IM L6 New Generation (2026): 1.000 km Feststoff-Reichweite und „Crab Walk“ für 28.000 Euro

SAIC und Alibaba zünden die nächste Eskalationsstufe im globalen Elektroauto-Krieg. Am 28. August 2026 bringt das Joint-Venture die „New Generation“ der elektrischen Premium-Limousine IM L6 offiziell auf den chinesischen Markt. Die Kampfansage an Tesla, Porsche und Nio ist von massiver technischer Brutalität: Für Vorverkaufspreise ab 219.900 Yuan (umgerechnet knapp 28.000 Euro) liefert der IM L6 eine 900-Volt-Architektur, ein digitales VMC-Fahrwerk mit aktiver Allradlenkung („Crab Walk“) und Beschleunigungswerte auf Supersportwagen-Niveau (2,74 Sekunden). Das absolute Branchen-Highlight ist jedoch die Hochvoltbatterie: Der IM L6 ist das erste Serienfahrzeug seiner Klasse, das optional mit einer 130-kWh-Semi-Feststoffbatterie (Solid-State) ausgestattet wird, was der Limousine eine Reichweite von über 1.000 Kilometern beschert. Während SAIC mit Massenmodellen wie dem Roewe Jiayue 07 die untere Mittelklasse aufmischt, zielt die Premium-Marke IM Motors mit dem L6 direkt auf das technologische Herz der europäischen und amerikanischen Konkurrenz.

Reguläre Preise für die Modellreihe starten am 28. August zwischen 229.900 und 279.900 Yuan (ca. 29.500 bis 35.800 Euro). Wir analysieren die Feststoff-Technologie, das VMC-Chassis und klären, warum das Tesla Model 3 gegen dieses Datenblatt plötzlich wie ein Relikt aus einer vergangenen Epoche wirkt.

Die „Lightyear“-Batterie: Feststoff-Technik in Serie
Europäische Autobauer sprechen bei Feststoffbatterien (Solid-State) meist von der Zeit nach 2030. IM Motors liefert diese Technologie im L6 (New Generation) ab sofort aus. Das System, intern „Lightyear“ genannt, ist eine Semi-Feststoffbatterie mit einer massiven Kapazität von 123,7 kWh. Im Gegensatz zu herkömmlichen Lithium-Ionen-Akkus mit flüssigem Elektrolyt (NMC oder LFP), setzt IM Motors auf einen festen Elektrolyten auf der Makro-Ebene.
Dies bringt zwei entscheidende physikalische Vorteile mit sich. Erstens: Die Energiedichte steigt enorm an, weshalb 123,7 kWh in den flachen Unterboden einer Limousine passen. Das Resultat ist eine CLTC-zertifizierte Reichweite von über 1.000 Kilometern. Selbst unter härtesten europäischen WLTP-Bedingungen und bei Autobahntempo bleiben hier reale 750 bis 800 Kilometer übrig. Zweitens: Die Sicherheit. Der feste Elektrolyt ist nicht brennbar, was ein thermisches Durchgehen (Thermal Runaway) der Batterie bei einem Unfall nahezu physikalisch ausschließt.
Gepaart wird diese Batterie mit einer Quasi-900-Volt-Architektur. Das bedeutet extrem kurze Standzeiten an HPC-Schnellladesäulen. Unter optimalen Bedingungen kann der IM L6 in nur 12 Minuten Strom für weitere 400 Kilometer nachladen. Für Käufer, die den Einstiegspreis von 219.900 Yuan nutzen, bietet IM Motors zudem klassische 75-kWh-LFP-Batterien sowie 83- und 100-kWh-NMC-Packs an, die immer noch hervorragende 600 bis 800 Kilometer Reichweite liefern.
Das VMC-Fahrwerk: Allradlenkung und „Crab Walk“
Während die Beschleunigung bei E-Autos mittlerweile eine austauschbare Ware ist, trennt sich bei der Fahrwerksdynamik die Spreu vom Weizen. Der IM L6 basiert auf einem völlig neuen digitalen „Vehicle Motion Control“ (VMC) System. Dieses elektronische Gehirn zentralisiert die Steuerung von Antrieb, Bremsen (Brake-by-Wire) und Lenkung (Steer-by-Wire).
Der spektakulärste Auswuchs dieses VMC-Systems ist die intelligente Allradlenkung. Die Hinterräder können bis zu 12 (in der Topversion bis zu 18) Grad mitlenken. Das verkürzt nicht nur den Wendekreis der knapp fünf Meter langen Limousine auf das Niveau eines Kleinwagens (unter 10 Meter), sondern ermöglicht auch den sogenannten „Crab Walk“ (Hundegang). Das Auto kann sich bei niedrigen Geschwindigkeiten diagonal bewegen – ein absoluter Gamechanger beim Einparken in enge Längslücken oder beim Navigieren durch überfüllte deutsche Parkhäuser. Ein Feature, das man in Europa bisher nur von Luxus-Derivaten wie dem Mercedes EQS (gegen massiven Aufpreis) kennt, ist im IM L6 Teil der Systemarchitektur.
Der Hurricane-Motor: 787 PS und 2,74 Sekunden auf 100 km/h
In der Top-Ausstattung mit Allradantrieb (AWD) verbaut IM Motors den selbst entwickelten „Hurricane“-Elektromotor. Dieser dreht mit bis zu 21.000 Umdrehungen pro Minute – ein Wert, der extrem komplexe Kühlmechanismen (Ölkühlung des Rotors) und eine Kohlefaser-Bandagierung voraussetzt, um zu verhindern, dass der Rotor durch die Zentrifugalkräfte zerrissen wird.
Die Systemleistung beläuft sich auf wahnwitzige 579 kW (787 PS) bei einem maximalen Drehmoment von 800 Newtonmetern. Der Sprint von 0 auf 100 km/h wird in 2,74 Sekunden absolviert. Die Höchstgeschwindigkeit wird bei 268 km/h elektronisch begrenzt. Damit schlägt der IM L6 nicht nur das Tesla Model 3 Performance, sondern bewegt sich im direkten Jagdrevier des Porsche Taycan Turbo.
Autonomes Fahren: LiDAR und Nvidia Orin X
Die „New Generation“ des IM L6 bringt das City NOA (Navigate on Autopilot) System auf das nächste Level. Auf dem Dach der Limousine thront ein hochauflösender LiDAR-Sensor. Die Datenverarbeitung übernimmt der Industriestandard von Nvidia, der Orin X Chip. Das System ist in der Lage, in Großstädten ohne hochpräzise Karten autonom Spuren zu wechseln, Ampeln zu erkennen und ungeschützte Verkehrsteilnehmer (Fahrradfahrer, Fußgänger) auch bei starkem Regen oder in der Dunkelheit zu tracken. Es ist ein Level-2+-System, das de facto die Vorstufe zum hochautonomen Fahren (Level 3) darstellt.
Preis-Leistungs-Verhältnis: Ein Schock für die Branche
Dass IM Motors ein Fahrzeug mit Feststoffbatterie, 900-Volt-Netz, Allradlenkung, LiDAR und 787 PS baut, ist beeindruckend. Dass der Vorverkaufspreis jedoch bei 219.900 Yuan (ca. 28.000 Euro) beginnt und selbst die voll ausgestatteten Top-Modelle regulär kaum die 300.000-Yuan-Marke (knapp 38.000 Euro) sprengen, ist eine Kampfansage, die Marktdynamiken zerstören wird.
Zum Vergleich: Ein Tesla Model 3 Long Range (ohne Allradlenkung, ohne 900-Volt-System, ohne Feststoffbatterie) startet in China bei ca. 271.900 RMB. Der IM L6 unterbietet Teslas Kassenschlager preislich und deklassiert ihn technologisch. Selbst wenn man die europäischen Anti-Subventionszölle für SAIC-Fahrzeuge (zusätzlich 37,6 Prozent auf den Standardzoll) aufschlägt, könnte der IM L6 in Deutschland für rund 50.000 bis 55.000 Euro angeboten werden. Für ein Auto mit diesem Datenblatt wäre das in Europa immer noch ein absoluter Dumpingpreis.
Technische Spezifikationen im Vergleich
Spezifikation |
IM L6 (Top-Version / Lightyear) |
Vergleich: Tesla Model 3 (Long Range) |
|---|---|---|
Fahrzeugklasse |
Premium-Elektrolimousine (E-Segment) |
Mittelklasse-Limousine (D-Segment) |
Architektur |
900-Volt-Plattform |
400-Volt-Plattform |
Systemleistung |
579 kW (787 PS) / 800 Nm |
366 kW (498 PS) / 493 Nm |
Batterie (Kapazität / Typ) |
123,7 kWh / (Semi)-Feststoffbatterie |
78,4 kWh / NMC-Zellchemie |
Elektrische Reichweite |
über 1.000 km (CLTC) |
629 km (WLTP) / ca. 713 km (CLTC) |
Beschleunigung (0-100 km/h) |
2,74 Sekunden |
4,4 Sekunden |
Fahrwerk-Besonderheit |
VMC Digital-Chassis inkl. Allradlenkung (Crab Walk) |
Konventionell (keine Allradlenkung) |
Preis (China / Start) |
ab 219.900 RMB (ca. 28.000 Euro) |
ab 271.900 RMB (ca. 34.800 Euro) |
Fazit und Einschätzung von Jurij Senkewitsch
Der Launch der „New Generation“ des IM L6 am 28. August ist ein Weckruf für die globale Automobilindustrie. Was SAIC hier auf die Räder gestellt hat, ist keine Konzeptstudie für das nächste Jahrzehnt, sondern bestellbare Serienrealität. Eine Limousine, die dank Feststoffbatterie die 1.000-Kilometer-Marke knackt, dank Allradlenkung diagonal einparkt und dank 800 Nm Drehmoment Porsche-Fahrer in Verlegenheit bringt – und das alles zu einem Startpreis von knapp 28.000 Euro.
Es zeigt überdeutlich: Der Technologie-Vorsprung von Pionieren wie Tesla schmilzt nicht nur, er ist in Bereichen wie Batteriechemie (Solid-State) und Fahrwerksintegration (VMC) bereits verloren gegangen. Für Käufer in Deutschland bleibt vorerst nur das Warten, ob und zu welchen Konditionen SAIC dieses technologische Meisterwerk an den EU-Zollschranken vorbei in die lokalen Showrooms bekommt.




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