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Lucid Gravity vs. Mercedes EQS SUV (2026): Wer ist der wahre König der Reichweite?

Lucid Gravity vs. Mercedes EQS SUV
Lucid Gravity vs. Mercedes EQS SUV

Das Segment der elektrischen Luxus-SUVs jenseits der 100.000-Euro-Marke duldet keine Kompromisse. Wer in dieser Preisklasse antritt, muss nicht nur opulenten Luxus bieten, sondern die physikalischen Grenzen der Elektromobilität auf der Langstrecke verschieben. Im Jahr 2026 gipfelt dieser Anspruch in einem ultimativen Duell zweier völlig unterschiedlicher Ingenieurs-Philosophien: Der etablierte Mercedes-Benz EQS SUV trifft auf den kalifornischen Herausforderer Lucid Gravity. Es ist der Kampf der Stuttgarter Tradition gegen die radikale Effizienz aus dem Silicon Valley.

Beide Hersteller beanspruchen für sich den Thron des ultimativen Reichweiten-Königs, doch ihre Lösungsansätze könnten nicht gegensätzlicher sein. Mercedes verlässt sich auf schiere Brute-Force-Taktik und verbaut einen massiven 118-kWh-Akku in ein 2,8 Tonnen schweres Stahl-Aluminium-Schiff. Lucid hingegen setzt auf gnadenlose Miniaturisierung der Antriebskomponenten, ein 900-Volt-System und eine Aerodynamik, die in der SUV-Klasse bisher als unmöglich galt. Wir vergleichen die beiden Giganten in den Disziplinen Antriebseffizienz, Ladeleistung, Packaging und Luxus, um zu klären, wer auf der deutschen Autobahn wirklich dominiert.

Runde 1: Antrieb und Effizienz (Brute-Force gegen Miniaturisierung)

Mercedes hat beim EQS SUV nachgebessert und die nutzbare Batteriekapazität auf gewaltige 118 kWh angehoben. Der Antriebsstrang liefert im EQS 450 4MATIC souveräne 360 PS und im 580 4MATIC satte 544 PS. Das Problem der Stuttgarter liegt jedoch in der Masse und der Motor-Architektur. Das Leergewicht von fast 2.800 Kilogramm drückt gnadenlos auf die Effizienz. Bei konstanten 130 km/h auf der Autobahn genehmigt sich der EQS SUV selten unter 24 kWh/100 km. Die Reichweite schrumpft unter realen Bedingungen auf ca. 450 bis 480 Autobahn-Kilometer.

Der Lucid Gravity spielt hier in einer anderen Galaxie. CEO Peter Rawlinson (ehemaliger Chefentwickler des Tesla Model S) hat Antriebseinheiten entwickelt, die Motor, Inverter und Differential in einem Gehäuse vereinen, das in einen Flugzeug-Trolley passt. Diese radikale Miniaturisierung spart extrem viel Gewicht. Die Motoren im Gravity arbeiten mit extrem hochdrehenden Rotoren und einer kontinuierlichen Kupferwicklung, die Widerstände minimiert. Obwohl das Topmodell über 800 PS leistet, liegt der Autobahnverbrauch bei unglaublichen 18 bis 19 kWh/100 km. Bei einer Batteriekapazität von über 110 kWh durchbricht der Gravity die reale 600-Kilometer-Schallmauer auf der Autobahn mühelos.

Zwischenfazit: K.o.-Sieg für Lucid. Mercedes baut einen starken Motor, Lucid baut ein physikalisches Meisterwerk.

Runde 2: Batterie und Ladeleistung (400 Volt gegen 900 Volt)

Auf der Langstrecke entscheidet nicht nur die Reichweite, sondern die Zeit am Schnelllader. Hier zeigt der Mercedes EQS SUV sein technologisches Alter. Die EVA2-Plattform von Mercedes arbeitet weiterhin mit einer 400-Volt-Architektur. Das bedeutet, dass der Strom bei einer maximalen Ladeleistung von 200 kW physikalisch begrenzt ist, um eine Überhitzung der Kabel zu vermeiden. Ein Ladehub von 10 auf 80 Prozent bei dem massiven 118-kWh-Akku dauert quälende 31 Minuten.

Der Lucid Gravity deklassiert die Stuttgarter an der Ladesäule. Das Fahrzeug nutzt eine native 900-Volt-Architektur. An einem 350-kW-Hypercharger (wie von Ionity) zieht der Gravity in der Spitze deutlich über 300 kW. Das Resultat: In nur 15 Minuten presst der Lucid Strom für weitere 300 Kilometer in den Akku. Das Thermomanagement ist so präzise, dass die Ladekurve extrem lange auf einem hohen Niveau bleibt, bevor sie langsam abflacht.

Zwischenfazit: Sieg für Lucid. Ein Auto für über 100.000 Euro darf im Jahr 2026 keine 30 Minuten an der Ladesäule verbringen. Die 400-Volt-Technik des Mercedes ist nicht mehr zeitgemäß.

Runde 3: Platzangebot, Aerodynamik und Packaging

Beim „Packaging“ (der Raumausnutzung) scheiden sich die Geister abermals. Der Mercedes EQS SUV wirkt von außen gigantisch, verschwendet aber im Inneren wertvollen Raum. Ein Frunk (vorderer Kofferraum) existiert schlichtweg nicht. Die Motorhaube ist für den Kunden verriegelt – dahinter verbirgt sich unter anderem ein überdimensionaler HEPA-Filter. Zwar sitzt man in Reihe zwei fürstlich, doch der hohe Innenboden zwingt Erwachsene zu einem leicht angewinkelten Kniewinkel.

Der Lucid Gravity definiert den SUV-Innenraum neu. Da die Elektromotoren so klein sind, bietet der Gravity einen gigantischen Frunk von über 200 Litern – groß genug, um als Sitzgelegenheit beim Picknick zu dienen. Trotz einer flacheren und aerodynamischeren Dachlinie (cW-Wert deutlich unter dem Mercedes) passen sieben vollwertige Sitze in den Innenraum. Klappt man die hinteren Reihen um, entsteht eine völlig ebene Ladefläche, die das Volumen eines Kleintransporters erreicht.

Zwischenfazit: Sieg für Lucid. Der kalifornische SUV nutzt jeden Kubikzentimeter aus, während Mercedes an alten Verbrenner-Proportionen festhält.

Runde 4: Luxus, Verarbeitung und Software

Zieht Mercedes also in jeder Disziplin den Kürzeren? Nein. Wenn es um absolute Opulenz, Materialauswahl und Geräuschdämmung geht, ist der EQS SUV weiterhin der König. Das gigantische MBUX-Hyperscreen-System ist im Jahr 2026 extrem ausgereift, reagiert blitzschnell und navigiert mit perfekter Ladeplanung. Die Burmester-Surround-Anlage ist unerreicht, und die Verarbeitung im Innenraum (Spaltmaße, Leder, Haptik der Lüftungsdüsen) gleicht einem Tresorraum. Auf schlechten Straßen schwebt der Mercedes dank der Airmatic-Luftfederung über jeden Krater hinweg.

Der Lucid Gravity ist im Innenraum „kalifornisch elegant“, aber spürbar steriler. Das schwebende Glass-Cockpit sieht futuristisch aus, aber die Software-Stabilität (Navigations-Routing, Sprachsteuerung) von Lucid hatte in der Vergangenheit auf dem europäischen Markt immer wieder Kinderkrankheiten. Zudem reicht die Geräuschdämmung bei 160 km/h auf der deutschen Autobahn nicht ganz an die absolute Totenstille des Mercedes heran. Und ein weiterer kritischer Punkt für Käufer: Mercedes hat ein flächendeckendes Werkstattnetz in jedem deutschen Dorf. Lucid-Servicecenter lassen sich in Europa an zwei Händen abzählen.

Zwischenfazit: Sieg für Mercedes. Traditionelle deutsche Handwerkskunst und ein kugelsicheres Servicenetz stechen kalifornischen Minimalismus auf Dauer aus.

Direkter Technik-Vergleich (Die Kontrahenten)

Spezifikation
Lucid Gravity (Grand Touring)
Mercedes EQS 450 4MATIC SUV
Batterie (Nutzbar)
ca. 115 kWh
118 kWh
Systemspannung
900 Volt
400 Volt
Max. Ladeleistung (DC)
> 300 kW
200 kW
Ladezeit (10-80%)
ca. 15 Minuten
31 Minuten
Max. Reichweite (WLTP)
> 700 km
> 600 km
Frunk (Vorderer Kofferraum)
Ja (> 200 Liter)
Nein (geschlossene Haube)
Leergewicht
ca. 2.650 kg
ca. 2.805 kg

Fazit und finales Urteil von Jurij Senkewitsch

Wer ist der wahre König der Reichweite? Wenn wir das Automobil rein auf seine elektrischen Fähigkeiten reduzieren, deklassiert der Lucid Gravity den Mercedes EQS SUV bis zur Unkenntlichkeit. Lucid liefert mehr Reichweite, lädt doppelt so schnell, verbraucht deutlich weniger Strom und bietet signifikant mehr Platz bei geringerem Gewicht. Die Ingenieursleistung aus Kalifornien lässt die Stuttgarter EVA2-Plattform alt und ineffizient aussehen.

Doch ein Auto in dieser Preisklasse ist mehr als ein reines Effizienz-Werkzeug. Der Mercedes EQS SUV rettet sich über seine phänomenale Verarbeitungsqualität, das kugelsichere MBUX-System und den ultimativen Federungskomfort ins Ziel. Wer das Auto als luxuriösen Chauffeur-Wagen begreift und ohnehin gemütlich reist, wird die 400-Volt-Schwäche verzeihen.

Mein Urteil: Der Mercedes EQS SUV ist ein exzellentes Luxusauto, aber ein durchschnittliches Elektrofahrzeug. Der Lucid Gravity hingegen ist das beste Elektrofahrzeug der Welt – mit Abstrichen beim traditionellen Luxus. Wer 2026 den ultimativen technologischen Vorreiter fahren will und sich nicht an fehlenden Vertragswerkstätten stört, muss den Lucid wählen.

Jurij Senkewitsch

Fachautor für Elektromobilität bei EvAutos25. Er spezialisiert sich auf Elektroautos, Batterietechnologien und Ladeinfrastruktur sowie auf die Analyse des deutschen und europäischen E-Auto-Marktes.

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