Elektroautos und SUVs

Forthing Friday: 85,9-kWh-Akku – doch beim Schnellladen beginnt das Problem

Forthing Friday
Forthing Friday

Der Forthing Friday fällt mit einer ungewöhnlichen Kombination auf: 85,9 kWh Batteriekapazität treffen auf eine maximale DC-Ladeleistung von lediglich 80 kW. Dazu kommen 150 kW (204 PS), Frontantrieb und eine WLTP-Reichweite von bis zu 510 Kilometern. Auf den ersten Blick wirkt das wie ein klassisches Rezept für ein reichweitenstarkes Familien-SUV. Beim genaueren Blick passt jedoch ausgerechnet die Ladetechnik nicht zur Größe des Akkus.

Forthing Friday
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Genau diese Kombination entscheidet darüber, wie sinnvoll der Forthing Friday auf deutschen Autobahnen ist. Eine große Batterie reduziert zwar die Zahl der Ladestopps, kann eine schwache Ladeleistung aber nicht kompensieren. Für Käufer ist deshalb nicht nur interessant, wie weit das SUV mit einer Akkuladung kommt, sondern wie schnell es nach den ersten 300 oder 400 Kilometern weitergeht. Unsere Analyse zeigt, warum der Friday auf dem Datenblatt stärker wirkt als auf der Langstrecke – und weshalb sein Konzept trotzdem für bestimmte Fahrprofile interessant sein kann.

Preis-Leistungs-Analyse: Forthing Friday gegen Tesla Model Y

Neue Marken müssen in Deutschland einen schwierigen Spagat schaffen. Ein günstiger Preis allein reicht im Elektrosegment nicht mehr aus. Batteriegröße, Effizienz, Ladeleistung, Software, Garantie, Servicenetz und Wiederverkaufswert werden zunehmend gemeinsam bewertet. Beim Forthing Friday ist deshalb gerade der Vergleich mit etablierten Elektro-SUVs aufschlussreich.

Das Tesla Model Y eignet sich dabei weniger als direkter Zwilling, sondern als technischer Referenzpunkt. Beide Fahrzeuge liegen in einer ähnlichen Größenklasse, verfolgen beim elektrischen Antrieb jedoch unterschiedliche Strategien. Forthing setzt auf eine große Batterie und moderate Motorleistung, Tesla kombiniert eine kleinere Energiereserve mit höherer DC-Ladeleistung und einer seit Jahren weiterentwickelten Lade- und Navigationsintegration.

Parameter Forthing Friday Tesla Model Y
Antrieb Frontantrieb je nach Version Heck- oder Allradantrieb
Leistung 150 kW (204 PS) versionsabhängig
Batterie 85,9 kWh versionsabhängig
WLTP-Reichweite bis 510 km versionsabhängig
Max. DC-Ladeleistung 80 kW deutlich über 200 kW bei entsprechenden Versionen
DC-Ladezeit 30–80 % ca. 45 Min. abhängig von Version und Ladezustand
Leistungsschwerpunkt große Batterie und Ausstattung Effizienz, Ladeintegration und Software

Der entscheidende Unterschied liegt damit nicht bei der Motorleistung. Für ein Familien-SUV reichen 150 kW problemlos aus. Interessanter ist die Frage, was mit den 85,9 kWh passiert, sobald die Batterie unterwegs wieder geladen werden muss.

Genau hier verliert der Friday einen Teil seines nominellen Reichweitenvorteils. Ein Elektroauto für die Langstrecke benötigt nicht zwangsläufig die höchste Ladeleistung am Markt. Eine große Batterie und niedrige Ladeleistung sind aber eine ungünstige Kombination, weil bei jedem größeren Ladehub entsprechend viel Energie übertragen werden muss.

85,9-kWh-Akku trifft auf 80 kW: Das eigentliche Problem des Friday

Die maximale DC-Ladeleistung von 80 kW wirkt zunächst nur wie eine einzelne Zahl. Im Zusammenhang mit der Batteriegröße wird sie jedoch zum wichtigsten technischen Punkt des Fahrzeugs. Je größer der Akku, desto mehr Energie muss bei einem vergleichbaren Ladehub nachgeladen werden.

Forthing nennt für den Bereich von 30 auf 80 Prozent rund 45 Minuten. Bei einer nominellen Kapazität von 85,9 kWh entsprechen 50 Prozent des Akkus rechnerisch knapp 43 kWh. Selbst wenn Brutto- und nutzbare Nettokapazität nicht identisch sind, zeigt die Größenordnung bereits das Problem: Für einen vergleichsweise kleinen Energiehub steht das Fahrzeug lange an der Ladesäule.

Eine direkte Hochrechnung auf 10 bis 80 Prozent wäre dagegen unseriös. Die Ladekurve eines Elektroautos verläuft nicht linear, und aus einer Herstellerangabe für 30 bis 80 Prozent lässt sich keine exakte Ladezeit für einen anderen SoC-Bereich ableiten. Entscheidend bleibt deshalb die bestätigte Angabe: 45 Minuten für lediglich die Hälfte des nominellen Ladefensters sind für ein modernes Elektro-SUV ungewöhnlich lang.

Der Peak von 80 kW erzählt zudem nur einen Teil der Geschichte. Für die Reisezeit ist die durchschnittliche Ladeleistung über den gesamten Ladestopp wichtiger. Ein Fahrzeug, das kurzzeitig 200 kW erreicht und anschließend stark reduziert, muss nicht automatisch schneller sein als eines mit einem niedrigeren, dafür stabilen Plateau. Beim Friday liefert bereits die lange 30-bis-80-Prozent-Zeit einen Hinweis darauf, dass nicht nur der Spitzenwert begrenzt ist.

Das macht die Batterie nicht grundsätzlich schlecht. Im Alltag kann eine große Energiereserve sogar angenehm sein: Wer überwiegend zu Hause lädt und selten mehr als 300 Kilometer am Stück fährt, nutzt die langsame DC-Ladung möglicherweise nur wenige Male im Jahr. Für diesen Käufer ist eine große Batterie wichtiger als eine spektakuläre HPC-Kurve.

Auf regelmäßigen Autobahnreisen kehrt sich die Gewichtung um. Dann entscheidet nicht mehr nur die Reichweite der ersten Etappe, sondern wie schnell weitere Kilometer nachgeladen werden können. Genau hier wirkt das elektrische Gesamtkonzept des Friday nicht mehr zeitgemäß.

Wie stark die Akkugröße im Elektroauto den Alltag tatsächlich beeinflusst, hängt deshalb immer auch von Verbrauch und Ladeleistung ab. Eine größere Batterie ist nicht automatisch die bessere Batterie.

510 Kilometer WLTP: Warum die Reichweite allein wenig über die Langstrecke sagt

Bis zu 510 Kilometer WLTP sind für ein Elektro-SUV dieser Klasse zunächst ein ordentliches Ergebnis. Der Wert sollte allerdings nicht mit einer konstant erreichbaren Autobahnreichweite verwechselt werden. Das gilt nicht speziell für Forthing, sondern für jedes Elektroauto: WLTP kombiniert unterschiedliche Fahrzustände und Geschwindigkeiten und ist in erster Linie ein normierter Vergleichswert.

Für die Autobahn verändern mehrere Faktoren die Rechnung. Mit zunehmender Geschwindigkeit steigt der Luftwiderstand stark an. Im Winter kommen Innenraumheizung, kalte Batterie, höhere Rollwiderstände und ungünstige Straßenbedingungen hinzu. Eine feste Aussage wie „der Friday schafft im Winter nur 250 Kilometer“ wäre ohne einen reproduzierbaren Vergleichstest deshalb nicht belastbar.

Interessanter ist die technische Relation zwischen Batterie und WLTP-Wert. Der Friday benötigt eine vergleichsweise große Energiereserve, um auf maximal 510 Kilometer Normreichweite zu kommen. Das deutet nicht auf einen Effizienzrekord hin. Gleichzeitig fehlen für eine genaue Verbrauchsanalyse belastbare Messwerte unter identischen Bedingungen.

Für Käufer ergibt sich daraus eine einfachere Regel: Wer überwiegend Stadt, Landstraße und tägliche Pendelstrecken fährt, profitiert stärker von der großen Batterie. Wer häufig Autobahn fährt, sollte Reichweite und Ladegeschwindigkeit gemeinsam betrachten. Dort kann ein effizienteres Elektroauto mit kleinerem Akku und schnellerer Ladekurve am Ende die kürzere Reisezeit erreichen.

Auch bei den Betriebskosten spielt Effizienz eine größere Rolle, als der Kaufpreis vermuten lässt. Jede zusätzlich verbrauchte Kilowattstunde muss bezahlt und unterwegs gegebenenfalls an einem teuren Schnelllader nachgeladen werden. Über mehrere Jahre können deshalb wenige kWh/100 km Verbrauchsunterschied einen relevanten Betrag ausmachen.

150 kW und Frontantrieb: Warum die Motorleistung nicht das Problem ist

Der Elektromotor leistet 150 kW (204 PS) und treibt die Vorderachse an. Im aktuellen Markt klingt das angesichts von Elektro-SUVs mit 300, 400 oder sogar mehr als 500 PS unspektakulär. Für den vorgesehenen Einsatzzweck ist die Leistung jedoch kein offensichtlicher Schwachpunkt.

Mehr Motorleistung würde weder die Reichweite noch die Ladezeit verbessern. Für ein komfortorientiertes Familien-SUV ist ein 150-kW-Antrieb grundsätzlich ausreichend, solange Leistungsentfaltung, Traktion und Verbrauch sauber abgestimmt sind. Die eigentliche technische Frage liegt deshalb nicht beim Beschleunigungswert, sondern bei der Effizienz des Gesamtsystems.

Frontantrieb reduziert zudem die Komplexität gegenüber einem elektrischen Allradsystem mit zwei Motoren. Dem stehen die bekannten konstruktiven Grenzen gegenüber: Beim starken Beschleunigen müssen die Vorderräder gleichzeitig Antriebs- und Lenkkräfte übertragen. Bei 150 kW bleibt diese Aufgabe allerdings deutlich beherrschbarer als bei sehr leistungsstarken Fronttrieblern.

Fahrwerk und Innenraum: Hier entscheidet der persönliche Anspruch

Ohne eigenen Fahrtest lassen sich Aussagen wie „poltert auf kurzen Unebenheiten“, „lenkt gefühllos ein“ oder „wankt stark“ nicht als eigenes Urteil übernehmen. Solche Eindrücke hängen zudem von Reifen, Geschwindigkeit, Beladung, Fahrbahn und persönlicher Erwartung ab.

Technisch ist der Friday klar als geräumiges SUV und nicht als sportliches Elektroauto positioniert. Die Abmessungen und das Fahrzeugkonzept sprechen für Komfort und Platzangebot. Wer Fahrdynamik als zentrales Kaufkriterium betrachtet, sollte das Fahrzeug deshalb selbst mit bekannten Wettbewerbern vergleichen.

Beim Innenraum verfolgt Forthing den inzwischen typischen Ansatz vieler chinesischer Modelle: große Displays, umfangreiche Ausstattung und eine starke Konzentration der Fahrzeugfunktionen auf das Infotainment. Gerade dadurch gewinnt die Qualität der Software an Bedeutung.

Eine lange Ausstattungsliste kann eine schlecht strukturierte Bedienung nicht kompensieren. Umgekehrt sollte aus einzelnen Berichten über Übersetzungsfehler oder langsame Menüs keine allgemeine Aussage über sämtliche Fahrzeuge und Softwarestände abgeleitet werden. Bei einem konkreten Fahrzeug empfiehlt sich deshalb ein einfacher Praxistest vor dem Kauf: Navigation starten, Smartphone koppeln, Ladeplanung prüfen und die wichtigsten Fahrzeugfunktionen ohne Hilfe des Verkäufers bedienen.

Software: Bei kleinen Marken ist die Update-Strategie besonders wichtig

Bei modernen Elektroautos endet die technische Bewertung nicht mehr bei Motor und Batterie. Navigation, Ladeplanung, Batterievorkonditionierung, App-Anbindung und Software-Updates bestimmen inzwischen direkt, wie komfortabel ein Fahrzeug im Alltag funktioniert.

Gerade bei einer kleineren Marke sollte deshalb vor dem Kauf geklärt werden, welche Funktionen tatsächlich im Fahrzeug verfügbar sind und wie Aktualisierungen durchgeführt werden. Entscheidend ist nicht, ob ein Hersteller möglichst häufig den Begriff OTA verwendet. Wichtig ist, welche Steuergeräte aktualisiert werden können, wie lange Software gepflegt wird und wie Fehler behoben werden, wenn ein Update nicht aus der Ferne möglich ist.

Auch Funktionen wie Vehicle-to-Grid sind kein sinnvoller Maßstab, um den Friday grundsätzlich als veraltet einzustufen. V2G befindet sich selbst bei vielen etablierten Herstellern noch im Aufbau. Für den Besitzer sind heute funktionierende Ladeplanung, zuverlässige Navigation und ein sauberer Software-Support wesentlich wichtiger.

Wie sich die Integration von Elektroautos ins Stromnetz entwickeln kann, haben wir am Beispiel von Hyundais Vehicle-to-Grid-Strategie ausführlicher analysiert.

Vor- und Nachteile des Forthing Friday

Vorteile

  • Große Batterie: 85,9 kWh bieten eine hohe Energiereserve und passen grundsätzlich zu einem geräumigen Familien-SUV.
  • Bis zu 510 km WLTP: Die Normreichweite reduziert im Alltag die Notwendigkeit häufiger Ladestopps.
  • 150 kW reichen für den Alltag: Der Friday verzichtet auf unnötig hohe Performancewerte und konzentriert sich auf einen klassischen Familienantrieb.
  • Umfangreiche Ausstattung: Forthing versucht, einen großen Teil der Komfortausstattung bereits über die Serienkonfiguration abzudecken.
  • Geräumiges Fahrzeugkonzept: Die Abmessungen schaffen deutlich mehr Platz als bei klassischen Elektro-Kleinwagen und vielen kompakten Crossovern.

Nachteile

  • Nur 80 kW DC: Die maximale Schnellladeleistung ist angesichts eines 85,9-kWh-Akkus der größte technische Nachteil.
  • 30 bis 80 Prozent in rund 45 Minuten: Auf regelmäßigen Langstrecken kann daraus ein erheblicher Zeitnachteil entstehen.
  • Große Batterie ohne entsprechende Ladeperformance: Der Friday nutzt einen Teil seines Reichweitenvorteils auf der Autobahn nicht konsequent aus.
  • Kleinere Marktpräsenz: Händler- und Servicenetz sind nicht mit den Strukturen großer Volumenmarken vergleichbar.
  • Software und Support sollten vor dem Kauf geprüft werden: Bei einer jungen Marke ist die langfristige Update-Strategie ein wichtiger Teil der Kaufentscheidung.

Service und Ersatzteile: Kleineres Netz bedeutet nicht automatisch Service-Vakuum

Hier ist eine differenzierte Betrachtung wichtig. Der Forthing Friday wird in Deutschland über Indimo Automotive vertrieben. Das ist eine andere Struktur als bei Herstellern mit eigener deutscher Vertriebsgesellschaft und einem jahrzehntelang gewachsenen Vertragshändlernetz.

Daraus lässt sich jedoch nicht ableiten, dass es keine Ersatzteil- oder Garantieorganisation gibt. Indimo betreibt nach eigenen Angaben eigene Bereiche für technischen Support, Garantie und Ersatzteile sowie ein großes Zentrallager für chinesische Fahrzeugmarken. Für die Bewertung des Friday ist deshalb nicht die Behauptung eines „Service-Vakuums“ entscheidend, sondern die geografische Verfügbarkeit im konkreten Wohnort des Käufers.

Vor Vertragsabschluss sollte deshalb geklärt werden, welcher Betrieb Wartungs-, Garantie- und Unfallreparaturen übernimmt. Noch wichtiger ist die Entfernung zu einem Partner, der Arbeiten am Hochvoltsystem durchführen kann. Bei einem Elektroauto hilft ein allgemeiner Mehrmarkenbetrieb wenig, wenn für Batterie, Leistungselektronik oder Software spezielle Diagnosegeräte und Herstellerschulungen notwendig sind.

Auch die Ersatzteilversorgung sollte nicht pauschal als unsicher bezeichnet werden. Interessanter sind konkrete Fragen: Sind Karosserieteile in Deutschland lagernd? Wie werden Hochvoltkomponenten abgewickelt? Welche Lieferzeiten gelten für Teile, die nicht im europäischen Lager vorhanden sind? Und wer übernimmt ein Fahrzeug, wenn der ursprüngliche Händler seine Forthing-Vertretung beendet?

Genau diese Punkte unterscheiden eine Kaufberatung von einer reinen Datenblattanalyse. Bei einem etablierten Volumenmodell denkt der Käufer über die Ersatzteilstruktur meist erst nach einem Unfall nach. Bei einer jungen Importmarke gehört sie bereits vor der Unterschrift unter den Kaufvertrag zur Kalkulation.

Wertverlust: Das größte Fragezeichen lässt sich noch nicht berechnen

Auch beim Restwert ist Zurückhaltung angebracht. Ein „vorprogrammierter hoher Wertverlust“ klingt plausibel, lässt sich bei einem jungen Modell mit kleinen Stückzahlen aber nicht seriös beziffern. Dafür fehlt eine ausreichend lange deutsche Gebrauchtwagenhistorie.

Das bedeutet nicht, dass das Thema unwichtig wäre. Im Gegenteil: Gerade bei einem Elektroauto in dieser Preisklasse kann der Wertverlust einen wesentlich größeren Kostenblock darstellen als Strom oder Wartung. Eine kleine Gebrauchtwagennachfrage, schnelle technische Entwicklung und spätere Preissenkungen bei Neuwagen können den Restwert belasten.

Auf der anderen Seite kann auch ein etablierter Hersteller starke Wertverluste erleben, wenn Neuwagenpreise sinken oder neue Batteriegenerationen ältere Modelle technisch überholen. Die Marke allein erlaubt deshalb keine zuverlässige Prognose.

Für den Friday ist Leasing aus diesem Grund zumindest eine interessante Alternative zum klassischen Kauf, sofern Rate, Sonderzahlung und Rückgabebedingungen stimmen. Damit wird ein Teil des Restwertrisikos vom privaten Käufer auf den Leasinggeber verlagert.

Fazit: 85,9 kWh sind stark – 80 kW DC bremsen das Gesamtkonzept

Der Forthing Friday ist technisch interessanter, als eine pauschale Einstufung als „schlechtes China-SUV“ vermuten lässt. 85,9 kWh Batteriekapazität, bis zu 510 Kilometer WLTP und 150 kW Antriebsleistung ergeben grundsätzlich ein brauchbares Paket für Fahrer, die überwiegend zu Hause laden und selten sehr lange Autobahnetappen absolvieren. Für dieses Nutzungsprofil ist die niedrige DC-Leistung weit weniger dramatisch, weil Schnellladen nur gelegentlich benötigt wird.

Auf der Langstrecke verschiebt sich das Bild. Maximal 80 kW und rund 45 Minuten allein für 30 bis 80 Prozent passen nicht zu einem Akku dieser Größe. Hier liegt die eigentliche Schwäche des Friday: Forthing investiert viel Batteriekapazität in die erste Etappe, kann diese Energiereserve unterwegs aber nur langsam wieder auffüllen. Ein effizienteres Elektroauto mit kleinerem Akku und deutlich schnellerer Ladekurve kann deshalb trotz geringerer nomineller Reichweite das bessere Reisefahrzeug sein.

Für deutsche Käufer kommt ein zweiter Punkt hinzu. Die Vertriebs- und Serviceorganisation über einen Importeur ist nicht automatisch ein Ausschlusskriterium, sollte aber vor dem Kauf genauer geprüft werden als bei einem etablierten Volumenmodell. Entfernung zur zuständigen Werkstatt, Hochvolt-Kompetenz, Garantieabwicklung, Ersatzteilversorgung und Software-Support gehören beim Friday deshalb genauso auf die Checkliste wie Reichweite und Ausstattung.

Damit ist der Forthing Friday kein Elektro-SUV, das wir allein wegen seiner Herkunft oder seines Vertriebsmodells abschreiben würden. Sein Problem lässt sich wesentlich konkreter benennen: Die große Batterie verspricht Langstreckentauglichkeit, die Ladetechnik kann dieses Versprechen aber nur eingeschränkt einlösen. Wer hauptsächlich regional fährt, bekommt davon wenig zu spüren. Wer regelmäßig mehrere hundert Kilometer am Stück fährt, sollte genau diesen Punkt vor dem Kauf gegen modernere Schnelllader im Segment abwägen.

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