Hyundai Staria Cargo Electric: 800 Volt, 450 km und 1.040 kg Nutzlast

Hyundai steigt mit dem neuen STARIA Cargo Elektro in das europäische Nutzfahrzeuggeschäft ein und bringt eine im Segment der leichten Nutzfahrzeuge (LCV) bislang seltene Hochvoltarchitektur in Serie. In Deutschland startet der Kastenwagen ab 48.315 Euro netto, was inklusive 19 Prozent Mehrwertsteuer einem Bruttopreis von 57.488,85 Euro entspricht. Auf dem Pariser Autosalon feierte der avantgardistisch gezeichnete Elektrotransporter seine offizielle Messepremiere.

Technisch nutzt der Transporter ein 800-Volt-Bordnetz und eine 84 kWh große Lithium-Ionen-Batterie. Ein Front-Elektromotor leistet 160 kW (218 PS) sowie 350 Nm Drehmoment. Die WLTP-Reichweite beträgt bis zu 450 Kilometer bei einem Normverbrauch von 20,7 kWh je 100 Kilometer. An HPC-Schnellladesäulen lädt der Kastenwagen in rund 20 Minuten von 10 auf 80 Prozent. Der 5,46 Kubikmeter große Laderaum nimmt bis zu drei Europaletten auf, während die Nutzlast je nach Datenblatt zwischen 1.040 und 1.102 Kilogramm liegt.

Wir analysieren die Diskrepanz der offiziellen Lastdaten, prüfen die Lade- und Zugleistung von zwei Tonnen und vergleichen den Newcomer mit Konkurrenten wie dem Volkswagen e-Transporter.
Hyundai Staria Cargo Elektro feiert Messepremiere in Paris
Der Auftritt auf dem Mondial de l’Auto 2026 in Paris markiert den ersten Messeauftritt des elektrischen STARIA Cargo. Bislang bediente Hyundai das europäische N1-Transportersegment vor allem über Verbrenner oder Kooperationen. Mit dem batterieelektrischen STARIA tritt die Marke nun als eigenständiger Anbieter gegen Kastenwagen von Ford, Stellantis und Volkswagen an.
Die Bestellbücher in Deutschland sind bereits seit Mitte September 2026 geöffnet. Die Pariser Präsentation diente daher als europäischer Startschuss für Großflotten, Gewerbekunden und Aufbauspezialisten vor dem Start der ersten Auslieferungen.
800-Volt-Technik: Warum der Staria Cargo schneller lädt
Ein 800-Volt-Bordnetz ist bei elektrischen Transportern ein Novum; die meisten Konkurrenten nutzen 400-Volt-Pkw-Technik. Das physikalische Prinzip: Bei verdoppelter Spannung halbiert sich die Stromstärke bei gleicher Ladeleistung.
Das senkt thermische Leitungsverluste und erlaubt leichtere Leitungsquerschnitte. An 350-kW-HPC-Stationen erzielt der STARIA Cargo eine außergewöhnlich hohe Dauerladeleistung. Die Leistungselektronik setzt auf Halbleiter aus Siliziumkarbid (SiC), die im Teillast- und Rekuperationsbetrieb spürbar geringere Schaltverluste aufweisen als herkömmliche Silizium-Inverter. Dank eines internen Inverter-Aufwärtswandlers lädt das Fahrzeug auch an herkömmlichen 400-Volt-Säulen stabil mit bis zu 100 kW. Ein serienmäßiges Thermomanagement mit navigationsbasierter Batterie-Vorkonditionierung temperiert die Zellen vor dem Ladestopp automatisch auf das ideale Temperaturfenster zwischen 25 und 30 Grad Celsius.
84-kWh-Akku: Wie realistisch sind 450 km WLTP?
Die nutzbare Batteriekapazität von 84 kWh ermöglicht auf dem Papier bis zu 450 Kilometer WLTP-Reichweite. Der Normverbrauch von 20,7 kWh/100 km profitiert von der strömungsgünstigen Keilfront, die den Luftwiderstand gegenüber klassischen Kastenwagen spürbar reduziert.
Im gewerblichen Alltag ist die Normdistanz jedoch an Idealbedingungen gekoppelt. Auf der Autobahn bei 120 bis 130 km/h und winterlichen Temperaturen steigt der Strombedarf voll beladen auf 28 bis 34 kWh/100 km (Prognose). Der reale Radius liegt in diesem Profil bei 240 bis 280 Kilometern. Detaillierte Hintergründe zur Batterieauslegung behandelt unser Grundlagenbericht zur optimalen Akkugröße im Elektroauto für den deutschen Markt.
20 Minuten Ladezeit: Was bedeutet das für Lieferdienste?
An einer 350-kW-Säule lädt der 84-kWh-Akku laut Werksangaben in 19,8 Minuten von 10 auf 80 Prozent. Dies entspricht einem Energiehub von rund 58,8 kWh und einer rechnerischen Durchschnittsleistung von etwa 178 kW (Berechnung). In 15 Minuten fließt Strom für bis zu 280 Kilometer Reichweite nach.
Für Kurier- und Expressdienste (KEP) sowie Servicetechniker verändert das die Einsatzplanung: Statt einstündiger Zwangspausen an 50-kW-Ladern genügt eine reguläre Fahrerpause an der Autobahnraststätte, um das Fahrzeug für die nächste Route bereitzustellen.
1.040 oder 1.102 kg Nutzlast: Warum unterscheiden sich die Angaben?
In den Herstellerpublikationen fällt eine Abweichung auf: Hyundai Motor Europe nennt eine Nutzlast von 1.040 Kilogramm, während Hyundai Deutschland „bis zu 1.102 Kilogramm“ ausweist.
Diese Differenz von 62 Kilogramm rührt vermutlich von unterschiedlichen Ausstattungsständen her. Während die Europa-Zahl das Leergewicht inklusive Komfortausstattung und Trennwand abbildet, bezieht sich der deutsche Bestwert auf die gewichtsoptimierte Grundausstattung. Maßgeblich für Flottenbetreiber bleibt stets der konkrete Eintrag im Fahrzeugschein (Zulassungsbescheinigung Teil I).
Drei Europaletten: Wie praktisch ist der Laderaum?
Das Ladeabteil bietet 5,462 Kubikmeter Volumen und ist auf Standardpaletten ausgelegt. Bei 2.500 mm Ladelänge, 1.640 mm maximaler Breite und 1.436 mm Innenhöhe finden bis zu drei Europaletten hintereinander Platz.
| Parameter | Werksangabe STARIA Cargo | Gewerbliche Praxis |
|---|---|---|
| Ladevolumen | 5,462 m³ | Viel Platz für Pakete und Regaleinbauten |
| Ladelänge am Boden | 2.500 mm | Aufnahme von drei genormten Europaletten |
| Breite zw. Radkästen | ca. 1.250 mm | Palettendurchladung ohne Verkanten |
| Ladekantenhöhe | 573 mm | Bequemes Beladen von Hand oder per Hubwagen |
| Seitliche Schiebetür | 870 mm Öffnungsweite | Seitliche Gabelstapler-Beladung möglich |
| Heckportal | 180°-Flügeltüren oder Klappe | Optimales Andocken an Laderampen |
Die Ladekante von 573 mm schont den Rücken. Wichtig: Drei Palettenplätze bedeuten nicht, dass drei voll ausgeladene 500-kg-Paletten befördert werden dürfen, da die Gesamt-Nutzlast auf rund eine Tonne limitiert ist.
2.000 kg Anhängelast: Was darf der elektrische Transporter ziehen?
Während viele E-Transporter auf 750 bis 1.000 Kilogramm Anhängelast beschränkt sind, bietet der STARIA Cargo bis zu 2.000 Kilogramm gebremste Anhängelast (ungebremst 750 kg). Die Stützlast liegt bei 100 Kilogramm.
Laut europäischem Presserelease bleibt diese Zuglast auch bei voller Beladung des Kastenwagens innerhalb des maximal zulässigen Zuggesamtgewichts erhalten. Handwerker mit Minibaggern oder Messebauer erhalten damit ein vollwertiges Zugfahrzeug. Allerdings gelten rechtliche und fahrphysikalische Besonderheiten: Bei Ausnutzung des Zuggesamtgewichts von über 3,5 Tonnen ist in Deutschland die Führerscheinklasse BE oder die Fahrerschulung B96 gesetzlich vorgeschrieben. Auf deutschen Autobahnen gilt zudem Tempo 80 (bzw. Tempo 100 bei entsprechender Anhänger-Zulassung). Zudem verdoppelt ein schwerer, windanfälliger Planenanhänger den Luftwiderstand, was die Reichweite im Gespannbetrieb auf rund 180 bis 220 Kilometer verkürzt (Prognose).
160 kW und Frontantrieb: Wie fährt sich der Staria Cargo?
Der Elektromotor leistet 160 kW (218 PS) und 350 Nm Drehmoment. Das Datenblatt nennt eine Beschleunigung von null auf 100 km/h in 8,6 Sekunden und 184 km/h Höchstgeschwindigkeit.
Der Frontantrieb garantiert bei leerem Fahrzeug hohe Spurstabilität. Bei voller Tonne Zuladung verlagert sich der Schwerpunkt nach hinten, was an steilen Steigungen bei Nässe feinfühlige Traktionskontrolle erfordert. Die Einzelradaufhängung sichert dabei ein Pkw-ähnliches Fahrverhalten.
Vehicle-to-Load mit 3,5 kW: Strom für Werkzeuge
Für Baustellen und Montageeinsätze bietet Hyundai Vehicle-to-Load (V2L) mit bis zu 3,5 kW Dauerleistung (230 Volt, 16 Ampere) aus der Traktionsbatterie.
In Deutschland kostet das V2L-Paket 460 Euro netto. Es beinhaltet eine 230V-Steckdose im Laderaum und einen Adapter für den Ladeanschluss. Handwerker können Bohrhämmer, Sägen oder Akkuladegeräte ohne laute Benzin-Generatoren betreiben. Details zu bidirektionalen Systemen analysieren wir im Beitrag zu Hyundais V2G- und V2L-Technologien.
Drei Sitzplätze und 12,3-Zoll-Displays: Der Innenraum
Die Kabine bietet serienmäßig drei Sitzplätze mit Einzelsitz für den Fahrer und Doppelsitzbank samt Staufach. Die Instrumentierung besteht aus einem digitalen 12,3-Zoll-Cockpit und einem 12,3-Zoll-Navigationsbildschirm (ccNC).
In Deutschland gehören eine energiesparende Wärmepumpe, das Batterieheizsystem und die SmartSense-Sicherheitsassistenten (u. a. Notbremsassistent, Spurhalteassistent, Verkehrszeichenerkennung) zur Serienausstattung.
Wie weit kommt der Hyundai Staria Cargo mit einer Tonne Zuladung?
Das Einsatzprofil bestimmt die Reichweite unter maximaler Nutzlast maßgeblich:
- Stadttour (Stop-and-Go): Hohe Rekuperation und moderate Tempi halten den Verbrauch bei 20 bis 23 kWh/100 km. Da die Masse von über drei Tonnen beim Verzögern viel kinetische Energie zurückspeist, sind reale 360 bis 410 Kilometer machbar (Prognose).
- Regionalverkehr (Mix 70–100 km/h): Bei 23 bis 26 kWh/100 km liegt der Aktionsradius bei 320 bis 365 Kilometern. Voraussetzung ist ein korrekt eingestellter Reifendruck der C-Transporterreifen mit verstärkter Karkasse, da walkende Reifen unter Maximallast den Rollwiderstand spürbar in die Höhe treiben.
- Autobahn (120–130 km/h): Mit voller Tonne Fracht steigt der Bedarf auf 30 bis 33 kWh/100 km. Die Reichweite beträgt 250 bis 280 Kilometer. Bei winterlicher Witterung und durchnässter Fahrbahn sollte vorsichtshalber mit 230 bis 250 Kilometern kalkuliert werden.
Wer nachts am Betriebshof mit 11 kW AC in 7,5 Stunden lädt, profitiert im reinen Nahverkehr kaum von 800 Volt. Für Mehrschichtbetriebe, unvorhergesehene Expressfahrten oder überregionale Montagetouren ist die 20-Minuten-Schnellladung jedoch ein entscheidender Produktivitätsvorteil, der teure Standzeiten des Personals eliminiert.
Hyundai Staria Cargo gegen Kia PV5 und VW e-Transporter
Im Konkurrenzumfeld trifft der Koreaner auf modulare Plattformen und etablierte Kastenwagen.
| Kriterium | Hyundai STARIA Cargo | Kia PV5 Cargo (PBV) | VW e-Transporter |
|---|---|---|---|
| Bordnetzspannung | 800 Volt | 400 / 800 Volt | 400 Volt |
| Batteriekapazität | 84 kWh (brutto) | ca. 64 – 80 kWh | ca. 64 – 83 kWh |
| WLTP-Reichweite | bis zu 450 km | ca. 380 – 420 km | ca. 330 – 380 km |
| DC-Ladezeit 10–80 % | ca. 20 Minuten (HPC) | ca. 25 – 30 Minuten | ca. 30 – 38 Minuten |
| Maximale Nutzlast | 1.040 bis 1.102 kg | ca. 950 – 1.050 kg | ca. 1.000 – 1.200 kg |
| Anhängelast gebremst | 2.000 kg | ca. 1.500 kg | bis zu 2.000 kg |
| V2L-Funktion (230 V) | Ja (3,5 kW) | Ja (integriert) | Optional (2,3 kW) |
| Einstiegspreis Deutschland | ab 48.315 € netto | Start 2026/2027 | ab ca. 49.500 € netto |
Der STARIA Cargo dominiert bei der Ladedauer und der 2-Tonnen-Anhängelast, während der Volkswagen e-Transporter eine breitere Auswahl an Karosserielängen bereithält.
Hyundai Staria Cargo Elektro: Preis und Ausstattung in Deutschland
Der Einstiegspreis liegt bei 48.315 Euro netto (57.488,85 Euro brutto). Die Sonderausstattungen sind in kompakten Paketen gebündelt:
- Navigations-Paket (840 € netto): 12,3-Zoll-Screen, ccNC und Bluelink Telematik.
- Winter-Paket (340 € netto): Beheizbares Lenkrad und Sitzheizung.
- Licht-Paket (660 € netto): Durchgehendes LED-Leuchtenband und LED-Scheinwerfer.
- Heckklappe (300 € netto): Einteilige Klappe statt 180-Grad-Flügeltüren.
- V2L-Paket (460 € netto): 230V-Laderaumsteckdose und Außenadapter.
Hyundai gewährt fünf Jahre Fahrzeuggarantie ohne Kilometerlimit und acht Jahre Garantie (bis 160.000 km) auf die Hochvoltbatterie.
Fazit: 800-Volt-Technik trifft auf echte Transporter-Nutzlast
Der Hyundai STARIA Cargo Elektro kombiniert moderne 800-Volt-Ladetechnik mit handfesten Nutzwerten: über eine Tonne Nutzlast, Platz für drei Europaletten und 2.000 kg Anhängelast.
Die DC-Ladezeit von 20 Minuten für 10 auf 80 Prozent beseitigt zeitraubende Standzeiten auf langen Touren. Zusammen mit der 3,5-kW-V2L-Funktion für Baustellen liefert Hyundai ein stimmiges Arbeitspaket, das den deutschen Markt für Elektro-Kastenwagen spürbar belebt.




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