GAC Aion Ray 7 (2026): Die 700-km-Limousine mit Huawei-Technik jagt den Xiaomi SU7

GAC Aion vollzieht im August 2026 einen radikalen Markenumbruch. Mit der Präsentation des Ray 7 zeigt der chinesische Autobauer nicht nur ein völlig neues, illuminiertes Markenlogo, sondern gibt auch den Startschuss für die neue „Ray“-Fahrzeugserie. Die 4,96 Meter lange Elektro-Limousine bringt exakt die Hardware mit, die aktuell in der hart umkämpften asiatischen Mittelklasse den Ton angibt: eine dedizierte Hinterradantriebs-Architektur, ein 192-Zeilen-LiDAR, „DriveOne“-Motorentechnik von Huawei und eine CLTC-Reichweite von bis zu 700 Kilometern. Das Ziel ist klar definiert: GAC Aion will dem extremen Hype um den Xiaomi SU7 eine technologisch ebenbürtige Fastback-Limousine entgegensetzen. Wir analysieren das Technik-Paket und erklären, warum dieses Fahrzeug auch für die europäische Konkurrenz um den VW ID.7 zur massiven Bedrohung wird.

Bislang verband man die Marke GAC Aion in Asien oft mit Flottenfahrzeugen und Ride-Hailing-Diensten, allen voran dem robusten Aion S. Mit der neuen Ray-Serie und dem Erstlingswerk Ray 7 zielt das Unternehmen nun kompromisslos auf junge, technikaffine Privatkunden. Dass dieser Strategiewechsel mit einem optisch überarbeiteten Markenauftritt flankiert wird, ist nur die logische Konsequenz. Die wahre Substanz des Ray 7 liegt jedoch tief verborgen in seiner Elektronik- und Fahrwerksarchitektur.

1. Dimensionen und Aerodynamik: Im Windschatten der Konkurrenz
Der GAC Aion Ray 7 misst 4.960 Millimeter in der Länge, 1.900 Millimeter in der Breite und flache 1.455 Millimeter in der Höhe. Damit platziert er sich punktgenau im Segment der gehobenen elektrischen Mittelklasse und entspricht nahezu auf den Millimeter den Dimensionen eines VW ID.7, während Volkswagen derzeit unter strengem CO₂-Druck seine eigene Elektro-Offensive in genau dieser Fahrzeugklasse neu justieren muss.
Der Radstand von 2.920 Millimetern garantiert im Ray 7 großzügige Platzverhältnisse im Innenraum. Das Außendesign folgt der aerodynamischen Diktatur aktueller Elektrofahrzeuge: Eine fließende Fastback-Dachlinie, semi-integrierte Türgriffe und ein durchgehendes LED-Leuchtenband am Heck sollen den Luftwiderstand (cW-Wert) minimieren. Dies ist essenziell, um die beworbenen Reichweiten bei höheren Geschwindigkeiten auf der Autobahn auch nur annähernd zu erreichen.
2. Huawei DriveOne und 700 Kilometer Reichweite
Beim Antrieb geht GAC Aion keine Experimente ein und verlässt sich auf die Expertise des Technologiegiganten Huawei. Im Ray 7 arbeitet ein an der Hinterachse montierter „DriveOne“-Elektromotor, der eine Leistung von 180 kW (245 PS) liefert. Anders als bei vielen chinesischen Mitbewerbern, die sich mit absurden 0-100-km/h-Werten überbieten, fokussiert sich Aion bei dieser Basismotorisierung auf maximale Effizienz und einen ruhigen Leistungsaufbau für den Alltag.
Gespeist wird der Elektromotor von einer Lithium-Eisenphosphat-Batterie (LFP), die je nach Zulieferer entweder von Branchenprimus CATL oder aus der GAC-eigenen Batteriefertigung (Yinpai) stammt. Die genaue Netto-Kapazität in Kilowattstunden (kWh) wurde zur Premiere noch nicht final bestätigt, doch die Reichweite wird mit bis zu 700 Kilometern nach dem chinesischen CLTC-Zyklus spezifiziert. Rechnet man diesen Wert in den für Europa relevanten WLTP-Zyklus um, dürfte die reale Zertifizierung bei etwa 530 bis 550 Kilometern liegen. Im echten Autobahneinsatz bei 130 km/h bedeutet das erfahrungsgemäß solide 350 bis 400 Kilometer zwischen den Ladestopps.
3. Fahrwerkstechnik: Doppelquerlenker und 33 Meter Bremsweg
Das größte Defizit vieler früherer chinesischer Elektroautos war eine unzureichende Fahrwerksabstimmung. Der Ray 7 zeigt, wie schnell die Industrie lernt. Die reine Elektro-Plattform nutzt eine aufwendige Doppelquerlenker-Vorderachse und eine Fünflenker-Hinterachse. Diese Konstruktion, die man traditionell eher in Fahrzeugen von Porsche oder bei den sportlichen M-Modellen von BMW findet, sorgt für eine präzise Radführung und einen optimalen Reifenkontakt bei Kurvenfahrten.
Zusätzlich verbaut GAC Aion adaptive FSD-Dämpfer (Frequency Selective Damping), die ihre Dämpferhärte mechanisch an die Frequenz der Fahrbahnunebenheiten anpassen. Gesteuert wird die Leistungsabgabe über Huaweis „iTRACK“-System, eine intelligente Drehmomentregelung, die Schlupf an der Hinterachse in Millisekunden erkennt und ausregelt.
Ein weiteres technisches Highlight ist das elektromechanische Bremssystem (EMB), das ebenfalls von Huawei zugeliefert wird. Durch den Verzicht auf herkömmliche hydraulische Bremskraftverstärker (Brake-by-Wire) reagiert das System deutlich schneller. GAC Aion gibt einen offiziellen Bremsweg von 100 auf 0 km/h von lediglich 33 Metern an – ein Wert, der bis vor wenigen Jahren Supersportwagen mit Carbon-Keramik-Bremsen vorbehalten war und massiv zur aktiven Sicherheit der Limousine beiträgt.
4. L4-Algorithmen und der 192-Zeilen-LiDAR
Die größte Kampfansage an die europäische Konkurrenz verbirgt sich in der Sensorik. Der Aion Ray 7 ist mit insgesamt 27 Sensoren bestückt, darunter drei 4D-Millimeterwellen-Radare und ein hochauflösender 192-Zeilen-LiDAR von Huawei. Diese Hardware-Ausstattung übertrifft das, was deutsche Hersteller aktuell selbst in der absoluten Oberklasse (S-Klasse, 7er BMW) gegen hohe fünfstellige Aufpreise anbieten, bei weitem.
GAC Aion nutzt für die Steuerung der Fahrerassistenzsysteme (ADAS) Algorithmen, die aus der Entwicklung von Level-4-Robotaxis (ähnlich den Systemen von WeRide) abgeleitet wurden. Obwohl der Ray 7 kein völlig unüberwachtes, autonomes Fahren erlaubt (der Fahrer bleibt in der Verantwortung), ermöglicht die Sensorik ein extrem präzises „Navigate on Autopilot“ (NOA) in komplexen urbanen Umgebungen sowie vollautomatisiertes Parken. Das LiDAR-System erzeugt ein zentimetergenaues 3D-Abbild der Umgebung, das im Gegensatz zu reinen kamerabasierten Systemen auch bei starkem Regen, Nebel oder tiefstehender Sonne fehlerfrei funktioniert.
5. Technische Spezifikationen im Überblick
Spezifikation |
GAC Aion Ray 7 (2026) |
|---|---|
Fahrzeugklasse |
Mittelklasse-Limousine (Fastback) |
Länge / Breite / Höhe |
4.960 mm / 1.900 mm / 1.455 mm |
Radstand |
2.920 mm |
Antriebstyp |
Hinterradantrieb (RWD) |
Elektromotor |
180 kW (245 PS) – Huawei DriveOne |
Batterietechnik |
LFP (Lithium-Eisenphosphat) |
Reichweite (CLTC) |
bis zu 700 km |
Fahrwerk |
Doppelquerlenker (v) / Fünflenker (h) mit FSD |
Bremsleistung (100-0 km/h) |
33,0 Meter (Huawei EMB) |
Sensorik (ADAS) |
192-Zeilen-LiDAR, 3x 4D-Radar (Insgesamt 27 Sensoren) |
Fazit und Einschätzung von Jurij Senkewitsch
Mit Fahrzeugen wie dem GAC Aion Ray 7 oder auch dem kürzlich präsentierten BYD Qin Max EV wird deutlich, in welch rasantem Tempo sich das E-Segment in China technisch weiterentwickelt. Vor zwei Jahren reichte noch ein großes Display, um Kunden zu überzeugen. Heute definiert GAC Aion den Standard für eine Mittelklasse-Limousine durch aufwendige Doppelquerlenker-Fahrwerke, 192-Zeilen-LiDAR-Systeme und elektromechanische Bremsanlagen aus dem Regal von Huawei.
Für europäische Autohersteller ist diese Entwicklung hochgradig gefährlich. Ein Bremsweg von 33 Metern beweist, dass chinesische Autobauer nicht mehr nur auf der Geraden glänzen, sondern Fahrdynamik und Sicherheit verstanden haben. Wenn GAC Aion diese Qualität in die Serie rettet, wird der Ray 7 nicht nur dem Xiaomi SU7 das Leben schwer machen, sondern auch als mahnendes Beispiel dafür dienen, dass teure Aufpreislisten für rudimentäre Assistenzsysteme in Deutschland bald der Vergangenheit angehören müssen.




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