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Fang Cheng Bao Ti 9: 5,27-Meter-SUV mit 66,5-kWh-Batterie und 310 km E-Reichweite

Fang Cheng Bao Ti 9 in der Nähe eines modernen Gebäudes
Fang Cheng Bao Ti 9

Auf der Chengdu Auto Show feierte im August 2026 ein Fahrzeug seine Premiere, das die technischen Grenzen zwischen reinen Elektroautos und Plug-in-Hybriden (PHEV) de facto auflöst. Der Fang Cheng Bao Ti 9 – das neue Flaggschiff der Offroad- und Premiummarke des BYD-Konzerns – misst 5,27 Meter in der Länge und durchbricht eine entscheidende Barriere: Anstelle einer üblichen Hybrid-Batterie verbaut der Hersteller einen massiven 66,48-kWh-Akku. Das Resultat ist eine rein elektrische Reichweite von 310 Kilometern (WLTC). Kombiniert mit einem Allradantrieb aus zwei jeweils 200 kW starken Elektromotoren und einem 1,5-Liter-Verbrenner als Generator zielt der Ti 9 direkt auf die Kundschaft von BMW X7, Mercedes GLS und Range Rover. Wir analysieren die nun durch das chinesische Ministerium (MIIT) bestätigten Spezifikationen und klären, warum dieses Konzept europäische Hersteller unter maximalen Druck setzt.

Fang Cheng Bao Ti 9
Fang Cheng Bao Ti 9

Bislang waren Plug-in-Hybride oft ein technischer Kompromiss: Die Batteriekapazitäten pendelten meist zwischen 15 und 25 kWh, was im europäischen Alltag für 60 bis 100 Kilometer elektrische Reichweite genügte. BYD verfolgt mit seiner Marke Fang Cheng Bao einen völlig anderen Ansatz. Das Fahrzeug ist primär ein potentes Elektro-SUV, das den Verbrennungsmotor lediglich für extreme Langstrecken oder Einsätze fernab der Ladeinfrastruktur benötigt.

1. Dimensionen und Gewichte: Am Limit der Führerscheinklasse B

Die offiziellen Homologationsdaten zeigen die schiere Präsenz des Ti 9. Mit einer Außenlänge von 5.270 Millimetern, einer Breite von 1.999 Millimetern und einer Fahrzeughöhe von bis zu 1.880 Millimetern (je nach Fahrwerks- oder Radkonfiguration) ordnet sich das SUV im absoluten F-Segment ein. Der gewaltige Radstand von 3.130 Millimetern entspricht exakt jenem des BYD Da Han EV und garantiert gigantische Platzverhältnisse im Fond sowie ausreichend Raum für den massiven Unterboden-Akku.

Besonders interessant für den potenziellen europäischen Markt ist das Gewichtsmanagement. Das Leergewicht des Fang Cheng Bao Ti 9 liegt je nach Ausstattung zwischen 2.865 und 2.965 Kilogramm. Die offiziell zulässige Gesamtmasse (zGG) ist vom Hersteller auf exakt 3.495 Kilogramm limitiert. Diese Zahl ist kein Zufall: In Europa liegt die Grenze für den regulären Pkw-Führerschein (Klasse B) bei 3.500 Kilogramm. Das Fahrzeug schöpft dieses Limit fast auf das Gramm genau aus und bietet damit eine Zuladung von 530 bis 630 Kilogramm. Wer das SUV als Zugfahrzeug nutzen möchte, kann bis zu 2.000 Kilogramm an den Haken nehmen – ein respektabler Wert für den Caravan-Einsatz.

2. Die 66,5-kWh-Batterie: Ein Akku sprengt die PHEV-Klasse

Das technische Herzstück des Fahrzeugs ist die Batterie. BYD integriert eine Lithium-Eisenphosphat-Batterie (LFP) im markentypischen Blade-Design, deren Kapazität mit 66,48 kWh zertifiziert wurde. Um diese Zahl einzuordnen: Ein voll elektrischer Basis-VW ID.4 oder ein Renault Megane E-Tech besitzen kleinere Batterien als dieser Plug-in-Hybrid. Wir kennen das Effizienz-Potenzial der neuesten Blade-Generation bereits vom BYD Qin Max EV, der mit extremen Ladekurven aufwartet. Auch beim Ti 9 dürfte die 800-Volt-Ladelogik zum Einsatz kommen, um den riesigen PHEV-Akku an der Schnellladesäule in unter 30 Minuten zu füllen.

Die daraus resultierende rein elektrische Reichweite liegt bei 310 Kilometern nach dem WLTC-Zyklus. Selbst unter Berücksichtigung von winterlichen Temperaturen und Autobahnfahrten garantiert dieser Akku eine reale E-Reichweite von deutlich über 200 Kilometern. Für über 90 Prozent der Fahrer bedeutet dies: Der Verbrennungsmotor wird im Alltag, beim Pendeln oder bei regionalen Ausflügen schlichtweg nie anspringen. Das Fahrzeug fährt sich im Alltag wie ein reines Batterie-Elektroauto (BEV).

3. Antriebsstrang: 400 kW E-Maschinen treffen auf 1.5-Liter-Generator

Die Verteilung der Leistung im Antriebsstrang entlarvt das technische Konzept des Ti 9 als elektrisch dominierten Hybrid (Series-Parallel-Hybrid). An der Vorderachse sitzt ein Elektromotor mit 200 kW (272 PS) Peak-Leistung, an der Hinterachse arbeitet eine weitere 200-kW-E-Maschine. Beide Motoren zusammen sichern einen elektrischen Allradantrieb (AWD) und eine kombinierte Spitzenleistung, die das schwere Fahrzeug in sportwagenähnlichen Zeiten auf Landstraßentempo beschleunigen dürfte. Die Höchstgeschwindigkeit ist auf 220 km/h elektronisch limitiert.

Der Verbrennungsmotor spielt hingegen nur eine Nebenrolle. Der 1,5-Liter-Turbobenziner (1.5T) liefert eine Bruttoleistung von 115 kW, die Nettoleistung wird in den Zulassungspapieren mit 110 kW (150 PS) angegeben. Diese Diskrepanz zwischen 400 kW E-Leistung und 110 kW Verbrennerleistung zeigt, dass der Ottomotor nicht darauf ausgelegt ist, das 3,5-Tonnen-Schiff bei hohen Geschwindigkeiten allein mechanisch anzutreiben. Vielmehr fungiert er bei leerer Batterie in erster Linie als hocheffizienter Range Extender, der Strom für die Elektromotoren generiert, während er im optimalen Drehzahlfenster läuft.

4. Ein Strategiewechsel, der Europa unter Druck setzt

Die Kombination aus einer 5,27 Meter langen Karosserie, massiver elektrischer Reichweite und hochwertiger Fahrwerkstechnik (wahlweise mit 21- oder 22-Zoll-Rädern) trifft den europäischen Markt zu einem sensiblen Zeitpunkt. Deutsche Premiumhersteller kämpfen aktuell hart um Marktanteile, während sie gleichzeitig strenge CO₂-Vorgaben erfüllen müssen und Elektro-Offensiven vorantreiben.

Bisherige europäische Plug-in-Hybride in der Oberklasse (wie der BMW X5 xDrive50e oder der Mercedes GLE 400 e) bieten zwar ebenfalls gute Systemleistungen, limitieren die Batteriekapazität jedoch auf rund 30 kWh. Der Fang Cheng Bao Ti 9 verdoppelt diesen Wert und eliminiert damit das Hauptargument vieler PHEV-Kritiker: dass Hybride auf langen Strecken schnell zu ineffizienten Verbrennern mutieren, die eine schwere, leere Batterie mitschleppen. Wenn der Ti 9 mit 310 Kilometern E-Reserve auf die Autobahn fährt, bleibt er auch auf der Fahrt in den Urlaub für hunderte Kilometer ein echtes Elektroauto.

5. Die technischen Spezifikationen im Überblick (MIIT-Datenbank)

Spezifikation
Fang Cheng Bao Ti 9 (2026)
Fahrzeugtyp
Großes Plug-in-Hybrid SUV (PHEV)
Länge / Breite / Höhe
5.270 mm / 1.999 mm / 1.850 – 1.880 mm
Radstand
3.130 mm
Verbrennungsmotor (ICE)
1.5-Liter Turbo (115 kW brutto / 110 kW netto)
Elektromotoren
Vorne: 200 kW / Hinten: 200 kW (AWD)
Batteriekapazität & Typ
66,48 kWh (LFP / Blade Battery)
Elektrische Reichweite
310 km (WLTC)
Leergewicht / Zul. Gesamtgewicht
2.865 – 2.965 kg / 3.495 kg
Höchstgeschwindigkeit
220 km/h
Anhängelast / Räder
Bis 2.000 kg / 21 oder 22 Zoll

Fazit und Einschätzung von Jurij Senkewitsch

Das Konzept des Fang Cheng Bao Ti 9 ist ein technischer Paukenschlag. Ein Plug-in-Hybrid mit einer Batteriekapazität, die größer ist als bei vielen reinen Elektroautos, verändert die Spielregeln im Luxus-SUV-Segment grundlegend. Bislang waren PHEVs oft steuerlich getriebene Kompromisse. Dieser 5,27-Meter-Koloss hingegen ist ein reinrassiges, potentes Elektroauto für die täglichen 200 bis 300 Kilometer, das dank seines Verbrenners lediglich die Restangst vor der Langstrecke eliminiert.

Besonders clever: Das exakt auf 3.495 Kilogramm tarierte zulässige Gesamtgewicht zeigt, dass man bei BYD den europäischen Markt und dessen B-Führerscheingrenze von 3,5 Tonnen penibel studiert hat. Sollte dieses Fahrzeug seinen Weg nach Europa finden, müssen Audi, BMW und Mercedes nicht nur ihre Preisgestaltung im F-Segment hinterfragen, sondern vor allem ihre PHEV-Batteriestrategie. Die Ausrede, man könne aus Platz- oder Gewichtsgründen keine Akkus jenseits der 40 kWh in einem SUV unterbringen, hat BYD mit dem Ti 9 soeben eindrucksvoll widerlegt.

Jurij Senkewitsch

Fachautor für Elektromobilität bei EvAutos25. Er spezialisiert sich auf Elektroautos, Batterietechnologien und Ladeinfrastruktur sowie auf die Analyse des deutschen und europäischen E-Auto-Marktes.

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