Wissen & Ratgeber

Lancia Ypsilon Elettrica vs. MINI Cooper E: Welcher Elektro-Kleinwagen ist die bessere Wahl?

Lancia Ypsilon Elettrica vs. Mini Cooper E
Lancia Ypsilon Elettrica vs. MINI Cooper E

Lancia Ypsilon Elettrica und MINI Cooper E verfolgen im elektrischen Kleinwagensegment zwei deutlich unterschiedliche Konzepte. Der Lancia setzt auf die im Stellantis-Konzern weit verbreitete Elektroarchitektur und kombiniert einen 115 kW (156 PS) starken Frontmotor mit einer Batterie von rund 51 kWh brutto. Der MINI Cooper E ist mit 3.858 mm deutlich kürzer, besitzt eine eigenständige Elektroplattform und kommt mit 135 kW (184 PS), 290 Nm sowie 36,6 kWh nutzbarer Batteriekapazität.

Lancia Ypsilon Elettrica vs. Mini Cooper E
Lancia Ypsilon Elettrica vs. MINI Cooper E

Damit entscheidet sich dieses Duell nicht allein über Leistung oder Design. Für den Alltag ist vor allem interessant, was die unterschiedlichen Batteriegrößen bedeuten. Der MINI benötigt laut Hersteller im WLTP-Zyklus nur 13,8 bis 14,3 kWh/100 km, erreicht wegen seines kleinen Akkus aber lediglich 290 bis 300 km. Der Lancia trägt mehr Energie mit und verschafft seinem Fahrer damit einen größeren Reichweitenpuffer. Dafür bewegt er sich technisch näher an den bekannten Stellantis-Modellen Peugeot E-208 und Opel Corsa Electric.

Wir vergleichen deshalb nicht, welcher Kleinwagen auf einer nicht durchgeführten Testfahrt subjektiv besser federt oder sportlicher wirkt. Entscheidend sind die nachvollziehbaren Unterschiede bei Batterie, Reichweite, Ladezeit, Platzangebot und Fahrzeugkonzept – und was sie für Käufer in Deutschland bedeuten.

Zwei Elektro-Kleinwagen mit unterschiedlichem Ansatz

Der Ypsilon Elettrica nutzt die elektrische Stellantis-Architektur, die in ähnlicher Form auch im Peugeot E-208 und Opel Corsa Electric eingesetzt wird. Der Frontmotor leistet 115 kW (156 PS), das maximale Drehmoment beträgt 260 Nm.

Der MINI Cooper E basiert dagegen auf einer gemeinsam mit Great Wall Motor entwickelten Elektroplattform und wird von Spotlight Automotive in China produziert. Sein Elektromotor treibt ebenfalls die Vorderachse an, leistet mit 135 kW (184 PS) aber 20 kW mehr als der Antrieb des Lancia. Das maximale Drehmoment beträgt 290 Nm.

Der Leistungsunterschied ist im Datenblatt sichtbar: MINI nennt 7,3 Sekunden für den Sprint von 0 auf 100 km/h. Beim Lancia steht jedoch weniger die maximale Fahrleistung als die Kombination aus größerer Batterie, fünf Türen und höherem Nutzwert im Mittelpunkt.

Lancia Ypsilon Elettrica und Mini Cooper E im Vergleich
Lancia Ypsilon Elettrica und MINI Cooper E im Vergleich

Batterie und Reichweite: Der entscheidende Unterschied

Beim MINI Cooper E stehen 36,6 kWh netto beziehungsweise 40,7 kWh brutto zur Verfügung. MINI gibt für die aktuelle Konfiguration 290 bis 300 km WLTP-Reichweite an. Der kombinierte WLTP-Verbrauch liegt je nach Ausstattung zwischen 13,8 und 14,3 kWh/100 km.

Der Lancia besitzt den größeren Energiespeicher. Genau das ist im Alltag wichtiger als ein isolierter Vergleich der Effizienzwerte. Ein kleiner Akku kann ein Fahrzeug leichter und günstiger machen und benötigt weniger Energie für eine vollständige Ladung. Gleichzeitig sinkt aber der Reichweitenpuffer für Autobahnfahrten, Winterbetrieb und längere Etappen.

Das ist der zentrale Unterschied zwischen beiden Autos: Der MINI Cooper E ist konsequent auf einen kompakten Einsatzbereich zugeschnitten. Der Ypsilon bietet mit seiner größeren Batterie mehr Reserve, wenn regelmäßig Strecken außerhalb der Stadt gefahren werden.

Konkrete Winterreichweiten von beispielsweise 220 oder 280 km lassen sich daraus nicht seriös ableiten. Temperatur, Geschwindigkeit, Reifen, Heizung, Vorkonditionierung und Streckenprofil beeinflussen den Verbrauch erheblich. Ohne einen unter identischen Bedingungen durchgeführten Vergleichstest wären solche Zahlen lediglich Modellrechnungen.

75 gegen 100 kW: Warum die maximale Ladeleistung nicht alles sagt

Beim DC-Laden erreicht der Lancia bis zu 100 kW. Der MINI Cooper E liegt mit maximal 75 kW darunter. MINI nennt trotzdem nur 28 Minuten für den Ladehub von 10 auf 80 Prozent.

Der scheinbare Widerspruch erklärt sich durch die Batteriegröße. Beim MINI entsprechen 70 Prozent der nutzbaren Kapazität nur rund 25,6 kWh. Für denselben prozentualen Ladehub muss deshalb erheblich weniger Energie nachgeladen werden als bei einem größeren Akku.

Genau deshalb sollte die maximale Ladeleistung eines Elektroautos nie isoliert bewertet werden. Für die Reise zählt, wie viele Kilowattstunden beziehungsweise Kilometer innerhalb eines bestimmten Zeitraums tatsächlich nachgeladen werden können.

Für den MINI bleibt die geringe Spitzenleistung trotzdem eine Einschränkung auf längeren Strecken: Der kleine Akku erzwingt häufiger Ladestopps, während die DC-Leistung keine besonders kurzen Zwischenstopps ermöglicht. Beim Lancia sorgt die größere Batterie dafür, dass zwischen den Stopps mehr Reichweite zur Verfügung steht.

Beide Fahrzeuge können mit bis zu 11 kW AC laden. Für ihren typischen Einsatz als Stadt- und Pendlerauto ist das besonders relevant, weil ein großer Teil der Ladevorgänge zu Hause oder am Arbeitsplatz stattfinden dürfte.

Parameter Lancia Ypsilon Elettrica MINI Cooper E
Antrieb Frontantrieb Frontantrieb
Leistung 115 kW (156 PS) 135 kW (184 PS)
Drehmoment 260 Nm 290 Nm
Batterie ca. 51 kWh brutto 40,7 kWh brutto / 36,6 kWh netto
WLTP-Reichweite bis rund 400 km, je nach Version 290–300 km
DC-Ladeleistung bis 100 kW bis 75 kW
DC 10–80 % rund 30 Minuten 28 Minuten
AC-Laden bis 11 kW bis 11 kW
Länge ca. 4,08 m 3,858 m
Kofferraum ca. 309 l 210–800 l

MINI ist stärker – aber Leistung entscheidet dieses Duell nicht

Mit 135 kW und 290 Nm besitzt der MINI auf dem Papier den stärkeren Antrieb. Die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 7,3 Sekunden unterstreicht seine sportlichere Positionierung.

Ob sich daraus tatsächlich das von MINI beworbene „Go-Kart-Feeling“ ergibt, lässt sich ohne direkten Fahrvergleich nicht bewerten. Lenkgefühl, Federungskomfort, Wankbewegungen und das Verhalten auf schlechtem Asphalt gehören zu den Eigenschaften, die sich nicht zuverlässig aus technischen Daten ableiten lassen.

Für die Kaufentscheidung lässt sich trotzdem etwas ableiten: Wer einen Elektro-Kleinwagen hauptsächlich für Stadt, Pendelstrecken und kurze Landstraßenfahrten sucht, benötigt kaum mehr Leistung als beide Modelle bieten. Der Unterschied zwischen 115 und 135 kW dürfte im Alltag weniger relevant sein als Batteriegröße, Türen und Platzangebot.

Innenraum: Lancia setzt auf Lounge, MINI auf OLED

Deutlich klarer unterscheiden sich die beiden Fahrzeuge beim Innenraumkonzept. Lancia bezeichnet die Gestaltung des Ypsilon als „Salotto“, also als italienisches Wohnzimmer. Ein charakteristisches Element ist der runde „Tavolino“ in der Mittelkonsole. Dazu kommt das S.A.L.A.-Bediensystem mit zwei 10,25-Zoll-Anzeigen.

MINI interpretiert seine eigene Geschichte anders. Im Mittelpunkt steht ein rundes OLED-Zentraldisplay, das den klassischen zentralen Tacho der Marke digital neu interpretiert. Das MINI Operating System 9 übernimmt Navigation, Infotainment und zahlreiche Fahrzeugfunktionen. Unterhalb des Displays bleibt eine Leiste mit physischen Kippschaltern für wichtige Funktionen erhalten.

Welches Konzept besser funktioniert, ist ohne direkten Bedienvergleich keine seriöse Testaussage. Für Käufer ergibt sich aber ein klarer Unterschied: MINI konzentriert sehr viele Informationen und Funktionen auf einen einzelnen zentralen Bildschirm, während Lancia ein konventionelleres Cockpit mit separater Instrumentenanzeige verfolgt.

Platzangebot: Hier wird der Größenunterschied relevant

Der Ypsilon ist rund 4,08 Meter lang und besitzt fünf Türen. Damit ist er trotz seiner Positionierung als Kleinwagen das praktischere Fahrzeug, wenn regelmäßig Passagiere auf der Rückbank mitfahren.

Der MINI Cooper E misst dagegen nur 3.858 mm. Seine geringe Außenlänge ist beim Parken in der Stadt ein Vorteil, verlangt aber Kompromisse beim Gepäckraum. MINI nennt 210 Liter bei aufgestellten Rücksitzen und maximal 800 Liter nach dem Umklappen.

Der Unterschied von rund 100 Litern beim normalen Kofferraum ist für diese Fahrzeugklasse erheblich. Wer das Auto hauptsächlich allein oder zu zweit nutzt, kann mit den 210 Litern des MINI gut zurechtkommen. Kinderwagen, größeres Reisegepäck oder regelmäßige Einkäufe machen den zusätzlichen Raum des Lancia dagegen wertvoller.

Damit zeigt sich ein grundlegender Unterschied, der in einem reinen Datenblattvergleich leicht verloren geht: Der MINI maximiert Kompaktheit, der Lancia versucht, innerhalb des B-Segments mehr Alltagsnutzen anzubieten.

Reine Elektroplattform gegen Stellantis-Baukasten: Was hat der Käufer davon?

Eine speziell für Elektroautos entwickelte Plattform klingt zunächst automatisch moderner. Für den Kunden ist diese Einordnung allein jedoch wenig aussagekräftig.

Der MINI zeigt das deutlich. Trotz seiner Elektroplattform besitzt er weder einen außergewöhnlich großen Kofferraum noch eine besonders große Batterie oder eine hohe DC-Ladeleistung. Eine reine EV-Architektur garantiert also nicht automatisch mehr Platz, Reichweite oder schnelleres Laden.

Beim Lancia stammt die technische Basis dagegen aus einem Konzernbaukasten, der für mehrere Antriebsarten entwickelt wurde. Der Vorteil liegt in der breiten Nutzung von Komponenten innerhalb des Stellantis-Konzerns. Gleichzeitig setzt diese Architektur bei Packaging und Ladetechnik Grenzen.

Für Käufer sollte deshalb nicht die Frage „reine Elektroplattform oder Multi-Energy?“ im Vordergrund stehen. Wichtiger ist, welches konkrete Ergebnis daraus entsteht: nutzbare Batteriekapazität, Innenraum, Ladegeschwindigkeit, Gewicht und Preis.

Winter: Der kleine MINI-Akku lässt weniger Reserve

Bei niedrigen Temperaturen steigt der Energiebedarf eines Elektroautos unter anderem durch Innenraumheizung und Batterietemperierung. Gleichzeitig können kalte Batterien ihre optimale Ladeleistung erst nach entsprechender Temperierung erreichen.

Hier besitzt der Lancia allein aufgrund seiner größeren Batterie einen mathematischen Vorteil beim Reichweitenpuffer. Selbst wenn beide Fahrzeuge unter vergleichbaren Bedingungen einen ähnlichen prozentualen Mehrverbrauch hätten, verliert der MINI mit 36,6 kWh nutzbarer Kapazität schneller absolute Kilometer.

Das bedeutet nicht, dass sich daraus ohne Messfahrt eine feste Winterreichweite ableiten lässt. Es bedeutet aber sehr wohl, dass Fahrer mit langen täglichen Strecken beim MINI genauer auf Ladezustand und Lademöglichkeiten achten müssen.

Wer beispielsweise täglich nur 40 oder 60 Kilometer fährt und zu Hause laden kann, wird diesen Nachteil wesentlich seltener bemerken als jemand, der regelmäßig 200 Kilometer ohne Zwischenladung zurücklegen möchte.

80-Prozent-Regel: Kein Grund, künstlich Reichweite zu verschenken

Auch beim Umgang mit dem Ladezustand lohnt eine differenzierte Betrachtung. Die häufig genannte 80-Prozent-Grenze ist keine harte technische Grenze, oberhalb der ein NMC-Akku plötzlich Schaden nimmt. Sie ist vielmehr eine mögliche Strategie, die Batterie im täglichen Betrieb nicht unnötig lange bei sehr hohem Ladezustand stehen zu lassen.

Vor einer längeren Strecke spricht deshalb nichts dagegen, die vom Hersteller vorgesehene Batteriekapazität entsprechend der Bedienungsanleitung auszunutzen. Gerade beim MINI Cooper E würde eine pauschale Begrenzung auf 80 Prozent den ohnehin kleinen nutzbaren Energieinhalt deutlich reduzieren.

Für Käufer ist die wichtigere Frage deshalb, ob die Reichweite des MINI zum persönlichen Fahrprofil passt, ohne ständig zusätzliche Ladestopps einplanen zu müssen. Wenn das nicht der Fall ist, ist der größere Cooper SE mit 49,2 kWh netto möglicherweise die sinnvollere Alternative – oder eben ein Fahrzeug wie der Ypsilon mit größerem Energiespeicher.

Welche Variante passt zu welchem Fahrer?

Der MINI Cooper E ergibt vor allem dann Sinn, wenn Kompaktheit einen hohen Stellenwert besitzt. Mit weniger als 3,86 Metern Länge ist er für enge Innenstädte interessant, bietet gleichzeitig 135 kW Leistung und benötigt für den DC-Ladehub von 10 auf 80 Prozent laut Hersteller 28 Minuten.

Sein entscheidender Nachteil ist nicht die Motorleistung, sondern die Kombination aus 36,6-kWh-Batterie und 290 bis 300 km WLTP-Reichweite. Wer überwiegend kurze Strecken fährt und regelmäßig laden kann, wird damit gut zurechtkommen. Für häufige Autobahnfahrten muss dagegen mit kürzeren Etappen gerechnet werden.

Der Lancia Ypsilon Elettrica verschiebt die Prioritäten. Mehr Batteriekapazität, fünf Türen und ein größerer Kofferraum machen ihn zum vielseitigeren Alltagsauto. Die maximale DC-Leistung von 100 kW ist ebenfalls kein Spitzenwert, fällt wegen des größeren Reichweitenpuffers aber anders ins Gewicht.

Fazit: MINI für die Stadt, Lancia mit mehr Alltagsreserve

Der Vergleich zeigt zwei unterschiedliche Antworten auf die Frage, wie ein elektrischer Kleinwagen aussehen soll. Der MINI Cooper E konzentriert sich auf geringe Außenmaße, kräftigen Frontantrieb und ein eigenständiges digitales Innenraumkonzept. Seine 36,6-kWh-Batterie hält Gewicht und Energiebedarf in Grenzen, setzt der Reichweite mit 290 bis 300 km WLTP aber eine klare Grenze. 75 kW DC wirken auf dem Papier schwach, reichen wegen des kleinen Akkus immerhin für einen 10-bis-80-Prozent-Ladevorgang in 28 Minuten.

Der Lancia Ypsilon Elettrica ist die interessantere Wahl, wenn derselbe Wagen Stadtverkehr, Pendelstrecke und gelegentliche längere Fahrten abdecken soll. Seine größere Batterie, fünf Türen und der größere Kofferraum schaffen mehr Reserven im Alltag. Der MINI bleibt dagegen besonders interessant für Fahrer, die bewusst ein sehr kompaktes Elektroauto suchen und selten lange Strecken ohne Lademöglichkeit zurücklegen.

Damit gibt es keinen pauschalen Sieger. Wer Reichweitenreserve und Nutzwert höher gewichtet, findet im Lancia das ausgewogenere Konzept. Wer möglichst geringe Außenmaße und das eigenständige MINI-Konzept sucht und mit rund 300 km WLTP auskommt, hat mit dem Cooper E die konsequentere Alternative.

Ähnliche Artikel

Hinterlassen Sie Feedback dazu

  • Bewertung abgeben!