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Zeekr 001 FR (2026): Wie 1.265 PS den Tesla Model S Plaid demontieren

Zeekr 001 FR Sportwagen bei Sonnenuntergang
Zeekr 001 FR

Die Zeit der europäischen PS-Monopole ist endgültig vorbei. Der Zeekr 001 FR (Future Road) betritt die Bühne und liefert auf dem Datenblatt absolute Absurdität: 930 kW (1.265 PS), vier unabhängige Elektromotoren, ein Sprint von 0 auf 100 km/h in 2,02 Sekunden (mit Rollout) und eine abgeregelte Höchstgeschwindigkeit von 280 km/h. Das Fahrzeug der Geely-Tochter nutzt eine 100-kWh-Qilin-Batterie von CATL auf 800-Volt-Basis und verzögert über ein gewaltiges Carbon-Keramik-Bremssystem von AP Racing und Brembo. Der Zeekr 001 FR ist nicht nur eine Kampfansage an den Tesla Model S Plaid (1.020 PS), sondern auch an den Porsche Taycan Turbo GT (1.034 PS). Wir unterziehen den chinesischen Hyper-Shooting-Brake einem tiefgreifenden Technik-Check. Wie funktioniert das Torque Vectoring mit vier Motoren, wo liegen die thermischen Grenzen der Batterie und ist diese Leistung auf der Straße überhaupt noch beherrschbar?

Sportlicher Zeekr 001 FR inmitten der Alpen
Zeekr 001 FR

Bei Fahrzeugen jenseits der 1.000-PS-Marke geht es längst nicht mehr um reine Beschleunigung. Wenn ein rund 2,5 Tonnen schweres Elektroauto diese kinetische Energie aufbauen kann, wird die Querdynamik und vor allem die Bremsleistung zur physikalischen Überlebensfrage. Zeekr beantwortet diese Fragen mit massivem Hardware-Einsatz aus dem Motorsport.

1. Das Antriebslayout: Vier Motoren und SiC-Inverter

Während Tesla beim Model S Plaid auf ein Tri-Motor-Setup (ein Motor vorn, zwei hinten) setzt und Porsche beim Taycan Turbo GT zwei Motoren verbaut, nutzt der Zeekr 001 FR vier völlig unabhängige Permanentmagnet-Synchronmaschinen. Die vordere Doppelmotor-Einheit leistet 310 kW (422 PS), während die hintere Einheit gigantische 620 kW (843 PS) an die Räder schickt. Daraus resultiert die Systemleistung von 930 kW (1.265 PS).

Die eigentliche technische Leistung liegt jedoch in der Steuerungselektronik. Zeekr verwendet Wechselrichter (Inverter) aus Siliziumkarbid (SiC) anstelle klassischer Silizium-IGBT-Transistoren. SiC-Halbleiter schalten deutlich schneller, haben geringere Widerstände und erzeugen unter extremer Volllast signifikant weniger Abwärme. Ohne diese SiC-Technologie würden die Inverter bei einer Leistungsabgabe von 1.265 PS nach wenigen Sekunden thermisch kollabieren. Der Wirkungsgrad der SiC-Inverter wird von Zeekr mit über 98 Prozent angegeben, was bedeutet, dass fast die gesamte Batterieleistung ohne thermische Verluste in Rotationsenergie umgewandelt wird.

2. ZVC Torque Vectoring: Software schlägt Mechanik

Vier unabhängige Motoren bedeuten das Ende von klassischen mechanischen Sperrdifferenzialen. Die Kraftverteilung (Torque Vectoring) wird beim 001 FR zu 100 Prozent von der Software übernommen – dem sogenannten ZVC (Zeekr Vectoring Control).

Das ZVC-System überwacht die Raddrehzahlen und Gierraten des Fahrzeugs in Millisekundenbruchteilen. In einer schnell gefahrenen Kurve kann die Elektronik dem äußeren Hinterrad maximale Leistung zuweisen, während das innere Hinterrad sogar leicht gebremst (rekuperiert) wird. Das Auto wird so virtuell in die Kurve hineingezogen. Messwerte auf dem Track zeigen, dass der Zeekr 001 FR Kurvenbeschleunigungen von bis zu 1,4 G erreicht – ein Wert, der normalerweise leichten Supersportwagen mit Semislick-Bereifung vorbehalten ist.

Ähnlich wie der schwere Geländewagen BYD Yangwang U8 beherrscht auch der Zeekr 001 FR den sogenannten „Tank Turn“ (Panzerwende). Da die linken Räder vorwärts und die rechten Räder rückwärts drehen können, dreht sich das Fahrzeug auf der Stelle. Auf Asphalt ruiniert das Manöver die Reifen innerhalb von Sekunden, aber als technologischer Machbarkeitsnachweis für die Radsteuerung ist es beeindruckend.

3. Thermomanagement: Die 100-kWh-Qilin-Batterie

Leistung zu generieren ist einfach, sie thermisch zu verwalten, ist die wahre Ingenieurskunst. Wenn 930 kW abgerufen werden, entstehen im Batteriepack extreme Temperaturen. Zeekr greift hier auf das Qilin-Batteriepack (CTP 3.0) des Marktführers CATL zurück.

Diese 100-kWh-Batterie arbeitet mit einer 800-Volt-Architektur. Das Alleinstellungsmerkmal der Qilin-Technologie ist die aktive Flüssigkeitskühlung, die nicht mehr nur unter den Zellen verläuft, sondern als flächiger Kühlkanal direkt zwischen den einzelnen prismatischen Zellen platziert ist. Das vergrößert die wärmeableitende Oberfläche um das Vierfache. Der reale Vorteil auf der Rennstrecke oder der deutschen Autobahn: Der Zeekr 001 FR reduziert seine Leistung auch nach mehreren harten Beschleunigungsorgien (dem sogenannten „Derating“) deutlich später als vergleichbare Elektroautos. An einem 800-Volt-Hypercharger drückt die Batterie den State of Charge (SoC) dank der extremen Kühlung in nur 15 Minuten von 10 auf 80 Prozent.

4. Bremsanlage: Komponenten von AP Racing und Brembo

Chinesische Hersteller haben in der Vergangenheit oft bei der Bremsanlage von leistungsstarken Elektroautos gespart. Zeekr begeht diesen Fehler beim FR nicht und kauft die Hardware direkt in Europa ein.

An der Vorderachse klemmen 10-Kolben-Festsättel des britischen Motorsportspezialisten AP Racing. Diese beißen sich in gewaltige 420-Millimeter-Carbon-Keramik-Bremsscheiben des italienischen Zulieferers Brembo. An der Hinterachse kommen 4-Kolben-Sättel und 410-Millimeter-Scheiben zum Einsatz. Das Carbon-Keramik-Material spart im Vergleich zu Stahlbremsen nicht nur rund 20 Kilogramm an unsinnigen, ungefederten Massen (was das Fahrwerk agiler macht), sondern garantiert auch absolutes Fading-Verbot. Wer 2,5 Tonnen von 280 km/h auf der Autobahn in eine Baustelle herunterbremsen muss, wird diese Hardware zwingend benötigen.

5. Praxis und Konkurrenz

Im direkten Vergleich zum Tesla Model S Plaid ist der Zeekr 001 FR in der Längsdynamik ebenbürtig (beide sprinten reale 2,3 Sekunden ohne den amerikanischen 1-Foot-Rollout), aber in der Querdynamik überlegen. Die mechanische Traktion, die Zeekr durch die vier Motoren generiert, ist dem Tesla-Dreimotor-System auf kurvigen Landstraßen voraus. Der Porsche Taycan Turbo GT bleibt in Sachen Lenkgefühl und Fahrwerksrückmeldung der absolute Benchmark, kostet mit über 240.000 Euro aber auch fast 100.000 Euro mehr als der Zeekr, der in Europa voraussichtlich für knapp 140.000 Euro angeboten wird.

Technische Spezifikationen im Überblick

Spezifikation
Zeekr 001 FR (2026)
Fahrzeugklasse
Hyper-Shooting-Brake
Antriebssystem
4 Permanentmagnet-Motoren (SiC-Inverter)
Systemleistung / Drehmoment
930 kW (1.265 PS) / ca. 1.280 Nm
0-100 km/h
2,02 s (mit Rollout) / ca. 2,37 s (ohne Rollout)
Höchstgeschwindigkeit
280 km/h (elektronisch limitiert)
Batterie & Architektur
100 kWh CATL Qilin (800 Volt)
Ladeleistung (10-80 %)
15 Minuten
Bremsanlage
Carbon-Keramik (AP Racing 10-Kolben vorn)
Torque Vectoring
ZVC (unabhängige Radsteuerung, Tank Turn)

Fazit und Einschätzung von Jurij Senkewitsch

Niemand braucht im öffentlichen Straßenverkehr 1.265 PS. Die Beschleunigung eines Zeekr 001 FR ist für ungeschulte Fahrer physisch überfordernd und auf deutschen Straßen grenzwertig nutzbar. Dennoch ist dieses Fahrzeug ein technisches Manifest.

Geely beweist mit dem FR, dass sie nicht nur günstige Plattformen für Volvo oder Smart bauen können, sondern im Hypercar-Segment direkt mit Porsche und Tesla konkurrieren. Die Entscheidung, auf vier unabhängige SiC-Motoren und massive Carbon-Keramik-Bremsen aus Europa zu setzen, zeigt tiefes ingenieursmäßiges Verständnis für die Physik von 2,5-Tonnen-Geschossen. Der Zeekr 001 FR demontiert endgültig das alte Klischee, dass chinesische Elektroautos nur stur geradeaus schnell fahren können. Er ist eine rollende Machbarkeitsstudie – und ein ernsthaftes Problem für das Ego etablierter Sportwagenhersteller.

Jurij Senkewitsch

Fachautor für Elektromobilität bei EvAutos25. Er spezialisiert sich auf Elektroautos, Batterietechnologien und Ladeinfrastruktur sowie auf die Analyse des deutschen und europäischen E-Auto-Marktes.

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