Mercedes macht die elektrische C-Klasse günstiger – neue Basisversionen kommen

Mercedes bereitet nach dem teuren Marktstart der elektrischen C-Klasse weitere, günstigere Varianten für Deutschland vor. Aktuell beginnt die Baureihe mit dem 67.711 Euro teuren C 400 4MATIC und 490 PS, doch angekündigte Heckantriebsmodelle und kleinere Batterievarianten sollen die Einstiegshürde senken. Gleichzeitig ist eine besonders effiziente Version mit rund 800 km WLTP-Reichweite vorgesehen. Damit beginnt für Mercedes die entscheidende Phase: Die elektrische C-Klasse muss vom Technologieträger zum bezahlbareren Volumenmodell werden.
Der Zeitpunkt ist interessant. Die neue elektrische C-Klasse wurde erst im April vorgestellt und ist seit Mai in Deutschland bestellbar. Mercedes startete bewusst mit einer leistungsstarken und teuren Variante. Dieses Vorgehen kennen Käufer bereits von anderen Elektroautos: Zuerst kommen große Batterie, Allradantrieb und hohe Marge, anschließend folgen die Volumenmodelle. Für die C-Klasse beginnt damit jetzt die eigentlich entscheidende Phase – sie muss vom 68.000-Euro-Premium-Stromer zum echten elektrischen Gegenstück der klassischen C-Klasse werden.
67.711 Euro: Das aktuelle Einstiegsmodell ist eigentlich keines
Wer heute eine elektrische C-Klasse bestellt, beginnt beim C 400 4MATIC für 67.711 Euro. Das Fahrzeug leistet 360 kW (490 PS), besitzt zwei Elektromotoren und eine Batterie mit rund 94,5 kWh nutzbarer Kapazität. Bis zu 762 km WLTP sind möglich.
Technisch ist das beeindruckend. Als Einstieg in eine der wichtigsten Mercedes-Baureihen ist es aber teuer. Der C 400 4MATIC ist eher ein leistungsstarkes Topmodell als eine klassische Basisversion. Genau deshalb sind die angekündigten kleineren Varianten für den deutschen Markt so wichtig.
C 400 4MATIC |
Daten |
|---|---|
Preis Deutschland |
ab 67.711 € |
Leistung |
360 kW (490 PS) |
Antrieb |
Allrad |
Batterie |
ca. 94,5 kWh nutzbar |
WLTP-Reichweite |
bis 762 km |
Architektur |
800 Volt |
DC-Laden |
bis ca. 330 kW |
Heckantrieb statt 490 PS: Genau hier kann Mercedes sparen
Mercedes hat bereits angekündigt, das Angebot um weitere Heck- und Allradvarianten zu erweitern. Das ist entscheidend, weil nicht jeder C-Klasse-Käufer 490 PS oder einen zweiten Elektromotor benötigt.
Eine Version mit nur einem Motor an der Hinterachse reduziert technische Komplexität, Gewicht und Kosten. Gleichzeitig kann sie effizienter sein. Genau deshalb könnte eine günstigere elektrische C-Klasse trotz weniger Leistung bei der Reichweite sogar besonders interessant werden.
Mercedes muss für eine günstigere C-Klasse also nicht unbedingt an der Langstreckentauglichkeit sparen – zunächst kann der Hersteller schlicht Leistung und Allradantrieb reduzieren.
Rund 800 km Reichweite: Die günstigere Version könnte sogar weiter fahren
Besonders spannend ist eine angekündigte Langstreckenversion. Bereits zur Premiere stellte Mercedes weitere Varianten in Aussicht, darunter ein besonders effizientes Modell mit einer Reichweite von ungefähr 800 km nach WLTP.
Das klingt zunächst widersprüchlich: weniger Leistung, möglicherweise niedrigerer Preis – aber mehr Reichweite. Technisch ergibt es Sinn. Ein Hecktriebler benötigt keinen permanent mitgeführten zweiten Antrieb an der Vorderachse und kann konsequenter auf Effizienz abgestimmt werden.
C 400 4MATIC |
Künftiger Hecktriebler* |
|
|---|---|---|
Antrieb |
AWD |
RWD |
Motoren |
2 |
1 |
Leistung |
360 kW |
niedriger erwartet |
Reichweite |
bis 762 km |
bis rund 800 km angekündigt |
Preis |
67.711 € |
voraussichtlich niedriger |
Auch kleinere Batterien sind geplant
Noch interessanter für den Preis sind die angekündigten unterschiedlichen Batteriegrößen. Der C 400 4MATIC nutzt einen großen Akku, der für seine enorme Langstreckenreichweite notwendig ist. Ein Fahrer, der täglich 30 oder 50 km pendelt und überwiegend zu Hause lädt, benötigt diese Kapazität jedoch nicht zwingend.
Eine kleinere Batterie könnte deshalb den Preis stärker reduzieren als der Verzicht auf den Frontmotor. Gleichzeitig sinkt das Fahrzeuggewicht. Der Nachteil wäre natürlich eine geringere Reichweite.
Genau hier kann Mercedes die elektrische C-Klasse erstmals wirklich auffächern: großer Akku für Vielfahrer, kleinere Batterie für preissensible Firmen- und Privatkunden.
Wie günstig könnte die elektrische C-Klasse werden?
Mercedes hat für die kommenden Basisversionen noch keinen endgültigen deutschen Preis veröffentlicht. Deshalb wäre es falsch, derzeit beispielsweise 55.000 oder 59.000 Euro als bestätigten Einstiegspreis zu nennen.
Eine Größenordnung lässt sich allerdings aus dem Modellprogramm ableiten. Der C 400 4MATIC kostet 67.711 Euro. Gleichzeitig startet der neue elektrische GLA inzwischen bei 48.599,60 Euro. Dazwischen muss Mercedes den CLA und die C-Klasse sinnvoll positionieren.
Für EvAutos25 wäre deshalb eine elektrische C-Klasse unterhalb von 60.000 Euro strategisch besonders interessant. Das ist ausdrücklich eine Einschätzung und keine offizielle Preisankündigung.
Warum die 60.000-Euro-Marke für Mercedes wichtig ist
Bei 67.711 Euro verändert sich das Konkurrenzfeld. Käufer vergleichen die C-Klasse nicht mehr nur mit klassischen Mittelklasse-Limousinen, sondern schnell mit größeren Elektroautos und gut ausgestatteten Premium-SUVs.
Unter 60.000 Euro wäre die Situation anders. Dann würde die elektrische C-Klasse stärker in den Bereich rücken, in dem viele deutsche Dienstwagen und privat geleaste Premiumfahrzeuge tatsächlich konfiguriert werden.
Genau deshalb könnten die kleineren Varianten für den Absatz wichtiger werden als der aktuelle 490-PS-C 400.
800-Volt-Technik bleibt der entscheidende Vorteil
Eine günstigere Motorisierung bedeutet nicht automatisch einen technologischen Rückschritt. Die elektrische C-Klasse basiert auf der neuen Mercedes-Elektroarchitektur und nutzt 800-Volt-Technik. Beim C 400 4MATIC sind Ladeleistungen von rund 330 kW möglich.
Mercedes gibt an, dass unter optimalen Bedingungen innerhalb von zehn Minuten Energie für ungefähr 300 km zusätzliche Reichweite nachgeladen werden kann. Damit gehört die C-Klasse beim Langstreckenladen bereits zur modernen Generation deutscher Elektroautos.
Entscheidend wird sein, welche Ladeleistung Mercedes bei Varianten mit kleinerem Akku freigibt. Kleinere Batterien können häufig nicht dieselben Spitzenwerte aufnehmen wie größere Packs.
Der neue BMW i3 erhöht den Druck
Der wichtigste deutsche Gegner steht bereits fest: der neue elektrische BMW i3. BMW entwickelt seine elektrische Mittelklasse auf Basis der Neue-Klasse-Technologie und legt ebenfalls großen Wert auf Reichweite, Effizienz und schnelles Laden.
Damit kehrt eines der klassischen deutschen Duelle in neuer Form zurück: Mercedes C-Klasse gegen BMW 3er – diesmal elektrisch.
Für Mercedes ist deshalb ein breites Modellprogramm besonders wichtig. Ein 67.711 Euro teurer C 400 4MATIC kann als Technologieträger funktionieren. Im Volumengeschäft braucht Stuttgart aber Modelle, die näher an normalen Dienstwagenbudgets liegen.
C-Klasse oder CLA: Mercedes muss auch intern Abstand schaffen
Das zweite Problem kommt aus dem eigenen Haus. Der elektrische CLA bietet bereits eine moderne 800-Volt-Architektur, sehr niedrigen Verbrauch und hohe Reichweite. Er ist kleiner und günstiger, technisch aber keineswegs eine Generation hinter der C-Klasse.
Mercedes muss deshalb eine klare Preisstaffelung schaffen. Wird die C-Klasse zu teuer, wechseln Käufer zum CLA. Wird sie zu günstig, kann sie wiederum dem kleineren Modell Kunden abnehmen.
Die zusätzliche Größe, der höhere Komfort, das Raumangebot und die stärkere Langstreckenausrichtung müssen den Aufpreis rechtfertigen.
100 Liter Frunk: Die elektrische C-Klasse wird praktischer
Die neue Generation nutzt ihre reine Elektroarchitektur auch beim Raumangebot. Unter der Fronthaube befindet sich ein großer Stauraum von ungefähr 100 Litern. Ladekabel und kleinere Taschen können dadurch getrennt vom Hauptgepäck verstaut werden.
Auch der Radstand fällt großzügiger aus als bei der klassischen Verbrenner-C-Klasse. Damit soll insbesondere im Fond mehr Platz entstehen. Mercedes versucht also nicht nur, den bisherigen Verbrenner elektrisch anzutreiben, sondern entwickelt die elektrische Variante als eigenständiges Fahrzeug.
Der Verbrauch könnte zum heimlichen Kaufargument werden
Mercedes nennt für den C 400 4MATIC je nach Konfiguration einen kombinierten Verbrauch von ungefähr 14,1 bis 18,5 kWh/100 km. Für eine fast 500 PS starke Allrad-Limousine ist bereits das ein bemerkenswerter Bereich.
Eine schwächere Version mit Heckantrieb könnte diesen Wert nochmals verbessern. Genau deshalb dürfte das angekündigte Langstreckenmodell besonders interessant werden. Bei Elektroautos ist weniger Leistung längst nicht automatisch ein Nachteil.
Ein C 300 mit geringerer Leistung, niedrigerem Verbrauch und höherer Reichweite könnte für viele deutsche Käufer das bessere Auto sein als der C 400 4MATIC.
Was bereits bestätigt ist
- C 400 4MATIC startet in Deutschland bei 67.711 €
- 360 kW (490 PS) beim aktuellen Allradmodell
- 94,5-kWh-Batterie
- bis zu 762 km WLTP
- 800-Volt-Architektur
- weitere Heck- und Allradversionen angekündigt
- unterschiedliche Batteriegrößen vorgesehen
- Langstreckenvariante mit rund 800 km angekündigt
Was Mercedes noch nicht verraten hat
- finaler deutscher Preis der Basisversion
- genaue Modellbezeichnungen aller Varianten
- Leistung des günstigsten Hecktrieblers
- Kapazität der kleineren Batterie
- WLTP-Reichweite der Basisversion
- finale DC-Ladeleistung des kleineren Akkus
EvAutos25-Analyse: Nicht 800 km entscheiden – sondern der Preis
Aus unserer Sicht hat Mercedes bei der elektrischen C-Klasse das technische Grundproblem bereits weitgehend gelöst. 762 km WLTP, 800 Volt und rund 330 kW Ladeleistung sind Werte, mit denen sich ein Elektroauto kaum noch wegen mangelnder Langstreckentauglichkeit rechtfertigen muss.
Das größere Problem steht auf dem Preisschild: 67.711 Euro. Für einen 490 PS starken C 400 4MATIC ist dieser Preis nachvollziehbar. Für die Rolle der C-Klasse als breit aufgestelltes deutsches Mittelklassemodell ist er zu hoch.
Deshalb werden die kommenden Varianten möglicherweise wichtiger als das aktuelle Topmodell. Ein Hecktriebler braucht keine 490 PS. 250 bis 300 PS würden für eine elektrische C-Klasse problemlos ausreichen, wenn dafür Effizienz und Preis stimmen.
Besonders spannend wird eine Kombination aus einem Motor, 800-Volt-Technik und großem Akku. Wenn Mercedes damit tatsächlich rund 800 km WLTP schafft und gleichzeitig deutlich unter dem C 400 bleibt, könnte genau diese Version zum stärksten Gegner des neuen BMW i3 werden.
Fazit
Die elektrische Mercedes C-Klasse startet derzeit mit dem C 400 4MATIC für 67.711 Euro, 490 PS und bis zu 762 km WLTP. Doch dieses Modell ist nur der Anfang. Mercedes hat bereits zusätzliche Heck- und Allradversionen sowie unterschiedliche Batteriegrößen angekündigt.
Damit kann die Baureihe in zwei Richtungen wachsen: Ein besonders effizienter Hecktriebler könnte die Reichweite in Richtung 800 km bringen, während eine kleinere Batterie den Einstiegspreis deutlich reduzieren könnte. Die endgültigen Preise dieser Varianten stehen allerdings noch aus.
Die entscheidende elektrische C-Klasse könnte deshalb nicht die stärkste sein. Sondern diejenige, die 800-Volt-Technik und echte Langstreckentauglichkeit erstmals zu einem Preis unterhalb des heutigen 67.711-Euro-Einstiegs bringt.




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