Range Rover Electric (2026): 118-kWh-Akku und 800 Volt – Reicht das für 600 km im Luxus-Panzer?

Die britische Traditionsmarke JLR (Jaguar Land Rover) hat sich für ihren Eintritt in die elektrische Oberklasse bemerkenswert viel Zeit gelassen. Während die deutsche Konkurrenz mit Modellen wie dem Mercedes EQS SUV längst im Luxus-Segment wütet, übten sich die Briten in britischer Zurückhaltung. Bis jetzt. Der erste vollelektrische Range Rover Electric (Modelljahr 2026) steht in den Startlöchern. Die Auftragsbücher sind geöffnet, und der Preis für das Basismodell auf dem deutschen Markt lautet: 163.500 Euro. Wer ein paar Kreuzchen in der Aufpreisliste setzt, durchbricht spielend die 200.000-Euro-Schallmauer.

Doch was bekommt man im Jahr 2026 für den Gegenwert eines ländlichen Einfamilienhauses? Einen gigantischen, fast drei Tonnen schweren Luxus-Panzer, der trotz seines rein elektrischen Antriebs optisch kaum von seinem V8-Verbrenner-Bruder zu unterscheiden ist. JLR verzichtet auf futuristische Raumschiff-Rundungen zugunsten klassischer Präsenz. Wir haben das Datenblatt des teuersten Serien-Elektro-SUVs der Insel analysiert und klären, warum 800-Volt-Technik hier pure Notwendigkeit ist – und ob die Briten den Anschluss verpasst haben.
800 Volt und 350 kW: Wenn Masse viel Strom fordert
Der neue Range Rover Electric basiert auf der flexiblen MLA-Plattform (Modular Longitudinal Architecture), die ursprünglich für Verbrenner und Plug-in-Hybride entwickelt wurde. Ein solcher „Misch-Baukasten“ ist bei echten E-Auto-Fans meist verschrien, doch JLR hat die Architektur tiefgreifend modifiziert. Im Unterboden sitzt ein gewaltiges 118,5-kWh-Batteriepaket (Lithium-Ionen).
Um diese gigantische Speicherkapazität alltagstauglich zu machen, setzen die Briten auf eine echte 800-Volt-Architektur. Und die liefert ab: An einer entsprechenden HPC-Schnellladesäule zieht der Range Rover Electric absurde 350 kW in der Spitze (Peak). Das katapultiert den Ladebalken in gerade einmal 22 Minuten von 10 auf 80 Prozent. Diese brachiale Ladeleistung ist auch zwingend notwendig, denn die WLTP-Reichweite wird mit rund 600 Kilometern angegeben. Bei Autobahnrichtgeschwindigkeit (130 km/h) dürfte die Schrankwand-Aerodynamik des Briten den realen Radius jedoch schnell auf gut 400 Kilometer zusammenschmelzen lassen.
Leistung: 850 Newtonmeter, lautlos entfesselt
Dass Elektromobilität das Konzept von Luxus neu definiert, zeigt sich beim Antrieb. Zwei Elektromotoren (Allradantrieb) generieren eine Systemleistung von 550 PS (405 kW) und ein maximales Drehmoment von 850 Newtonmetern. Das macht ihn zum drehmomentstärksten Serien-Range-Rover aller Zeiten. Den Sprint von 0 auf 100 km/h absolviert die Festung auf Rädern in brachialen 4,4 Sekunden.
Spannender als die nackten Zahlen ist jedoch die Leistungsentfaltung. Ein V8 mag brüllen, aber die völlig lautlose, vibrationsfreie Kraftentfaltung der E-Motoren passt besser zur elitären Range-Rover-DNA als je ein Verbrennungsmotor zuvor. Übrigens: Wer es etwas dynamischer, aber nicht weniger luxuriös mag, sollte einen Blick auf die Entwicklungen rund um den kleineren Range Rover Sport Electric werfen, der sich die Technik teilt.
900 Millimeter Wattiefe: Offroad-Fähigkeiten für den Großstadtdschungel
JLR wird nicht müde zu betonen, dass auch das Elektromodell ein echter Range Rover ist. Das ausgeklügelte Software-System steuert das Drehmoment an jedem Rad einzeln und im Millisekunden-Takt. Die Bodenfreiheit ist dank Luftfederung massiv, und die offizielle Wattiefe wird mit absurden 900 Millimetern angegeben. Der Akku und die Hochvolt-Verkabelung sind hermetisch abgeriegelt und wasserdicht versiegelt.
Die Realität sieht jedoch anders aus: Niemand fährt ein 163.500 Euro teures, 24-Zoll-bereiftes Luxus-SUV durch schlammige Flüsse in Schottland. Das Revier dieses Autos ist die Maximilianstraße in München oder Knightsbridge in London. Die 900 Millimeter Wattiefe sind reines Marketing – ein „Man könnte, wenn man wollte“-Versprechen für das Ego des solventen Käufers.
Konkurrenz-Check: Range Rover vs. Mercedes EQS SUV und BMW iX
Der britische Luxus-Panzer tritt nicht in einem luftleeren Raum an. Wer im Jahr 2026 rund 160.000 Euro für ein elektrisches Luxus-SUV ausgeben möchte, schaut unweigerlich nach Stuttgart und München.
Der ärgste Rivale ist der Mercedes-Benz EQS 680 SUV (Maybach). Die Schwaben verfolgen eine völlig andere Philosophie: Maximale Aerodynamik im „One-Bow-Design“. Der Mercedes sieht aus wie ein vom Wind geschliffener Kieselstein. Er verbraucht auf der Autobahn spürbar weniger Strom und übertrumpft den Range Rover in der realen Reichweite. Doch genau dieses windschlüpfige Design kostet den Mercedes die imposante, wuchtige Präsenz, die Range-Rover-Kunden so lieben.
Aus München rollt der BMW iX M60 heran. Mit 619 PS ist er stärker und fährt sich dank Carbon-Karosserie (Carbon Core) deutlich sportlicher in engen Kurven. Zudem unterbietet er den Briten beim Basispreis massiv (ab ca. 143.000 Euro). Der Haken? Die polarisierende Biberzahn-Optik des BMWs ist nicht jedermanns Sache. Wer den klassischen „Old Money“-Look sucht, greift blind zum Range Rover, der seinen elektrischen Antrieb optisch meisterhaft versteckt.
Der Lade-Schock: Was kostet eine Vollladung am HPC-Lader?
Die Kehrseite der gewaltigen 118,5-kWh-Batterie zeigt sich nicht nur beim Leergewicht von fast drei Tonnen, sondern auch an der Kasse der Schnellladestation. Die Physik lässt sich nicht betrügen: Viel Gewicht und eine schlechte Aerodynamik bedeuten viel Stromverbrauch.
Wer auf der Reise in den Skiort St. Moritz an einer Ionity-Ladesäule an der Autobahn stoppt und keinen teuren Monats-Abo-Tarif abgeschlossen hat, zahlt den Ad-hoc-Preis von rund 0,79 Euro pro Kilowattstunde. Eine Ladung von 10 auf 100 Prozent drückt über 100 kWh in den Akku. Das bedeutet: Eine einzige „Tankfüllung“ kostet knapp 85 bis 90 Euro. Zwar ist das für Käufer in dieser Einkommensklasse nur ein Schulterzucken wert, es entlarvt jedoch den Mythos, dass Elektromobilität auf der Langstrecke grundsätzlich günstiger sei als der Betrieb eines V8-Diesels.
Technische Daten: Range Rover Electric (2026)
Spezifikation |
Range Rover Electric (2026) |
Jurij Senkewitsch Analyse |
|---|---|---|
Basispreis (DE) |
163.500 € |
Astronoisch, aber in dieser Liga erwartet |
Batterie & Architektur |
118,5 kWh (800 Volt) |
Brutale Größe, kaschiert hohen Verbrauch |
Leistung & Drehmoment |
550 PS / 850 Nm |
Lautlose Überlegenheit, perfekter Luxus |
Max. DC-Ladeleistung |
350 kW (10-80% in 22 Min.) |
Absoluter Top-Wert am Markt |
WLTP-Reichweite |
ca. 600 km |
Auf der Autobahn eher realistische 400 km |
Wattiefe (Offroad) |
900 mm |
Marketing-Gag für den Großstadtdschungel |
Fazit von Jurij Senkewitsch
Ist der vollelektrische Range Rover zu spät auf der Party erschienen? Objektiv betrachtet: Ja. Die Konkurrenz von Mercedes und BMW hat bereits jahrelange Erfahrung im elektrischen Oberklasse-Segment gesammelt. Zudem ist die Basis des Range Rovers eine gemischte Verbrenner-Plattform (MLA-Flex), was in der E-Auto-Bubble eigentlich ein klares K.-o.-Kriterium darstellt.
Doch Range-Rover-Käufer scheren sich nicht um cW-Werte, Plattform-Strategien oder Vernunft. Sie kaufen Präsenz, Status und elitäre Abgeschiedenheit. Und genau das liefert dieses Auto in Perfektion. Der lautlose 550-PS-Antrieb macht den Range Rover zu einem besseren Fahrzeug, als es die nagelnden Diesel oder saufenden V8 jemals konnten. Wer 163.500 Euro ausgeben kann, um lautlos und mit 350-kW-Ladepower über die Autobahn zu gleiten, bekommt den wohl vollkommensten britischen Luxus-Panzer der Geschichte. Für den Rest der Welt bleibt er ein absurdes, dreieinhalb Tonnen schweres Statussymbol.




Hinterlassen Sie Feedback dazu