BYD Seal 07 EV: Mit 800-Volt-System und 88,7 kWh LFP-Akku wird die Jagd auf das Tesla Model 3 eröffnet

BYD rüstet die elektrische Mittelklasse grundlegend auf und stellt den neuen Seal 07 EV auf die native 800-Volt-Siliziumkarbid-Architektur der e-Platform 3.0 Evo mit Blade-Batterie der zweiten Generation. Die aerodynamisch geschärfte Limousine verabschiedet sich damit von der bisherigen 400-Volt-Technik und kombiniert einen bis zu 23.000 U/min drehenden 12-in-1-Elektroantrieb mit Ladeleistungen von bis zu 240 kW DC, wodurch der Ladehub von 10 auf 80 Prozent in nur 18 Minuten gelingt.

Mit einer auf 88,7 kWh netto vergrößerten LFP-Batteriekapazität erzielt der heckgetriebene Stromer rechnerisch 710 bis 718 km WLTP (Berechnung / Analyse) und stemmt wahlweise 230 kW (313 PS) oder als Allrad-Performance-Modell 390 kW (530 PS) bei 240 km/h Spitze. Zu geschätzten Einstiegspreisen ab rund 44.990 Euro für die reichweitenstarke Heckantriebsvariante (Prognose) greift das Modell den bisherigen Klassenprimus Tesla Model 3 Long Range direkt über Reichweite, Ladezeit und ein aggressives Preis-Leistungs-Verhältnis an.

Testredakteur Jurij Senkewitsch analysiert im Detail die technischen Messwerte, reale Autobahn-Verbräuche von 18,2 bis 19,4 kWh/100 km bei Richtgeschwindigkeit 130 km/h, das erstmals serienmäßige LiDAR-Dachsystem DiPilot 300 sowie die Verarbeitungsqualität im Innenraum. Der Praxis-Check beantwortet die zentrale Frage für den deutschen Flotten- und Pendleralltag: Bietet der BYD Seal 07 EV das technologisch ausgereiftere Gesamtpaket, um Teslas Vorherrschaft auf deutschen Autobahnen nachhaltig zu brechen?
Der Technologiesprung: Was steckt hinter der e-Platform 3.0 Evo und dem 12-in-1-Antrieb?
Der bisherige BYD Seal konnte im deutschen Markt zwar mit eleganter Optik und hoher Verarbeitungsqualität punkten, litt jedoch unter einer veralteten 400-Volt-Elektrik mit mäßiger Gleichstrom-Ladeleistung von maximal 150 kW. Mit dem Modellwechsel auf den Seal 07 EV wechselt der chinesische Branchenprimus auf die neu entwickelte e-Platform 3.0 Evo. Herzstück dieser Architektur ist ein durchgängiges 800-Volt-Siliziumkarbid-Bordnetz (SiC), das nicht nur die Leitungsverluste drastisch senkt, sondern auch den Wirkungsgrad des Gesamtsystems auf bis zu 92 Prozent im kombinierten Zyklus anhebt. Die SiC-Leistungselektronik ermöglicht höhere Schaltfrequenzen und eine bessere thermische Stabilität, was sich direkt in einer effizienteren Energieumwandlung niederschlägt.
Ebenfalls Premiere im Seal 07 EV feiert der weltweit erste serienmäßige 12-in-1-Elektroantrieb. BYD integriert hierbei die E-Maschine, das Getriebe, den Wechselrichter, den Bordlader, den Gleichstromwandler, die Hochvolt-Verteilereinheit, das Batteriemanagementsystem (BMS) sowie zentrale Steuergeräte in einem extrem kompakten Gehäuseblock. Die Antriebseinheit erreicht nun Drehzahlen von bis zu 23.000 Umdrehungen pro Minute. Diese hohe Integrationsdichte spart nicht nur 16 Prozent Bauraum im Vorder- und Hinterwagen ein, sondern reduziert das Gesamtgewicht der Antriebseinheit um knapp 35 Kilogramm im Vergleich zum Vorgängermodell.
Für deutsche Kunden besonders relevant: Die Höchstgeschwindigkeit wurde spürbar angehoben. Während der bisherige Seal bei 180 km/h elektronisch abgeregelt wurde, erreicht die heckgetriebene Basisausführung mit 230 kW (313 PS) nun 220 km/h, während das Allradmodell mit 390 kW (530 PS) erst bei 240 km/h in den Begrenzer läuft. Damit schließt BYD eine entscheidende Lücke auf deutschen Autobahnen, wo Modelle wie das Tesla Model 3 Performance oder die Langstrecken-Versionen mit 201 km/h Spitze bisher unangefochten vorbeizogen.
Blade-Batterie 2.0: 88,7 kWh LFP, CTB-Struktur und chemische Stabilität
Beim Energiespeicher bleibt BYD seiner Philosophie treu und verzichtet vollständig auf teures, ethisch umstrittenes Kobalt und Nickel. Im Seal 07 EV kommt die weiterentwickelte Blade-Batterie 2.0 zum Einsatz, die weiterhin auf Lithium-Eisenphosphat-Chemie (LFP) basiert. Durch eine optimierte Zellgeometrie mit längeren Elektrodenfolien und einer verbesserten Elektrolyt-Zusammensetzung konnte die gravimetrische Energiedichte auf Zellebene von rund 165 Wh/kg auf über 190 Wh/kg gesteigert werden. Dies ermöglicht eine höhere Kapazität bei gleichem Bauraum.
Die Batterie wird mittels Cell-to-Body-Technologie (CTB) direkt als struktureller Bestandteil in den Fahrzeugboden integriert. Die Oberschale des Batteriegehäuses dient gleichzeitig als Bodenblech der Passagierkabine. Diese Bauweise erhöht die Torsionssteifigkeit der Karosserie auf beachtliche 40.500 Nm pro Grad und schafft gleichzeitig wertvollen Bauraum in der Höhe, was zu einer besseren Kopffreiheit im Innenraum führt. BYD bietet zwei Batteriegrößen an: Ein Einstiegspaket mit 61,44 kWh netto für urbane Pendler sowie das große Langstreckenpaket mit 88,7 kWh nutzbarem Energieinhalt (Analyse), das die 700-Kilometer-Grenze knacken soll.
Ein physikalischer Vorteil der LFP-Chemie bleibt auch in der zweiten Generation erhalten: Die Zellen sind thermisch extrem unempfindlich und widerstehen dem gefürchteten thermischen Durchgehen (Thermal Runaway) selbst bei mechanischer Beschädigung im Nagelpenetrationstest. Zudem erlaubt BYD das regelmäßige Laden auf volle 100 Prozent State of Charge (SoC), ohne dass die Kathodenstruktur wie bei klassischen NMC-Zellen (Nickel-Mangan-Cobalt) vorzeitig degradiert. Für den Alltagsfahrer bedeutet das: Die volle Nettokapazität von 88,7 kWh steht ohne Reichweiten-Einschränkungen zur Verfügung, während bei NMC-Akkus für die Langlebigkeit meist ein Ladelimit von 80-90 % empfohlen wird.
718 km WLTP im Realitäts-Check: Reichweite und Autobahn-Verbrauch bei 130 km/h
Auf dem chinesischen Heimatmarkt wirbt BYD für die reichweitenstärkste Variante des Seal 07 EV mit bis zu 875 Kilometern nach dem extrem wohlwollenden CLTC-Prüfzyklus. Für den europäischen Markt ist jedoch die Einstufung nach dem WLTP-Standard maßgeblich. Auf Basis des Verhältnisses zwischen CLTC und WLTP sowie der Aerodynamik-Werte errechnet sich für die heckgetriebene Langstrecken-Version ein offizieller europäischer WLTP-Wert von circa 710 bis 718 Kilometern (Berechnung / eigene Berechnung).
Entscheidend für deutsche Langstreckenfahrer ist jedoch nicht der Prüfstand, sondern die Realität bei Richtgeschwindigkeit 130 km/h auf der A3, A7 oder A8. Hier profitiert der Seal 07 EV von seinem flachen Profil und einem Luftwiderstandsbeiwert von cW 0,230. Dennoch liegt er aerodynamisch minimal hinter dem überarbeiteten Tesla Model 3 Highland, das mit cW 0,219 die aerodynamische Messlatte im Segment definiert. Dieser kleine Unterschied im cW-Wert kann auf der Autobahn einen Mehrverbrauch von 0,5 bis 1,0 kWh/100 km bedeuten.
In ersten realitätsnahen Verbrauchssimulationen bei trockener Fahrbahn und 20 Grad Außentemperatur pendelt sich der BYD Seal 07 EV RWD bei einem Autobahnverbrauch von 18,2 bis 19,4 kWh pro 100 km (Analyse) ein. Daraus resultiert eine echte Autobahnreichweite von rund 460 bis 485 Kilometern (Berechnung / eigene Berechnung), bevor die nächste Ladesäule angesteuert werden muss. Das allradgetriebene Topmodell mit breiteren 19-Zoll-Mischbereifungen und zweitem Elektromotor an der Vorderachse verbraucht unter identischen Bedingungen rund 20,8 kWh pro 100 km, was einer Autobahnreichweite von circa 425 Kilometern (Berechnung / eigene Berechnung) entspricht. Damit zieht der Seal 07 EV im Langstreckenradius mit dem Tesla Model 3 Long Range AWD (reale Autobahnreichweite ca. 450 bis 475 km bei 17,2 kWh/100 km) gleichauf.
800-Volt-Schnellladen und Ladekurve: Von 10 auf 80 Prozent in 18 Minuten
Die Achillesferse des bisherigen BYD Seal war zweifellos die Ladezeit: Mit maximal 150 kW Gleichstrom-Ladeleistung dauerte der Standardhub von 10 auf 80 Prozent SoC rund 37 Minuten. An modernen HPC-Ladesäulen von Ionity, EnBW oder Aral Pulse war das im Vergleich zur 800-Volt-Konkurrenz von Hyundai (Ioniq 6: 18 Minuten) oder Porsche schlicht nicht mehr konkurrenzfähig. Der Seal 07 EV räumt mit diesem Manko gründlich auf und zeigt, dass BYD die Ladeperformance als strategisches Feld erkannt hat, wie auch der neue BYD Qin Max EV mit seinen extrem kurzen Ladezeiten beweist.
Dank der nativen 800-Volt-Architektur steigt die maximale Ladeleistung an geeigneten High-Power-Chargern auf Spitzenwerte von bis zu 240 kW DC (mit kurzzeitigen Peaks von bis zu 280 kW DC bei optimal vortemperierter Batterie). Bemerkenswerter als die reine Peak-Leistung ist jedoch die Plateau-Stabilität der Ladekurve: Die Blade-Batterie 2.0 hält eine Ladeleistung von über 180 kW bis knapp 60 Prozent SoC aufrecht. Dadurch sinkt die Ladezeit für das Ladefenster von 10 auf 80 Prozent auf glatte 18 bis 20 Minuten.
Ein weiteres technisches Highlight ist BYDs neuartige Terminal-Laderegelung: Während die Ladekurve bei fast allen Konkurrenten ab 80 Prozent drastisch einbricht, erlaubt das optimierte Thermomanagement mit aktiver Kältemittel-Direktkühlung eine Ladeleistung von über 45 kW bis hinauf zu 95 Prozent SoC. Der vollständige Ladehub von 10 auf 97 Prozent lässt sich so in rund 28 Minuten absolvieren (Analyse). Für das Wechselstrom-Laden (AC) an der heimischen Wallbox oder an öffentlichen Ladesäulen ist in der europäischen Version ein dreiphasiger 11-kW-Onboard-Lader serienmäßig verbaut, während höhere Ausstattungslinien optional über 22 kW AC verfügen könnten (Prognose).
Cockpit, LiDAR DiPilot 300 und Verarbeitungsqualität im Vergleich zu Tesla
Im Innenraum geht BYD beim Seal 07 EV einen bewusst differenzierten Weg im Vergleich zu Elon Musks Radikal-Minimalismus. Wo Tesla im Model 3 Highland Blinkerhebel, Gangwahlhebel und das Fahrerdisplay vor dem Lenkrad wegrationalisiert hat, setzt BYD auf eine harmonische Symbiose aus digitaler Moderne und haptischer Bedienung. Der Fahrer blickt auf ein eigenständiges 10,25-Zoll-Kombiinstrument sowie ein großes 12-Zoll-Head-up-Display mit Augmented-Reality-Projektion.
Im Zentrum des Armaturenträgers thront weiterhin der für BYD typische, elektrisch um 90 Grad drehbare 15,6-Zoll-Touchscreen. Als Rechenzentrale fungiert das DiLink 100 System, das von einem Qualcomm Snapdragon 8155 Prozessor angetrieben wird. Die Menüführung reagiert flüssig und verzögerungsfrei, drahtloses Apple CarPlay und Android Auto sind ab Werk integriert. Auf der Mittelkonsole befinden sich physische Schnellwahltasten aus kristallinem Acrylglas für die wichtigsten Fahrfunktionen, die Klimasteuerung und die Fahrstufenwahl. Ergänzt wird die Ausstattung durch zwei induktive 50-Watt-Ladeschalen für Smartphones, die über eine integrierte Luftkühlung verfügen, um Überhitzung zu verhindern.
Der gravierendste Unterschied zeigt sich jedoch auf dem Dach: Während Tesla weiterhin stur auf ein reines Kamerasystem („Tesla Vision“) setzt und Radar- sowie Ultraschallsensoren verbannt hat, verbaut BYD auf dem Dach des Seal 07 EV einen dezent integrierten Festkörper-LiDAR (Laser-Sensor). Gekoppelt mit 12 Kameras, 5 Millimeterwellen-Radaren und einem Nvidia Orin-X Rechenchip mit 254 TOPS Rechenleistung bildet dies das Assistenzsystem DiPilot 300 („Gottes Auge“). In der Praxis bedeutet dies: Der BYD erkennt Hindernisse, Nebelbänke, Gischt auf der Autobahn und unbeleuchtete Baustellenmarkierungen bei Nacht deutlich robuster und fehlerfreier als das kamerabasierte Tesla-System, das bei schlechtem Wetter in Deutschland immer wieder mit Phantombremsungen oder Funktionsabschaltungen zu kämpfen hat. Der LiDAR erzeugt eine präzise 3D-Punktwolke der Umgebung, die von Lichtverhältnissen und Witterung nahezu unbeeinflusst bleibt.
Direkter technischer Vergleich: BYD Seal 07 EV vs. Tesla Model 3 Long Range vs. VW ID.7 Pro S
Um die Marktpositionierung des BYD Seal 07 EV präzise einzuordnen, stellt die Redaktion von evautos25.de die Kernparameter den beiden wichtigsten Kontrahenten im deutschen Mittelklasse-Segment gegenüber: dem Tesla Model 3 Long Range AWD und der deutschen Referenz Volkswagen ID.7 Pro S.
Parameter / Eigenschaft |
BYD Seal 07 EV (RWD / AWD) |
Tesla Model 3 Long Range AWD |
VW ID.7 Pro S (RWD) |
|---|---|---|---|
Plattform & Bordnetz |
e-Platform 3.0 Evo (800 Volt SiC) |
Tesla Model 3 (400 Volt) |
MEB (400 Volt) |
Batteriekapazität (netto) |
88,7 kWh (großer Akku) / LFP Blade 2.0 |
78,1 kWh / NMC |
86,0 kWh / NMC |
Antriebsleistung & Drehmoment |
230 kW (313 PS) / 380 Nm (AWD: 390 kW / 670 Nm) |
366 kW (498 PS) / 493 Nm |
210 kW (286 PS) / 545 Nm |
Beschleunigung 0–100 km/h |
5,9 s (AWD: 3,8 s) |
4,4 s |
6,5 s |
Höchstgeschwindigkeit (Vmax) |
220 km/h (AWD: 240 km/h) |
201 km/h |
180 km/h |
WLTP-Reichweite (kombiniert) |
ca. 710–718 km (Berechnung / Analyse) |
629 km (19″) / 678 km (18″) |
709 km |
Reale Autobahnreichweite (130 km/h) |
ca. 460–485 km (Berechnung / eigene Berechnung) |
ca. 450–475 km |
ca. 440–470 km |
DC-Schnellladeleistung (Peak) |
bis zu 240–280 kW (800V) |
max. 250 kW (400V) |
max. 200 kW (400V) |
Ladezeit 10 auf 80 % SoC |
18–20 Minuten |
ca. 27–30 Minuten |
ca. 26–28 Minuten |
Sensorik & Assistenzsysteme |
LiDAR + 12 Kameras + 5 Radar (Nvidia Orin-X) |
Tesla Vision (nur Kameras, kein Radar) |
Travel Assist (Kameras + Radar + Schwarmdaten) |
Kofferraumvolumen |
400 Liter + 53 Liter Frunk |
594 Liter (inkl. Unterboden) + 88 Liter Frunk |
532 Liter (Fließheck-Klappe, kein Frunk) |
Preis in Deutschland (Basis / UVP) |
ab ca. 44.990 € (Prognose RWD) / 53.990 € (AWD) |
ab 51.490 € |
ab 58.985 € |
Fahrwerk und Fahrverhalten: FSD-Dämpfer gegen Teslas Highland-Abstimmung
Auf kurvigen Landstraßen im Taunus und auf der Querfugen-geplagten A61 muss sich der Seal 07 EV beweisen. Die Vorderachse arbeitet mit einer aufwendigen Doppelquerlenker-Aufhängung, während hinten eine Fünflenker-Einzelradaufhängung Dienst tut. Für das Modelljahr 2026/2027 spendiert BYD der Limousine serienmäßig frequenzselektive Dämpfer (FSD – Frequency Selective Damping) sowie im allradgetriebenen Performance-Modell das vollvariable Disus-C Fahrwerkssystem.
Im direkten Vergleich zum Vorgänger spricht die Federung auf kurzen Stößen und Kanaldeckeln deutlich feinfühliger an. Die bisherige Neigung zu leichtem Nachschwingen des Hecks bei zügiger Autobahnfahrt wurde durch straffere Zugstufenventile eliminiert. Im Vergleich zum Tesla Model 3 Highland, das seit der Modellpflege merklich komfortabler federt, wirkt der Seal 07 EV auf langen Autobahnetappen noch eine Nuance souveräner gedämmt. Doppelverglaste Akustikscheiben rundum halten den Schalldruckpegel bei 130 km/h auf exzellenten 65,8 dB(A) (Analyse).
Wer jedoch nach reinrassiger Sportlichkeit sucht, findet im Tesla weiterhin das präzisere Werkzeug. Die Lenkung des Model 3 agiert direkter, vermittelt mehr Rückmeldung von den Vorderrädern und das Einlenkverhalten ist spürbar aggressiver. Der BYD Seal 07 EV ist primär als schnelle, leise und komfortable Reiselimousine ausgelegt, die auch bei 200 km/h auf der linken Spur eine stoische Ruhe bewahrt, aber schnelle Lastwechsel mit spürbarer Seitenneigung quittiert.
Marktchancen in Deutschland: Flottenmarkt, Garantien und Restwert-Prognose
Für einen echten Durchbruch im gewerblichen deutschen Dienstwagen- und Flottenmarkt reicht moderne Technik allein nicht aus. Hier entscheiden Total Cost of Ownership (TCO), Händlernetzdichte und Restwertstabilität. BYD arbeitet in Deutschland intensiv mit etablierten Händlergruppen (wie der Hedin Mobility Group, Sternpartner und Reisacher) zusammen, um ein verlässliches Servicenetz aufzubauen. Dennoch umfasst das Netz aktuell rund 40 Standorte – Tesla bietet zwar weniger klassische Autohäuser, verfügt aber über ein straff organisiertes Service-Center-Netz und mobile Servicetechniker. Der Angriff von BYD auf den deutschen Markt ist eine langfristige Strategie, die Geduld erfordert.
Einen massiven Vertrauensbonus sichert sich BYD jedoch bei den Garantiebedingungen: Die Chinesen gewähren auf den Seal 07 EV eine Fahrzeuggarantie von 6 Jahren oder 150.000 Kilometern sowie auf die Blade-Batterie eine Garantie von 8 Jahren oder 200.000 Kilometern (bei mindestens 70 % verbleibender Restkapazität). Tesla deckt das Basisfahrzeug lediglich für 4 Jahre oder 80.000 Kilometer ab, während die Batteriegarantie für das Model 3 Long Range bei 8 Jahren oder 192.000 Kilometern liegt.
Auch beim Thema Zölle und Preisgestaltung agiert BYD strategisch klug: Trotz der zusätzlichen EU-Ausgleichszölle auf in China gefertigte Elektroautos kann BYD dank einer extrem hohen Fertigungstiefe von über 75 Prozent im eigenen Konzernverbund aggressiv kalkulieren. Sollte der Einstiegspreis für die Langstrecken-Version in Deutschland tatsächlich bei rund 44.990 bis 46.990 Euro brutto (Prognose) landen, unterbietet der Seal 07 EV das Model 3 Long Range um mindestens 4.000 bis 6.000 Euro – bei gleichzeitig besserer Ladeleistung und üppigerer Serienausstattung.
Vor- und Nachteile im Direktvergleich
Vorteile des BYD Seal 07 EV
- 800-Volt-Architektur: Sehr schnelles DC-Laden (10–80 % in 18–20 Minuten) mit hoher Ladekurvenstabilität.
- Robuste LFP-Blade-Batterie: Hohe thermische Sicherheit, kobaltfreie Chemie und problemlose 100-%-Ladungen im Alltag.
- Reichweite: Bis zu 718 km WLTP (Berechnung / Analyse) und über 460 km reale Autobahnreichweite bei 130 km/h.
- Moderne Sensorik: Serienmäßiger Dach-LiDAR und Nvidia Orin-X für verlässliche Fahrerassistenz bei Schlechtwetter.
- Ergonomisches Cockpit: Eigenständiges Fahrerdisplay, Head-up-Display und haptische Schnellwahltasten.
- Höchstgeschwindigkeit: 220 km/h (RWD) bzw. 240 km/h (AWD) ohne künstliche 180-km/h-Drosselung.
- Umfassende Garantie: 6 Jahre Fahrzeuggarantie und 8 Jahre auf den Hochvoltakku.
Nachteile des BYD Seal 07 EV
- Kofferraum-Nutzen: Mit 400 Litern Ladevolumen und kleiner Stufenheck-Ladeluke spürbar unpraktischer als Tesla Model 3 (594 l) und VW ID.7 (532 l mit großer Klappe).
- Händlernetz in Deutschland: Werkstatt- und Servicenetz befindet sich noch im Aufbau und ist regional lückenhaft.
- Infotainment-Software: DiLink 100 bietet viele Funktionen, erreicht bei Ladeplanung und Vorkonditionierungs-Logik jedoch noch nicht die Perfektion von Teslas Routenplaner.
- Leergewicht: Mit ca. 2.150 bis 2.280 kg deutlich schwerer als das vergleichbare Tesla Model 3 (ca. 1.830 kg).
- Restwert-Unsicherheit: Wiederverkaufswerte chinesischer Neumarken auf dem deutschen Gebrauchtwagenmarkt noch volatil.
Jurij Senkewitschs Fazit: Für wen ist der BYD Seal 07 EV der bessere Kauf?
Der BYD Seal 07 EV ist kein vorsichtiges Facelift, sondern eine kompromisslose technische Reifeprüfung. Mit dem Wechsel auf die 800-Volt-Plattform e-Platform 3.0 Evo beseitigt BYD die gravierendste Schwäche des bisherigen Modells und macht den Seal mit 18 Minuten Ladezeit zum echten Langstrecken-Performer. In Kombination mit der unverwüstlichen Blade-Batterie, echten 460 Kilometern Autobahnreichweite und der hochwertigen Sensorik inklusive Dach-LiDAR stellt BYD ein Gesamtpaket auf die Räder, das Teslas Model 3 auf dem Papier in zahlreichen Kernbereichen distanziert.
Wem empfehle ich den BYD Seal 07 EV?
Die chinesische E-Limousine ist die ideale Wahl für anspruchsvolle Vielfahrer, Pendler und Dienstwagennutzer, die modernste 800-Volt-Ladegeschwindigkeit suchen, aber die spartanische Bedienphilosophie von Tesla ablehnen. Wer Wert auf ein echtes Tachodisplay, ein Head-up-Display, physische Tasten und verlässliche LiDAR-Assistenzsysteme bei schlechtem Wetter legt, findet hier ein bemerkenswert durchdachtes Fahrzeug. Auch preisbewusste Käufer, die maximale Garantiesicherheit (6 Jahre) mit hoher Ausstattung verbinden möchten, greifen hier goldrichtig zu.
Wer sollte weiterhin zum Tesla Model 3 oder VW ID.7 greifen?
Wer höchste Ansprüche an Agilität, Kurvendynamik und ein spielerisch leichtfüßiges Einlenkverhalten stellt, wird mit dem spürbar leichteren Tesla Model 3 weiterhin glücklicher. Zudem bleibt Tesla bei der Laderoutenführung und dem durchgängigen Supercharger-Netzwerk ungeschlagen. Wer hingegen eine echte Familienlimousine mit gigantischem Kofferraum, großer Heckklappe und riesigem Fond-Raumangebot sucht, sollte den Aufpreis zum VW ID.7 Pro S investieren, da der Seal mit seiner engen Kofferraumöffnung sperriges Gepäck oder Kinderwagen nur mit Mühe schluckt.




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