Mercedes CLA verliert beim Laden an der Steckdose 24,2 Prozent Strom

Der elektrische Mercedes CLA gehört zu den effizientesten Elektroautos seiner Klasse. Doch ausgerechnet beim langsamen Laden an einer gewöhnlichen Haushaltssteckdose zeigt sich eine überraschende Schwäche: In einer aktuellen Messreihe des ADAC gingen beim Mercedes CLA 350 EQ 4MATIC 24,2 Prozent der aus dem Stromnetz entnommenen Energie als Ladeverluste verloren. Nur rund drei Viertel der bezahlten Energie standen damit anschließend in der Traktionsbatterie zur Verfügung.
An einer 11-kW-Wallbox sieht die Bilanz völlig anders aus. Unter den definierten Testbedingungen sank der Verlust beim gleichen Fahrzeug auf nur 6,9 Prozent. Beim simulierten PV-Überschussladen mit reduzierter Leistung wurden 12,8 Prozent gemessen.
Das ist für Elektroautofahrer mehr als eine theoretische Effizienzfrage. Strom, der zwischen Zähler und Batterie verloren geht, wird vom Haushalt bezahlt, kann anschließend aber nicht zum Fahren genutzt werden. Wir haben deshalb nachgerechnet, wie groß der Unterschied zwischen Haushaltssteckdose und Wallbox beim CLA über ein ganzes Jahr werden kann.
- Mercedes CLA 350 EQ: 24,2 % Ladeverlust an der Haushaltssteckdose.
- An der 11-kW-Wallbox sinkt der gemessene Verlust auf 6,9 %.
- Beim reduzierten PV-Laden wurden 12,8 % gemessen.
- ADAC-Testbedingungen: Batterie zwischen 10 und 90 % SoC und 20 bis 30 °C Batterietemperatur.
- Der CLA zog an der Haushaltssteckdose nur 8 A statt der im Test vorgesehenen maximal 10 A.
24,2 Prozent Verlust: Was hat der ADAC tatsächlich gemessen?
Für die Einordnung ist die Testmethode entscheidend. Der ADAC verglich fünf aktuelle Elektroautos unter drei AC-Ladeszenarien: Laden an der Haushaltssteckdose, Laden mit reduzierter Leistung zur Simulation von PV-Überschuss und Laden an einer Wallbox mit der maximal möglichen AC-Leistung.
Die Messungen fanden bewusst zwischen 10 und 90 Prozent Batterieladestand statt. Dadurch sollten zusätzliche Effekte durch Zell-Balancing am oberen Ladeende möglichst ausgeschlossen werden. Die Batterietemperatur lag zu Beginn zwischen 20 und 30 Grad Celsius.
An der Haushaltssteckdose wurde grundsätzlich mit bis zu 2,3 kW beziehungsweise 10 A geladen. Der Mercedes CLA nahm in dieser Konstellation allerdings nur 8 A auf. Dadurch verlängert sich die Ladezeit zusätzlich – und genau das spielt bei den Verlusten eine wichtige Rolle.
| Modell | Haushaltssteckdose | PV-Laden | Wallbox |
|---|---|---|---|
| Mercedes CLA 350 EQ | 24,2 % | 12,8 % | 6,9 % |
| Renault 5 E-Tech | 13,7 % | 8,0 % | 5,1 % |
| Tesla Model Y | 12,7 % | 9,4 % | 6,1 % |
| Volvo EX30 | 14,2 % | 9,1 % | 7,0 %* |
| VW ID.7 | 15,3 % | 10,6 % | 6,9 % |
*Beim Volvo EX30 wurden an der 11-kW-Wallbox 7,0 Prozent gemessen; bei 22 kW waren es 6,7 Prozent.
Der Vergleich macht den CLA zum Ausreißer. Tesla Model Y, Renault 5, Volvo EX30 und VW ID.7 verlieren an der Haushaltssteckdose zwischen 12,7 und 15,3 Prozent. Beim Mercedes liegt der Messwert mit 24,2 Prozent erheblich höher.
Warum langsames Laden mehr Energie kosten kann
Die Ursache liegt nicht darin, dass fast ein Viertel der Energie einfach in der Batterie „verschwindet“. Mehrere Systeme sind an den Verlusten beteiligt.
Eine Elektroauto-Batterie speichert Gleichstrom. Aus dem heimischen Stromnetz kommt dagegen Wechselstrom. Beim AC-Laden muss deshalb das On-Board-Ladegerät des Autos die Energie umwandeln. Dabei entstehen unvermeidbare Wandlungsverluste.
Hinzu kommen Steuergeräte und das 12-Volt-Bordnetz. Während der Ladevorgang läuft, bleiben verschiedene elektronische Komponenten aktiv. Der ADAC beziffert deren Leistungsbedarf auf etwa 100 bis 300 Watt.
Und genau hier wird sehr langsames Laden problematisch: Benötigt das Auto beispielsweise zehn statt zwei Stunden für eine bestimmte Energiemenge, müssen diese Nebenverbraucher wesentlich länger versorgt werden. Ein Teil der Verluste hängt damit nicht nur von der geladenen Energiemenge, sondern auch von der Dauer des Ladevorgangs ab.
Zusätzliche Verluste können in der Hausinstallation und den Leitungen zwischen Sicherungskasten und Steckdose entstehen. Deshalb ist eine gewöhnliche Schuko-Steckdose nicht mit einer fachgerecht installierten Wallbox gleichzusetzen.
Der CLA ist trotzdem eines der effizientesten Elektroautos
Die 24,2 Prozent dürfen nicht mit dem normalen Fahrverbrauch des Mercedes verwechselt werden. Genau hier wird der Fall besonders interessant.
In einem separaten Fahrzeugtest ermittelte der ADAC beim CLA 350 EQ 4MATIC einen Verbrauch von 14,8 kWh/100 km. Dieser Wert enthält bereits die Ladeverluste bei der dort verwendeten dreiphasigen AC-Ladung. Die gemessene Reichweite lag bei 672 Kilometern.
Mercedes selbst nennt je nach Konfiguration für den CLA 350 4MATIC einen WLTP-Verbrauch von 12,7 bis 15,2 kWh/100 km und bis zu 770 Kilometer Reichweite.
Damit zeigt das Beispiel einen wichtigen Unterschied: Ein Elektroauto kann während der Fahrt ausgesprochen effizient sein und trotzdem bei einer ungünstigen Lademethode unnötig viel Energie zwischen Stromzähler und Batterie verlieren.
Wer nur auf die Verbrauchsanzeige im Fahrzeug schaut, sieht diesen Unterschied nicht vollständig. Der Bordcomputer erfasst die für das Fahren benötigte Energie, nicht zwangsläufig sämtliche Energie, die zuvor am Hausanschluss bezahlt wurde.
EvAutos25-Rechnung: Was können 24,2 Prozent Ladeverlust pro Jahr kosten?
Für unsere Kostenrechnung verwenden wir die unabhängigen Messwerte als Ausgangspunkt. Der ADAC ermittelte beim CLA 350 EQ 4MATIC im normalen Fahrzeugtest 14,8 kWh/100 km einschließlich der Ladeverluste bei dreiphasiger AC-Ladung. Die separate Ladeverlustmessung ergab an der 11-kW-Wallbox 6,9 Prozent.
Aus diesen Werten lässt sich näherungsweise ableiten, wie viel Energie bei identischem Fahrbedarf über eine Haushaltssteckdose aus dem Netz bezogen werden müsste. Unter den gemessenen Bedingungen steigt der Netzbezug rechnerisch von etwa 14,8 auf rund 18,2 kWh/100 km, wenn statt der Wallbox ausschließlich mit dem gemessenen Schuko-Wirkungsgrad geladen würde.
Das entspricht rund 3,4 kWh zusätzlichem Netzstrom je 100 Kilometer. Für die Kostenrechnung setzen wir beispielhaft einen Haushaltsstrompreis von 0,30 Euro/kWh an. Der tatsächliche Preis hängt selbstverständlich vom persönlichen Stromvertrag ab.
| Jahresfahrleistung | Zusätzlicher Netzbezug* | Mehrkosten bei 0,30 €/kWh* |
|---|---|---|
| 10.000 km | ca. 338 kWh | ca. 101 € |
| 15.000 km | ca. 507 kWh | ca. 152 € |
| 20.000 km | ca. 676 kWh | ca. 203 € |
*EvAutos25-Modellrechnung auf Basis der ADAC-Messwerte von 24,2 Prozent Verlust an der Haushaltssteckdose und 6,9 Prozent an der Wallbox sowie 14,8 kWh/100 km aus dem CLA-350-EQ-Fahrzeugtest. Die Werte zeigen den theoretischen Unterschied bei identischem Fahrenergiebedarf und ausschließlicher Nutzung der jeweiligen Ladeart. Reale Ergebnisse hängen unter anderem von Temperatur, Ladezustand, Fahrverbrauch und Hausinstallation ab.
Bei 15.000 Kilometern im Jahr wären das unter diesen Annahmen rund 507 kWh zusätzlicher Netzbezug beziehungsweise etwa 152 Euro. Bei einem Strompreis von 40 Cent/kWh würde derselbe Energieunterschied bereits rund 203 Euro kosten.
Die Rechnung zeigt gleichzeitig, warum die Aussage „24,2 Prozent Verlust“ nicht automatisch bedeutet, dass 24,2 Prozent der gesamten jährlichen Stromrechnung eingespart werden, sobald eine Wallbox installiert wird. Auch an der Wallbox entstehen Verluste – beim CLA wurden 6,9 Prozent gemessen. Entscheidend ist deshalb die Differenz zwischen beiden Ladearten.
Warum die Wallbox beim CLA so viel besser abschneidet
An der 11-kW-Wallbox fiel der Verlust des CLA von 24,2 auf 6,9 Prozent. Damit liegt der Mercedes plötzlich praktisch auf dem Niveau der anderen getesteten Elektroautos.
Das zeigt, dass die hohe Verlustquote an der Haushaltssteckdose nicht als generelles Effizienzproblem des CLA interpretiert werden sollte. Sie tritt unter einer sehr spezifischen Ladebedingung auf: sehr geringe einphasige AC-Leistung über eine Haushaltssteckdose.
An einer Wallbox kann in wesentlich kürzerer Zeit deutlich mehr Energie übertragen werden. Die Fahrzeugelektronik muss entsprechend kürzer aktiv bleiben. Zudem ist die elektrische Installation einer Wallbox für dauerhaft hohe Ladeleistungen ausgelegt.
Für Besitzer eines Mercedes CLA EQ, die regelmäßig zu Hause laden, ist deshalb die 11-kW-Wallbox nicht nur eine Frage der Geschwindigkeit. Die Messungen zeigen einen deutlichen Effizienzvorteil.
Schuko-Laden bleibt eine Notlösung
Es gibt noch einen zweiten Grund, warum die Haushaltssteckdose nicht zur Standard-Ladelösung werden sollte: Sicherheit.
Normale Haushaltssteckdosen wurden ursprünglich nicht dafür konzipiert, über viele Stunden regelmäßig hohe Dauerlasten für Elektroautos bereitzustellen. Der Zustand der Steckdose, Leitungsquerschnitt, Leitungslänge und elektrische Installation spielen deshalb eine wichtige Rolle.
Wer einen Elektro-CLA dauerhaft zu Hause laden möchte, sollte eine geeignete Ladeeinrichtung von einem Elektrofachbetrieb installieren beziehungsweise die vorhandene Installation prüfen lassen.
Gelegentliches Laden über eine dafür geeignete und geprüfte Steckdose ist etwas anderes als die tägliche Nutzung als Ersatz für eine Wallbox. Der ADAC bezeichnet die Haushaltssteckdose entsprechend als Notlösung.
PV-Laden: Langsamer kann trotzdem wirtschaftlich sinnvoll sein
Interessant ist der dritte Messwert des CLA: Beim simulierten PV-Überschussladen lagen die Verluste bei 12,8 Prozent. Das ist deutlich mehr als die 6,9 Prozent bei maximaler Wallbox-Leistung, aber erheblich weniger als die 24,2 Prozent an der Haushaltssteckdose.
Rein energetisch ist eine höhere Ladeleistung damit effizienter. Wirtschaftlich muss das aber nicht automatisch die beste Strategie sein. Wer überschüssigen Solarstrom vom eigenen Dach zur Verfügung hat, kann trotz etwas höherer Ladeverluste günstiger fahren, als wenn zusätzlicher Netzstrom bezogen werden müsste.
Hier müssen deshalb zwei verschiedene Fragen getrennt werden: Welche Ladeart benötigt die wenigste Energie – und welche kostet den Besitzer am wenigsten? Das ist nicht zwangsläufig dasselbe.
Was der Test über Elektroauto-Verbrauch wirklich zeigt
Der Fall des Mercedes CLA zeigt ein grundsätzliches Problem beim Vergleich von Elektroautos. Die Verbrauchsangabe allein beschreibt nicht die komplette Energiekette.
Für den Besitzer sind mindestens drei Werte relevant: die Energie, die das Fahrzeug während der Fahrt benötigt, die Energie, die tatsächlich in der Batterie ankommt, und die Energiemenge, die der Stromzähler abrechnet.
Genau deshalb berücksichtigt der ADAC in seinen regulären Verbrauchsmessungen Ladeverluste. Für Käufer ist das aussagekräftiger als ein reiner Bordcomputerwert, denn bezahlt wird nicht nur die Energie, die später die Räder antreibt.
Unsere Auswertung zeigt außerdem, warum Ladeverluste künftig stärker in Elektroauto-Vergleiche gehören. Bei 6 oder 7 Prozent sind sie im Alltag überschaubar. Bei 24,2 Prozent unter einer bestimmten Ladebedingung können sie über hohe Jahresfahrleistungen jedoch mehrere hundert Kilowattstunden zusätzlich ausmachen.
Fazit: Nicht der CLA ist das Problem, sondern die falsche Ladeart
24,2 Prozent Ladeverlust wirken zunächst wie ein überraschend schlechtes Ergebnis für ein Elektroauto, das ansonsten zu den effizientesten Modellen am Markt gehört. Der Vergleich der verschiedenen Lademethoden relativiert die Zahl jedoch deutlich.
Der Mercedes CLA 350 EQ zeigt seine hohe Verlustquote vor allem beim sehr langsamen Laden an der Haushaltssteckdose. An einer 11-kW-Wallbox sinkt der gemessene Wert auf 6,9 Prozent und damit auf ein Niveau, das praktisch mit den anderen Fahrzeugen der ADAC-Messreihe vergleichbar ist.
Für deutsche Käufer ist deshalb nicht die Schlussfolgerung „der CLA verbraucht 24 Prozent zu viel Strom“ entscheidend. Die relevante Erkenntnis lautet: Wer einen modernen Elektro-Mercedes regelmäßig an einer gewöhnlichen Steckdose lädt, verschenkt einen Teil seines Effizienzvorteils bereits vor Fahrtbeginn.
Bei 15.000 Kilometern Jahresfahrleistung ergibt unsere Modellrechnung gegenüber dem Wallbox-Szenario rund 507 kWh zusätzlichen Netzbezug. Bei 30 Cent pro Kilowattstunde entsprechen das etwa 152 Euro im Jahr. Eine Wallbox spart damit nicht nur viele Stunden Ladezeit, sondern kann beim CLA auch die tatsächlich bezahlte Energiemenge spürbar reduzieren.




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