Geely Galaxy TT (2026) Test: Die 5-Meter-Limousine mit brachialer 6C-Ladegeschwindigkeit

Nach einem monatelangen, globalen Namens-Voting lüftete der chinesische Autogigant im Juni 2026 das Geheimnis: Das völlig neue Flaggschiff der Submarke hört auf den Namen Geely Galaxy TT. Das Kürzel, welches wahlweise für „Trend & Technology“ oder „Time Tourist“ steht, markiert eine Zäsur in der Elektro-Strategie des Konzerns. Ab September 2026 rollt mit dem TT eine 4,99 Meter lange Elektro-Limousine auf den Markt, die das bisherige Dogma der Langstrecken-Fahrzeuge („Viel Reichweite erfordert gigantische und schwere Batterien“) fundamental angreift. Anstelle eines 100-kWh-Akkus kombiniert Geely hier kompakte Batteriegrößen mit einer kompromisslosen 800-Volt-Architektur und einem irrsinnigen 6C-Lademultiplikator.

Wir haben die technischen Daten, die Platzverhältnisse und die völlig neue Meizu-Software (Flyme Auto 2) des Fahrzeugs detailliert analysiert. Die Gleichung, die Geely hier für den Markt aufstellt, ist radikal: Ein riesiges, aerodynamisch perfektioniertes Fahrzeug mit Hinterradantrieb (245 kW), das an der Ladesäule in 11 Minuten Strom für über 400 Kilometer nachzieht. Wir klären im Test, für wen diese Philosophie im Alltag funktioniert, wie die „CATL Shenxing TT“-Zellen die Thermodynamik beherrschen und ob der Geely Galaxy TT dem Platzhirschen VW ID.7 das Wasser abgraben kann.

Karosserie und Design: Aerodynamik auf 4,99 Metern
Mit exakt 4.999 Millimetern Länge, 1.919 Millimetern Breite und einer extrem flachen Bauhöhe von nur 1.479 Millimetern kratzt der Geely Galaxy TT formal an der Oberklasse. Er ist exakt so lang wie ein Audi A6 e-tron und überragt das Tesla Model 3 um Welten. Das Design diktiert der Windkanal: Eine geschlossene Front, bündige Türgriffe und ein extrem glattflächiger Unterboden drücken den Luftwiderstand massiv nach unten. Am Heck thront ein aktiver Spoiler, der ab Geschwindigkeiten von 90 km/h automatisch ausfährt, um den Abtrieb auf der Hinterachse zu erhöhen und Luftverwirbelungen hinter dem Fahrzeug zu minimieren.
Der Radstand von 2.920 Millimetern (2,92 Meter) ist der eigentliche Schlüssel zum Fahrzeugkonzept. Er ermöglicht nicht nur fürstliche Platzverhältnisse im Innenraum, sondern schafft im Fahrzeugboden exakt den Platz, der für die komplexe Kühlungs-Infrastruktur der 800-Volt-Batterien benötigt wird.
Batterie, 6C-Laden und die 800-Volt-Architektur
Hier findet der eigentliche physikalische Durchbruch statt. Geely stattet ausnahmslos jede Version des Galaxy TT – vom Basismodell bis zur Top-Ausstattung – mit einer globalen 800-Volt-Architektur aus. Das ist in dieser Klasse eine absolute Kampfansage an Volkswagen oder Stellantis, die ihre Basismodelle weiterhin mit 400-Volt-Technik ausliefern.
Die Batteriezellen stammen vom Weltmarktführer CATL. Es handelt sich um eine spezielle Adaption der CATL Shenxing Plus Batterie, die hier unter dem Label „Shenxing TT“ verbaut wird. Zertifiziert sind drei Akkugrößen: 52,4 kWh, 63,8 kWh und 75,2 kWh. Auf den ersten Blick wirken 52,4 kWh für ein fünf Meter langes Auto geradezu absurd klein. Die chinesische CLTC-Norm verspricht dafür 540 Kilometer, was im realen deutschen WLTP-Alltag eher 400 bis 420 Kilometern entspricht.
Doch die geringe Batteriekapazität ist ein bewusster Konstruktionskniff zur Gewichtsreduktion. Der Geely Galaxy TT nutzt einen 6C-Lademultiplikator. Das bedeutet, das Fahrzeug kann theoretisch mit dem Sechsfachen seiner eigenen Batteriekapazität laden. An einer entsprechenden 400-kW-Säule (wie von Ionity oder Aral Pulse) jagt das System so gewaltige Ströme in die LFP-Zellen, dass in exakt 11 Minuten Reichweite für über 400 Kilometer (nach CLTC) nachgeladen wird. Geely verlegt den Fokus von „Reichweite horten“ auf „sekundenschnelles Nachladen“. Das spart hunderte Kilo Fahrzeuggewicht, schont Reifen und Bremsen und macht das Auto drastisch effizienter.
Antrieb und Fahrleistungen: Heckantrieb als Standard
Auf eine schwere, frontgetriebene Dual-Motor-Allradversion verzichtet Geely zum Marktstart im September 2026 komplett. Der Galaxy TT wird ausschließlich als puristischer Hecktriebler ausgeliefert. Der Elektromotor an der Hinterachse leistet beachtliche 245 kW (333 PS). Diese Leistung reicht völlig aus, um die große Limousine in unter 6 Sekunden auf Landstraßentempo zu beschleunigen.
Dank des fehlenden Frontmotors (und der damit wegfallenden Antriebswellen) konnte die Lenkgeometrie an der Vorderachse deutlich freier gestaltet werden. Das Resultat ist ein hervorragender Wendekreis, der das 5-Meter-Schiff selbst in engen europäischen Innenstädten und Parkhäusern erstaunlich handlich macht.
Innenraum: Flyme Auto 2 und Platzangebot
Im Interieur profitiert der Geely Galaxy TT massiv von den Konzernstrukturen. Geely hat den Smartphone-Hersteller Meizu übernommen und dessen Software-Architektur nahtlos in das Auto integriert. Das Betriebssystem Flyme Auto 2 läuft auf neuesten Snapdragon-Prozessoren und liefert eine Reaktionszeit, die auf dem Niveau von High-End-Smartphones liegt. Verzögerungen beim Wischen über das zentrale Touch-Display oder beim Rendern der 3D-Fahrzeugmodelle existieren faktisch nicht mehr.

Das Platzangebot im Fond ist gigantisch. Dank des langen Radstands (2,92 Meter) sitzen auch Passagiere über 1,90 Meter Körpergröße im Fond entspannt, können die Beine übereinanderschlagen und profitieren vom komplett flachen Innenboden. Die Materialqualität (veganes Leder, Echtholz-Furniere, gebürstetes Aluminium) zielt klar auf das Premium-Segment ab.
Assistenzsysteme: G-ASD und LiDAR
Bei den Fahrerassistenzsystemen (ADAS) geht Geely in die Vollen. Der Galaxy TT nutzt das hauseigene System Qianli Haohan (in den Ausbaustufen H5 oder H7, je nach Ausstattung). Während die Basismodelle sich auf hochauflösende Kameras und Millimeterwellen-Radar verlassen, ist in den Topversionen (meist gekoppelt mit der 75,2-kWh-Batterie) ein Dach-LiDAR-Sensor integriert.
Dieses System (G-ASD) ermöglicht hochautomatisiertes Fahren auf Level 2+ bis Level 3 (wo gesetzlich erlaubt). Der LiDAR scannt die Umgebung bei jedem Wetter fehlerfrei ab, erkennt kleinste Hindernisse bei Autobahngeschwindigkeiten und übernimmt Spurwechsel sowie Autobahnauf- und -abfahrten komplett autark. Das System halluziniert nicht bei Starkregen – ein Problem, das kamerabasierte Systeme wie bei Tesla nach wie vor plagt.
Konkurrenz-Vergleich (Mittelklasse-Limousinen 2026)
Spezifikation |
Geely Galaxy TT (RWD) |
VW ID.7 Pro S |
Hyundai Ioniq 6 (LR) |
|---|---|---|---|
Fahrzeuglänge |
4.999 mm |
4.961 mm |
4.855 mm |
Systemspannung |
800 Volt |
400 Volt |
800 Volt |
Batterie (Maximal) |
75,2 kWh (LFP) |
86,0 kWh (NMC) |
77,4 kWh (NMC) |
Ladedauer (10-80%) |
ca. 11 – 14 Minuten |
ca. 26 Minuten |
18 Minuten |
Leistung |
245 kW (333 PS) |
210 kW (286 PS) |
168 kW (229 PS) |
Stärken und Schwächen des Geely Galaxy TT
5 Vorteile:
1. Kompromissloses Laden: 800-Volt-Architektur ab der Basisversion mit absurdem 6C-Lademultiplikator.
2. Effizienz durch Leichtbau: Kleine Batterie-Optionen (52,4 kWh) sparen Gewicht und machen das Auto auf der Kurz- und Mittelstrecke drastisch sparsamer.
3. Software: Flyme Auto 2 ist eines der stabilsten, schnellsten und flüssigsten UI-Systeme auf dem gesamten Automarkt 2026.
4. Platzangebot: 4,99 Meter Länge und ein komplett flacher Kabinenboden sorgen für Oberklasse-Feeling im Fond.
5. Preiskalkül: Da die Batterien klein gehalten wurden (im Vergleich zu 100-kWh-Monstern), dürfte der Einstiegspreis in Europa extrem aggressiv ausfallen.
5 Nachteile:
1. Kein Allrad zum Marktstart: Kunden in den Alpenregionen müssen sich vorerst mit dem reinen Hinterradantrieb arrangieren.
2. Limitierte Autobahn-Rohreichweite: Wer das Basismodell mit 52,4 kWh bei minus 5 Grad Celsius mit 150 km/h über die deutsche Autobahn jagt, muss oft an die Säule (wenn auch nur für 11 Minuten).
3. Abhängigkeit vom Ladenetz: Das 6C-Wunder funktioniert nur an perfekten, dicken 400-kW-Ladesäulen. An einer alten 50-kW-Säule verpufft der Technologievorteil.
4. Markenbekanntheit: Geelys Submarke „Galaxy“ muss das Vertrauen deutscher Kunden und Dienstwagen-Leasinggeber (Restwertrisiko!) erst noch erarbeiten.
5. Unübersichtliches Heck: Die extrem flache Heckscheibe unter dem aktiven Spoiler schränkt die Sicht nach hinten massiv ein (Kamerasensorik ist hier Pflicht).
Fazit und Kaufurteil von Jurij Senkewitsch
Mit dem Galaxy TT bringt Geely ein Fahrzeug auf den Markt, das die Physik und die Betriebsökonomie des Elektroautos viel tiefgreifender verstanden hat als viele europäische Konkurrenten. Das Auto zeigt, dass die Jagd nach immer größeren, tonnenschweren 100-kWh-Batterien ein technologischer Holzweg ist.
Statt Hunderte Kilo an ungenutzten Zellen tagtäglich im Pendlerverkehr durch die Stadt zu schleppen, setzt Geely auf eine relativ kompakte, leichte Batterie (75,2 kWh im Topmodell, 52,4 kWh an der Basis) und vertraut blind auf seine gnadenlose 800-Volt-/6C-Hardware. Wer einmal erlebt hat, wie der Galaxy TT an einem Ionity-Lader in der Zeit, die man für einen schnellen Espresso benötigt, über 400 Kilometer nachzieht, wird nie wieder in einen 400-Volt-VW-ID.7 steigen wollen.
Der Galaxy TT ist eine hochintelligente Business-Limousine für Fahrer, die verstanden haben, dass Ladegeschwindigkeit heute weitaus wertvoller ist als stumpfe Rohkapazität in der Batterie. Wer jedoch auf der absoluten Langstrecke (1.000 km am Stück) keine Lust auf mehrfache Stopps hat, ist mit dem Fahrzeug an der falschen Adresse. Für 95 Prozent der Autofahrer ist dieses Konzept jedoch ein absoluter Volltreffer.




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