Polestar 2 offiziell eingestellt: Nachfolger für 2027 bestätigt

Der schwedisch-chinesische Elektroautobauer Polestar hat die Produktion seiner Mittelklasse-Limousine Polestar 2 nach sechs Fertigungsjahren offiziell beendet. Wie das britische Fachmagazin AutoCar berichtet, nehmen die Produktionswerke in China, Schweden und Norwegen ab sofort keine individuellen Neubestellungen mehr entgegen. Seit dem Marktstart im Sommer 2020 wurden weltweit über 190.000 Einheiten des Viertürers ausgeliefert, der sich vor allem in Nord- und Mitteleuropa als feste Größe im elektrischen Dienstwagensegment etablierte.

Polestar-Chef Michael Lohscheller hat zeitgleich den Fahrplan für die zweite Modellgeneration konkretisiert: Ein direkter Nachfolger befindet sich in der Entwicklung und soll im Verlauf des Jahres 2027 debütieren. Das künftige Modell wird die bisherige Fahrzeuglänge von 4,60 Metern leicht übertreffen und wechselt von der adaptierten Verbrennerplattform CMA (Compact Modular Architecture) auf eine dedizierte Elektro-Architektur aus dem Geely-Konzern. Nach Aussage des Managements soll die Neuauflage die fahrdynamischen Qualitäten des Erstlingswerks beibehalten, jedoch bestehende Kritikpunkte bei Raumausnutzung und Energieeffizienz gezielt beseitigen.
Für den europäischen Markt markiert der Schritt eine geplante Konsolidierung im Modellprogramm: Intern wurde der Polestar 2 bei den Neuzulassungen bereits durch das größere Crossover-Coupé Polestar 4 überflügelt. Den verbleibenden Bedarf bis zum Modellwechsel überbrückt der Hersteller über vorkonfigurierte Lagerfahrzeuge, die über bestehende Vertriebskanäle und Dienste wie Polestar Charge vermarktet werden. Welche technischen Weichenstellungen hinter dem Plattformwechsel stecken, ordnet dieser Bericht ein.
Produktionsbilanz und Bestellstopp: 190.000 Einheiten in sechs Jahren
Der Polestar 2 galt bei seiner Premiere im Jahr 2020 als erster ernsthafter europäischer Herausforderer des Tesla Model 3. Mit skandinavischem Minimalismus, hochwertiger Innenraumverarbeitung und dem damals neuartigen Android-Automotive-Betriebssystem sicherte sich der Viertürer schnell Marktanteile. Allein im Vereinigten Königreich wurden über 40.000 Einheiten zugelassen; auch in Deutschland erzielte das Modell kontinuierlich vierstellige Jahresabsätze.
Trotz eines umfassenden Modellwechsels im Jahr 2023 – bei dem die einmotorigen Varianten von Vorder- auf Hinterradantrieb umgestellt und neue Siliziumkarbid-Inverter verbaut wurden – erreichte die Konstruktion zuletzt ihre industriellen Grenzen. Mit dem nun verhängten Bestellstopp für frei konfigurierbare Kundenfahrzeuge beginnt der reguläre Abverkauf. Nach Angaben von Polestar reichen die bestehenden Lagerbestände und Vorlauffahrzeuge in den europäischen Distributionszentren aus, um die Nachfrage von Privat- und Flottenkunden bis zur Markteinführung des Nachfolgers lückenlos zu bedienen.
Plattformwechsel von CMA auf SEA: Was die zweite Generation korrigiert
Der entscheidende technologische Grund für den Modellwechsel liegt in der Plattformarchitektur. Der scheidende Polestar 2 teilte sich die CMA-Basis mit Verbrenner- und Plug-in-Hybrid-Modellen wie dem Volvo XC40. Dieser Kompromiss brachte im Alltag konstruktive Nachteile mit sich:
- Mitteltunnel im Fond: Da die CMA-Plattform für mechanische Kardanwellen und Abgasanlagen ausgelegt war, schränkte ein massiver Mitteltunnel den Fußraum des mittleren Rücksitzes stark ein.
- Gewicht und Raumökonomie: Mit einem Leergewicht von bis zu 2.180 Kilogramm bei einem Radstand von 2.735 Millimetern fiel die Raumausbeute für Fondpassagiere im Verhältnis zu den Außenmaßen beengt aus.
- Ladeinfrastruktur: Das 400-Volt-System war bei den Schnellladeleistungen auf maximal 205 kW limitiert.
Die für 2027 angekündigte Neuauflage nutzt die modulare SEA-Plattform (Sustainable Experience Architecture) des Mutterkonzerns Geely, auf der bereits der Polestar 4 sowie der Zeekr 001 aufbauen. Der reine Elektro-Unterboden erlaubt einen komplett ebenen Kabinenboden, eine flachere Dachlinie und einen verlängerten Radstand. Zudem eröffnet die Architektur die Integration moderner 800-Volt-Ladesysteme, was die Standzeiten an High-Power-Charging-Stationen (HPC) spürbar verkürzt.
Modellhierarchie unter Michael Lohscheller: Polestar 4 übernimmt die Führungsrolle
Unter der Führung von Michael Lohscheller richtet Polestar seine Markenstrategie strikt auf Premium-Margen aus, statt margenschwache Rabattkämpfe im Volumensegment mitzugehen. In dieser neuen Struktur übernimmt der Polestar 4 vorübergehend die Rolle des meistverkauften Imageträgers, flankiert vom Luxus-SUV Polestar 3.
Das künftige Einstiegsmodell für 2027 wird optisch jünger und aerodynamischer gestaltet, ohne die vertraute skandinavische Designidentität aufzugeben. Zu den primären Wettbewerbern zählen künftig nicht mehr nur das Tesla Model 3, sondern vor allem der BMW i4 sowie dessen künftige Ableger auf Basis der „Neuen Klasse“. Mit dem Umstieg auf die SEA-Architektur senkt Polestar gleichzeitig die Produktionskosten pro Einheit durch Skaleneffekte innerhalb des Geely-Konzerns.
Lagerabverkauf und Fahrplan für den deutschen Markt
Für Kauf- und Leasinginteressenten in Deutschland bedeutet das Produktionsende keine unmittelbare Lücke: Bestehende Vorlauffahrzeuge und sofort verfügbare Lagerwagen werden in den Polestar Spaces und über die Online-Plattform weiterhin angeboten, teils mit attraktiven Förder- und Gewerbeprämien. Sämtliche Garantieansprüche, Ersatzteilverfügbarkeiten und Software-Aktualisierungen für die weltweit 190.000 Bestandsfahrzeuge bleiben langfristig über das Servicenetz abgesichert.
Offizielle seriennahe Studien der zweiten Generation werden für Ende 2026 erwartet, bevor der neue Polestar-Mittelklasse-Stromer im Frühjahr 2027 zu den europäischen Händlern rollt.




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