Dacia Spring vs. Leapmotor T03: Das Elektroauto-Duell unter 19.000 Euro

Der Traum vom bezahlbaren Elektroauto wird auf dem europäischen Markt oft von theoretischen Ankündigungen wie dem künftigen VW ID.2 dominiert. Doch im August 2026 findet der wahre Preiskampf bereits eine Etage tiefer statt. Für rund 17.000 bis 19.000 Euro treten zwei radikale Pragmatiker gegeneinander an: Der frisch überarbeitete Dacia Spring (aus dem Renault-Konzern) trifft auf den Leapmotor T03. Letzterer stammt zwar von einem chinesischen Start-up, wird aber über ein Joint-Venture vom mächtigen Stellantis-Konzern (Peugeot, Fiat, Opel) vertrieben. Wir vergleichen die starke 65-PS-Topversion des Dacia (Extreme) mit dem 95 PS starken Leapmotor in den Kategorien Batterie, Ladeleistung, Platzangebot und Preis-Leistungs-Verhältnis. Welches Modell ist für preissensible Käufer und städtische Pendler die bessere Wahl?

Dieses Duell ist nicht nur ein technischer Vergleich, sondern auch ein Kampf der globalen Produktionsstrategien. Während europäische Giganten wie Volkswagen Milliarden in die eigene Entwicklung von Elektro-Plattformen pumpen, wählt Stellantis beim Leapmotor T03 einen völlig anderen, hocheffizienten Weg, um den Markt von unten aufzurollen.
1. Produktion und Strafzölle: Die Politik hinter dem Preis
Um ein Elektroauto in Europa für unter 19.000 Euro anzubieten, muss jeder Cent bei der Produktion umgedreht werden. Der Dacia Spring wird von Renault im Rahmen eines Joint-Ventures mit Dongfeng im chinesischen Werk Shiyan gebaut. Das war für Dacia lange Zeit ein Kostenvorteil, wird nun aber zum Bumerang. Da das Auto komplett in China montiert wird, fällt es unter die neuen EU-Zusatzzölle für chinesische Elektroautos. Dacia versucht diese Zölle intern abzufedern, um den Basispreis von 16.900 Euro zu halten, was jedoch die ohnehin hauchdünnen Margen des Fahrzeugs massiv attackiert.
Hier spielt Stellantis seinen Trumpf aus. Der Konzern hat sich zu 20 Prozent bei Leapmotor eingekauft und die exklusiven Vertriebs- und Produktionsrechte für Europa gesichert. Der Leapmotor T03 wird nicht als fertiges Auto importiert. Die Teile kommen aus China (als SKD-Bausatz: Semi Knocked Down), montiert wird das Fahrzeug jedoch im polnischen Stellantis-Werk in Tychy (wo früher der Fiat 500 vom Band lief). Der Geniestreich: Durch diese lokale europäische Endmontage umgeht Stellantis die EU-Strafzölle für chinesische E-Autos komplett. Das verschafft dem T03 einen strategischen Preis- und Margenvorteil, der direkt in eine bessere Serienausstattung investiert werden kann.
Zwischenfazit Produktion: Leapmotor und Stellantis gewinnen dieses Kapitel durch strategische Cleverness. Die Montage in Polen sichert das Preisniveau langfristig ab, während der Dacia Spring als reiner China-Import politisch unter Druck steht.
2. Batterie, Reichweite und Ladeleistung: Das Autobahn-Desaster
Die Achillesferse jedes Budget-Elektroautos ist der Akku. Dacia verbaut im Spring (auch nach dem großen Facelift) weiterhin eine kleine Batterie mit 26,8 kWh nutzbarer Kapazität. Laut WLTP-Zyklus reicht das für ca. 225 Kilometer. In der städtischen Realität sind 180 Kilometer machbar, im tiefen Winter auf der Autobahn schrumpft die Reichweite auf rund 120 Kilometer zusammen.
Das eigentliche Problem des Dacia ist jedoch die Ladeinfrastruktur. An der AC-Wallbox lädt das Basismodell einphasig mit archaischen 3,7 kW. Selbst mit optionalem Lader sind es nur 7,4 kW. Noch dramatischer: Wer an einer öffentlichen Schnellladesäule (DC) laden möchte, muss beim Dacia einen Aufpreis (ca. 600 Euro) für den CCS-Anschluss bezahlen. Selbst dann lädt der Spring mit maximal 30 kW. Der Ladehub von 20 auf 80 Prozent dauert quälende 45 Minuten.
Der Leapmotor T03 zeigt, dass es auch in dieser Preisklasse besser geht. Er bringt eine LFP-Batterie mit 37,3 kWh (brutto rund 41 kWh) mit. Das sind fast 40 Prozent mehr Kapazität als beim Dacia. Die WLTP-Reichweite liegt bei respektablen 265 Kilometern. Beim Laden schlägt der T03 den Rumänen deutlich: Er lädt serienmäßig mit 6,6 kW (AC) an der heimischen Wallbox und verfügt ab Werk über einen CCS-Anschluss für DC-Schnellladen mit 45 kW. Das klingt nicht nach Hypercharging, drückt die Ladezeit für 30 bis 80 Prozent jedoch auf 36 Minuten – bei einer deutlich größeren Batterie.
Zwischenfazit Batterie & Laden: Ein technischer K.-o.-Sieg für den Leapmotor T03. 10 kWh mehr Akkukapazität und serienmäßiges Schnellladen machen ihn im Gegensatz zum Dacia auch für gelegentliche Überlandfahrten brauchbar.
3. Antrieb und Fahrleistungen: 95 PS gegen 65 PS
Für diesen Vergleich ziehen wir nicht die 45-PS-Basisversion des Dacia Spring heran, sondern die stärkere „Extreme“-Variante mit dem 48 kW (65 PS) starken Elektromotor an der Vorderachse. Mit diesem Motor schwimmt der Spring gut im Stadtverkehr mit. Der Sprint auf 50 km/h gelingt flott, bis 100 km/h vergehen 13,7 Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeit ist bei 125 km/h elektronisch abgeregelt. Der größte fahrdynamische Vorteil des Dacia ist sein absurd niedriges Gewicht: Er wiegt leer nur rund 970 Kilogramm. Dadurch fühlt er sich auf den ersten Metern extrem leichtfüßig an.
Der Leapmotor T03 schiebt nominell mit 70 kW (95 PS) deutlich stärker an. Auch er treibt die Vorderräder an. Den Sprint auf 100 km/h absolviert er in rund 12 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 130 km/h. Allerdings muss der stärkere Motor des T03 mehr Masse bewegen. Die größere Batterie und die massivere Bauweise drücken das Leergewicht auf gut 1.200 Kilogramm. Auf der Landstraße, insbesondere beim Überholen von Lkw, spürt man die 30 PS Mehrleistung des Leapmotor dennoch deutlich. Er wirkt souveräner und weniger angestrengt als der Dacia.
Zwischenfazit Fahrdynamik: Der Dacia punktet in der Innenstadt mit seinem extrem niedrigen Gewicht. Wer jedoch regelmäßig Landstraße oder Autobahn fährt, profitiert massiv von den 95 PS des Leapmotor T03.
4. Innenraum und Platzangebot: Plastik vs. Panorama
Das Dacia-Facelift hat dem Spring im Innenraum extrem gutgetan. Das Armaturenbrett wurde komplett überarbeitet, wirkt robuster und zitiert den größeren Dacia Duster. In der Extreme-Ausstattung gibt es ein 7-Zoll-Digitalcockpit und einen 10-Zoll-Touchscreen mit kabellosem Apple CarPlay und Android Auto. Das Material bleibt hartes, kratzfestes Plastik, aber die Ergonomie stimmt. Ein echter Geniestreich von Dacia: Der Spring unterstützt V2L (Vehicle-to-Load). Mit einem Adapter kann man aus dem Ladeanschluss 230-Volt-Strom (bis 3,5 kW) beziehen – ideal, um beim Camping einen Elektrogrill oder eine Kaffeemaschine zu betreiben. Der Kofferraum schluckt klassenübliche 227 Liter.
Der Leapmotor T03 verfolgt einen weicheren, technologischeren Ansatz. Die Sitze sind bequemer gepolstert, und ein serienmäßiges Panoramaglasdach bringt viel Licht in den kleinen Innenraum. Das zentrale 10,1-Zoll-Display ist reaktionsschnell, erfordert aber die Bedienung vieler Funktionen (auch der Klimaanlage) über den Touchscreen, was während der Fahrt ablenkt. Der Kofferraum ist mit 210 Litern etwas kleiner als beim Dacia. Auf der Rückbank bieten beide Fahrzeuge nur Platz für zwei Passagiere, wobei der Leapmotor etwas mehr Kopffreiheit offeriert.
Zwischenfazit Innenraum: Ein Unentschieden. Der Leapmotor fühlt sich einen Hauch wertiger an und hat das Panoramadach. Der Dacia kontert mit physischen Klimatasten, einem minimal größeren Kofferraum und dem brillanten V2L-Adapter.
5. Preisgestaltung: Die 19.000-Euro-Grenze
Der Einstiegspreis des Dacia Spring (mit 45 PS und ohne DC-Lader) liegt bei verlockenden 16.900 Euro. Wer jedoch die vergleichbare 65-PS-Extreme-Ausstattung inklusive dem zwingend notwendigen 30-kW-Gleichstromlader (DC) bestellt, landet schnell bei über 19.000 Euro.
Der Leapmotor T03 kostet in Europa rund 18.900 Euro. In diesem Preis sind die 37-kWh-Batterie, der 95-PS-Motor, das Panoramadach und der 45-kW-DC-Lader bereits serienmäßig enthalten. Die Aufpreisliste ist erfrischend kurz.
Technische Daten im direkten Vergleich
Spezifikation |
Dacia Spring (Extreme 65) |
Leapmotor T03 |
|---|---|---|
Fahrzeugklasse |
Kleinstwagen (A-Segment) |
Kleinstwagen (A-Segment) |
Länge / Breite / Höhe |
3.701 mm / 1.583 mm / 1.519 mm |
3.620 mm / 1.652 mm / 1.577 mm |
Leergewicht |
ca. 970 kg |
ca. 1.200 kg |
Motorleistung |
48 kW (65 PS) Frontantrieb |
70 kW (95 PS) Frontantrieb |
Höchstgeschwindigkeit |
125 km/h |
130 km/h |
Batterie (Netto) |
26,8 kWh |
37,3 kWh (LFP) |
Reichweite (WLTP) |
ca. 225 km |
ca. 265 km |
Ladeleistung AC / DC |
max. 7,4 kW / 30 kW (Aufpreis) |
max. 6,6 kW / 45 kW (Serie) |
Kofferraumvolumen |
227 Liter |
210 Liter |
Produktionsstandort |
Shiyan (China) |
Tychy (Polen) |
Preis (ausstattungsbereinigt) |
ca. 19.000 Euro |
ca. 18.900 Euro |
Fazit und Kaufempfehlung von Jurij Senkewitsch
Das Urteil fällt selten so eindeutig aus: Der Leapmotor T03 gewinnt diesen Vergleich klar.
Der Dacia Spring war ein absoluter Pionier der Elektromobilität und hat zehntausenden Familien den Umstieg ermöglicht. Doch die Technik im Unterboden ist im Jahr 2026 zu sehr veraltet. Wer heute ein Auto mit einer winzigen 26-kWh-Batterie verkauft und für einen ohnehin langsamen 30-kW-Schnellladeanschluss auch noch Aufpreis verlangt, der bestraft den Kunden im Alltag.
Der Leapmotor T03 zeigt eindrucksvoll, was passiert, wenn Stellantis chinesische Batterietechnologie einkauft und durch die polnische Montage zollfrei auf den europäischen Markt drückt. Für knapp 19.000 Euro erhält man hier schlichtweg mehr Auto: 10 kWh mehr Batterie, 30 PS mehr Leistung und ab Werk einen akzeptablen Schnelllader. Für reine Pflegedienste, die das Auto nachts am Firmensitz an die langsame AC-Dose hängen, mag der Basis-Dacia für 16.900 Euro noch Sinn ergeben. Für Privatkunden, die auch mal 80 Kilometer über die Landstraße zur Verwandtschaft fahren wollen, ist der Leapmotor T03 die unschlagbare Empfehlung in der Einstiegsklasse.




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