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Renaults 660-Kilometer-Durchbruch: Wie der E-Tech T 780 mit 95% Akku-Nutzung den Diesel im Fernverkehr angreift

Renault E-Tech T 780: Ansicht von rechts
Renault E-Tech T 780

Auf der IAA Transportation 2026 in Hannover untermauert Renault Trucks seine Ambitionen im schweren Straßengüterverkehr mit einer entscheidenden Nachricht für das europäische Transportgewerbe: Die elektrische Fernverkehrs-Sattelzugmaschine Renault Trucks E-Tech T 780 erzielt dank einer optimierten Batterienutzung eine reale Reichweite von bis zu 660 Kilometern mit einer einzigen Batterieladung. Ursprünglich mit 600 Kilometern angekündigt, steigerten die Ingenieure im französischen Produktionswerk Bourg-en-Bresse das nutzbare Batterieentladefenster (Depth of Discharge, DoD) auf bis zu 95 Prozent, wodurch der 780-kWh-Gigant nun selbst anspruchsvolle kontinentale Fernstrecken ohne zeitaufwendige Zwischenladungen bewältigt.

Renault E-Tech T 780: Vorderansicht
Renault E-Tech T 780

Das technische Fundament dieser Reichweitensteigerung bildet eine kompakte, neu konstruierte E-Achse (e-Axle) in einer 6×2-Fahrwerkskonfiguration, die zwei flüssigkeitsgekühlte Elektromotoren mit einer Dauer- und Spitzenleistung von bis zu 460 kW (623 PS) und ein integriertes Getriebe direkt an der Antriebsachse vereint. Durch den kompletten Entfall der zentralen Motoreinheit und der herkömmlichen Kardanwelle schaffen die Entwickler freies Rahmenvolumen entlang der Längsträger. Dieser Bauraum wird genutzt, um die schweren NCA-Lithium-Ionen-Akkupakete in einer tief liegenden L-Konfiguration zu platzieren, was dem 44-Tonnen-Zug einen niedrigen Schwerpunkt, ein neutrales Kurvenverhalten und eine beeindruckende Nutzlast von bis zu 27,4 Tonnen sichert.

Renault E-Tech T 780: Ansicht von rechts
Renault E-Tech T 780

Testredakteur Jurij Senkewitsch analysiert die Praxisrelevanz des französischen Langstrecken-Stromers für Speditionen in Deutschland: Auf Basis einer breit angelegten Telematik-Auswertung von über 70.000 vernetzten Renault-Lkw belegt der Hersteller, dass 660 Kilometer Reichweite bereits 80 Prozent aller täglichen Fernverkehrstouren ohne jeden Ladestopp abdecken. In Kombination mit dem Megawatt-Ladesystem (MCS), das frischen Strom mit bis zu 720 kW während der gesetzlichen 45-minütigen Fahrerpause nachlädt, und der vollständigen Befreiung von der deutschen CO2-Lkw-Maut verschiebt der E-Tech T 780 das wirtschaftliche Kräfteverhältnis zwischen Diesel und Elektroantrieb spürbar zugunsten der Nullemission.

IAA Transportation 2026: Das 95-Prozent-Batteriefenster und der Sprung auf 660 Kilometer Reichweite

Die Ankündigung eines schweren 44-Tonnen-Elektro-Lkw mit 600 Kilometern Reichweite sorgte bereits bei der ersten Vorstellung des E-Tech T 780 für Aufsehen im Logistiksektor. Doch zur IAA Transportation 2026 legte Renault Trucks nach. Das Versprechen von 600 Kilometern basierte auf einer vorsichtigen Auslegung des Batteriemanagementsystems (BMS), bei der lediglich rund 80 Prozent der Bruttokapazität (ca. 624 kWh netto) für den Fahrbetrieb freigegeben wurden, um vorzeitige Zellalterung und thermischen Stress zu minimieren.

Durch intensive Validierungsfahrten, verbesserte Zellchemie mit hochreinen NCA-Kathoden (Nickel-Cobalt-Aluminium) und ein thermisches Management mit aktiver Flüssigkeitskühlung gelang es den Ingenieuren, das nutzbare Kapazitätsfenster sicher auf bis zu 95 Prozent anzuheben. Bei einer nominalen Bruttokapazität von 780 kWh stehen den Transportunternehmern damit bis zu 741 kWh nutzbare Nettoenergie (Berechnung / eigene Berechnung) zur Verfügung. Dieser Zugewinn von über 110 kWh Nettokapazität erweitert den realen Aktionsradius auf der Autobahn um exakt 60 Kilometer auf die nun offiziell homologierten bis zu 660 Kilometer.

Für Fuhrparkleiter und Disponenten markiert diese Zahl eine psychologische und betriebliche Schwelle. Während bisherige Batterie-Lkw mit 300 bis 400 Kilometern Aktionsradius primär im regionalen Verteilerverkehr oder in Shuttle-Diensten zwischen festen Logistik-Hubs operierten, erlaubt der E-Tech T 780 die Bewältigung kompletter Fernverkehrsrouten innerhalb Deutschlands und im grenzüberschreitenden Transit: Strecken wie Hamburg–Frankfurt am Main (ca. 500 km), Köln–München (ca. 570 km) oder Stuttgart–Berlin (ca. 630 km) lassen sich ohne einen einzigen Zwischenstopp im fließenden Autobahnverkehr bei Richtgeschwindigkeit 85 km/h absolvieren.

70.000 Telematik-Lkw als Beweis: Warum 660 km für 80 Prozent aller Fernverkehrsrouten reichen

Eine der bemerkenswertesten Facetten der Produktstrategie von Renault Trucks ist die datenbasierte Rechtfertigung der 780-kWh-Batteriegröße. Anstatt theoretische Modellrechnungen aufzustellen, wertete der Hersteller die anonymisierten Telematik- und Fahrtenbuchdaten von über 70.000 vernetzten Renault Trucks Fahrzeugen über einen Zeitraum von mehr als zwei Jahren im realen europäischen Güterverkehr aus.

Die Ergebnisse dieser groß angelegten Flottenanalyse widerlegen gängige Vorurteile über angeblich unerreichbare Diesel-Distanzen:

  • 80 Prozent aller Einsatztage ohne Zwischenladen abgedeckt: Bei vier von fünf schweren Lkw im europäischen Straßengüterverkehr liegt die tatsächliche tägliche Gesamtfahrstrecke bei unter 660 Kilometern. Diese Fahrzeuge können morgens voll geladen das Depot verlassen, ihre gesamte Tagesschicht abarbeiten und abends ohne jeden Ladestopp an die betriebseigene Ladesäule zurückkehren.
  • 90 Prozent aller Einsatztage mit nur einem Ladestopp machbar: Wird während der gesetzlich ohnehin vorgeschriebenen 45-minütigen Fahrerpause ein Ladehalt an einer High-Power-Ladesäule oder einem MCS-Terminal eingelegt, erhöht sich die Reichweitenabdeckung auf satte 90 Prozent aller erfassten Routen. Lediglich 10 Prozent der Einsätze erfordern längere Distanzen, die im reinen Mehrfahrer- oder 24-Stunden-Dauerbetrieb stattfinden.
  • Präzise Tourenplanung statt Zufallslogistik: Über das bordeigene Flottenmanagementsystem Optifleet und das begleitende E-Tech-Consulting-Programm können Speditionen ihre historischen Routenprofile einspeisen. Das System berechnet grammgenau, auf welchen Relationen der E-Tech T 780 einen Diesel-Sattelzug ohne jede Fahrzeitverlängerung ersetzt.

Diese Telematikdaten verdeutlichen, dass die Elektrifizierung des Fernverkehrs kein Zukunftsszenario für das Jahr 2035 ist, sondern mit den Fahrzeuggenerationen der Jahre 2026 und 2027 unmittelbar in die wirtschaftliche Machbarkeit übergeht.

Technische Architektur: Kompakte E-Achse, 6×2-Chassis und L-förmiges Akkupaket

Um eine gigantische Batteriekapazität von 780 kWh in einer Sattelzugmaschine unterzubringen, ohne die gesetzlichen Maximallängen der EU-Richtlinie 96/53/EG zu verletzen oder das Ladevolumen für Standard-Trailer (33 Euro-Paletten) einzuschränken, war eine radikale Abkehr vom bisherigen Plattformaufbau erforderlich.

Frühere Elektro-Lkw nutzten häufig eine sogenannte Zentralmotor-Architektur: Elektromotoren saßen an der Stelle des vormaligen Dieselmotors, und die Kraftübertragung erfolgte über eine konventionelle Kardanwelle zur Hinterachse. Diese Konstruktion blockierte wertvollen Bauraum im Fahrzeugrahmen. Für den E-Tech T 780 entwickelte Renault Trucks gemeinsam mit den Entwicklungskapazitäten der Volvo-Gruppe eine hochintegrierte E-Achse (e-Axle).

Die Eigenschaften der E-Achsen-Architektur im Überblick:

  • Integrierte Antriebseinheit: Zwei flüssigkeitsgekühlte permanenterregte Synchronmotoren sowie ein mehrstufiges Schaltgetriebe sind unmittelbar in den Achskörper integriert. Die Motoren leisten kontinuierlich 460 kW (623 PS), womit der Lkw selbst voll ausgeladen an Autobahnsteigungen wie den Kasseler Bergen (A7) oder dem Aichelberg (A8) souverän mitschwimmt.
  • Befreiung des Rahmens: Durch den Wegfall des Mittelmotors und der Kardanwelle ist der gesamte Raum zwischen den Längsträgern von der Vorderachse bis zur Antriebsachse komplett frei.
  • L-förmiges Akkupaket: Renault Trucks nutzt diesen Freiraum für eine ausgeklügelte L-Konfiguration der Batteriemodule. Große Blöcke sitzen geschützt links und rechts an den äußeren Flanken des Fahrgestells, während zusätzliche Zellen tief im Zentrum des Fahrzeugrahmens montiert sind. Diese Anordnung sorgt für einen exzellenten Schwerpunkt, vermindert Wankbewegungen bei schnellen Spurwechseln und schützt die Hochvolt-Komponenten bei Seitenaufprallunfällen.
  • 6×2-Fahrwerkskonfiguration: Um das Mehrgewicht der 780-kWh-Batterie optimal auf den Asphalt zu verteilen, setzt der E-Tech T 780 auf drei Achsen. Neben der gelenkten Vorderachse und der angetriebenen E-Achse kommt eine lift- und lenkbare Nachlaufachse zum Einsatz. Sie erhöht die Wendigkeit auf engen Speditionshöfen, reduziert den Reifenverschleiß bei Leerfahrten und sichert die volle Ausschöpfung der erweiterten Gewichtsgrenzen für emissionsfreie Nutzfahrzeuge.

Dank der europäischen Sonderregelung für Zero-Emission-Vehicles (ZEV), die ein zulässiges Gesamtzuggewicht von bis zu 42 bzw. 44 Tonnen im kombinierten Verkehr erlaubt, bietet der Renault E-Tech T 780 eine Nutzlast von bis zu 27,4 Tonnen. Damit steht der Stromer einem klassischen 40-Tonnen-Dieselzug in puncto Ladekapazität in nichts nach.

780 kWh Batterie und Ladezeiten: Megawatt Charging (MCS) mit bis zu 720 kW im Praxis-Check

Eine Batterie mit 780 kWh Bruttokapazität stellt extreme Anforderungen an die Ladeinfrastruktur. Würde ein Spediteur versuchen, diesen Energiespeicher an einer Standard-Gleichstrom-Säule für Elektro-Pkw mit 150 kW aufzuladen, stünde das Fahrzeug über vier Stunden still – ein betriebswirtschaftliches Desaster im eng getakteten Speditionsalltag. Renault Trucks begegnet dieser Herausforderung mit einer doppelten Ladestrategie.

Ladesystem / Anschluss
Maximale Ladeleistung
Ladedauer (20 auf 80 % SoC)
Reichweitengewinn im Ladefenster
Typischer Einsatzbereich
MCS (Megawatt Charging System)
bis zu 720 kW DC
ca. 45 bis 50 Minuten
+ 360 bis 400 km
Gesetzliche 45-Minuten-Fahrerpause an Autobahnkorridoren
CCS Typ 2 (High-Power DC)
bis zu 350 kW DC
ca. 85 bis 95 Minuten
+ 360 bis 400 km
Zwischenstopps an Logistikrampen, Be- und Entladen
AC-Depot-Ladung
bis zu 43 kW AC (optional 22 kW)
ca. 10 bis 16 Stunden
Vollständige Ladung (0-100 %)
Nachtladung auf dem Speditionshof bei Standzeiten

Der Dreh- und Angelpunkt für den Langstreckeneinsatz ist das Megawatt Charging System (MCS). An einer entsprechenden MCS-Säule pumpt das System Gleichstrom mit bis zu 720 kW in die flüssigkeitsgekühlten NCA-Zellen. Der entscheidende Ladehub von 20 auf 80 Prozent State of Charge (SoC) dauert exakt zwischen 45 und 50 Minuten.

Dieser Zeitwert ist kein Zufall, sondern spiegelt exakt die europäische Lenk- und Ruhezeiten-Verordnung wider: Nach spätestens 4,5 Stunden reiner Lenkzeit ist jeder Lkw-Fahrer verpflichtet, eine 45-minütige Ruhepause einzulegen. Steuert der Fahrer nach rund 360 bis 400 Kilometern Fahrt einen Autohof mit MCS-Terminal an, dockt er den flüssigkeitsgekühlten MCS-Stecker an. Während der vorgeschriebenen Pause lädt der E-Tech T 780 frische 400 Kilometer Reichweite nach – ohne dass auch nur eine einzige Minute Arbeitszeit durch das Laden verloren geht.

Ein ausgeklügeltes Thermomanagement mit aktiver Wärmepumpentechnologie konditioniert die Batteriezellen bereits während der Fahrt auf das ideale Temperaturfenster zwischen 25 und 35 Grad Celsius vor, sobald die Ladesäule im bordeigenen Navigationssystem als Zwischenziel programmiert ist. Dadurch startet der Ladevorgang ohne thermische Drosselung sofort bei maximaler Ladeleistung.

Speditions-Wirtschaftlichkeit: Maut-Ersparnis von über 20.000 Euro pro Jahr auf deutschen Autobahnen

Im gewerblichen Güterverkehr entscheiden weder Umweltaspekte noch Markenprestige über den Fuhrparkkauf, sondern die unerbittliche Total Cost of Ownership (TCO) pro Kilometer. Mit einem geschätzten Netto-Anschaffungspreis von rund 330.000 bis 370.000 Euro (Prognose) ist der Renault Trucks E-Tech T 780 rund zweieinhalb- bis dreimal so teuer wie ein moderner Diesel-Sattelzug (ca. 130.000 Euro). Dennoch rechnet sich das Fahrzeug in Deutschland überraschend schnell.

Der mit Abstand mächtigste Hebel ist das deutsche Bundesfernstraßenmautgesetz (BFStrMG). Seit der Mautreform Ende 2023 wird der CO2-Ausstoß von Lkw mit einem drastischen CO2-Aufschlag belegt:

  • Klassischer Diesel-Lkw (Euro VI): Für einen 40-Tonnen-Sattelzug mit fünf Achsen beträgt die deutsche Autobahnmaut im Schnitt 34,8 Cent pro Kilometer.
  • Renault E-Tech T 780 (ZEV): Als emissionsfreies Fahrzeug (Zero Emission Vehicle) ist der E-Tech T 780 vollständig von der CO2- und Infrastrukturmaut befreit. Lediglich ein minimaler Mautanteil für reine Lärm- und Luftverschmutzung (rund 1,6 Cent/km) wird ab 2026 erhoben. Die reale Ersparnis beträgt somit rund 33,2 Cent pro Autobahnkilometer.
  • Jahresersparnis bei 120.000 Kilometern: Bei einer für den deutschen Fernverkehr konservativ kalkulierten Jahreslaufleistung von 120.000 Kilometern auf mautpflichtigen Straßen spart der E-Tech T 780 allein an Autobahnmaut rund 19.920 bis 21.500 Euro pro Jahr (Berechnung / eigene Berechnung).
  • 5-Jahres-Bilanz: Über eine branchentypische Erstbesitzdauer von fünf Jahren (600.000 km) summiert sich der reine Mautvorteil auf nahezu 105.000 Euro.

Hinzu kommen erhebliche Betriebskostenvorteile bei den Energiekosten: Während ein 40-Tonnen-Diesel bei 85 km/h Autobahngeschwindigkeit rund 28 bis 31 Liter Diesel auf 100 km verbraucht (bei 1,45 Euro/Liter netto ca. 42 bis 45 Euro/100 km), benötigt der E-Tech T 780 rund 98 bis 108 kWh Strom auf 100 km. Bezieht das Logistikunternehmen günstigen Industriestrom oder eigenen Photovoltaikstrom im Betriebshof zu durchschnittlich 18 bis 22 Cent pro kWh netto, sinken die Energiekosten auf rund 19 bis 24 Euro pro 100 km. Der Treibstoffkostenvorteil beträgt damit weitere 15.000 bis 20.000 Euro jährlich.

Unter Berücksichtigung reduzierter Wartungskosten (keine Motorölwechsel, kein AdBlue, kaum Verschleiß an mechanischen Betriebsbremsen durch intensive Rekuperation) erreicht der E-Tech T 780 seinen Amortisationspunkt gegenüber einem Diesel-Lkw im deutschen Fernverkehr bereits nach rund 3,5 bis 4 Jahren (Berechnung / eigene Berechnung).

Direkter technischer Vergleich: Renault Trucks E-Tech T 780 vs. Volvo FH Aero vs. Mercedes eActros 600 vs. MAN eTGX vs. Scania 45 R

Wie positioniert sich der französische 660-Kilometer-Sattelzug gegenüber den stärksten Rivalen auf den europäischen Autobahnen? Die Redaktion von evautos25.de vergleicht die offiziellen und verifizierten Kenndaten der Schwerlast-Elite.

Kriterium / Lkw-Modell
Renault Trucks E-Tech T 780
Volvo FH Aero Electric Ext. Range
Mercedes-Benz eActros 600
MAN eTGX
Scania 45 R
Antriebsarchitektur
E-Achse (2 integrierte E-Motoren)
E-Achse (2 integrierte E-Motoren)
E-Achse (2 integrierte E-Motoren)
Zentralmotor + Kardanwelle
Zentralmotor + Kardanwelle
Chassis-Konfiguration
6×2 (Sattelzugmaschine & Fahrgestell)
4×2 / 6×2
4×2 / 6×2
4×2 / 6×2
4×2 / 6×2
Dauer- / Spitzenleistung
460 kW (623 PS)
460 kW (623 PS)
400 kW Dauer / 600 kW Peak
330 kW Dauer / 399 kW Peak
410 kW Dauer / 450 kW Peak
Batteriekapazität brutto / netto
780 kWh brutto / ca. 741 kWh netto (95 % DoD)
ca. 750 kWh brutto / ca. 650 kWh netto (geschätzt)
621 kWh brutto / ca. 560 kWh netto
bis zu 534 kWh brutto / 444 kWh netto
624 kWh brutto / 468 kWh netto
Zellchemie
NCA (Lithium-Nickel-Cobalt-Aluminium)
NMC (Lithium-Nickel-Mangan-Cobalt)
LFP (Lithium-Eisenphosphat)
NMC (Lithium-Nickel-Mangan-Cobalt)
NMC (Northvolt-Zellen)
Reale Fernverkehrs-Reichweite
bis zu 660 km
bis zu 700 km
bis zu 500 km
bis zu 500 km
bis zu 520 km
Megawatt Charging (MCS)
bis zu 720 kW
bis zu 700 kW
bis zu 1.000 kW (1 MW vorbereitet)
bis zu 750 kW
bis zu 750 kW
Ladezeit 20–80 % (MCS)
ca. 45–50 Minuten
ca. 50 Minuten
ca. 30 Minuten (bei 1 MW)
ca. 45 Minuten
ca. 45 Minuten
Standard-DC-Laden (CCS)
bis zu 350 kW
bis zu 350 kW
bis zu 400 kW
bis zu 375 kW
bis zu 375 kW
Nutzlast
bis zu 27,4 Tonnen
bis zu 28,0 Tonnen
rund 22 Tonnen
rund 24 Tonnen
rund 23 Tonnen
Produktionsstandort
Bourg-en-Bresse (Frankreich)
Tuve, Göteborg (Schweden)
Wörth am Rhein (Deutschland)
München (Deutschland)
Södertälje (Schweden)
Markteinführung / Serie
Modelljahr 2026/2027
Herbst 2026
Ende 2024 / Serienhochlauf 2025/2026
Modelljahr 2025/2026
Modelljahr 2025/2026

Der Vergleich zeigt deutliche Profilunterschiede: Während Mercedes-Benz mit dem eActros 600 auf langlebige, zyklenfeste LFP-Zellen mit 500 Kilometern Reichweite und extrem schnelles Megawatt-Laden setzt, maximieren Renault Trucks und Konzernschwester Volvo die Bordenergie durch gewaltige Batterieblöcke jenseits von 750 kWh. Renault Trucks sichert sich mit dem E-Tech T 780 und seinen 660 Kilometern eine Spitzenposition im kontinentalen Fernverkehr, die Speditionen maximale operative Flexibilität bei der Routenwahl gewährt.

Vor- und Nachteile im Speditions-Check: Stärken und Herausforderungen für Fuhrparkleiter

Vorteile des Renault Trucks E-Tech T 780:

  • Echte Langstreckentauglichkeit: Bis zu 660 Kilometer Reichweite ohne Zwischenstopp decken 80 Prozent aller täglichen Transporte vollständig ab.
  • 95 Prozent nutzbares Batteriefenster: Herausragende Energiedichte und modernste BMS-Regelung schöpfen das Potenzial der 780-kWh-Batterie optimal aus.
  • Synchronisation mit gesetzlichen Pausen: Megawatt-Laden mit bis zu 720 kW ermöglicht 400 Kilometer frische Reichweite während der gesetzlichen 45-Minuten-Fahrerpause.
  • Massive Mautvorteile in Deutschland: Befreiung von der CO2-Lkw-Maut spart rund 20.000 Euro pro Fahrzeug und Jahr bei 120.000 Kilometern Jahresfahrleistung.
  • Hohe Nutzlast dank 6×2-Konfiguration: Bis zu 27,4 Tonnen Zuladung bei 44 Tonnen Gesamtzuggewicht im kombinierten Verkehr.
  • Umfassendes Garantiepaket: Renault Trucks garantiert die Verfügbarkeit der Batteriekapazität für bis zu 8 Jahre oder 1.000.000 Kilometer im Rahmen des E-Tech-Servicevertrags.

Herausforderungen und Nachteile:

  • Hohe Anschaffungskosten: Rund 330.000 bis 370.000 Euro erfordern erhebliche Vorabinvestitionen oder maßgeschneiderte Leasing- und Pay-per-Use-Finanzierungsmodelle.
  • Noch lückenhafte MCS-Ladeinfrastruktur: Öffentliche Megawatt-Ladeparks entlang der deutschen Autobahnen (wie Milence oder HoLa-Konsortium) befinden sich im Aufbau und decken das Netz bis 2026/2027 erst punktuell ab.
  • Erhöhter Leistungsbedarf am Betriebshof: Um mehrere E-Tech T 780 über Nacht parallel aufzuladen, benötigen Speditionen eigene Mittelspannungsanschlüsse und Transformatorenstationen im Megawattbereich.
  • NCA-Zellchemie: Zwar extrem energiedicht, verlangt jedoch ein präzises Temperaturmanagement bei extremen Wintertemperaturen unter minus 15 Grad Celsius.

Jurij Senkewitschs Fazit: Für welche Flotten der E-Tech T 780 der Durchbruch ist – und wer noch warten muss

Mit dem Renault Trucks E-Tech T 780 verlässt die Elektromobilität im schweren Straßengüterverkehr endgültig das Experimentierstadium. Wer bisher behauptete, schwere Elektro-Lkw taugten nur für den städtischen Verteilerverkehr oder feste Werksrouten, wird durch diesen 660-Kilometer-Sattelzug widerlegt. Die Entscheidung von Renault Trucks, auf Basis von 70.000 vernetzten Telematik-Fahrzeugen konsequent auf 780 kWh Bruttokapazität und ein 95-Prozent-Entladefenster zu setzen, ist ein Meisterstück praxisorientierter Nutzfahrzeug-Entwicklung.

Für wen ist der Renault E-Tech T 780 der ideale Lkw?
Speditionen und Logistikdienstleister, die im planbaren nationalen Fernverkehr (Relationen zwischen 400 und 600 Kilometern pro Schicht) operieren, finden im E-Tech T 780 das derzeit wirtschaftlichste Werkzeug. Durch die deutsche Mautbefreiung von über 20.000 Euro pro Jahr und günstige Stromtarife an eigenen Depotladern amortisiert sich der Mehrpreis gegenüber einem Diesel-Zug zügig. Insbesondere Flotten mit fester Depot-Infrastruktur, die nachts laden können, erzielen sofortige Kostenvorteile bei maximaler Planungssicherheit.

Wer sollte vorerst noch abwarten?
Spediteure, die im unplanbaren internationalen Trampverkehr kreuz und quer durch Süd- und Osteuropa unterwegs sind und keine festen Heimatbasen ansteuern, müssen abwarten, bis das europäische MCS-Ladenetzwerk entlang der TEN-V-Korridore lückenlos verdichtet ist. Auch für reine Schwertransporte mit Gesamtzuggewichten jenseits von 48 Tonnen oder permanente 24/7-Doppelbesatzungen ohne Standzeiten bleibt der Diesel kurzfristig die unkompliziertere Alternative. Für den regulären deutschen und mitteleuropäischen Linien-Fernverkehr hingegen hat die Ära des elektrischen Langstrecken-Trucks mit dem Renault E-Tech T 780 offiziell begonnen.

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