt. Hinzu kommen Kosten für Transport und Homologation.

Für den Zeekr 9X ist daher von einem Einstiegspreis im Bereich von 120.000 bis 140.000 Euro auszugehen. Damit ist er zwar günstiger als ein BMW XM, aber deutlich teurer als ein Porsche Cayenne E-Hybrid in der Basisausstattung. Der Markteintritt chinesischer Hersteller ist vielschichtig; während der BYD startet Angriff auf den deutschen Markt mit einer breiten Palette an Volumenmodellen, zielt Zeekr mit dem 9X klar auf das obere Preissegment.

Weitere finanzielle Unbekannte bleiben bestehen. Spezifische Leasing-Angebote für den Zeekr 9X existieren in Deutschland noch nicht. Für die Versicherungseinstufung wird eine Typklasse benötigt, die erst nach Vergabe einer HSN/TSN-Nummer durch das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) festgelegt wird. Die jährliche Kfz-Steuer für Plug-in-Hybride bemisst sich nach Hubraum und CO₂-Ausstoß, deren exakte Werte für die EU-Version ebenfalls noch ausstehen.

Gravierende Mängel aufgedeckt: Software-Sperren und Hardware-Defekte

Die vielleicht kritischsten Informationen für potenzielle Käufer stammen nicht aus Hochglanzbroschüren, sondern aus der Praxis von Erstbesitzern. Eine Analyse von Nutzerforen, insbesondere aus dem russischsprachigen Raum, wo bereits einige Fahrzeuge via Grauimport unterwegs sind, fördert erhebliche Mängel zutage.

Kritischer Software-Fehler: Geofencing blockiert Fahrzeugfunktionen

Ein besonders alarmierender Vorfall betrifft die Geofencing-Funktion der Fahrzeugsoftware. Ein chinesischer Besitzer reiste mit seinem Fahrzeug nach Kasachstan. Nach dem Überqueren der Grenze sperrte die Software automatisch wesentliche Funktionen des Autos. Das Infotainment-System war blockiert, das elektronisch verriegelte Handschuhfach – in dem sich die Pässe der Insassen befanden – ließ sich nicht mehr öffnen, und auch die Tankklappe konnte nicht entriegelt werden. Dieser Zustand hielt über 30 Stunden an.

Zeekr bestätigte den Vorfall und erklärte die Funktion als Schutzmaßnahme gegen Diebstahl und unautorisierte Grauimporte. Obwohl der Hersteller ein Software-Update versprochen hat, das eine Deaktivierung dieser Sperre ermöglichen soll, wirft dieser Fall ein bezeichnendes Licht auf die totale Kontrolle des Herstellers über das Fahrzeug. Für europäische Kunden bedeutet dies ein nicht zu unterschätzendes Risiko: Wer garantiert, dass nicht auch andere Funktionen unter bestimmten, vom Hersteller definierten Bedingungen, eingeschränkt oder gesperrt werden können? Diese Abhängigkeit von der Hersteller-Software ist ein gravierender Nachteil.

Wiederkehrende Hardware-Probleme bei frühen Modellen

Neben der Software gibt es auch Berichte über handfeste Hardware-Probleme, die bei frühen Modellen des baugleichen Schwestermodells Zeekr 009, das viele Komponenten teilt, gehäuft auftreten:

  • Korrosion und Risse am Differenzialgehäuse: Mehrere Besitzer berichten von Öllecks am hinteren Differenzial bzw. Getriebe. Ursache scheint eine Materialschwäche der verwendeten Magnesiumlegierung zu sein, die zu Korrosion und Haarrissen im Gehäuse führt.
  • Defekte elektronische Türgriffe: Die bündig in der Karosserie versenkten, elektronisch ausfahrenden Türgriffe fallen laut Nutzerberichten häufig aus und verweigern den Dienst, was aufwendige Reparaturen nach sich zieht.
  • Fehlfunktionen der ausfahrbaren Trittbretter: Die optionalen, elektrisch ausfahrbaren Trittbretter fahren oft nicht korrekt ein oder aus. Als Ursache wird eine mangelhafte Montage und Kalibrierung im Werk vermutet.

Diese nutzergenerierten Mängelberichte sind von unschätzbarem Wert, da sie auf reale Schwachstellen in der Konstruktion und Fertigungsqualität hinweisen, die in offiziellen Testberichten oder Pressemitteilungen naturgemäß nicht auftauchen. Bislang sind keine offiziellen Rückrufaktionen seitens des Herstellers oder Warnungen des KBA bekannt.

Karosserie, Abmessungen und Innenraum: Ein Riese mit variabler Raumaufteilung

Mit einer Länge von über 5,20 Metern, einer Breite von über 2 Metern und einer Höhe von rund 1,85 Metern ist der Zeekr 9X eine imposante Erscheinung auf der Straße. Der Radstand von über 3,20 Metern verspricht ein großzügiges Platzangebot im Innenraum. Standardmäßig wird das Fahrzeug als Sechssitzer mit einer 2+2+2-Konfiguration angeboten. Eine selten erwähnte Fünfsitzer-Variante ist ebenfalls verfügbar und maximiert den Laderaum.

Das Kofferraumvolumen ist beachtlich: Selbst mit aufgestellter dritter Sitzreihe verbleiben 677 Liter. Werden die hinteren Sitze umgeklappt, erweitert sich das Volumen auf bis zu 2.148 Liter. Die Fünfsitzer-Version bietet hinter der zweiten Reihe bereits rund 1.000 Liter Stauraum. Die Ergonomie im Cockpit wird, wie bei vielen direkten Fahrzeugen, von großen Touchscreens dominiert. Ob die Software des Zeekr-Betriebssystems flüssig und intuitiv läuft und ob die Verarbeitung sowie die Materialqualität dem angestrebten Preisniveau entsprechen, müssen erste unabhängige Tests in Europa zeigen. Der Markt für Elektrofahrzeuge polarisiert zunehmend: Während der hier besprochene Zeekr 9X 2026 das obere Ende markiert, stellt sich an anderer Stelle die Frage: Volkswagen bringt günstiges VW ID Polo Elektroauto für unter 25.000 Euro – startet jetzt die neue -Offensive? Zeekr selbst plant, mit Modellen wie dem Zeekr 001 2026 und dem kommenden Zeekr 8X 2026 auch andere Segmente zu besetzen.

Fazit aus EvAutos25

Der Zeekr 9X ist auf dem Papier ein technologisch faszinierendes Fahrzeug. Die Systemleistung von 897 PS und die fortschrittliche 900-Volt-Architektur demonstrieren das technische Potenzial des Geely-Konzerns. Doch hinter der glänzenden Fassade verbergen sich erhebliche Risiken für europäische Kunden. Das aufgedeckte Geofencing-Problem ist mehr als nur ein Software-Bug; es ist ein fundamentaler Eingriff in die Fahrzeugautonomie und ein potenzieller Dealbreaker, solange Zeekr keine absolute Transparenz und eine für den Kunden nachvollziehbare, dauerhafte Lösung garantiert.

Die Berichte über wiederkehrende Hardware-Defekte bei korrespondierenden Modellen werfen zudem ernste Fragen zur Langzeitqualität und Zuverlässigkeit auf. Ein hoher Kaufpreis allein ist kein Garant für eine solide Verarbeitung. Potenzielle Käufer müssen die beeindruckenden Leistungsdaten gegen diese substanziellen Unsicherheiten abwägen. Hinzu kommt die noch unklare Situation bezüglich des Service- und Werkstattnetzes in Deutschland. Aktuell ist der Zeekr 9X eine Wette für technikaffine Early Adopter mit hoher Risikobereitschaft, die bereit sind, für extreme Leistung auch extreme Unwägbarkeiten in Kauf zu nehmen.

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