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Fiat Multiplina: Vier Sitze auf nur 3,04 Metern

Fiat Multiplina: Vorderansicht
Fiat Multiplina

Fiat erweitert seine Idee elektrischer Mikromobilität über den zweisitzigen Topolino hinaus. Der neue Fiat Multiplina ist ein rein elektrisches Konzeptfahrzeug mit vier Sitzplätzen und einer Karosserielänge von lediglich 3,04 Metern. Als sogenanntes „Multi-Purpose Quadricycle“ der europäischen Fahrzeugklasse L7e soll er die Lücke zwischen einfachen Elektro-Leichtfahrzeugen und klassischen Kleinwagen schließen.

Fiat Multiplina: Ansicht von rechts
Fiat Multiplina

Mit 3,04 Metern Länge, 1,40 Metern Breite und 1,53 Metern Höhe bleibt der Multiplina extrem kompakt. Trotzdem bietet das Konzept zwei Sitzreihen und Platz für vier Personen. Noch wichtiger ist der Unterschied beim Einsatzbereich: Während der Fiat Topolino als L6e-Fahrzeug auf 45 km/h begrenzt ist, nennt Fiat für den Multiplina eine Höchstgeschwindigkeit von bis zu 90 km/h. Damit rücken neben dem dichten Stadtverkehr auch Pendelstrecken im Umland stärker in den Fokus.

Fiat Multiplina: Rückansicht
Fiat Multiplina

Technische Angaben zur Batteriekapazität, Motorleistung und zur endgültigen Reichweite hat Fiat bislang nicht veröffentlicht. Das Projekt geht allerdings bereits über ein reines Designexperiment hinaus. Vertreter der Marke haben nach der Präsentation deutlich gemacht, dass die Idee in Richtung eines Serienfahrzeugs weiterentwickelt werden soll. Eine der entscheidenden Aufgaben auf diesem Weg ist die Reduzierung des Fahrzeuggewichts, damit das Konzept innerhalb seiner vorgesehenen Fahrzeugklasse umgesetzt werden kann.

3,04 Meter: Fiat greift die Idee des 600 Multipla neu auf

Der Name Multiplina und die ungewöhnliche Karosseriearchitektur sind kein Zufall. Das Konzept greift die Grundidee des Fiat 600 Multipla von 1956 auf: möglichst viel nutzbaren Innenraum auf einer möglichst kleinen Grundfläche unterzubringen. Der historische Multipla wurde gerade durch seine außergewöhnliche Raumausnutzung zu einem der ungewöhnlichsten Fiat-Modelle seiner Zeit.

Beim elektrischen Multiplina lässt sich dieses Prinzip ohne die klassischen Anforderungen eines Verbrennungsmotors neu interpretieren. Die Front fällt kurz aus, die Fahrgastzelle reicht weit nach vorne und die Karosserie folgt einem nahezu einteiligen One-Box-Konzept. Auf nur 3,04 Metern Gesamtlänge entstehen dadurch zwei Sitzreihen mit insgesamt vier Plätzen.

Zum Vergleich: Der aktuelle Fiat Topolino misst rund 2,53 Meter und bietet lediglich zwei Sitzplätze. Der Multiplina benötigt also nur rund 51 Zentimeter zusätzliche Karosserielänge, verdoppelt aber die Zahl der Sitzplätze. Genau diese Raumeffizienz ist eine der interessantesten Eigenschaften des gesamten Projekts.

Vier statt zwei Sitze: Der entscheidende Unterschied zum Fiat Topolino

Der Multiplina soll nicht einfach ein größerer Topolino werden. Fiat versucht vielmehr, die Einsatzmöglichkeiten eines elektrischen Leichtfahrzeugs deutlich zu erweitern. Vier Sitzplätze verändern den praktischen Nutzen eines solchen Fahrzeugs grundlegend.

Damit werden alltägliche Szenarien möglich, bei denen ein zweisitziges Fahrzeug schnell an seine Grenzen stößt: Eltern können Kinder mitnehmen, kurze Familienfahrten werden möglich und auch der tägliche Weg zur Schule, zur Arbeit oder zum Einkaufen lässt sich mit mehreren Personen bewältigen.

Genau hier erklärt sich Fiats Bezeichnung „Multi-Purpose Quadricycle“. Die Marke versucht, die kompakten Abmessungen und den reduzierten Ressourcenbedarf eines Leichtfahrzeugs mit einem Teil der Alltagstauglichkeit eines normalen Kleinwagens zu verbinden.

Für europäische Großstädte ist dieser Ansatz besonders interessant. Selbst viele aktuelle Fahrzeuge des B-Segments überschreiten inzwischen deutlich die Vier-Meter-Marke. Ein nur 3,04 Meter langer Viersitzer würde wesentlich weniger Verkehrs- und Parkfläche beanspruchen, ohne auf zwei Personen beschränkt zu sein.

L7e statt L6e: Warum 90 km/h den Multiplina grundlegend verändern

Mindestens genauso wichtig wie die zusätzlichen Sitzplätze ist die Fahrzeugklasse. Der Fiat Topolino gehört zur Kategorie L6e und ist auf eine Höchstgeschwindigkeit von 45 km/h begrenzt. Der Multiplina wird dagegen als schweres vierrädriges Leichtfahrzeug der Kategorie L7e entwickelt.

Fiat nennt für das Konzept eine Höchstgeschwindigkeit von bis zu 90 km/h. Diese Zahl erweitert den möglichen Einsatzbereich erheblich.

Ein Topolino eignet sich gut für Innenstädte und kurze lokale Wege. Außerhalb dichter Stadtgebiete wird die Begrenzung auf 45 km/h jedoch schnell zum entscheidenden Nachteil. Mit bis zu 90 km/h könnte der Multiplina dagegen auch auf vielen Land- und Verbindungsstraßen im Stadtumland sinnvoll eingesetzt werden.

Trotzdem bleibt ein wichtiger Unterschied bestehen: Der Multiplina ist als Quadricycle und nicht als klassischer Pkw konzipiert. Käufer sollten ein Fahrzeug dieser Kategorie deshalb nicht automatisch mit einem vollwertigen Elektro-Kleinwagen gleichsetzen. Die geringere Größe und der reduzierte Materialeinsatz können Vorteile bei Gewicht, Energiebedarf und Kosten bringen, gehen aber mit anderen technischen und regulatorischen Rahmenbedingungen einher.

Das Gewichtsproblem: Vier Sitze machen den Multiplina technisch anspruchsvoll

Auf dem Weg vom Konzeptfahrzeug zur Serie steht Fiat vor einer entscheidenden technischen Herausforderung. Designchef François Leboine erklärte gegenüber dem britischen Magazin Autocar, dass die Gestaltung des Multiplina bereits relativ nah an einem möglichen Serienfahrzeug liege. Gleichzeitig müsse das Gewicht weiter reduziert werden, um das Fahrzeugkonzept innerhalb der vorgesehenen Kategorie realisieren zu können.

Genau hier liegt einer der interessantesten Zielkonflikte des Projekts. Ein elektrischer Viersitzer benötigt nicht nur eine zweite Sitzreihe und eine entsprechend größere Karosseriestruktur, sondern auch eine Batterie mit praxistauglicher Reichweite. Gleichzeitig soll das Fahrzeug Geschwindigkeiten von bis zu 90 km/h erreichen.

Eine größere Batterie würde zwar die Reichweite erhöhen, gleichzeitig aber Gewicht und Kosten nach oben treiben. Mehr Komfort- und Sicherheitsausstattung wirkt sich ebenfalls auf die Masse aus. Fiat muss deshalb genau abwägen, welche Technik ein Fahrzeug dieser Größe tatsächlich benötigt.

Damit unterscheidet sich die Entwicklungsaufgabe deutlich von klassischen Elektroautos, bei denen größere Batterien häufig als Verkaufsargument dienen. Beim Multiplina dürfte nicht die maximal mögliche Akkukapazität entscheidend sein, sondern die Frage, wie viel Batterie für den vorgesehenen Alltagseinsatz tatsächlich sinnvoll ist.

Batterie und Reichweite: Fiat hält wichtige Daten noch zurück

Zur Kapazität des Traktionsakkus, zur Leistung des Elektromotors, zum Energieverbrauch und zur endgültigen Reichweite macht Fiat bislang keine konkreten Angaben. Deshalb wäre es verfrüht, technische Werte anderer Stellantis-Modelle oder typische Batteriegrößen der L7e-Klasse auf den Multiplina zu übertragen.

Die bisher bekannten Aussagen zeigen lediglich die Entwicklungsrichtung. Der Multiplina soll für einen größeren Aktionsradius ausgelegt werden als der Topolino. Nach Informationen des französischen Fachmediums L’Argus soll die Reichweite oberhalb der rund 75 Kilometer WLTP liegen, die Fiat für den aktuellen Topolino angibt. Einen konkreten Zielwert für den Multiplina gibt es bislang jedoch nicht.

Eine besonders große Batterie wäre bei diesem Fahrzeugkonzept ohnehin nicht automatisch von Vorteil. Zusätzliche Akkukapazität erhöht Gewicht, Materialbedarf und Kosten – genau jene Faktoren, die bei einem kompakten L7e-Fahrzeug besonders kritisch sind.

Warum ein kleiner Akku sinnvoller sein könnte als 300 Kilometer Reichweite

Am Multiplina lässt sich gut erkennen, warum die Anforderungen an ein elektrisches Leichtfahrzeug andere sind als an einen konventionellen Elektro-Pkw. Ein Familien-SUV benötigt mehrere hundert Kilometer Reichweite, weil auch längere Autobahnfahrten zum typischen Nutzungsspektrum gehören. Ein drei Meter langes Stadtfahrzeug verfolgt dagegen ein anderes Ziel.

Wenn der Multiplina hauptsächlich für Arbeitswege, Schulfahrten, Einkäufe und kurze Strecken zwischen Stadt und Umland genutzt wird, würde eine sehr große Batterie einen erheblichen Teil ihrer Masse permanent ungenutzt mitführen. Das würde nicht nur die Effizienz verschlechtern, sondern auch den Materialeinsatz und den Fahrzeugpreis erhöhen.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, ob ein späterer Multiplina 200 oder 300 Kilometer mit einer Akkuladung schafft. Viel wichtiger ist, ob Fiat eine Batteriegröße findet, die genügend Reserve für typische Tagesstrecken bietet, ohne die ursprüngliche Idee eines leichten und bezahlbaren Elektrofahrzeugs zu verwässern.

2028: Aus dem Multiplina Concept soll ein Serienmodell werden

Aktuell bleibt der Fiat Multiplina offiziell ein Konzeptfahrzeug. Die Chancen auf eine spätere Serienversion erscheinen allerdings deutlich konkreter als bei vielen klassischen Messe-Studien.

Nach der Präsentation haben Verantwortliche der Marke gegenüber europäischen Medien die Weiterentwicklung des Projekts bestätigt. Als zeitlicher Horizont für eine mögliche Serienversion wird das Jahr 2028 genannt. Bis dahin müssen insbesondere Gewicht, Antrieb und die endgültige technische Konfiguration festgelegt werden.

Das aktuelle Konzept sollte deshalb nicht als fertiges Datenblatt eines späteren Serienmodells verstanden werden. Batteriekapazität, Reichweite, Leistung, Ausstattung und einzelne konstruktive Details können sich auf dem Weg zur Produktion noch verändern.

Wo der Fiat Multiplina in Europa eine echte Lücke finden könnte

Auf dem europäischen Markt könnte der Multiplina eine ungewöhnliche Position einnehmen. Unterhalb befindet sich der Fiat Topolino: extrem kompakt und einfach, aber auf zwei Personen und 45 km/h beschränkt. Darüber stehen klassische Kleinwagen, die mehr Reichweite, Komfort und Vielseitigkeit bieten, gleichzeitig aber erheblich größer, schwerer und teurer sind.

Der Multiplina versucht genau den Raum zwischen diesen beiden Konzepten zu besetzen. Sein entscheidendes Argument wäre weder hohe Leistung noch maximale Reichweite, sondern die Kombination aus vier Sitzplätzen, nur 3,04 Metern Länge und einer Höchstgeschwindigkeit von bis zu 90 km/h.

Für Haushalte, die bereits ein größeres Fahrzeug besitzen, könnte ein solcher Elektro-Viersitzer beispielsweise die Rolle des Zweitwagens übernehmen. Im Stadtverkehr wären die geringen Abmessungen ein klarer Vorteil, während vier Sitzplätze eines der größten praktischen Probleme heutiger Mikromobile beseitigen würden.

Entscheidend wird allerdings der Preis. Fiat hat bislang keine konkrete Preisvorstellung für eine mögliche Serienversion genannt. Wird der Abstand zu vollwertigen elektrischen Kleinwagen zu klein, dürfte es schwieriger werden, die Einschränkungen eines L7e-Fahrzeugs zu rechtfertigen. Bleibt der Multiplina dagegen deutlich günstiger, könnte das Viersitzer-Konzept eine wesentlich größere Zielgruppe erreichen als heutige zweisitzige Elektro-Leichtfahrzeuge.

Fazit: Der Fiat Multiplina ist mehr als ein größerer Topolino

Die eigentliche Idee des Fiat Multiplina besteht nicht darin, einfach noch ein kleines Elektroauto auf den Markt zu bringen. Fiat lotet vielmehr die Grenze zwischen Quadricycle und klassischem Pkw neu aus. Vier Sitzplätze, nur 3,04 Meter Länge und bis zu 90 km/h sollen ein L7e-Fahrzeug schaffen, das deutlich mehr Alltagssituationen abdecken kann als der zweisitzige Topolino.

Besonders interessant ist der technische Zielkonflikt. Eine spätere Serienversion benötigt genügend Reichweite, einen tatsächlich nutzbaren Viersitzer-Innenraum und eine angemessene Ausstattung. Gleichzeitig müssen Gewicht und Kosten niedrig genug bleiben, damit die Vorteile des Leichtfahrzeug-Konzepts nicht verloren gehen. Deshalb werden die endgültige Fahrzeugmasse und die Größe der Batterie wesentlich interessanter sein als spektakuläre Leistungswerte.

Gelingt Fiat dieser Spagat bis zu einer möglichen Serienversion im Jahr 2028, könnte der Multiplina eine Nische besetzen, die klassische Elektroautos zunehmend verlassen haben: ein einfaches, leichtes und tatsächlich kompaktes Fahrzeug, das trotzdem vier Personen transportieren kann.

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