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BYD Tang EV (Gen 3): Neues 5-Sitzer-SUV lädt in 5 Minuten auf 70 Prozent

Blauer elektrischer BYD Tang EV (3. Generation) in der Nähe eines modernen Gebäudes.
BYD Tang EV (Gen 3)

Auf der Chengdu Auto Show im August 2026 hat BYD die Hüllen der dritten Generation des Tang EV fallen lassen. Der offizielle Marktstart für das Modelljahr 2026/2027 ist in China für das vierte Quartal angesetzt. Die Fakten zeigen eine radikale Neuausrichtung: Das SUV wächst in der Länge auf 5,04 Meter an, wird konzeptionell zu einem reinen Fünfsitzer umgebaut und liefert über einen 300-kW-Heckmotor Vortrieb bis zu einer abgeregelten Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h. Das absolute Highlight verbirgt sich jedoch im Unterboden. BYD verbaut hier die zweite Generation der hauseigenen Blade-Batterie (mit bis zu 105,7 kWh Kapazität). Dank einer neuen Flash-Charging-Architektur verspricht der Hersteller einen Ladehub von 10 auf 70 Prozent State of Charge (SoC) in extremen fünf Minuten. Wir analysieren das Zweikammer-Luftfahrwerk DiSus-A, die Reichweiten von bis zu 850 Kilometern (CLTC) und klären, warum BYD die Dynasty-Serie jetzt strickt in Fünf- und Siebensitzer aufteilt.

Luxuriöser elektrischer BYD Tang EV (3. Generation) in der Nähe des Büros
BYD Tang EV (Gen 3)

Der Kontext dieses Generationswechsels ist strategisch hochrelevant. Während europäische Hersteller wie Volkswagen ihre Plattform-Strategien im E-SUV-Segment oft über Jahre hinweg anpassen müssen, skaliert BYD seine Fahrwerks- und Batterietechnik derzeit im Sechs-Monats-Takt quer durch alle Baureihen. Die dritte Generation des Tang EV ist das direkte Resultat dieser Entwicklungsgeschwindigkeit.

Luxuriöses Interieur eines BYD am See
BYD Tang EV (Gen 3)

1. Strategiewechsel: Der Tang wird zum Luxus-Fünfsitzer

In den vergangenen Generationen war der BYD Tang das universelle Familien-SUV im Portfolio, das optional mit einer dritten Sitzreihe als Siebensitzer geordert werden konnte. Mit dem Modelljahr 2026 ändert sich diese Positionierung grundlegend. BYD etabliert eine „Dual-Flagship“-Strategie innerhalb der Dynasty-Baureihe. Die Rolle des massiven Siebensitzers übernimmt fortan der 5,26 Meter lange „Da Tang“ (Great Tang). Der reguläre Tang der dritten Generation wird stattdessen exklusiv als Fünfsitzer angeboten.

Ein dunkelblauer Geländewagen in der Nähe eines gläsernen Büros
BYD Tang EV (Gen 3)

Die Dimensionen bleiben dennoch imposant: 5.045 Millimeter in der Länge, 1.980 Millimeter in der Breite und 1.760 Millimeter in der Höhe. Der Radstand von 2.950 Millimetern kommt nun ausschließlich zwei Sitzreihen zugute. Das Resultat ist eine Beinfreiheit im Fond, die eher an Chauffeur-Limousinen der S-Klasse erinnert als an ein klassisches Familien-SUV. Der Wegfall der dritten Sitzreihe vergrößert zudem das Kofferraumvolumen drastisch und ermöglicht eine flachere Dachlinie im Heckbereich, was der Aerodynamik zugutekommt.

2. Blade-Batterie Gen 2: Ladezeiten am physikalischen Limit

Die Branchendiskussion um Ladezeiten dürfte mit der dritten Generation des Tang EV eine neue Härte erreichen. BYD setzt hier die zweite Generation seiner Lithium-Eisenphosphat-Zellen (LFP), der sogenannten Blade-Batterie, ein. Kunden haben die Wahl zwischen zwei großen Kapazitäten: 88,6 kWh und 105,7 kWh.

Nach dem chinesischen CLTC-Zyklus erzielt das Fahrzeug damit zertifizierte Reichweiten von 730, 830 oder in der absolut aerodynamisch optimierten Version bis zu 850 Kilometern. Rechnet man diese Werte in den realistischeren europäischen WLTP-Zyklus um, verbleiben alltagstaugliche Distanzen zwischen 550 und 650 Kilometern.

Die eigentliche Kampfansage ist jedoch das Ladesystem. BYD gibt offiziell an, dass die Hochvoltarchitektur sogenanntes „Flash-Charging“ unterstützt. Unter normalen thermischen Bedingungen soll das Akkupaket in lediglich fünf Minuten von 10 auf 70 Prozent geladen werden können. Das Erreichen der 97-Prozent-Marke soll in neun Minuten abgeschlossen sein. Ähnlich wie beim kürzlich vorgestellten Flaggschiff BYD Da Han EV beweist der Hersteller damit, dass LFP-Chemie bei korrekter thermischer Steuerung extreme C-Raten verkraften kann. Selbst bei Minusgraden im Winter soll sich die Ladezeit laut Datenblatt um maximal drei Minuten verlängern. Sollten sich diese Werte an europäischen Hyperchargern verifizieren lassen, wäre das klassische Argument der langen Ladepause bei Urlaubsfahrten endgültig obsolet.

3. Antrieb und Fahrwerk: DiSus-A und 300 kW Leistung

Auf der Antriebsseite fokussiert sich BYD beim Start der dritten Generation zunächst auf eine extrem starke Single-Motor-Konfiguration an der Hinterachse. Der Elektromotor leistet 300 kW (408 PS). Eine Besonderheit in der chinesischen Elektroauto-Landschaft, wo Fahrzeuge oft bei 180 km/h elektronisch abgeriegelt werden: Der neue Tang EV darf bis zu 250 km/h schnell rennen. Dies ist ein klares Indiz dafür, dass BYD das Fahrzeug auch für die Langstreckenanforderungen des deutschen Autobahn-Marktes konzipiert hat.

Das Fahrwerk macht einen massiven technischen Sprung. BYD verbaut serienmäßig das intelligente Karosseriekontrollsystem „DiSus-A“. Diese Architektur kombiniert eine Zweikammer-Luftfederung mit elektronisch gesteuerten Dämpfern. Ein entscheidendes Feature ist die „Road-Preview“-Funktion (Straßenvorschau): Die Sensoren scannen die Fahrbahn vor dem Auto kontinuierlich ab und passen die Dämpferhärte in Millisekunden prädiktiv an Schlaglöcher oder Bodenwellen an. Bislang war diese Technologie primär in Fahrzeugen der absoluten Luxusklasse (wie der Mercedes S-Klasse) zu finden.

4. Assistenzsysteme: LiDAR und „God’s Eye B“

Bei der Softwarearchitektur schließt BYD zum aktuellen Branchenstandard der chinesischen Premium-Liga auf. Das Fahrzeug ist mit einem Dach-LiDAR-System ausgestattet und nutzt das hauseigene Assistenz-Cluster „God’s Eye B“. Das System verarbeitet die Daten des LiDARs, der Millimeterwellen-Radare und hochauflösenden Kameras, um Funktionen wie erweitertes Navigate on Autopilot (NOA) auf Autobahnen und in städtischen Gebieten zu ermöglichen. Das Fahrzeug erkennt komplexe Verkehrssituationen, führt selbstständige Spurwechsel durch und beherrscht das vollautomatische Einparken ohne Fahrer an Bord (Valet-Parking).

5. Technische Spezifikationen im Überblick

Spezifikation
BYD Tang EV (3. Generation, 2026/2027)
Fahrzeugklasse
Mid-to-Large E-SUV (Fünfsitzer)
Länge / Breite / Höhe
5.045 mm / 1.980 mm / 1.760 mm
Radstand
2.950 mm
Antriebstyp
Hinterradantrieb (Single Motor)
Motorleistung
300 kW (408 PS)
Höchstgeschwindigkeit
250 km/h (elektronisch abgeregelt)
Batterietechnik
Blade Battery Gen 2 (LFP): 88,6 kWh / 105,7 kWh
Max. Reichweite (CLTC)
730 km, 830 km oder 850 km
Ladeleistung (Flash-Charging)
10% – 70% in ca. 5 Minuten
Fahrwerk
DiSus-A (Zweikammer-Luftfederung mit Road-Preview)

Fazit und Einschätzung von Jurij Senkewitsch

Mit der dritten Generation des Tang EV beweist BYD, dass sie die Phasen der reinen Marktdurchdringung hinter sich gelassen haben und nun den technologischen Lead im D-SUV-Segment beanspruchen. Der Verzicht auf die dritte Sitzreihe ist eine kluge Entscheidung, da sie aus dem Tang einen echten Raumgleiter macht und ihn optisch wie konzeptionell vom massiven „Da Tang“ abgrenzt.

Das wirkliche Erdbeben sind jedoch die Ladedaten. Wenn ein 105-kWh-Akku in der Praxis an einer 800-Volt- oder Megawatt-Säule tatsächlich in fünf Minuten von 10 auf 70 Prozent schießt, bricht das letzte Argument für Verbrennungsmotoren im SUV-Segment weg. In Kombination mit einem vorausschauenden Luftfahrwerk (DiSus-A) und einer Dauergeschwindigkeit von 250 km/h zimmert BYD hier ein Paket zusammen, das Audi Q8 e-tron oder BMW iX Kunden stark ins Grübeln bringen wird – vorausgesetzt, BYD preist das Fahrzeug beim kommenden Europa-Export ähnlich aggressiv ein wie in China.

Jurij Senkewitsch

Fachautor für Elektromobilität bei EvAutos25. Er spezialisiert sich auf Elektroautos, Batterietechnologien und Ladeinfrastruktur sowie auf die Analyse des deutschen und europäischen E-Auto-Marktes.

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