Mazda CX-6e mit LiDAR-Autopilot im China-Start: Kommt das 20.000-Euro-Elektro-SUV so nach Europa?

Mazda rüstet sein neues Mittelklasse-Elektro-SUV CX-6e grundlegend auf und stattet das Modell auf dem chinesischen Heimatmarkt ab sofort mit einem dachmontierten LiDAR-Sensor aus, der dem Stromer vollwertiges Navigation-on-Autopilot (NoA) auf Autobahnen und in urbanen Ballungsräumen verleiht. Die neuen LiDAR-Ausstattungslinien starten im Joint Venture Changan Mazda zu Kampfpreisen ab 145.900 Yuan (umgerechnet rund 21.700 US-Dollar bzw. ca. 19.500 Euro) und stehen sowohl für die vollelektrische Variante (BEV) als auch für den seriellen Plug-in-Hybriden mit Range Extender (EREV) zur Wahl.

Das 4,85 Meter lange SUV, das in China unter der Modellbezeichnung EZ-60 vom Band läuft und für die europäischen Märkte bereits offiziell als Mazda CX-6e markenrechtlich geschützt ist, basiert auf Changans EPA1-Plattform und teilt sich wesentliche Komponenten mit dem Deepal S07. Während die reine Batterie-Variante mit einem 77,94-kWh-LFP-Akkupaket von CALB und 190 kW (258 PS) Heckantrieb bis zu 600 Kilometer Reichweite nach CLTC (ca. 460 bis 480 km WLTP, eigene Berechnung) ermöglicht, kombiniert die EREV-Version einen 31,73-kWh-Akku mit einem 1,5-Liter-Benziner als Bordgenerator für über 1.000 Kilometer Gesamtreichweite.

Testredakteur Jurij Senkewitsch ordnet den Marktstart für europäische Käufer ein: Warum Mazda in China den direkten Rivalen Tesla Model Y preislich um fast die Hälfte unterbietet, welche gravierenden Unterschiede zwischen den chinesischen Kampfpreisen und den für Deutschland prognostizierten Einstiegspreisen ab rund 44.990 Euro (Prognose) liegen und ob das fortschrittliche LiDAR-Assistenzsystem die strengen europäischen Sicherheitsvorgaben für Level-2+-Fahrassistenten erfüllt.
Preise und Modellvarianten: Dreimal günstiger als in Europa
Der Preiskampf auf dem weltweit größten Elektrofahrzeugmarkt zwingt selbst traditionsreiche japanische Hersteller zu aggressiven Kalkulationen. Die Einführung des LiDAR-Systems markiert bei Mazda einen moderaten Aufpreis: Für das Dach-LiDAR und die erweiterte Recheneinheit verlangt das Joint Venture einen Aufschlag von lediglich 12.000 Yuan (ca. 1.800 US-Dollar bzw. 1.600 Euro) gegenüber den bisherigen Basismodellen ohne Laser-Scanner. Die reinen Elektroversionen kosten zudem exakt 6.000 Yuan (ca. 800 Euro) mehr als die entsprechenden EREV-Modelle.
Modellvariante |
Antriebsart |
Batterie & Reichweite |
Preis in China (Yuan) |
Preis in China (USD / Euro) |
Prognose Deutschland (Euro) |
|---|---|---|---|---|---|
EREV Pro LiDAR |
Range Extender (1.5L + 190 kW E-Motor) |
31,7 kWh LFP / 200 km CLTC (rein elektr.) |
145.900 ¥ |
21.700 $ / ca. 19.500 € |
ca. 42.990 € (Prognose) |
EREV Max LiDAR |
Range Extender (1.5L + 190 kW E-Motor) |
31,7 kWh LFP / Vollausstattung |
160.900 ¥ |
24.000 $ / ca. 21.500 € |
ca. 46.990 € (Prognose) |
EV Pro LiDAR |
Reines BEV (190 kW Heckantrieb) |
77,9 kWh LFP / 600 km CLTC (ca. 470 km WLTP) |
151.900 ¥ |
22.600 $ / ca. 20.300 € |
ca. 44.990 € (Prognose) |
EV Max LiDAR |
Reines BEV (190 kW Heckantrieb) |
77,9 kWh LFP / 600 km CLTC / Vollausstattung |
166.900 ¥ |
24.900 $ / ca. 22.300 € |
ca. 48.990 € (Prognose) |
Im direkten Vergleich zum Hauptkonkurrenten Tesla Model Y wirkt die Preisgestaltung wie ein Frontalangriff. Während das Tesla Model Y in China ab 263.500 Yuan (rund 39.300 US-Dollar) startet, unterbietet der günstigste elektrische CX-6e (ohne LiDAR, ab 139.900 Yuan) das amerikanische Bestseller-SUV um fast 47 Prozent. Selbst die voll ausgestattete Version mit LiDAR und großem Akku bleibt mit umgerechnet unter 22.500 Euro weit unter dem chinesischen Tesla-Einstieg.
Für Kaufinteressenten in Deutschland ist diese Diskrepanz ernüchternd, aber marktwirtschaftlich erklärbar. Für den europäischen Markt, in dem der CX-6e voraussichtlich Anfang 2027 debütieren soll, hat Mazda im Vereinigten Königreich bereits Richtpreise ab 42.990 GBP (rund 51.500 Euro) signalisiert. Unter Berücksichtigung von Transportlogistik, Homologationskosten, 19 Prozent deutscher Mehrwertsteuer und den EU-Ausgleichszöllen auf in China gefertigte Elektrofahrzeuge wird der CX-6e in Deutschland voraussichtlich ab rund 44.990 Euro (Prognose) in den Schauräumen stehen.
LiDAR-Upgrade im Detail: Was das NoA-Autopilot-System leistet
Bislang vertrauten Mazda-Fahrzeuge vorrangig auf kamerabasierte Fahrassistenten und klassische Radarsensoren. Mit der Integration eines kompakten Festkörper-LiDARs (Solid-State-LiDAR) zentral oberhalb der Windschutzscheibe auf dem Dach betritt Mazda technologisches Neuland und rüstet den CX-6e mit sogenannter „Advanced L2“-Funktionalität aus.
Das Sensorsetup des überarbeiteten CX-6e umfasst:
- 1 Dach-LiDAR: Präzise 3D-Laser-Abtastung des Umfelds auf bis zu 200 Meter Entfernung, unempfindlich gegenüber Blendung durch tiefstehende Sonne oder völlige Dunkelheit.
- 3 Millimeterwellen-Radare (mmWave): Zur Geschwindigkeits- und Abstandsmessung bei Nebel, Starkregen und winterlicher Witterung.
- 11 High-Definition-Kameras: Rundum-Sicht für Verkehrszeichenerkennung, Fahrbahnmarkierungen und tote Winkel.
- 12 Ultraschallsensoren: Für millimetergenaue Nahbereichserkennung beim Rangieren und Parken.
Nach Herstellerangaben beherrscht das System über 200 automatisierte Verkehrsszenarien. Auf Autobahnen operiert der Assistent bei Geschwindigkeiten von 0 bis 130 km/h: Das Fahrzeug fädelt selbstständig über Beschleunigungsstreifen ein, hält die gewählte Richtgeschwindigkeit, überholt langsamere Lkw durch autonome Spurwechsel und navigiert eigenständig auf Ausfahrten oder Rastplatz-Zubringer. Im städtischen Stop-and-Go-Verkehr (aktiv von 0 bis 80 km/h) meistert der CX-6e Kreuzungsbereiche, fährt eigenständig durch Kreisverkehre, führt Wendevorgänge (U-Turns) aus und weicht plötzlich auftauchenden Hindernissen wie Radfahrern oder parkenden Fahrzeugen durch Ausweichlenkungen aus.
Ergänzt wird das Paket durch automatisiertes Parken: Der Fahrer kann den CX-6e per Smartphone von außen in enge Parklücken manövrieren (Remote Parking) oder das Fahrzeug wiederkehrende Parkwege in Tiefgaragen vollautomatisch abfahren lassen (Valet Parking Memory).
Antrieb, Batterie und Reichweite: 78-kWh-LFP-Pack und EREV-Alternative
Unter dem eleganten Blechkleid nutzt der Mazda CX-6e die EPA1-Plattform des chinesischen Kooperationspartners Changan, die höchste Flexibilität bei den Antriebsarten bietet:
1. Die vollelektrische Version (BEV):
Herzstück des reinen Stromers ist eine Lithium-Eisenphosphat-Batterie (LFP) des renommierten Herstellers CALB mit einer Speicherkapazität von 77,94 kWh. Die Blade-artigen Zellen treiben einen permanenterregten Synchronmotor an der Hinterachse an, der 190 kW (258 PS) und ein maximales Drehmoment von 320 Nm abgibt. Die Höchstgeschwindigkeit wird bei 185 km/h elektronisch begrenzt.
Nach dem chinesischen CLTC-Zyklus erzielt der CX-6e je nach Radgröße eine Reichweite von 585 bis 600 Kilometern. Umgerechnet auf den europäischen WLTP-Standard entspricht dies praxistauglichen ca. 460 bis 480 Kilometern (Berechnung / eigene Berechnung). Dank moderner 3C-Ladefähigkeit benötigt der Akku an einer geeigneten DC-Schnellladesäule lediglich 15 Minuten für den Ladehub von 30 auf 80 Prozent.
2. Die Range-Extender-Version (EREV):
Für Langstreckenfahrer bietet Mazda alternativ die EREV-Variante an. Hier arbeitet an der Vorderachse ein 1,5-Liter-Vierzylinder-Saugbenziner mit 72 kW (98 PS), der keine mechanische Verbindung zu den Antriebsrädern besitzt, sondern ausschließlich als hocheffizienter Generator fungiert. Der Antrieb erfolgt wie beim BEV rein elektrisch über die 190-kW-Maschine im Heck.
Ein kompakter 31,73-kWh-LFP-Akku von CATL-Changan ermöglicht eine rein elektrische Reichweite von 200 Kilometern CLTC (ca. 155 bis 165 km WLTP, eigene Berechnung). Ist die Batterie erschöpft, springt der Generator an und speist Strom direkt in den Elektromotor, wodurch sich mit einer Tankfüllung eine Gesamtreichweite von über 1.000 Kilometern ergibt.
Aerodynamik und 26-Zoll-5K-Cockpit: Mazdas digitale Neuausrichtung
Mazda war lange Zeit dafür bekannt, digitale Displays im Innenraum bewusst klein zu halten und auf eine klassische Tastenbedienung mit Dreh-Drück-Stellern zu setzen. Mit dem CX-6e vollzieht die Marke einen radikalen Kurswechsel, der primär den Erwartungen jüngerer chinesischer Käuferschichten geschuldet ist.
Das Interieur wird von einer durchgehenden Display-Leiste dominiert: Ein gigantischer 26,45-Zoll-Bildschirm mit gestochen scharfer 5K-Auflösung erstreckt sich von der Mittelkonsole bis vor den Beifahrersitz. Physische Tasten wurden bis auf die gesetzlich vorgeschriebenen Bedienelemente vollständig verbannt; sämtliche Funktionen von der Klimatisierung bis zu den Fahrmodi werden über Touchflächen oder eine intelligente Sprachsteuerung gesteuert. Der Fahrer blickt durch das unten abgeflachte Zweispeichen-Lenkrad auf ein serienmäßiges 50-Zoll-Augmented-Reality-Head-up-Display (AR-HUD), das Navigationspfeile dreidimensional direkt auf den Asphalt projiziert. Gegen Aufpreis bietet Mazda sogar eine 100-Zoll-Projektionsfläche an.
Auch die Aerodynamik wurde für maximale Effizienz optimiert. Insgesamt neun gezielte Luftführungen (Air Ducts) an der Fronthaube, den vorderen Stoßfängern und den hinteren D-Säulen leiten den Luftstrom widerstandsarm um die Karosserie. Mit einem cW-Wert von 0,258 platziert sich das SUV im Spitzenfeld seiner Klasse und bewegt sich auf Augenhöhe mit Konkurrenten wie dem Xiaomi YU7 (0,245) und dem Xpeng G9 (0,272).
Direkter technischer Vergleich: Mazda CX-6e vs. Tesla Model Y vs. Deepal S07 vs. Volkswagen ID.4
Wie schlägt sich das neue Mazda-SUV im Umfeld der elektrischen Mittelklasse-Bestseller? Die Redaktion von evautos25.de vergleicht die wichtigsten Parameter der relevanten Modelle.
Kriterium / Modell |
Mazda CX-6e (EV Pro LiDAR) |
Tesla Model Y (Standard RWD) |
Deepal S07 (EV 630) |
Volkswagen ID.4 (Pro 210 kW) |
|---|---|---|---|---|
Antrieb / Leistung |
Heckantrieb / 190 kW (258 PS) |
Heckantrieb / 220 kW (299 PS) |
Heckantrieb / 190 kW (258 PS) |
Heckantrieb / 210 kW (286 PS) |
Batteriekapazität |
77,9 kWh brutto (LFP, CALB) |
ca. 60 kWh netto (LFP, CATL) |
79,9 kWh brutto (NMC / LFP) |
77,0 kWh netto (NMC) |
Reichweite (WLTP) |
ca. 470 km (Prognose / Berechnung) |
455 km |
ca. 485 km (Berechnung) |
550 km |
Ladedauer (DC) |
15 min (30–80 %, 3C) |
ca. 22 min (10–80 %) |
ca. 15 min (30–80 %) |
ca. 28 min (10–80 %) |
Sensorik / Autopilot |
Dach-LiDAR + 3 Radar + 11 Kameras |
Nur Kameras (Tesla Vision) |
Huawei Qiankun ADS (LiDAR) |
Travel Assist (Kamera + Radar) |
Abmessungen (L/B/H) |
4.850 / 1.935 / 1.620 mm |
4.751 / 1.921 / 1.624 mm |
4.750 / 1.930 / 1.625 mm |
4.584 / 1.852 / 1.634 mm |
Radstand |
2.902 mm |
2.890 mm |
2.900 mm |
2.771 mm |
Luftwiderstand (cW) |
0,258 |
0,230 |
0,258 |
0,280 |
Preis in China |
ab ca. 19.500 € (145.900 ¥) |
ab ca. 35.000 € (263.500 ¥) |
ab ca. 20.500 € |
ab ca. 21.000 € (ID.4 Crozz) |
Basispreis Deutschland |
ca. 44.990 € (Prognose) |
44.990 € |
Nicht offiziell in D |
48.635 € |
Vor- und Nachteile im Schnell-Check
Stärken des Mazda CX-6e:
- Modernste Sensortechnik: Echtes Dach-LiDAR ermöglicht präzise NoA-Fahrfunktionen auch bei schwierigen Sichtverhältnissen.
- Zwei Antriebswelten: Wahlmöglichkeit zwischen reinem Elektroantrieb (78 kWh) und reichweitenstarkem EREV-Generator.
- Großzügiges Platzangebot: Mit 2.902 mm Radstand und 4,85 m Außenlänge bietet der CX-6e erstklassige Beinfreiheit im Fond.
- Ultraschnelles Laden: 3C-Laderate füllt den LFP-Akku in nur 15 Minuten von 30 auf 80 Prozent.
- Günstiger Einstiegspreis in Asien: Enormes Preis-Leistungs-Verhältnis auf dem Heimatmarkt.
Schwächen und Herausforderungen:
- Drastischer Preisaufschlag in Europa: Der Import nach Deutschland verdreifacht den Preis auf geschätzte 45.000 Euro.
- Gewöhnungsbedürftiges Bedienkonzept: Kompletter Verzicht auf physische Tasten bricht mit der traditionellen Mazda-Ergonomie.
- Software-Lokalisierung für Europa: Ob die komplexen NoA-Stadtfunktionen auf europäischen Straßen zugelassen werden, ist offen.
- Vergleichsweise hohes Leergewicht: 2.048 bis 2.180 kg fordern auf kurvigen Landstraßen spürbaren Tribut.
Jurij Senkewitschs Fazit: Mazdas chinesische Wiedergeburt vor dem Europa-Sprung
Mit dem überarbeiteten CX-6e beweist Mazda eindrucksvoll, wie pragmatische Partnerschaften im Zeitalter der Elektromobilität aussehen müssen. Anstatt Milliarden in eigene, verspätete Elektroplattformen zu investieren, nutzt das Unternehmen das technologische Fundament von Changan und reichert es mit japanischem Kodo-Design und fortschrittlicher Sensorik an. Das Ergebnis ist ein Verkaufserfolg: Mit 4.532 ausgelieferten Einheiten im August 2026 zeichnet das SUV bereits für 45 Prozent des gesamten Mazda-Absatzes in China verantwortlich.
Für wen ist der Mazda CX-6e die richtige Wahl?
Für technologiebegeisterte Autofahrer, die ein modernes, geräumiges Mittelklasse-SUV mit hochmoderner LiDAR-Hardware und schneller 15-Minuten-Ladung suchen. Wer bisher vor reinen Elektroautos wegen Ladeunsicherheiten auf Urlaubsfahrten zurückschreckte, findet in der EREV-Variante mit 200 km E-Reichweite und Benzingenerator die ideale Brückentechnologie.
Wer sollte abwarten oder anderweitig suchen?
Traditionelle Mazda-Fahrer, die das analoge „Jinba Ittai“-Gefühl (die intuitive Einheit von Reiter und Ross), haptische Drehregler und ein klassisches Cockpit erwarten, werden mit der 26-Zoll-Bildschirmwand und der rein digitalen Menüführung fremdeln. Zudem müssen deutsche Kaufinteressenten die offizielle europäische Preisbekanntgabe abwarten: Sollte Mazda den Einstiegspreis in Deutschland oberhalb von 45.000 Euro ansetzen, trifft der CX-6e auf eine extrem starke, bereits etablierte Konkurrenz rund um das Tesla Model Y und den VW ID.4.




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