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Nissan Interstar-e Relax by Eifelland (2026): Der 90.000-Euro-Camper, der die Gasflasche endgültig beerdigt

Nissan Interstar-e Relax by Eifelland (2026)
Nissan Interstar-e Relax

Der Caravan Salon in Düsseldorf entwickelt sich endgültig zum Schlachtfeld der neuen Antriebstechnologien. Während Volkswagen mit dem ID. California Cruise für 60.000 Euro einen schicken „Weekender“ ohne Einbauküche vorstellte, geht Nissan in Kooperation mit dem deutschen Ausbauspezialisten Eifelland in die Vollen. Der neue Nissan Interstar-e Relax (Modelljahr 2026) ist kein puristischer Lifestyle-Bus, sondern ein ausgewachsener Kastenwagen-Camper mit echtem Festbett, Dusche und Vollwert-Küche. Der Preis für dieses 100 Prozent elektrische Vanlife? Stolze 89.900 Euro.

Nissan Interstar-e Relax Camper am Bergsee
Nissan Interstar-e Relax

Doch hinter dem hohen Preis steckt technisch mehr als nur ein zum Reisemobil umgebauter Elektro-Transporter. Eifelland nutzt die 87 kWh große Hochvoltbatterie des Nissan Interstar-e, der sich seine technische Basis mit dem Renault Master E-Tech Electric teilt, nicht ausschließlich für den Antrieb. Über die Vehicle-to-Load-Funktion (V2L) kann die Traktionsbatterie auch elektrische Verbraucher im Camper versorgen. Gerade beim Elektro-Wohnmobil ist das interessant: Kochen, Kühlung und weitere Bordverbraucher können stärker elektrifiziert werden, wodurch sich der Bedarf an separaten Energiequellen wie Gas reduzieren lässt. Wir analysieren, wie sinnvoll dieses Konzept beim rund 90.000 Euro teuren Interstar-e Relax tatsächlich ist – und wo die große Antriebsbatterie beim autarken Camping Vorteile, aber auch neue Grenzen mit sich bringt.

Camper-Interieur mit Seeblick
Nissan Interstar-e Relax

V2L und Truma Eezy: Kochen und Heizen auf Hochvolt-Niveau

Das Kernkonzept des Ausbaus ist die konsequente Elektrifizierung des Wohnraums. Bisherige Wohnmobile basierten auf einem Dreiklang aus Diesel (zum Fahren), Gas (zum Kochen und Heizen) und einer kleinen 12-Volt-Aufbaubatterie (fürs Licht und die Wasserpumpe). Der Interstar-e Relax streicht Gas und Diesel komplett aus der Gleichung.

Eifelland verbaut ein 230-Volt-Induktionskochfeld und einen 90-Liter-Kompressorkühlschrank. Das absolute Highlight ist jedoch die Integration der Truma Eezy Heizung. Diese smarte Standheizung zieht ihre Energie per V2L-Schnittstelle direkt aus der 87-kWh-Traktionsbatterie des Fahrzeugs. Das bedeutet: Sie stehen tief im Herbst in den Alpen und heizen den Kastenwagen tagelang auf wohlige 22 Grad, ohne jemals an einen Landstromanschluss auf dem Campingplatz zu müssen. Da die Traktionsbatterie gigantisch ist (im Vergleich zu normalen 2-kWh-Camper-Akkus), verbraucht eine Nacht intensiven Heizens und Kochens oft weniger als fünf bis acht Prozent der Gesamtkapazität.

Innenraum: 2,6 Kubikmeter Stauraum und Echtholz

Beim Innenausbau verlässt sich Eifelland auf natürliche Materialien und eine clevere Raumaufteilung. Helle Echtholz-Oberflächen dominieren das Interieur und nehmen dem Kastenwagen seinen gewerblichen Transporter-Charme. Im Heck wartet ein vollwertiges Doppelbett mit den Maßen 1,90 x 1,60 Meter. Unter dem Bett bleibt ein gewaltiger Stauraum von rund 2,6 Kubikmetern – mehr als genug Platz für E-Bikes, Campingmöbel oder Surfausrüstung.

Das Fahrzeug ist als Viersitzer konzipiert, bietet jedoch ein modulares System: Wer zu zweit reist, kann die hinteren Sitze komplett entfernen, um den Wohn- oder Stauraum weiter zu vergrößern. Sogar an eine mobile Campingtoilette wurde im kompakten Bad-Modul gedacht.

Fahrdynamik und Reichweite: Die 87-kWh-Physik auf der Autobahn

Während der Wohnraum begeistert, erfordert die Fahrdynamik bei elektrischen Kastenwagen einen nüchternen Blick auf die Physik. Der Nissan Interstar-e wird von einem Elektromotor mit 105 kW (143 PS) und 300 Nm Drehmoment an der Vorderachse angetrieben. Das ist für einen schweren Camper keine Rakete, sorgt aber dank des E-Auto-typisch sofort anliegenden Drehmoments für ein sehr entspanntes, souveränes Anfahren an steilen Pässen.

Spannend wird es bei der Reichweite. Nissan gibt für den nackten Transporter (als Panel Van) eine WLTP-Reichweite von bis zu 410 Kilometern an. Doch ein ausgebautes Wohnmobil mit voller Zuladung, Wassertanks und Gepäck fordert seinen Tribut. Die große Stirnfläche des Fahrzeugs schlägt ab 100 km/h erbarmungslos zu. Wer auf der deutschen Autobahn dauerhaft 120 km/h fahren will, muss mit einem Verbrauch von 28 bis 32 kWh auf 100 Kilometer rechnen. Die reale Reisereichweite (von 100 auf 10 Prozent SoC) schrumpft damit auf etwa 230 bis 260 Kilometer zusammen.

Ladeleistung: Die magischen 130 kW DC

Wenn die Reichweite schrumpft, muss die Ladeleistung stimmen. Hier profitiert der Interstar-e stark von seiner modernen Plattform. An einer HPC-Schnellladesäule zieht der Camper bis zu 130 kW (DC). Damit lässt sich die schwere 87-kWh-Batterie in rund 35 Minuten von 10 auf 80 Prozent füllen. Das ist ein exzellenter Wert für die Nutzfahrzeugklasse und macht Langstreckenfahrten in den Süden Europas absolut praktikabel – zumal Wohnmobil-Fahrer ohnehin regelmäßige Pausen einplanen.

Ein weiteres massives Plus: Für das AC-Laden (Wechselstrom) am Zielort, etwa auf dem Campingplatz oder an städtischen Ladesäulen, verbaut Nissan serienmäßig einen 22-kW-Bordlader. Innerhalb von nur vier Stunden ist der Akku komplett voll.

Die Plattform-Brüderschaft: Warum der Renault Master E-Tech das Fundament legt

Um zu verstehen, warum der Interstar-e Relax technisch so reif wirkt, muss man einen Blick auf seine DNA werfen. Nissan baut diesen Transporter nicht von Grund auf neu, sondern greift auf die bewährte Allianz mit Renault zurück. Unter dem Blechkleid des Nissan Interstar-e steckt zu 100 Prozent die Technik des neuen Renault Master E-Tech. Diese Plattform, intern als „Aerovan“ bezeichnet, wurde speziell darauf getrimmt, den gigantischen Luftwiderstand von Kastenwagen zu minimieren. Mit einer stark abfallenden Dachlinie und einer schmaleren Spur an der Hinterachse senkt diese Karosserieform den cW-Wert im Vergleich zur Vorgänger-Generation um über 20 Prozent.

Für den Camper-Ausbau durch Eifelland bedeutet das: Man profitiert von einem Fahrwerk, das extrem hohe Nutzlasten verträgt, ohne an Fahrkomfort zu verlieren. Zudem bringt die Renault-Allianz die thermisch exzellent konditionierte 87-kWh-Batterie (NMC-Zellchemie) mit, die dank aktivem Thermomanagement im Winter keine Einbrüche bei der Ladeleistung erlebt. Es ist eine grundsolide europäische Nutzfahrzeug-Architektur, gepaart mit japanischem Badge-Engineering.

Das Comeback von Eifelland: Vom Wohnwagen-Pionier zum Elektro-Innovator

Dass ausgerechnet Eifelland diesen radikalen Elektro-Schritt geht, ist eine historische Pointe. Die Marke Eifelland, ursprünglich gegründet von Günther Hennerici in den 1960er Jahren, war einst eine Legende im deutschen Wohnwagenbau und revolutionierte den Markt mit leichten, erschwinglichen Caravans (und wagte sogar einen verrückten Ausflug in die Formel 1). Nach der Übernahme durch Knaus Tabbert wurde es still um den Namen.

Mit dem Nissan Interstar-e Relax meldet sich die Marke nun eindrucksvoll zurück. Sie positionieren sich nicht mehr als Budget-Hersteller für einfache Wohnwagen, sondern greifen direkt im High-End-Segment für Elektro-Vans an. Der Fokus auf Echtholz und intelligente V2L-Infrastruktur zeigt, dass die Entwickler verstanden haben, was die nächste Camper-Generation fordert: Nachhaltigkeit ohne Komfortverlust. Es ist ein mutiger Neustart, der der traditionsreichen Marke sofort einen Platz im Rampenlicht des Düsseldorfer Caravan Salons 2026 sichert.

Total Cost of Ownership: Strom gegen Diesel auf dem Weg in den Süden

Kritiker werfen dem Interstar-e Relax sofort seinen enormen Basispreis von 89.900 Euro vor. Ein vergleichbarer Diesel-Kastenwagen kostet oft 15.000 bis 20.000 Euro weniger. Doch rechnet sich der Elektro-Camper über die Jahre? Ein Vergleich der Reisekosten zeigt folgende Bilanz. Nehmen wir einen typischen Roadtrip von Deutschland nach Südfrankreich und zurück, zuzüglich Ausflügen – insgesamt rund 3.000 Kilometer.

Ein schwerer Diesel-Camper verbraucht auf der Autobahn real etwa 10,5 bis 11 Liter pro 100 Kilometer. Bei einem durchschnittlichen europäischen Dieselpreis von 1,65 Euro pro Liter landen wir bei etwa 18 Euro Kraftstoffkosten auf 100 Kilometer. Der gesamte Trip kostet somit rund 540 Euro an der Zapfsäule. Hinzu kommen die Kosten für Gasflaschen (Heizen, Kochen), die für zwei Wochen schnell noch einmal 40 bis 60 Euro verschlingen.

Der Nissan Interstar-e Relax verbraucht auf der Autobahn (bei gemütlichen 110 km/h) etwa 28 kWh/100 km. Wer klug lädt (etwa mit einem Ionity- oder Tesla-Abo für ca. 0,45 Euro/kWh), zahlt für 100 Kilometer etwa 12,60 Euro. Die 3.000 Kilometer kosten an der Schnellladesäule somit knapp 380 Euro. Das Heizen und Kochen ist dank V2L-System inklusive. Auf eine einzige große Urlaubsreise sparen Sie also bereits über 200 Euro reine Energiekosten. Addiert man die wegfallende KFZ-Steuer, geringere Wartungskosten (keine Ölwechsel, kein Zahnriemen) und die Möglichkeit, das Fahrzeug zu Hause günstig mit Solarstrom zu laden, schrumpft der Preisnachteil des E-Campers von Jahr zu Jahr deutlich.

Technische Daten: Nissan Interstar-e Relax (2026)

Spezifikation Nissan Interstar-e Relax (Eifelland) Bewertung / Relevanz
Basispreis 89.900 € Sehr teuer, aber voll ausgestattet
Batteriekapazität 87 kWh Ideal für monatelange Autarkie beim Campen
Motorleistung 105 kW (143 PS) / 300 Nm Ausreichend für gemütliches Vanlife
Ladeleistung (DC / AC) 130 kW DC / 22 kW AC Exzellenter 22-kW-AC-Lader für Campingplätze
Reale Autobahn-Reichweite ca. 230 – 260 km Typisch für E-Kastenwagen (Aerodynamik-Malus)
Heizung & Kochen Truma Eezy & Induktion (über V2L) Keine Gasflaschen mehr notwendig! (Gamechanger)

Fazit

Fast 90.000 Euro für einen umgebauten Elektro-Transporter sind ein brutaler Filter. Doch wer das Geld investiert, kauft mit dem Nissan Interstar-e Relax by Eifelland die Zukunft des Campings. Der konsequente Rausschmiss von Gas-Anlagen und Diesel-Zusatzheizungen ist ein technologischer Befreiungsschlag. Durch die V2L-Integration der 87-kWh-Batterie wird das Fahrzeug zu einem fahrenden Kraftwerk, das tagelanges, warmes Wildcampen völlig geräuschlos und abgasfrei ermöglicht.

Käufer müssen jedoch eine wichtige psychologische Hürde nehmen: Das Reisen auf der Autobahn erfordert eine „Zen-Mentalität“. Wer mit einem derart großen Kastenwagen über die Bahn hetzt, wird von der mäßigen Aerodynamik bestraft und steht nach spätestens 250 Kilometern wieder an der Ladesäule. Dank der vernünftigen 130-kW-Schnellladefunktion sind diese Pausen zwar auf 35 Minuten begrenzt, doch echte Weltreisende, die am Tag 800 Kilometer abspulen wollen, werden fluchen. Für alle anderen, bei denen der Weg bereits das Ziel ist, liefert der Interstar-e Relax das derzeit wohl kompletteste und entspannteste E-Camper-Paket am Markt.

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