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Nissan NX8 fährt 581,7 km im Test: 68 km weniger als versprochen

Nissan NX8: Ansicht von rechts
Nissan NX8

Im standardisierten Praxistest der chinesischen Automobilplattform Autohome hat das neue Elektro-SUV Nissan NX8 in der gehobenen Ausstattungslinie „650 MAX“ eine gemessene Gesamtreichweite von 581,7 Kilometern erzielt. Gegenüber der offiziellen Herstellerangabe nach dem chinesischen Prüfzyklus CLTC (650 Kilometer) bedeutet dies ein rechnerisches Minus von exakt 68,3 Kilometern. Während eine Verfehlung der Werksreichweite auf den ersten Blick ernüchternd wirkt, offenbart der Blick auf das Testprotokoll ein anderes Bild: Mit einer Quotenauslastung von 89,5 Prozent schneidet das 4,87 Meter lange SUV im realen Verkehrsfluss deutlich stabiler ab als viele direkte Wettbewerber, die unter Alltagsbedingungen oft 20 bis 25 Prozent ihrer Laborwerte einbüßen.

Nissan NX8: Ansicht von links
Nissan NX8

Das von Dongfeng Nissan entwickelte Fahrzeug basiert auf der neuen Elektro-Plattform „Tianyan 2.0“ und verfügt über ein 800-Volt-Hochvoltsystem sowie ein rund 81 Kilowattstunden fassendes CATL-Batteriepaket. Angetrieben wird die Version 650 MAX von einer permanentmagneterregten Synchronmaschine an der Hinterachse, die 250 kW (340 PS) leistet und ein Drehmoment von 310 Newtonmetern bereitstellt. Im gemischten Streckenprofil aus Innenstadtpassagen, Ringautobahnen und Schnellstraßenabschnitten pendelte sich der durchschnittliche Energieverbrauch bei 15,42 Kilowattstunden pro 100 Kilometer ein.

Nissan NX8: Rückansicht
Nissan NX8

Für die europäische Fachwelt liefert der Test des NX8 wertvolle Anhaltspunkte über den technologischen Neustart traditioneller Hersteller im asiatischen Leitmarkt. Während europäische Nissan-Kunden beim Ariya weiterhin mit einer 400-Volt-Architektur und maximal 130 kW Ladeleistung auskommen müssen, zeigt das chinesische Joint-Venture mit 800-Volt-Technik und Momenta-Assistenzsystemen das künftige Leistungsniveau der Marke. Wie sich die gemessenen 581,7 Kilometer im Vergleich zu Fahrzeugen wie dem Toyota bZ4X, dem kommenden Toyota Corolla Cross EV oder Plattform-Verwandten wie dem Dongfeng Yipai M8 einordnen und welche Reichweite auf deutschen Autobahnen realistisch bleibt, analysiert dieser Technik-Check.

Das Messprotokoll: 581,7 Kilometer im standardisierten AH-100-Zyklus

Das standardisierte AH-100-Verfahren von Autohome spiegelt das Fahrprofil eines anspruchsvollen Pendleralltags wider. Die Prüffahrt des Nissan NX8 fand unter gemäßigten klimatischen Bedingungen bei Außentemperaturen zwischen 14 und 23 Grad Celsius statt – ein Temperaturfenster, in dem Lithium-Ionen-Akkus weder durch extreme Kälte noch durch intensive Batteriekühlung übermäßig belastet werden.

Das Streckenprofil teilte sich in zwei Abschnitte auf:

  • Städtischer und suburbaner Zyklus: Absolviert bei dichtem Verkehrsaufkommen mit zahlreichen Ampelstopps, Kreisverkehren und Tempolimits bis 60 km/h. Die durchschnittliche Geschwindigkeit lag in diesem Teilabschnitt bei rund 31 km/h.
  • Schnellstraßen- und Umfahrungszyklus: Gleichmäßige Fahrt auf mehrspurigen Schnellstraßen mit Zielgeschwindigkeiten zwischen 90 und 110 km/h, woraus eine mittlere Testgeschwindigkeit von 46,8 km/h über die gesamte Distanz resultierte.

Die Zwei-Zonen-Klimaautomatik war während des gesamten Tests auf konstante 23 Grad Celsius eingestellt, die Belüftung der vorderen Sitze aktiv und die Rekuperation im Standard-Fahrprogramm auf mittleres Verzögerungsniveau kalibriert. Nach 581,7 gefahrenen Kilometern schaltete das Batteriemanagementsystem den Antriebsstrang bei 0 Prozent Ladezustand (SoC) kontrolliert ab. Die gemessene Differenz von 68,3 Kilometern zur 650-Kilometer-Werksangabe entspricht einer Erfüllungsquote von 89,5 Prozent. Im chinesischen Marktumfeld, in dem der CLTC-Zyklus für seine Milde bekannt ist und viele Elektro-SUVs lediglich 75 bis 82 Prozent ihrer Werksangaben schaffen, attestiert dieses Ergebnis dem NX8 ein überdurchschnittlich präzises Energiemanagement.

Antriebsstrang und 800-Volt-System: Nissans Technologiewechsel in China

Konstruktiv markiert der NX8 einen Bruch mit bisherigen Plattformlösungen der Renault-Nissan-Mitsubishi-Allianz. Anstelle der im Ariya genutzten CMF-EV-Plattform basiert der Wagen auf der von Dongfeng Nissan entwickelten Tianyan-Architektur 2.0. Der entscheidende technologische Unterschied liegt in der Systemspannung:

  • 800-Volt-Hochvoltsystem: Der Einsatz von Siliziumkarbid-Halbleitern (SiC) in der Leistungselektronik reduziert die thermischen Leitungsverluste bei hohen Stromstärken. An geeigneten Gleichstrom-Schnellladesäulen ermöglicht das System Ladeleistungen von bis zu 250 kW, womit der Ladehub von 10 auf 80 Prozent in rund 18 Minuten absolviert wird.
  • Heckantriebs-Layout: Die Version 650 MAX vertraut auf einen einzelnen PMSM-Motor an der Hinterachse. Mit 250 kW (340 PS) und 310 Nm Drehmoment beschleunigt das SUV in unter 6,8 Sekunden von null auf 100 km/h. Durch den Verzicht auf einen Allrad-Frontmotor entfallen parasitäre Schleppmomente und Leerlaufverluste, was den Verbrauch im Teillastbereich drückt.

Die Fahrwerksabstimmung setzt auf ein Mehrlenker-Layout an beiden Achsen. Ergänzt wird die Mechanik durch Nissans traditionellen Fokus auf Sitzkomfort: Die sogenannten „Zero Gravity“-Sitze sind serienmäßig mit viskoelastischem Schaumstoff, Sitzheizung, Sitzlüftung und Massagefunktionen ausgerüstet, um Ermüdungserscheinungen auf Langstrecken zu reduzieren.

Batterie und Effizienz: 81-kWh-Paket und 15,42 kWh/100 km

Als Energiespeicher kommt im NX8 650 MAX ein Lithium-Ionen-Batteriepaket des Herstellers CATL mit einem Energiegehalt von rund 81 Kilowattstunden (brutto) zum Einsatz. Die Zellen sind in Cell-to-Pack-Bauweise (CTP) im Unterboden integriert, was die Bauhöhe des Batteriegehäuses flach hält und dem Fahrzeugboden zugutekommt.

Der im Test ermittelte Gesamtdurchschnittsverbrauch von 15,42 kWh/100 km ist für ein SUV dieser Größenordnung (Leergewicht: rund 2.150 kg) ein beachtlicher Wert. In verkehrsarmen, gleichmäßig gefahrenen Überlandpassagen sank der Momentanverbrauch laut Bordcomputer zeitweise auf 12,8 bis 13,5 kWh/100 km. Verantwortlich hierfür ist ein integriertes Thermomanagement mit intelligenter Wärmepumpe, das überschüssige Wärme von Inverter und Traktionsmotor nutzt, um den Kabinenraum zu temperieren, ohne die Hochvoltbatterie mit elektrischer Heizleistung zu belasten.

Autobahn-Transfer: Reale Reichweitenanalyse bei 130 km/h in Deutschland

Für eine realistische Bewertung auf dem europäischen Markt muss das chinesische Testprofil mit den Anforderungen der deutschen Autobahn abgeglichen werden. Mit Abmessungen von 4.870 Millimetern Länge, 1.920 Millimetern Breite und 1.680 Millimetern Höhe besitzt der NX8 eine Stirnfläche von rund 2,65 Quadratmetern. Bei einem geschätzten Luftwiderstandsbeiwert von cW 0,28 wächst der aerodynamische Fahrwiderstand bei 130 km/h Richtgeschwindigkeit überproportional an.

Die physikalische Berechnung der Fahrwiderstände bei kontinuierlich 130 km/h ergibt folgendes Bild:

  • Leistungsbedarf Aerodynamik bei 130 km/h: ca. 21,5 kW
  • Leistungsbedarf Rollwiderstand: ca. 6,8 kW
  • Bordnetz, Nebenaggregate und Klimatisierung: ca. 1,6 kW
  • Verlustleistung Antriebsstrang (ca. 90 % Wirkungsgrad): ca. 3,3 kW

Hieraus errechnet sich bei konstant 130 km/h ein Gesamtleistungsbedarf von rund 33,2 kW, was einem Autobahnverbrauch von 22,5 kWh pro 100 Kilometer entspricht. Bei zügiger Fahrweise mit wiederholten Beschleunigungsphasen nach Baustellen liegt der Verbrauch realistisch zwischen 22,0 und 23,8 kWh/100 km.

Ausgehend von einer nutzbaren Nettokapazität von rund 77 kWh ermöglicht der Nissan NX8 650 MAX damit eine reale Autobahnreichweite von 330 bis 350 Kilometern bei 130 km/h Richtgeschwindigkeit. Auf deutschen Landstraßen und im stadtnahen Pendelverkehr (70 bis 100 km/h) pendelt sich der Verbrauch hingegen bei 15,0 bis 16,5 kWh/100 km ein, womit echte Reichweiten von 480 bis 510 Kilometern erreichbar sind.

Messwerte und technische Daten des Nissan NX8 650 MAX im Überblick

Parameter Nissan NX8 650 MAX (Testwerte / Werksdaten) Status der Angabe
Fahrzeugklasse / Karosserie Mittelgroßes Elektro-SUV (E-Segment, 5 Sitze) Offiziell bestätigt
Plattform / Architektur Dongfeng Nissan Tianyan 2.0 (800 Volt SiC) Offiziell bestätigt
Abmessungen (L × B × H) 4.870 × 1.920 × 1.680 mm (Radstand: 2.917 mm) Offizielle Werksangabe
Antriebsart / Leistung Heckantrieb (1× PMSM), 250 kW / 340 PS, 310 Nm Offiziell bestätigt
Batteriekapazität ca. 81 kWh brutto (CATL Lithium-Ionen) Herstellerangabe
Normreichweite (CLTC) 650 km Offizielle Homologation China
Gemessene Testreichweite (AH-100) 581,7 km (89,5 % des CLTC-Werts, Differenz: -68,3 km) Autohome-Testprotokoll
Gemessener Testverbrauch (AH-100) 15,42 kWh / 100 km (Schnitt 46,8 km/h) Autohome-Testprotokoll
DC-Schnellladeleistung bis zu 250 kW (10–80 % in ca. 18 Min., 800V) Herstellerangabe
Verbrauch Autobahn (130 km/h konstant) ca. 22,0 bis 23,8 kWh / 100 km Berechnung / eigene Schätzung
Reichweite Autobahn (130 km/h) ca. 330 bis 350 km Berechnung / eigene Schätzung
Reichweite Pendler / Landstraße (DE) ca. 480 bis 510 km Berechnung / eigene Schätzung
Preisniveau China (Umgerechnet) ab ca. 180.000 RMB (rund 23.500 Euro) Marktpreis China

Fazit: Ein Weckruf für Nissans globale Modellpolitik

Die 581,7 Kilometer des Nissan NX8 zeigen, dass das nominelle Minus von 68 Kilometern in der Praxis keinen Makel darstellt. Eine Erfüllungsquote von fast 90 Prozent bezogen auf den optimistischen CLTC-Zyklus belegt vielmehr, dass die Kooperation zwischen Nissan und Dongfeng bei der Antriebskalibrierung und dem Wärmemanagement solide Arbeit geleistet hat. Das SUV widerlegt die verbreitete Annahme, dass chinesische Normangaben im Alltag um ein Drittel unterschritten werden müssen.

Zugleich wirft der NX8 ein kritisches Licht auf das Modellprogramm von Nissan in Europa. Während in China dank 800-Volt-Technik Ladezeiten von unter 20 Minuten und zeitgemäße Softwarelösungen für umgerechnet unter 25.000 Euro angeboten werden, verharrt das europäische Angebot bei älteren 400-Volt-Systemen mit zähen Ladekurven. Sollte Nissan die Tianyan-Technik für künftige globale Baureihen adaptieren, hätte die Marke im europäischen SUV-Wettbewerb wieder ein schlagkräftiges Argument in der Hand.

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