Alpine A290 im Test: Elektrischer Hot-Hatch mit Kompromissen

Der Alpine A290 soll beweisen, dass elektrischer Fahrspaß nicht bei großen und schweren Performance-SUVs beginnen muss. Als erster Elektro-Hot-Hatch der französischen Sportwagenmarke startet er ab 38.700 Euro, leistet je nach Version 130 kW (177 PS) oder 160 kW (218 PS) und bringt knapp 1.500 Kilogramm auf die Waage. Damit trifft Alpine 2026 auf einen Markt, in dem Preis, Reichweite und Ladeleistung mindestens genauso wichtig geworden sind wie Fahrdynamik.

Technisch basiert der A290 auf der AmpR-Small-Plattform des Renault 5, wurde von Alpine jedoch umfangreich auf Sportlichkeit getrimmt. Eine 52-kWh-NMC-Batterie ermöglicht bis zu 380 Kilometer WLTP-Reichweite, geladen wird mit maximal 100 kW DC – 10 bis 80 Prozent sollen rund 30 Minuten dauern. Genau hier beginnt der interessante Teil: Reichen diese Daten zusammen mit dem aufwendig abgestimmten Fahrwerk aus, um den hohen Preis des elektrischen Hot-Hatch zu rechtfertigen?
Kaufberatung: Für wen sich die Alpine A290 wirklich lohnt (und für wen nicht)
Der Alpine A290 ist kein Alleskönner, sondern ein spitz positioniertes Nischenfahrzeug. Seine Eignung hängt vom persönlichen Nutzungsprofil und den individuellen Prioritäten ab. Die folgende Gegenüberstellung soll als Orientierung für eine fundierte Kaufentscheidung dienen.
Sie sollten von einem Kauf absehen, wenn einer der folgenden Punkte auf Sie zutrifft:
- Sie sind ein Vielfahrer mit täglichen Strecken über 200 Kilometer, vor allem im Winter. Die praxisnahe Reichweite schmilzt bei Temperaturen um den Gefrierpunkt auf 200 bis 250 Kilometer zusammen. Wer auf eine verlässliche Langstrecken-Performance angewiesen ist, wird mit dem 52-kWh-Akku regelmäßig an die Grenzen der Kapazität stoßen.
- Sie suchen ein primäres Familienauto. Zwar ist das Kofferraumvolumen mit 326 Litern für einen Kleinwagen ordentlich und der A290 als Fünftürer konzipiert, doch der Fond ist eng geschnitten. Für den regelmäßigen Transport von mehr als zwei Personen oder sperrigem Gepäck ist das Fahrzeug schlicht die falsche Wahl.
- Sie erwarten eine stabile und ausgereifte Software vom ersten Tag an. Die Berichte in Foren über einfrierende Displays, unzuverlässige Smartphone-Integration und eine fehlerhafte Ladelogik sind zu zahlreich, um sie als Einzelfälle abzutun. Käufer mit geringer Toleranz für solche Kinderkrankheiten sollten die weitere Software-Entwicklung abwarten.
- Ihr Budget ist der entscheidende Faktor. Mit einem Einstiegspreis von 38.700 Euro und einer GTS-Version, die bei 44.700 Euro startet, bewegt sich der A290 im oberen Preissegment. Gut ausgestattet kann der Preis schnell die 47.000-Euro-Marke überschreiten. Für diese Summe gibt es auf dem Markt bereits größere Elektrofahrzeuge mit deutlich mehr Reichweite.
Der A290 könnte hingegen genau das richtige Auto für Sie sein, wenn:
- Sie einen Zweit- oder Drittwagen mit maximalem Fahrspaß für die Landstraße suchen. In seinem natürlichen Habitat – auf kurvigen Nebenstraßen – spielt das aufwendige Fahrwerk seine Trümpfe aus. Hier deklassiert er die meisten anderen elektrischen Kleinwagen in puncto Fahrdynamik.
- Sie vorwiegend im urbanen und suburbanen Raum unterwegs sind und über eine eigene Lademöglichkeit zu Hause oder am Arbeitsplatz verfügen. Für den täglichen Arbeitsweg und den Wochenendausflug ist die Reichweite völlig ausreichend, solange keine langen Autobahnetappen im Winter anstehen.
- Sie ein Fahrzeug mit einem ausdrucksstarken Design und einer Markenidentität wünschen. Der A290 ist optisch eigenständig und emotional aufgeladen. Er hebt sich wohltuend vom Einheitsbrei ab und knüpft an die reiche Motorsporthistorie der Marke an.
- Sie die Wertschätzung für hochwertige mechanische Komponenten mitbringen. Die spezifische Mehrlenker-Hinterachse, die Brembo-Bremsanlage aus dem A110 und der vordere Aluminium-Hilfsrahmen sind technische Finessen, die Kenner zu schätzen wissen.
Preis- und Marktpositionierung: Ein ambitioniertes Angebot im Segment der Kompaktsportler
Alpine platziert sein Elektro-Debüt mit großem Selbstbewusstsein am oberen Ende des Kleinwagen-Segments. Der A290 GT startet bei 38.700 Euro. Die stärker motorisierte GTS-Variante mit 160 kW (218 PS) beginnt bei 44.700 Euro. Ein voll ausgestatteter Testwagen, wie er der Presse zur Verfügung gestellt wird, landet sogar bei über 47.000 Euro. Diese Preisgestaltung macht eine genaue Analyse des Wettbewerbsumfelds unumgänglich, denn der A290 trifft auf und.
Der offensichtlichste Rivale ist der neue Mini Cooper SE. In seiner stärksten Ausbaustufe leistet er 160 kW (218 PS), verfügt über einen 54,2-kWh-Akku und ist preislich in einer ähnlichen Liga angesiedelt, verfolgt jedoch ein anderes Innenraumkonzept und eine eigene Markenphilosophie. Ein weiterer direkter Wettbewerber ist der Abarth 500e, der mit seinem radikalen Fokus auf Agilität und Akustik eine ähnliche Zielgruppe anspricht, als Dreitürer und mit einem kleineren 42-kWh-Akku aber noch stärker spezialisiert ist. Der Preisdruck kommt jedoch nicht nur von den bekannten europäischen Marken. Während Alpine den A290 im Premium-Kleinwagen-Bereich positioniert, drängen aus China Modelle auf den Markt, die das Preis-Leistungs-Verhältnis neu definieren. Auch wenn ein BYD zeigt den neuen Qin Max EV in einer anderen Fahrzeugklasse spielt, wird die technologische Geschwindigkeit und aggressive Preispolitik chinesischer Hersteller das Segment des A290 unweigerlich beeinflussen. Kunden, deren Kaufentscheidung primär von Reichweite und Ausstattung pro Euro abhängt, werden bei anderen Marken fündig. Alpine muss den hohen Preis also über Exklusivität, Design und vor allem eine überlegene Fahrdynamik rechtfertigen.
Auch die beworbenen Leasingangebote, wie das für 249 Euro pro Monat auf der deutschen Webseite, verlangen eine genaue Betrachtung. Die zugrundeliegende Leasingsonderzahlung von 5.200 Euro ist erheblich und relativiert die auf den ersten Blick attraktive monatliche Rate. Da im Jahr 2026 keine staatlichen Förderungen für Privatkunden mehr fließen, müssen Käufer die vollen Kosten tragen. Dies dürfte die Nachfrage dämpfen und stellt eine Herausforderung für die Restwertprognose dar. Ein Nischenmodell mit hohem Einstiegspreis und bekannten Software-Schwächen birgt zudem ein höheres Risiko für eine schnellere Abschreibung als Volumenmodelle. Der Wettbewerb um die Käufergunst ist intensiv, wie aktuelle Zulassungsstatistiken belegen. Die Meldung, dass BMW startet als Nummer 2 bei Elektroautos in die zweite Jahreshälfte – kann Tesla noch kontern?, verdeutlicht den harten Kampf selbst unter den deutschen Premiumherstellern.
Modell |
Leistung |
Akku (netto) |
WLTP-Reichweite |
0-100 km/h |
Basispreis (ca.) |
|---|---|---|---|---|---|
Alpine A290 GT |
130 kW (177 PS) |
52 kWh |
ca. 380 km |
7,4 s |
38.700 € |
Alpine A290 GTS |
160 kW (218 PS) |
52 kWh |
ca. 380 km |
6,4 s |
ab 44.700 € |
Mini Cooper SE (J01) |
160 kW (218 PS) |
54,2 kWh |
402 km |
6,7 s |
ab 36.900 € |
Abarth 500e |
114 kW (155 PS) |
42 kWh |
265 km |
7,0 s |
ab 37.990 € |
VW ID.2 GTI (erwartet) |
ca. 162 kW (220 PS) |
ca. 56 kWh |
ca. 440 km |
ca. 32.000 € |
Fahrwerks-Analyse: Wie viel A110 steckt wirklich im elektrischen Kleinwagen?
Die eigentliche Daseinsberechtigung des Alpine A290 liegt in seiner Fahrdynamik. Hier haben die Ingenieure in Dieppe einen technischen Aufwand betrieben, der im Kleinwagen-Segment seinesgleichen sucht und die Verwandtschaft zum gefeierten Mittelmotor-Sportwagen A110 unterstreichen soll. Die Basis, die „AmpR Small“-Plattform des Renault 5, wurde dafür tiefgreifend überarbeitet. Die wichtigsten Modifikationen im Überblick:
- Spurverbreiterung: An Vorder- und Hinterachse wurde die Spur um satte 60 Millimeter verbreitert. Das sorgt für eine sattere Straßenlage, erhöht die Wankstabilität und verbessert das Kurvenpotenzial.
- Vorderachse: Ein eigens für den A290 entwickelter Aluminium-Hilfsrahmen erhöht die Steifigkeit des Vorderwagens. Das Resultat ist eine spürbar präzisere Radführung und ein direkteres Einlenkverhalten.
- Hinterachse: Hier liegt der vielleicht größte Unterschied zum Renault 5. Statt einer kostengünstigen Verbundlenkerachse kommt eine aufwendige Mehrlenker-Konstruktion zum Einsatz. Diese Bauart erlaubt eine deutlich bessere Kontrolle der Radbewegungen, was zu mehr Grip und Stabilität im Grenzbereich führt.
- Stabilisatoren: Steifere Stabilisatoren an beiden Achsen reduzieren die Seitenneigung des Fahrzeugs bei schneller Kurvenfahrt auf ein Minimum.
- Dämpfung: Alpine setzt auf eine passive Dämpferabstimmung, die mit hydraulischen Anschlagpuffern kombiniert wird. Diese aus dem Rallyesport adaptierte Technologie nutzt einen zweiten, kleineren Dämpfer im Dämpfer, um ein abruptes Durchschlagen der Federung bei Kompressionen zu verhindern und so die Kontrolle zu bewahren.
- Bremsanlage: Eine Vierkolben-Festsattelbremse von Brembo an der Vorderachse, die direkt vom A110 übernommen wurde, sorgt für eine beeindruckende und standfeste Verzögerungsleistung – ein Segen, bedenkt man, dass hier fast 1.500 Kilogramm eingefangen werden müssen.
Im Fahrbetrieb übersetzt sich dieser technische Aufwand in ein Fahrverhalten, das sich deutlich von anderen elektrischen Kleinwagen abhebt. Die Lenkung ist nicht nur direkt und präzise, sondern liefert für ein Elektroauto erstaunlich gute Rückmeldung von der Straße. Der A290 lenkt gierig ein und bleibt in Kurven sehr lange neutral. Das Torque Vectoring, das über Bremseingriffe am kurveninneren Rad das Eindrehen unterstützt, arbeitet meist unauffällig im Hintergrund. Erst im Grenzbereich greift die Elektronik spürbar ein und reduziert die Leistung, was von ambitionierten Fahrern als etwas bevormundend empfunden werden könnte. Trotz aller Ingenieurskunst lässt sich das Leergewicht von 1.479 Kilogramm aber nicht vollständig wegdiskutieren. Vor allem in schnellen Wechselkurven ist die Masse, die von einer Seite zur anderen wankt, deutlich spürbar. Der A290 ist zweifellos ein präzises und schnelles Auto, doch ihm fehlt die spielerische Leichtigkeit klassischer Hot-Hatch-Modelle, die oft mehrere hundert Kilo weniger auf die Waage brachten.
Analyse der 52-kWh-Batterie: Ladekurve und Praxisreichweite
Die Diskrepanz zwischen offiziellen WLTP-Angaben und der realen Alltagsreichweite ist ein zentrales Thema in der Elektromobilität, und der Alpine A290 bildet hier keine Ausnahme. Sein 52 kWh (netto) großer Akku mit Nickel-Mangan-Kobalt (NMC) Zellchemie wird mit einer WLTP-Reichweite von bis zu 380 Kilometern beworben. Dieser Wert, ermittelt unter idealisierten Laborbedingungen, dient in der Praxis jedoch nur als grober Anhaltspunkt.
Relevanter sind unabhängige Messungen wie der ADAC Ecotest, der für den A290 eine realistischere Reichweite von etwa 300 Kilometern bei gemischten Fahrprofilen und milden Temperaturen attestiert. Die wahre Herausforderung für den A290-Fahrer beginnt jedoch, sobald die Temperaturen fallen. Berichte von Nutzern aus Großbritannien und Skandinavien zeichnen ein ernüchterndes Bild der Wintertauglichkeit. Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt und einer konstanten Autobahngeschwindigkeit von 120-130 km/h bricht die Reichweite auf Werte zwischen 200 und 250 Kilometern ein. Ein britischer Besitzer, der täglich eine Pendelstrecke von 225 Kilometern zurücklegt, stufte das Fahrzeug für seinen Anwendungsfall als ungeeignet ein, da er im Winter ohne Zwischenladen seine Strecke nicht mehr zuverlässig absolvieren konnte. Diese drastische Reduktion ist ein erheblicher Nachteil für ein Fahrzeug in dieser Preisklasse. Die Performance von Elektroauto-Akkus im Praxistest unter realen Bedingungen bleibt eine der zentralen Herausforderungen für die breite Akzeptanz.
Die maximale DC-Ladeleistung von 100 kW ist im Marktumfeld des Jahres 2026 nur noch Durchschnitt, da viele Konkurrenten bereits 150 kW oder mehr bieten. Entscheidend ist jedoch nicht der Spitzenwert, sondern die Ladekurve. Analysen zeigen, dass der A290 die 100 kW nur in einem sehr schmalen Fenster des Ladezustands (SoC) erreicht. Die durchschnittliche Ladeleistung im relevanten Hub von 10 auf 80 Prozent liegt bei nur etwa 70 bis 75 kW. Dies resultiert in einer realen Ladezeit von rund 31 Minuten für diesen Vorgang – ein solider, aber keineswegs herausragender Wert. Ein wiederholt in Foren beschriebenes Ärgernis ist die Latenz bei der Ladeinitialisierung: Nach dem Anschließen des Ladekabels an einer DC-Säule vergehen oft mehrere Minuten, bevor der Ladevorgang mit nennenswerter Leistung startet. Diese Verzögerung verlängert die Standzeit unnötig und kann auf Reisen frustrieren.
Antrieb und Performance: Synthetischer Sound und lineare Leistungsentfaltung
Alpine bietet den A290 in zwei Leistungsstufen an, die beide auf einem fremderregten Synchronmotor basieren. Die Basisversionen GT und GT Performance liefern 130 kW (177 PS) und 285 Nm Drehmoment, was für eine Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 7,4 Sekunden ausreicht. Die Topversion GTS mobilisiert 160 kW (218 PS) und 300 Nm Drehmoment und verkürzt die Sprintzeit auf respektable 6,4 Sekunden. Auf dem Papier sind das Werte, die einen Hot-Hatch auszeichnen.
In der Praxis fühlt sich die Beschleunigung jedoch anders an als bei einem hochdrehenden Verbrennungsmotor. Obwohl der Antritt aus dem Stand vehement und ohne Verzögerung erfolgt und die Elastizität im Stadt- und Landstraßenverkehr überzeugt, bemängeln einige Tester, dass sich der A290 subjektiv nicht extrem schnell anfühlt. Das sehr lineare Ansprechverhalten und das Fehlen eines dramaturgischen Leistungsaufbaus nehmen der Beschleunigung einen Teil ihrer emotionalen Wirkung. Das bei einigen Testfahrten festgestellte, leise Pfeifen des Antriebsstrangs ist ein Nebengeräusch, das je nach persönlicher Wahrnehmung als störend oder als charakteristisch für ein Elektrofahrzeug empfunden werden kann.
Um die fehlende akustische Kulisse eines Verbrenners zu kompensieren, hat Alpine ein System namens „Alpine Driving Sound“ entwickelt, das über die Lautsprecher einen synthetischen Fahrsound generiert. Dieser basiert auf den Obertönen des Elektromotors und ist in zwei Intensitätsstufen regelbar. Während die Absicht, eine emotionale Verbindung zum Antrieb herzustellen, nachvollziehbar ist, bleibt das Ergebnis ein künstlicher Klang, der die komplexe, mechanische Geräuschkulisse eines Turbomotors nicht ersetzen kann. Viele Puristen dürften das System daher nach kurzer Zeit deaktivieren. Ein weiteres Gimmick ist der rote „Overtake“-Knopf am Lenkrad, der für zehn Sekunden die volle Leistung freigibt. Da die volle Leistung bei durchgetretenem Fahrpedal ohnehin anliegt, ist der praktische Nutzen dieser Funktion im Alltag eher begrenzt und dient mehr dem Showeffekt.
Software und Konnektivität: Die Achillesferse zum Marktstart
Zum Marktstart 2026 ist die Software des Alpine A290 seine größte Schwachstelle. Während die mechanische Substanz des Fahrzeugs auf einem sehr hohen Niveau agiert, wirkt die digitale Seite unfertig und fehleranfällig. Die zahlreichen Berichte über Bugs und Funktionsstörungen von frühen Testern und Besitzern sind ein ernstzunehmendes Problem, da sie die tägliche Nutzbarkeit empfindlich stören. Die Mängelliste ist lang und umfasst unter anderem folgende Punkte:
- Infotainment-Instabilität: Nutzer berichten von sporadisch einfrierenden oder während der Fahrt komplett neu startenden Bildschirmen des Android-Automotive-basierten Systems.
- Konnektivitätsprobleme: Die Verbindung mit Apple CarPlay und Android Auto ist unzuverlässig. Oft wird ein verbundenes Smartphone nach dem Fahrzeugstart nicht erkannt, was einen umständlichen Reset (Fahrzeug verriegeln, warten, entriegeln) erfordert.
- Fehlerhafte Ladelogik: Geplante Ladevorgänge, beispielsweise zur Nutzung günstiger Nachttarife, schlagen häufig fehl. Das Fahrzeug fällt offenbar in einen Tiefschlafmodus, aus dem es von der Wallbox nicht mehr zuverlässig aktiviert werden kann, was zu einem ungeladenen Akku am nächsten Morgen führt.
- Fehlendes One-Pedal-Driving: In den ersten ausgelieferten Modellen fehlt eine Funktion zum Fahren mit nur einem Pedal bis zum vollständigen Stillstand. Das Fahrzeug rekuperiert zwar, erfordert zum Anhalten aber immer den Einsatz des Bremspedals. Diese wichtige Komfortfunktion soll erst per Software-Update nachgereicht werden.
Solche Versäumnisse deuten auf einen überhasteten Entwicklungsprozess hin und können das Vertrauen in eine Marke, die im antritt, nachhaltig beschädigen.
Verarbeitungsqualität, Serviceaktionen und Unterhaltskosten
Neben den Software-Problemen geben auch erste Berichte über die Verarbeitungsqualität und potenzielle Hardware-Mängel Anlass zur Sorge. Diese frühen Erkenntnisse sind für die Restwertprognose des A290 von entscheidender Bedeutung. Ein dokumentierter Mangel bei frühen Fahrzeugen (einschließlich des Schwestermodells Renault 5) betrifft das Dachblech. Hier bildeten sich bei Sonneneinstrahlung sichtbare Verwerfungen, die bei Abkühlung wieder verschwanden – ein klares Indiz für Spannungen im Material.
Technisch relevanter sind die Serviceaktionen, die bereits für die frühe Produktionsphase anberaumt wurden. So gab es eine Aktion für Fahrzeuge aus dem Bauzeitraum September bis Dezember 2024 wegen eines potenziell fehlerhaften Wechselrichters (Inverters). Ein Ausfall dieses zentralen Bauteils kann das Fahrzeug komplett lahmlegen. Laut Renault wurde jedoch kein offizieller Rückruf über das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) initiiert, da kein direktes Sicherheitsrisiko bestanden habe. Zusätzlich gibt es Hinweise auf ein mögliches Delaminationsrisiko bei Batteriezellen eines bestimmten Zulieferers, das Fahrzeuge aus dem Produktionsfenster Dezember 2025 bis Januar 2026 betreffen könnte; eine offizielle Bestätigung hierzu steht allerdings noch aus. Ein weiterer, eher optischer Mangel ist frühzeitig auftretender Flugrost an den Antriebswellen, der von mehreren Besitzern dokumentiert wurde.
Die laufenden Kosten dürften über dem Klassendurchschnitt liegen. Alpine schreibt, wie schon bei der A110, eine jährliche Inspektion unabhängig von der Laufleistung vor, und die Servicekosten in den spezialisierten Alpine-Zentren sind erfahrungsgemäß hoch. Die Garantiebedingungen sind mit drei Jahren auf das Fahrzeug (oder 100.000 km) und acht Jahren (oder 160.000 km) auf die Batterie (bei garantiert 70 % Restkapazität) marktüblich, aber nicht herausragend. Die Kombination aus hohem Anschaffungspreis, bekannten Mängeln und der rasanten Entwicklung im EV-Sektor, wo selbst Günstige Elektroautos bis 25.000 € immer leistungsfähiger werden, lässt eine unterdurchschnittliche Restwertprognose für den A290 erwarten. Gleichzeitig erhöhen neue Marktteilnehmer wie VinFast, deren VinFast Green SM, der Taxidienst, feierte sein Debüt in Europa., den allgemeinen Wettbewerbsdruck im Markt.
Vor – und Nachteile Alpine A290 im ersten Test
Vorteile:
-
- Fahrdynamik auf hohem Niveau dank aufwendigem Fahrwerk (Mehrlenker-Hinterachse)
- Präzise und direkte Lenkung mit guter Rückmeldung
- Leistungsstarke und standfeste Brembo-Bremsanlage (vom A110)
- Eigenständiges, emotionales Design mit hohem Wiedererkennungswert
- Gute Fahrleistungen in der 218-PS-Version
Nachteile:
-
- Limitierte reale Reichweite, insbesondere im Winter (oft nur 200-250 km)
- Nur durchschnittliche DC-Ladeleistung (max. 100 kW) mit Latenz bei Ladebeginn
- Umfangreiche Software-Mängel bei Marktstart (Infotainment, Konnektivität)
- Hoher Anschaffungspreis und voraussichtlich hoher Wertverlust
- Frühe Qualitätsmängel (Dachblech, Flugrost) und Serviceaktionen
Mein Fazit: Brillante Idee mit unfertiger Umsetzung
Nach meiner intensiven Auseinandersetzung mit dem Alpine A290 bleibt ein zwiespältiger Eindruck. Einerseits ziehe ich meinen Hut vor den Ingenieuren in Dieppe. Sie haben es geschafft, die DNA der Marke – diese wunderbare Agilität und Präzision – in ein Elektroauto zu übersetzen. Das Fahrwerk ist eine Meisterleistung im Kleinwagensegment. Andererseits kann und will ich die Augen vor den Kompromissen nicht verschließen. Die Reichweite, besonders im Winter, ist für mich ein klares Manko, das den A290 für viele zum reinen Zweitwagen degradiert. Und die Software? Ehrlich gesagt, in diesem Zustand ist sie eine Zumutung und trübt den an sich großartigen Fahrspaß empfindlich.
Mein Fazit als Journalist und Fahrer ist daher klar: Für den urbanen Enthusiasten mit eigener Wallbox, der einen emotionalen Kurvenräuber für die Landstraße sucht, ist der A290 eine faszinierende, wenn auch teure Versuchung. Wer aber ein zuverlässiges Alltagsauto für alle Lebenslagen benötigt, sollte meiner Meinung nach entweder auf massive Software-Updates warten oder sich bei der Konkurrenz umsehen. Alpine hat das Potenzial für einen echten elektrischen Helden geschaffen, aber die Arbeit ist noch nicht getan. Ohne schnelle und überzeugende Nachbesserungen bei Software und Reichweiten-Management droht der A290, eine brillante, aber unvollendete Idee zu bleiben.




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