EXEED ES GT: Neuer Shooting Brake mit Carbon-Cockpit und über 400 kW

Cherys Premiumtochter EXEED treibt die Diversifizierung ihrer rein elektrischen Modellpalette voran und hat im Rahmen des internationalen Nutzergipfels in Shanghai sowie bei anschließenden europäischen Marktvorschauen den EXEED ES GT im seriennahen Gewand präsentiert. Der als eleganter Shooting Brake gestaltete Sportkombi basiert auf der Limousine Exlantix ES und nutzt Cherys E0X-Hochvolt-Architektur. Mit gestreckter Dachlinie, muskulösen hinteren Radhäusern und eigenständigem Heckabschluss zielt das Modell direkt auf europäische Reise- und Dynamikansprüche abseits des klassischen SUV-Trends.

Für den internationalen Vertrieb, der in europäischen Kernmärkten über das Exportlabel Exlantix abgewickelt wird, stellt der Hersteller eine dreimotorige Allradkonfiguration mit einer Systemleistung von über 400 kW (rund 544 PS) in Aussicht (geplante europäische Spezifikation / Werksausblick). Gepaart mit einem 800-Volt-Siliziumkarbid-Bordnetz, CATL-Akkus mit bis zu 100 kWh Nennkapazität und einer Zweikammer-Luftfederung positioniert sich der ES GT als direkter Herausforderer für elektrische Premium-Kombis im Segment von 58.000 bis 68.000 Euro (Berechnung / eigene Schätzung).

Die europäische Nachfrage nach sportlichen Kombis mit flacher Silhouette ist ungebrochen, wie das Interesse an Nischenmodellen und Luxus-Tourern belegt. Während Marken des Konzerns mit Modellen wie dem Omoda E5 auf kompakte Crossover setzen oder mit dem Chery Fulwin T9L den Massenmarkt bedienen, wagt Chery mit dem ES GT den Vorstoß in das anspruchsvolle Fahrerdynamik-Segment. Die konstruktiven Details zu Karosseriesteifigkeit, Carbon-Interieur, Antriebsstrang und den Marktchancen in Deutschland fasst dieser Technik-Check zusammen.
Karosseriekonzept und Designphilosophie Perpetua
Die Formgebung des ES GT folgt der von Chery für die Modellgeneration 3.0 definierten Formensprache „Perpetua“. Diese verbindet strömungsoptimierte, organische Linien mit scharf konturierten Abrisskanten. Gegenüber der Stufenheck-Limousine ES verläuft die Dachlinie des Shooting Brake horizontal bis weit hinter die C-Säule, wo sie in einem aerodynamisch wirksamen Dachkantenspoiler mündet. Dieser Aufbau generiert zusätzlichen Abtrieb bei hohen Geschwindigkeiten und verhindert störende Verwirbelungen an der Heckscheibe.
An der Frontpartie kommt ein geschlossenes Scheinwerferband zum Einsatz, das mit adaptiven Matrix-LED-Einheiten gekoppelt ist. Unterhalb der Leuchteneinheiten leiten vertikale Luftkanäle (Air Curtains) den Fahrtwind gezielt an den Vorderrädern vorbei, um den Luftwiderstandsbeiwert zu senken. Die Türgriffe fahren während der Fahrt bündig in die Türblätter ein. Zur sensorischen Erfassung des Fahrzeugumfelds ist ein flacher LiDAR-Sensor auf dem vorderen Dachquerträger integriert, der Assistenzsysteme für Autobahn- und Überlandfahrten unterstützt.
Der Heckbereich zeichnet sich durch weit ausgestellte Kotflügel und ein durchgehendes LED-Leuchtenband aus. Im Vergleich zum kompakten Markenbruder EXEED EX7 profitiert der ES GT von einem breiteren Radstand und einem spürbar tieferen Schwerpunkt. Das Kofferraumvolumen wächst durch den steileren Heckabschluss auf geschätzte 520 Liter, die sich durch Umklappen der im Verhältnis 40:20:40 geteilten Rücksitzlehnen auf über 1.400 Liter erweitern lassen (Berechnung / eigene Schätzung).
Cockpit-Architektur und Carbon-Interieur
Im Innenraum setzt der ES GT auf eine fahrerorientierte Sportästhetik, die sich deutlich von den komfortbetonten Lounge-Konzepten anderer Modellreihen unterscheidet. Markantes Merkmal ist der umfangreiche Einsatz von Sichtcarbon: Sowohl die Mittelkonsole als auch die Zierleisten der Türtafeln und Elemente des unten abgeflachten Dreispeichen-Sportlenkrads bestehen aus leichtem Echtcarbon mit matter Schutzlackierung.
Die Sitze sind als konturierte Sportschalensitze mit integrierten Kopfstützen ausgeführt. Sie verfügen über pneumatisch einstellbare Seitenwangen, die sich im Fahrmodus „Sport+“ automatisch enger an den Oberkörper anlegen, um bei schneller Kurvenfahrt festen Seitenhalt zu gewährleisten. Eine integrierte Sitzbelüftung, Sitzheizung und eine gezielte Lordosenmassage verhindern Ermüdung auf Langstrecken.
Das Armaturenbrett verzichtet weitgehend auf physische Schalter und folgt einem dualen Display-Konzept:
- Horizontales Kombiinstrument: Ein schmales, reflexionsarmes Displayband direkt unterhalb der Windschutzscheibe zeigt fahrrelevante Kernwerte wie Geschwindigkeit, Ladezustand (SoC), Drehmomentverteilung und Navigationshinweise im direkten Sichtfeld des Fahrers.
- Zentraler Touchscreen: Ein freistehender 15,6-Zoll-Bildschirm mit 2,5K-Auflösung übernimmt die Steuerung von Infotainment, Fahrmodi und Klimatisierung. Befeuert wird das System von einem Qualcomm Snapdragon 8295-Prozessor, der verzögerungsfreie Menüwechsel und flüssige 3D-Fahrzeugdarstellungen ermöglicht.
Zusätzlich spiegelt ein Head-up-Display mit Augmented-Reality-Funktion dynamische Abbiegepfeile und Spurhaltehinweise direkt auf die Fahrbahn vor dem Fahrzeug.
Antriebstechnik: Über 400 kW und 800-Volt-System
Die technische Basis des ES GT bildet Cherys modulare Oberklasse-Plattform E0X, die auch für anspruchsvolle Schwestermodelle wie den Chery Luxeed S9 genutzt wird. Für den europäischen Markt avisiert der Importeur eine betont leistungsstarke Antriebsvariante:
- Dreimotoriges Tri-Motor-Setup: Ein Permanentmagnet-Synchronmotor (PMSM) an der Vorderachse wird mit zwei voneinander unabhängigen Elektromotoren an der Hinterachse kombiniert. Diese Konfiguration ermöglicht aktives Torque Vectoring an den Hinterrädern, wodurch kurvenäußere Räder beim Einlenken gezielt mit mehr Drehmoment versorgt werden.
- Systemleistung: Die Gesamtleistung des Systems beziffert der Hersteller auf über 400 kW (rund 544 PS) bei einem maximalen Systemdrehmoment von mehr als 700 Nm (Werksausblick / Vorseriendaten). Den Standardsprint von 0 auf 100 km/h soll der Kombi in rund 3,4 Sekunden absolvieren (Berechnung / Werksangabe).
- 800-Volt-Siliziumkarbid-Architektur: Das Hochvoltsystem arbeitet mit Siliziumkarbid-Halbleitern (SiC), was die Schaltverluste im Inverter minimiert und hohe Dauerströme ermöglicht.
Als Energiespeicher dient ein Lithium-Ionen-Batteriepaket von CATL mit einer Kapazität von rund 82 bis 100 kWh (je nach Ausstattungsvariante). Unter realitätsnahen WLTP-Bedingungen entspricht dies einem Aktionsradius von 520 bis 600 Kilometern (Berechnung / eigene Schätzung). Am DC-Schnelllader soll das 800-Volt-System Ladeleistungen von bis zu 300 kW verkraften, was den Ladehub von 10 auf 80 Prozent State of Charge (SoC) in etwa 16 bis 18 Minuten ermöglicht.
Fahrwerk: Zweikammer-Luftfederung und Hinterachslenkung
Um dem sportlichen Anspruch gerecht zu werden, stattet EXEED den ES GT mit einem aufwendig konstruierten Fahrwerk aus. An der Vorderachse arbeitet eine Doppelquerlenker-Konstruktion aus Aluminium-Schmiedeteilen, die hohe Querkräfte präzise aufnimmt und Lenkeinflüsse minimiert. Die Hinterachse ist als Fünflenker-Achse aufgebaut.
Serienmäßig kommt ein adaptives Zweikammer-Luftfedersystem zum Einsatz, das mit einer kontinuierlichen Dämpferregelung (CDC – Continuous Damping Control) gekoppelt ist. Über Sensoren und eine Stereokamera scannt das Fahrwerksteuergerät den Fahrbahnbelag bis zu 15 Meter vor dem Fahrzeug ab. Registriert das System Querfugen oder Unebenheiten, werden die Ventile der Dämpfer im Millisekundentakt angepasst, um Karosseriebewegungen zu minimieren.
Für Wendigkeit im Stadtverkehr und Spurstabilität bei Autobahntempo sorgt eine optionale Hinterachslenkung. Bei Geschwindigkeiten bis 50 km/h schlagen die Hinterräder bis zu fünf Grad gegensinnig zu den Vorderrädern ein, was den Wendekreis auf unter 11 Meter verkleinert. Bei höheren Tempi lenken Vorder- und Hinterräder gleichsinnig, was schnelle Spurwechsel auf der Autobahn beruhigt.
Europäische Exportpläne und Konkurrenzumfeld
Der europäische Markt für sportliche Elektro-Kombis ist überschaubar, aber prestigeträchtig. Zu den direkten Kontrahenten des EXEED ES GT zählen der Nio ET5 Touring, der Zeekr 001 sowie der Porsche Taycan Sport Turismo. Während Porsche das Hochpreissegment oberhalb von 100.000 Euro besetzt, orientiert sich der ES GT preislich am Zeekr 001 und Nio ET5 Touring.
Nach aktuellen Exportplänen bereitet Chery die Markteinführung in Pilotmärkten wie Norwegen und Spanien über Vertriebspartner wie Wismo vor, bevor größere Märkte wie Deutschland folgen. Für Mitte 2027 ist zudem der Start von Rechtslenker-Versionen in Australien bestätigt. Bei einem kalkulierten Einstiegspreis von rund 58.000 Euro für die Basiskonfiguration und rund 68.000 Euro für das 400-kW-Topmodell (eigene Schätzung / Prognose) bietet der ES GT ein konkurrenzfähiges Verhältnis aus Motorleistung, Fahrwerkstechnik und Reichweite.
Technische Daten im Überblick
| Parameter | EXEED / Exlantix ES GT (Spezifikation) | Status der Angabe |
|---|---|---|
| Fahrzeugklasse | Elektrischer Sportkombi / Shooting Brake (E-Segment) | Offiziell bestätigt |
| Plattform | Chery E0X Hochvolt-Architektur (800 Volt SiC) | Offiziell bestätigt |
| Antriebsart | Dreimotoriges Allradsystem (1 Front-PMSM + 2 Heckmotoren) | Werksausblick / Importerangabe |
| Systemleistung | Über 400 kW / rund 544 PS | Werksausblick (GoAuto / Wismo) |
| Beschleunigung (0–100 km/h) | ca. 3,4 Sekunden | Berechnung / Werksangabe |
| Batteriekapazität | ca. 82 bis 100 kWh (CATL Lithium-Ionen) | Werksausblick / Prognose |
| Elektrische Reichweite (WLTP) | ca. 520 bis 600 km | Berechnung / eigene Schätzung |
| DC-Schnellladeleistung | bis zu 300 kW (10–80 % in ca. 16–18 Min.) | Werksausblick / Schätzung |
| Fahrwerk | Doppelquerlenker vorn, Fünflenker hinten, adaptive Zweikammer-Luftfederung (CDC), Hinterachslenkung | Offiziell angekündigt |
| Kofferraumvolumen | ca. 520 bis 1.400 Liter | Berechnung / Schätzung |
| Marktstart Europa / Australien | Pilotmärkte Europa ab 2027; Australien Mitte 2027 | Offizielle Terminplanung |
| Preisorientierung Deutschland | ab ca. 58.000 bis 68.000 Euro | Berechnung / eigene Schätzung |
Fazit: Cherys Vorstoß in das europäische Touring-Segment
Mit dem EXEED ES GT beweist Chery gestalterischen Mut und technische Ambition. Statt ein weiteres austauschbares Elektro-SUV aufzulegen, wählt der Konzern die anspruchsvolle Shooting-Brake-Silhouette und kombiniert sie mit rennsporterprobten Werkstoffen wie Echtcarbon sowie einem Dreimotoren-Konzept. Die E0X-Plattform mit 800-Volt-Architektur und adaptiver Luftfederung liefert die notwendigen konstruktiven Grundlagen, um auch auf anspruchsvollen europäischen Schnellstraßen und kurvigen Streckenprofilen zu überzeugen.
Entscheidend für den Markterfolg in Deutschland werden das finale Abstimmungs-Setup der Lenkung, die softwareseitige Reife des Qualcomm-Cockpits und der Ausbau eines verlässlichen Servicenetzes sein. Gelingt Chery ein Einstiegspreis unterhalb von 60.000 Euro bei voller Komfortausstattung, erhält das bisher dünn besetzte Segment elektrischer Sportkombis eine leistungsstarke Alternative.




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