Chery ruft 53.882 Autos zurück: Warum deutsche Omoda 5 anders aufgebaut sind

Chery ruft in China 53.882 Fahrzeuge der Baureihen Tiggo 5x und Omoda zurück. Der Grund ist eine möglicherweise fehlerhafte Schweißverbindung an der Hinterachse, die unter hoher Belastung versagen und die Radführung beeinträchtigen kann. Nach einem Hinterachsschaden an einem Omoda 5 in Malaysia sorgt die neue Rückrufaktion auch in Europa für Fragen. Für deutsche Besitzer gibt es jedoch eine wichtige technische Entwarnung: Nach Angaben europäischer Omoda-Importeure verwenden die hier offiziell vertriebenen Fahrzeuge eine andere Hinterachskonstruktion als die betroffenen älteren malaysischen Modelle.
Unsere Analyse untersucht die betroffenen Produktionszeiträume, die mechanische Ursache des Defekts und die Unterschiede zwischen den asiatischen und europäischen Fahrzeugversionen. Dabei ist entscheidend, was bereits durch Herstellerangaben bestätigt wurde und welche Details zur chinesischen Rückrufkampagne noch nicht öffentlich vorliegen.
Chery-Rückruf: 53.882 Fahrzeuge aus den Jahren 2022 und 2023
Die chinesische State Administration for Market Regulation (SAMR) veröffentlichte die Rückrufmeldung am 6. November 2026. Unter der Kennzeichnung S2026M0146V erfasst Chery bestimmte Tiggo 5x und Omoda, die zwischen dem 6. Juni 2022 und dem 31. Dezember 2023 produziert wurden. Die Maßnahme beginnt am 27. November 2026.
Bei den betroffenen Fahrzeugen kann die Schweißverbindung zwischen einem Längslenker der Hinterachse und einer Hülse aufgrund eines Fertigungsproblems unzureichend ausgeführt sein. Unter extremen Belastungen könnte sich die Verbindung lösen. Dadurch besteht das Risiko, dass die Führung des Hinterrades beeinträchtigt wird und der Fahrer die Kontrolle über das Fahrzeug verliert.
| Parameter | Rückruf S2026M0146V |
|---|---|
| Hersteller | Chery Automobile |
| Modelle | Tiggo 5x und Omoda-Baureihe |
| Fahrzeugzahl | 53.882 |
| Produktionszeitraum | 06.06.2022–31.12.2023 |
| Technischer Fehler | Möglicherweise unzureichende Schweißverbindung an der Hinterachse |
| Rückrufbeginn | 27.11.2026 |
| Abhilfe | Prüfung des Produktionscodes und gegebenenfalls kostenloser Austausch der Hinterachse |
Die Zahl von 53.882 Fahrzeugen bedeutet nicht, dass bei allen Autos eine fehlerhafte Schweißnaht vorhanden ist. Chery will zunächst die Produktionscodes der Hinterachsen überprüfen. Ein Austausch ist für diejenigen Achsen vorgesehen, die den beanstandeten Fertigungslosen zugeordnet werden.
Was an der Hinterachse versagen kann
Der Längslenker ist ein sicherheitsrelevanter Bestandteil der Radführung. Er nimmt Kräfte auf, die beim Bremsen, Beschleunigen und Überfahren von Fahrbahnunebenheiten entstehen. Bei einer Verbundlenkerhinterachse sind die beiden Radführungen über einen querliegenden Träger miteinander verbunden. Die Verbindung zwischen Längslenker und Lagerhülse muss deshalb auch unter wiederholten Lastwechseln dauerhaft stabil bleiben.
Eine unzureichend ausgeführte Schweißnaht kann die Belastbarkeit einer solchen Verbindung reduzieren. Mögliche Ursachen sind beispielsweise mangelnde Durchschweißung oder unvollständige Verbindung der Bauteile. Wird die Verbindung geschädigt, kann sich die Position des Hinterrades verändern. Im Extremfall droht der Verlust der vorgesehenen Radführung.
Die chinesische Rückrufmeldung beschreibt eine unzureichende Schweißqualität als Fehlerursache. Sie enthält jedoch keine öffentlich zugänglichen Detailmessungen zur Schweißnahtfestigkeit, keine Angaben über die Zahl tatsächlich gebrochener Achsen und keine vollständige Liste der betroffenen Bauteilnummern.
Warum die europäische Omoda 5 eine andere Hinterachse besitzt
Der wichtigste Unterschied liegt in der Fahrwerkskonstruktion. Die älteren malaysischen Omoda 5 der Varianten C und H verwenden eine Verbundlenkerhinterachse. Für europäische Omoda-5-Versionen wird dagegen eine unabhängige Mehrlenker-Hinterachse angegeben. Diese Konstruktion besitzt eine andere Anordnung der Radführungsbauteile und unterscheidet sich damit grundsätzlich von der beanstandeten malaysischen Ausführung.
Eine konkrete Stellungnahme dazu liegt aus Tschechien vor. Igor Duszek, Aftersales Operations Manager von Omoda & Jaecoo Czech Republic, erklärte gegenüber dem Automobilportal Autohled im Oktober 2026, dass die Fahrzeuge für den europäischen Markt eine andere Hinterachskonstruktion verwenden. Die vom malaysischen Vorfall betroffene Konstruktion sei nach Angaben des Importeurs nicht über das offizielle Vertriebsnetz nach Europa geliefert worden.
Auch aus anderen europäischen Märkten wurden entsprechende konstruktive Unterschiede beschrieben. Damit besteht eine nachvollziehbare technische Grundlage für die Einschätzung, dass die offiziell vertriebenen europäischen Omoda 5 nicht von dem malaysischen Hinterachsproblem betroffen sind.
Diese Aussage bezieht sich allerdings auf die durch europäische Importeure erläuterte malaysische Achskonstruktion. Für die neue chinesische Kampagne S2026M0146V liegt bislang keine öffentlich zugängliche vollständige Zuordnung sämtlicher betroffener Achsbauteile zu europäischen Fahrzeug-Identifizierungsnummern vor.
Unterschiedliche Hinterachsen: Was bedeutet das technisch?
Bei einer Verbundlenkerhinterachse werden die Räder über zwei längs angeordnete Arme geführt, die durch einen querliegenden, torsionsfähigen Träger miteinander verbunden sind. Die Bauweise benötigt vergleichsweise wenige Komponenten und ist kompakt. Allerdings übernehmen die Schweißverbindungen zwischen den einzelnen Achsbauteilen eine wesentliche strukturelle Funktion.
Eine Mehrlenker-Hinterachse führt jedes Hinterrad dagegen über mehrere separate Lenker. Die einzelnen Bauteile übernehmen unterschiedliche Aufgaben bei der Aufnahme von Längs- und Querkräften. Das ermöglicht eine unabhängigere Einstellung von Radführung und Fahrwerkskinematik.
Aus diesem Unterschied folgt nicht, dass eine Mehrlenkerachse grundsätzlich frei von Schweiß- oder Materialfehlern wäre. Er bedeutet jedoch, dass ein Defekt an einer bestimmten Schweißverbindung einer Verbundlenkerachse nicht automatisch auf eine anders konstruierte Mehrlenker-Hinterachse übertragen werden kann.
Für eine verbindliche Zuordnung sind daher die tatsächlich verbauten Bauteilnummern und Produktionscodes wichtiger als die gemeinsame Modellbezeichnung Omoda 5.
Schon 2024 gab es einen ähnlichen Rückruf
Die aktuellen Sicherheitsmaßnahmen stehen nicht isoliert. Bereits 2024 musste Chery in Malaysia 600 Omoda 5 vorsorglich überprüfen, nachdem ein Schaden an der Hinterachse bekannt geworden war. Damals führte das Unternehmen den Fehler auf eine fehlerhafte Kalibrierung der Schweißanlage im Zusammenhang mit Arbeiten an der Fertigungseinrichtung zurück.
Nach Angaben von Chery Malaysia waren bei der damaligen Untersuchung 60 Fahrzeuge identifiziert worden, deren Hinterachsen ersetzt werden mussten. Der Hersteller verwies auf die Rückverfolgbarkeit der betroffenen Produktionscharge.
Im Oktober 2026 folgte nach einem weiteren Vorfall in Malaysia eine neue Rückrufkampagne für 8.878 ältere Omoda 5 der Varianten C und H. Diese Maßnahme ist von der chinesischen Aktion mit 53.882 Fahrzeugen zu unterscheiden. Die beiden Zahlen dürfen nicht addiert werden, ohne mögliche Überschneidungen und die unterschiedlichen Fahrzeugpopulationen zu berücksichtigen.
Die Ähnlichkeit der Schadensbilder legt eine Untersuchung der Fertigungsprozesse nahe. Öffentlich ist jedoch nicht abschließend belegt, dass sämtliche Vorfälle auf denselben Produktionsfehler, dieselbe Schweißanlage oder denselben Zulieferer zurückgehen.
Welche Produktionscharge könnte nach Deutschland gelangt sein?
Die chinesische Rückrufmeldung nennt einen klaren Zeitraum für die betroffenen Fahrzeuge: Juni 2022 bis Dezember 2023. Sie veröffentlicht jedoch keine vollständigen VIN-Bereiche und keine Liste der beanstandeten Hinterachs-Produktionscodes.
Das ist für die europäische Bewertung entscheidend. Das Herstellungsdatum eines Autos ist nicht zwingend identisch mit dem Fertigungsdatum seiner Hinterachse. Eine zuverlässige Rückverfolgung erfolgt deshalb über die Kennzeichnung des tatsächlich eingebauten Bauteils.
Für die offiziell vertriebenen europäischen Omoda 5 spricht die abweichende Mehrlenker-Konstruktion gegen eine direkte Übertragung des bekannten malaysischen Defekts. Eine dokumentierte Überschneidung der beanstandeten chinesischen Hinterachs-Fertigungslose mit deutschen Fahrzeugen ist bislang nicht nachgewiesen.
Gleichzeitig lässt sich aus dem späteren deutschen Marktstart allein nicht ableiten, dass niemals ein früher produziertes Fahrzeug nach Deutschland gelangt sein könnte. Das betrifft insbesondere individuell importierte Fahrzeuge, deren technische Ausführung von der regulären europäischen Spezifikation abweichen kann.
Was bedeutet der Rückruf für deutsche Omoda-Besitzer?
Für Besitzer eines regulär über das europäische Vertriebsnetz erworbenen Omoda 5 besteht nach den vorliegenden Aussagen europäischer Importeure kein Hinweis darauf, dass die aus Malaysia bekannte problematische Hinterachskonstruktion verbaut wurde. Eine pauschale Aufforderung zum Austausch der Hinterachse deutscher Fahrzeuge lässt sich daraus nicht begründen.
Wer eine verbindliche Auskunft für sein eigenes Fahrzeug benötigt, sollte die Fahrzeug-Identifizierungsnummer bei einem autorisierten Omoda-Servicepartner prüfen lassen. Das gilt besonders für privat importierte Fahrzeuge oder Fahrzeuge mit unbekannter Herkunft.
Für deutsche Rückrufmaßnahmen ist die Rückrufdatenbank des Kraftfahrt-Bundesamtes eine wichtige Informationsquelle. Eine fehlende öffentliche Meldung allein ersetzt allerdings keine fahrzeugbezogene Herstellerprüfung.
Ungewöhnliche Geräusche aus dem Bereich der Hinterachse, eine sichtbar veränderte Radstellung oder plötzlich auffälliges Fahrverhalten sollten unabhängig von der Rückruflage ernst genommen werden. Bei Verdacht auf einen strukturellen Schaden darf das Fahrzeug nicht weitergefahren werden, bis eine fachgerechte Überprüfung erfolgt ist.
Unsere Analyse: Warum die Bauteilnummer mehr aussagt als die Rückrufzahl
Der Fall zeigt, wie schwierig die Bewertung internationaler Rückrufaktionen anhand einer gemeinsamen Modellbezeichnung sein kann. Chery verkauft Fahrzeuge unter den Namen Omoda und Tiggo in unterschiedlichen Märkten, teilweise mit abweichenden Motorisierungen, Getrieben und Fahrwerkskonstruktionen.
Die chinesische Rückrufzahl beschreibt zunächst eine definierte Gruppe von Fahrzeugen, deren Hinterachsen anhand ihrer Produktionskennzeichnung kontrolliert werden müssen. Sie belegt weder, dass alle 53.882 Achsen defekt sind, noch, dass Fahrzeuge außerhalb dieser Gruppe automatisch identische Bauteile verwenden.
Für Deutschland ist die entscheidende Erkenntnis deshalb nicht allein der spätere Marktstart, sondern die konstruktive Abweichung der offiziell angebotenen europäischen Modelle. Die Stellungnahme des tschechischen Importeurs liefert dafür eine konkrete Herstellerinformation. Eine vollständige technische Ausschlussbestätigung für die chinesische Kampagne würde zusätzlich einen Abgleich der Bauteilnummern und VIN-Daten erfordern.
Aus redaktioneller Sicht bleibt diese Unterscheidung wesentlich: Die europäische Mehrlenker-Hinterachse ist ein belegter Konstruktionsunterschied. Die Behauptung, sämtliche in Deutschland befindlichen Omoda seien durch eine individuelle Herstellerprüfung ausdrücklich von jeder Rückrufmaßnahme ausgeschlossen worden, wäre dagegen derzeit nicht ausreichend dokumentiert.
Fazit: Technische Entwarnung für europäische Omoda – chinesische Chargen bleiben entscheidend
Der Rückruf von 53.882 Tiggo 5x und Omoda in China ist eine ernst zu nehmende Sicherheitsmaßnahme. Eine mangelhafte Schweißverbindung an der Hinterachse kann die Radführung beeinträchtigen und im Extremfall zu einem gefährlichen Kontrollverlust führen.
Für deutsche Omoda-Besitzer fällt die Bewertung jedoch anders aus als für die betroffenen asiatischen Fahrzeugversionen. Europäische Importeure bestätigen eine abweichende Hinterachskonstruktion und erklären, dass die aus Malaysia bekannte problematische Ausführung nicht über das offizielle europäische Vertriebsnetz geliefert wurde.
Damit gibt es eine technische Grundlage für die Entwarnung bei regulär vertriebenen europäischen Omoda 5. Offen bleibt lediglich die vollständige Zuordnung der chinesischen Rückrufchargen anhand von Bauteilnummern und VIN-Daten. Solange diese Informationen nicht öffentlich vorliegen, sollte die chinesische Maßnahme nicht pauschal als deutscher Omoda-Rückruf dargestellt werden.




Hinterlassen Sie Feedback dazu