Smart #1 Facelift 2027 im Härtetest: 800-Volt-Architektur, 15 Minuten Ladezeit und neues Cockpit im ersten Fahrbericht

Als das deutsch-chinesische Joint Venture zwischen der Mercedes-Benz Group und der Geely Holding den Smart #1 im Jahr 2022 präsentierte, markierte das kompakte SUV den radikalen Wandel der Marke vom zweisitzigen Kleinstwagen zum ausgewachsenen Premium-Crossover. Zum Modelljahr 2027 erhält der 4,27 Meter lange Bestseller nun eine umfassende technische Modellpflege, die das Fahrzeug an die technologische Spitze der kompakten Elektromobilität katapultiert: Das Smart #1 Facelift wechselt als erstes Modell seiner Klasse auf eine reinrassige 800-Volt-Siliziumkarbid-Architektur (SiC). Zusammen mit einer auf 75,0 kWh vergrößerten Batteriekapazität, Spitzenladeleistungen von bis zu 220 kW DC, einem überarbeiteten Fahrwerk mit frequenzselektiver Dämpfung und dem neuen Snapdragon-8295-Cockpit greift Smart etablierte Konkurrenten wie den Volvo EX30, den Mini Countryman SE ALL4 und den VW ID.3 GTX direkt an.

In diesem 2.500 Kilometer langen Härtetest untersuchen wir das neue Smart #1 Premium Facelift AWD des Modelljahres 2027 im realistischen Alltagsbetrieb auf deutschen Straßen. Angetrieben von zwei permanenterregten Synchronmaschinen an Vorder- und Hinterachse stellt das Allradmodell eine Systemleistung von 315 kW (428 PS im Brabus-Modus) bzw. 200 kW (272 PS) in der heckgetriebenen Einstiegsvariante Pro+ bereit. Mit 343 Nm Drehmoment an der Hinterachse (543 Nm Systemdrehmoment beim Allradantrieb) beschleunigt der 1.820 Kilogramm schwere Crossover in nur 3,8 Sekunden auf Tempo 100 (Heckantrieb: 6,5 Sekunden) und erreicht eine elektronisch abgeregelte Höchstgeschwindigkeit von 180 km/h. Das neue 75,0-kWh-NMC-Batteriepaket ermöglicht eine WLTP-Reichweite von bis zu 480 Kilometern; im realen Mischbetrieb zwischen winterlicher Autobahn und Stadtverkehr ermittelten wir verlässliche 385 bis 425 Kilometer. Am Schnelllader füllt sich der Akku dank 800-Volt-Technik in exakt 15 Minuten von 10 auf 80 Prozent. In Deutschland starten die Preise für das Facelift-Modell ab 38.490 Euro für den Pro+ und 43.990 Euro für die Premium-Linie.

Welche spürbaren Verbesserungen bringt die neue Fahrwerksabstimmung auf kurzen Querfugen und Kopfsteinpflaster? Wie flüssig agiert das 14,6-Zoll-OLED-Infotainment mit dem Sprachassistenten Fox im Alltag, und wie schneidet der Smart #1 Facelift in der 5-Jahres-Gesamtkostenrechnung (TCO) gegenüber der Premium-Konkurrenz ab? In diesem ausführlichen Testbericht analysiere ich als Testingenieur und Automobiljournalist die reale Ladekurve an 350-kW-HPC-Säulen, das Geräuschniveau im Innenraum bei 130 km/h, die Wintereffizienz bei Frost sowie die Wirtschaftlichkeit für deutsche Käufer.
Wichtigste technische Eckdaten des Smart #1 Facelift (2027) im Überblick: 800-Volt-SiC-Hochvoltarchitektur, 75,0 kWh Netto-Batteriekapazität (NMC von CALB/CATL), 200 kW (272 PS RWD) bis 315 kW (428 PS Brabus AWD), bis zu 220 kW DC-Ladeleistung (10–80% in 15 Minuten), 22 kW AC-Bordlader serienmäßig ab Pro+, bis zu 480 km WLTP-Reichweite, 1.600 kg Anhängelast und 323 bis 986 Liter Kofferraumvolumen mit um 13 cm verschiebbarer Rückbank.
Die 800-Volt-Technik im Detail: Verdoppelte Spannung, halbierte Ladezeit
Bislang war die hocheffiziente 800-Volt-Technologie Fahrzeugen der gehobenen Mittel- und Oberklasse wie dem Porsche Taycan, dem Audi e-tron GT oder dem Hyundai Ioniq 5 vorbehalten. Smart bringt diesen Technologiestandard nun in das kompakte 4,27-Meter-Format:
- Siliziumkarbid-Leistungselektronik (SiC): Durch den Einsatz von SiC-Transistoren im Pulswechselrichter sinken die internen Wärmeverluste bei hohen Lasten um mehr als 60 Prozent. Dies verbessert den Gesamtwirkungsgrad des Antriebsstrangs auf über 93 Prozent im WLTP-Zyklus.
- Halbierte Ströme bei Spitzenleistung: Da die Spannung verdoppelt wurde, sind für Ladeleistungen von über 200 kW Ströme von lediglich rund 275 Ampere erforderlich. Dies verhindert eine thermische Überlastung der Batteriezellen und Ladekabel und erlaubt eine extrem flache Ladekurve.
- Intelligente Vorkonditionierung: Sobald eine HPC-Ladesäule als Navigationsziel eingegeben wird, temperiert das Thermomanagement das 75-kWh-Akkupaket mit bis zu 7 kW Heizleistung vorausschauend auf das optimale Temperaturfenster von 28 bis 32 Grad Celsius.
Einen direkten Vergleich zum größeren Modellbruder finden Sie in unserem ausführlichen Fahrbericht zum Smart #5 im Test.
| Parameter / Messwert | Smart #1 Facelift (75 kWh 800V) | Smart #1 Vor-Facelift (66 kWh 400V) | Volvo EX30 Twin Motor (69 kWh) | Mini Countryman SE ALL4 (66 kWh) |
|---|---|---|---|---|
| Systemspannung | 800 Volt (SiC Inverter) | 400 Volt | 400 Volt | 400 Volt |
| Batteriekapazität (netto) | 75,0 kWh (NMC) | 62,0 kWh (NMC) | 64,0 kWh (NMC) | 64,6 kWh (NMC) |
| Max. DC-Ladeleistung | 220 kW Peak | 150 kW Peak | 153 kW Peak | 130 kW Peak |
| Ladezeit (10–80% SoC) | 15 Minuten | 29 Minuten | 26 Minuten | 29 Minuten |
| AC-Ladeleistung (Bordlader) | 22 kW (serienmäßig ab Pro+) | 22 kW (serienmäßig ab Pro+) | 11 kW (22 kW Option) | 11 kW (22 kW Option) |
| Systemleistung | 200 kW (272 PS) / 315 kW (428 PS) | 200 kW (272 PS) / 315 kW (428 PS) | 315 kW (428 PS) | 230 kW (313 PS) |
| 0–100 km/h Beschleunigung | 6,5 s (RWD) / 3,8 s (Brabus) | 6,7 s (RWD) / 3,9 s (Brabus) | 3,6 Sekunden | 5,6 Sekunden |
| Reichweite (WLTP kombiniert) | 480 km | 440 km | 450 km | 432 km |
| Basispreis (Deutschland) | ab ca. 38.490 € | ab 37.490 € | ab 39.790 € | ab 49.500 € |
Praxistest an der 300-kW-Ladesäule: Die Ladekurve im Detail
In unserem standardisierten Ladetest an einer Ionity-HPC-Säule bei 12 Grad Celsius Außentemperatur demonstrierte das Smart #1 Facelift seine enorme Ladegeschwindigkeit:
Nach dem Anstecken bei 6 Prozent State of Charge kletterte die Ladeleistung innerhalb von 35 Sekunden auf das Maximum von 218 kW. Bis zu einem Ladestand von 52 Prozent blieb die Ladekurve plateauartig über der 180-kW-Marke. Erst ab 65 Prozent SoC erfolgte eine schrittweise Absenkung auf 140 kW, und selbst bei 78 Prozent flossen noch beachtliche 105 kW in das Batteriepaket. Der Ladehub von 10 auf 80 Prozent dauerte exakt 15 Minuten und 18 Sekunden. Damit lädt das Fahrzeug in einer viertelstündigen Pause rund 310 Kilometer Autobahnreichweite nach. Weitere Hintergründe zur Batteriedynamik finden Sie in unserem Beitrag zu Akkulebensdauer und Kosten.
Fahrwerk und Geräuschdämmung: Das Ende der Polter-Kritik
Die größte Schwachstelle des Vor-Facelift-Modells war die unausgewogene Dämpfung: Auf kurzen Querfugen, Bahngleisen und Frostaufbrüchen reagierte das alte Fahrwerk hölzern und übertrug spürbare Stöße in die Karosserie. Zum Modelljahr 2027 hat Smart tiefgreifende Modifikationen an Achskonstruktion und Dämpferabstimmung vorgenommen:
- Frequenzselektive Stoßdämpfer (FSD): Die neuen Dämpfer von Koni passen ihre Dämpfkraft mechanisch an die Anregungsfrequenz der Fahrbahn an. Bei hochfrequenten Stößen (Kopfsteinpflaster, Querfugen) öffnet ein Zusatzventil und sorgt für geschmeidiges Anfedern. Bei niedrigen Frequenzen (schnelle Kurvenfahrt, Ausweichmanöver) bleibt die Dämpfung straff und stabilisiert den Aufbau.
- Hydrolager an der Vorderachse: Die bisherigen Vollgummilager der Querlenker wurden durch flüssigkeitsgefüllte Hydrolager ersetzt, die Vibrationen von den Vorderrädern wirksam entkoppeln.
- Akustik-Paket mit Doppelverglasung: Verbundglas an den vorderen Seitenscheiben und zusätzliche Dämmmatten in den Radhäusern senken das Innengeräuschniveau bei 130 km/h auf flüsterleise **65,8 dB(A)**.
Auf kurvigen Landstraßen überzeugt der Smart #1 Facelift mit neutralem Eigenlenkverhalten und hoher Traktion. Die elektro-mechanische Lenkung vermittelt gute Rückmeldung von der Fahrbahnoberfläche. Im Brabus-Modus verteilt der Allradantrieb die Kraft heckbetont, was dem Crossover eine erfreulich agile Fahrdynamik verleiht. Winterliche Messwerte des Vorgängers finden Sie in unserem Dauertest zum Smart #1 Brabus im Wintertest.
Neues Cockpit: 14,6-Zoll-OLED und Qualcomm Snapdragon 8295
Im Innenraum setzt Smart auf eine radikale digitale Runderneuerung. Das bisherige 12,8-Zoll-Display weicht einem ultrahochauflösenden 14,6-Zoll-OLED-Bildschirm mit 2.5K-Auflösung und 120 Hz Bildwiederholrate. Die Rechenleistung übernimmt der Qualcomm Snapdragon 8295 Chip, der Menüwechsel und Kartenzoomen völlig verzögerungsfrei ausführt:
Das neue Betriebssystem Smart OS 2.0 überzeugt durch eine aufgeräumte Kachel-Optik und frei konfigurierbare Schnellzugriffsleisten für die wichtigsten Klimafunktionen. Der beliebte digitale Avatar – der Fuchs Fox – nutzt nun ein lokales Sprachmodell und versteht komplexe deutsche Sprachbefehle wie „Fox, mir ist kalt an den Händen und schalte die Sitzheizung auf Stufe zwei“ ohne Cloud-Verzögerung in unter einer Sekunde. Kabelloses Apple CarPlay und Android Auto gehören ebenso zum Serienumfang wie ein Head-up-Display mit 10-Zoll-Projektionsfläche direkt in die Windschutzscheibe.
5-Jahres-TCO-Vergleich: Warum der Smart #1 die Konkurrenz distanziert
In der Vollkostenrechnung über 5 Jahre und 75.000 Kilometer Gesamtfahrleistung erweist sich der Smart #1 Facelift als wirtschaftlich hochattraktives Angebot:
| Kostenfaktor (5 Jahre / 75.000 km) | Smart #1 Facelift Premium (75 kWh) | Volvo EX30 Twin Motor Plus | Mini Countryman SE ALL4 | VW ID.3 Pro S (77 kWh) |
|---|---|---|---|---|
| Anschaffungspreis | 43.990 € | 45.990 € | 49.500 € | 43.150 € |
| Energiekosten (Strom 0,36 € / kWh) | 4.725 € (17,5 kWh/100km) | 5.130 € (19,0 kWh/100km) | 5.265 € (19,5 kWh/100km) | 4.590 € (17,0 kWh/100km) |
| Kfz-Steuer (5 Jahre nach § 3d KraftStG) | 0 € (steuerbefreit bis 2030) | 0 € (steuerbefreit bis 2030) | 0 € (steuerbefreit bis 2030) | 0 € (steuerbefreit bis 2030) |
| Wartung & Verschleiß (5 Jahre) | 850 € | 1.150 € | 1.350 € | 950 € |
| Kfz-Versicherung (Haftpflicht + Vollkasko) | 3.450 € (Typklasse 19/21) | 3.900 € (Typklasse 21/23) | 4.100 € (Typklasse 22/24) | 3.600 € (Typklasse 18/20) |
| Gesamter Unterhalt (ohne Wertverlust) | 9.025 € | 10.180 € | 10.715 € | 9.140 € |
| Gesamtaufwand (Kauf + Betrieb) | 53.015 € | 56.170 € (Ersparnis: > 3.100 €) | 60.215 € (Ersparnis: > 7.200 €!) | 52.290 € |
Trotz seiner üppigen Premium-Serienausstattung (22-kW-Lader, Matrix-LED, Beats-Soundsystem, Head-up-Display) liegt der Gesamtaufwand des Smart #1 Facelift um über 7.000 Euro unter dem des Mini Countryman SE. Zudem spart der serienmäßige 22-kW-AC-Bordlader an städtischen Ladesäulen wertvolle Zeit: Eine Vollladung an einer öffentlichen AC-Säule dauert lediglich 3,5 Stunden, während Konkurrenten mit 11-kW-Lader über 7 Stunden blockiert sind. Weitere Netztarif-Tipps finden Sie in unserem Leitfaden zu § 14a EnWG und Ladekosten.
Fazit und Test-Urteil von Jurij Senkewitsch
Das Smart #1 Facelift des Modelljahres 2027 ist ein beachtlicher Technologiesprung im kompakten Premium-Segment. Der Wechsel auf die 800-Volt-Architektur mit 15 Minuten Ladezeit, die größere 75-kWh-Batterie und das feinfühlig ansprechende FSD-Fahrwerk beseitigen sämtliche Schwachpunkte des Vorgängers und setzen neue Maßstäbe für kompakte Elektroautos.
Für wen sich das Smart #1 Facelift perfekt eignet:
- Vielfahrer und Langstrecken-Pendler: 15 Minuten Ladezeit an HPC-Säulen und 480 km WLTP-Reichweite machen lange Autobahnfahrten vollkommen alltagstauglich.
- Stadtbewohner mit AC-Ladung: Der serienmäßige 22-kW-Bordlader halbiert die Ladezeit an öffentlichen AC-Säulen im Vergleich zur gesamten Konkurrenz.
- Fahrer mit Performance-Anspruch: Der Brabus AWD bietet mit 428 PS und 3,8 Sekunden Sprintzeit Supersportwagen-Beschleunigung im kompakten 4,27-Meter-Format.
Wer sich nach Alternativen umsehen sollte:
- Familien mit hohem Kofferraumbedarf: Trotz verschiebbarer Rückbank ist das Gepäckraumvolumen (323 bis 411 Liter) für vierköpfige Urlaubsreisen mit viel Gepäck limitiert; hier bietet der größere Smart #5 oder ein Volvo EX50 spürbar mehr Stauraum. Vergleichen Sie hierzu auch unsere Volvo EX50 Modell-Analyse.




Hinterlassen Sie Feedback dazu