Geely Galaxy Battleship 700 (2026) Test: Der 830-kW-Offroader, der den Leiterrahmen neu erfindet

Wenn ein chinesischer Autokonzern ein Fahrzeug offiziell als „Schlachtschiff“ (Battleship) betitelt, sind die Erwartungen an Masse und Leistung entsprechend hoch. Geely hat für das vierte Quartal 2026 den Marktstart des Galaxy Battleship 700 bestätigt – und die veröffentlichten Spezifikationen gleichen einer Kriegserklärung an den Land Rover Defender, die Mercedes G-Klasse und den BYD Yangwang U8. Wir sprechen hier nicht von einem weichgespülten Familien-SUV, sondern von einem über fünf Meter langen Hardcore-Offroader mit mechanischen Differenzialsperren, 800 Millimetern Wattiefe und einer völlig neu entwickelten Geely Terrain Architecture (GTA).

Der Battleship 700 ist ein Plug-in-Hybrid (PHEV), der die Grenzen dieser Technologie massiv verschiebt. Ein Dreimotoren-Setup generiert in Kombination mit einem Verbrennungsmotor eine aberwitzige Systemleistung von bis zu 830 kW. Eine 47,14 kWh große Batterie von CATL – vor wenigen Jahren noch die Standardgröße für reine Elektroautos – ermöglicht hier elektrische Reichweiten von über 300 Kilometern nach CLTC. Doch das wahre technische Highlight verbirgt sich im Skelett des Fahrzeugs: Geely verschmilzt eine selbsttragende Karosserie mit einem integrierten Leiterrahmen. Wir testen, ob dieser 5-Sitzer im Alltag und im Gelände hält, was die brutalen Zahlen versprechen.

Architektur und Karosserie: Das Geheimnis der GTA-Plattform
Im Offroad-Fahrzeugbau gibt es seit Jahrzehnten ein ungeschriebenes Gesetz: Ein echter Geländewagen braucht einen schweren Leiterrahmen für maximale Verwindungssteifigkeit (wie die G-Klasse), während Straßen-SUVs auf eine leichte, selbsttragende Karosserie (Unibody) setzen, die jedoch im harten Gelände flext und knarzt. Geely bricht dieses Gesetz mit der neuen GTA (Geely Terrain Architecture) auf.
Die GTA-Plattform kombiniert einen hochfesten, in die Bodengruppe integrierten Kraftrahmen mit einer selbsttragenden Kabine. Das Resultat ist eine strukturelle Verwindungssteifigkeit von über 40.000 Nm/Grad – ein Wert, der selbst reinrassige Supersportwagen in den Schatten stellt. Wenn der Battleship 700 mit einem Rad in der Luft verschränkt auf einem Felsen steht, verzieht sich die Karosserie um keinen Millimeter; die Türen fallen mit einem satten Klicken ins Schloss. Gleichzeitig spart diese Integrationsbauweise Gewicht. Geely gibt an, dass der Rahmen im Vergleich zu einem traditionellen Leiterrahmen um 100 Kilogramm erleichtert wurde, was das Gesamtgewicht des Fahrzeugs um stolze 200 Kilogramm senkt.
Trotz der Gewichtsdiät ist das Fahrzeug ein optischer Monolith: Mit 5.085 Millimetern Länge, exakt 1.999 Millimetern Breite und bis zu 1.925 Millimetern Höhe (je nach Fahrwerkseinstellung) dominiert der Battleship 700 jede deutsche Parklücke.
Antrieb und Offroad-Geometrie: 830 kW im Dreimotoren-Setup
Unter dem massiven Blech arbeitet ein extrem komplexer Antriebsstrang. Geely setzt beim Verbrennungsmotor je nach Konfiguration auf einen 1.5-Liter- oder 2.0-Liter-Turbobenziner. Doch dieser Verbrenner spielt oft nur die zweite Geige. Die Hauptarbeit erledigen drei Elektromotoren, die in ein intelligentes „AI electric-hybrid AWD“-System eingebunden sind. Die kombinierte Systemleistung summiert sich auf atemberaubende 830 kW (umgerechnet rund 1.128 PS).
Diese Leistung wird nicht primär für Beschleunigungsorgien auf der Autobahn genutzt, sondern vom „AI all-terrain digital chassis“ im Millisekundentakt auf die Räder verteilt, um in schwerem Gelände maximale Traktion zu generieren. Wenn die Elektronik an ihre Grenzen stößt, helfen echte, hardwareseitige Differenzialsperren weiter. Die Zweikammer-Luftfederung in Kombination mit adaptiven CDC-Dämpfern (Continuous Damping Control) hebt die Bodenfreiheit auf stattliche 233 Millimeter an. Mit einem Böschungswinkel von 30 Grad vorn, 31 Grad hinten und einer Wattiefe von 800 Millimetern deklassiert der Geely 95 Prozent aller europäischen SUVs im Schlamm.
Batterie, Reichweite und PHEV-Effizienz
Dass der Battleship 700 als Plug-in-Hybrid klassifiziert ist, wirkt fast wie eine Untertreibung, wenn man das Batteriepaket betrachtet. Geely verbaut einen gigantischen 47,14-kWh-Akkublock aus dem Hause CATL. Zum Vergleich: Das ist deutlich mehr Kapazität, als ein früher Nissan Leaf oder VW e-Golf als reines Elektroauto besaßen. In der rein elektrischen Konzern-Limousine Geely Galaxy TT startet die Batteriepalette bei ähnlichen Werten.
Nach chinesischem CLTC-Zyklus erzielt der Offroader eine rein elektrische Reichweite von bis zu 305 Kilometern. Im anspruchsvolleren europäischen WLTP-Zyklus, kombiniert mit dem enormen Luftwiderstand der Schrankwand-Karosserie, bleiben davon real rund 200 bis 230 Kilometer übrig. Das reicht aus, um 90 Prozent aller alltäglichen Fahrten (Pendeln, Einkaufen, Kurzstrecken) komplett emissionsfrei und geräuschlos zu absolvieren. Auf der echten Langstrecke oder im Anhängerbetrieb (der Battleship 700 darf massive Lasten ziehen) schaltet sich der Turbobenziner als Generator oder Direktantrieb zu und vernichtet jegliche Reichweitenangst.
Innenraum, Software und Assistenzsysteme (G-ASD & LiDAR)
Im Gegensatz zu vielen dreireihigen Konkurrenten belässt Geely es bei einem großzügigen Fünfsitzer-Konzept. Bei einem Radstand von 2.900 Millimetern resultiert dies in einem Beinfreiraum für die zweite Reihe, der an die S-Klasse erinnert. Das Interieur steht im bewussten Kontrast zum rauen Äußeren: Feinstes Leder, riesige Displays und haptisch perfekte Aluminium-Schalter prägen das Bild.
Bei der Software und den Assistenzsystemen greift Geely tief in die konzerneigene Tech-Kiste. Das Qianli Haohan ADAS-System greift auf einen hochauflösenden LiDAR-Sensor auf dem Dach zurück. Damit qualifiziert sich der Battleship 700 für das G-ASD (Geely Autonomous System Driving), welches auf der Autobahn Lenk-, Brems- und Spurwechselvorgänge extrem präzise übernimmt. Im Offroad-Betrieb scannen die Kameras den Untergrund ab und projizieren den sogenannten „transparenten Unterboden“ auf das Display, damit der Fahrer jeden Felsbrocken unter der Vorderachse sieht.
Konkurrenz-Vergleich (Hardcore-Offroader 2026)
Spezifikation |
Geely Galaxy Battleship 700 |
Land Rover Defender 110 (P400e) |
BYD Yangwang U8 |
|---|---|---|---|
Karosserie-Architektur |
GTA (Integriert) |
Unibody (Selbsttragend) |
Klassischer Leiterrahmen |
Antriebskonzept |
PHEV (3 E-Motoren + ICE) |
PHEV (1 E-Motor + ICE) |
EREV (4 E-Motoren + Generator) |
Systemleistung |
830 kW (ca. 1.128 PS) |
297 kW (404 PS) |
880 kW (ca. 1.196 PS) |
Batterie & E-Reichweite |
47,1 kWh / ca. 305 km (CLTC) |
19,2 kWh / ca. 51 km (WLTP) |
49,0 kWh / ca. 180 km (CLTC) |
Wattiefe |
800 mm |
900 mm (bei Luftfederung) |
1.000 mm |
Stärken und Schwächen des Geely Galaxy Battleship 700
Vorteile:
1. Strukturelle Integrität: Die GTA-Architektur vereint die Geländegängigkeit eines Leiterrahmens mit dem reduzierten Gewicht (minus 200 kg) und besseren Fahrverhalten eines Unibodys.
2. Elektrische Alltags-Reichweite: Mit über 47 kWh Batteriekapazität wird dieser Gigant im Pendleralltag de facto zum reinen Elektroauto.
3. Brachiale Systemleistung: 830 kW ziehen selbst schwerste Anhänger (Pferde, Yachten) völlig mühelos aus tiefem Schlamm.
4. Fahrkomfort: Die Zweikammer-Luftfederung mit CDC filtert sowohl Geröllpisten als auch Autobahnfugen perfekt heraus.
5. Sensorausstattung: Die Integration von LiDAR-Technologie (Qianli Haohan) in einen Geländewagen ermöglicht überlegenes Level-2+-Autobahnfahren.
Nachteile:
1. Erschreckende Komplexität: Drei Elektromotoren, ein Turbobenziner, Luftfederung, mechanische Sperren und komplexe Software – die Langzeit-Wartungskosten außerhalb der Garantiezeit dürften exorbitant ausfallen.
2. Parkplatz-Albtraum: Mit fast exakt zwei Metern Breite (ohne Spiegel) ist das Auto für deutsche Parkhäuser und alte Waschstraßen faktisch zu groß.
3. Leergewicht: Trotz der Gewichtsdiät des GTA-Rahmens dürfte das Leergewicht mit Verbrenner und 47-kWh-Batterie die 2,8-Tonnen-Marke knacken (hart an der Führerscheingrenze B).
4. Wattiefe ausbaufähig: 800 Millimeter sind hervorragend, aber Defender und U8 tauchen noch etwas tiefer (900 bis 1.000 mm).
5. Verbrenner-Durst bei leerem Akku: Werden die 47 kWh auf der Autobahn erschöpft, muss der 2.0-Liter-Turbo ein massives Aerodynamik-Monster bewegen – der Verbrauch wird hier zweistellig in Litern ausfallen.
Fazit und Kaufurteil von Jurij Senkewitsch
Machen wir uns nichts vor: Der Geely Galaxy Battleship 700 ist kein vernünftiges Auto für die Fahrt zum Supermarkt oder zum Kindergarten. Es ist ein rollendes Kraftwerk, eine technologische Machtdemonstration des Geely-Konzerns, die zeigt, wie weit das Engineering im Jahr 2026 fortgeschritten ist.
Die GTA-Architektur ist ein brillanter Schachzug, um die Nachteile des klassischen Leiterrahmens (hoher Schwerpunkt, hohes Gewicht, zitterndes Fahrverhalten) auszulöschen, ohne die Geländegängigkeit zu opfern. Die Entscheidung, eine 47-kWh-Batterie in einen Plug-in-Hybriden zu schrauben, löst das klassische PHEV-Problem: Dieser Offroader fährt den ganzen Monat über elektrisch, ohne dass ständig der Verbrenner anspringen muss, bietet aber für den Offroad-Urlaub im Balkan die beruhigende Reichweite eines Benziners.
Wer eine G-Klasse für unvernünftig hält, wird auch den Battleship 700 ablehnen. Wer jedoch ein hochkomplexes Zugfahrzeug für Boote, Pferdeanhänger oder für den echten Forstbetrieb sucht – und sich den extremen technischen Wartungsaufwand leisten kann –, findet hier eines der beeindruckendsten Offroad-Pakete des Jahrzehnts. Ein technologisches Schlachtschiff im wahrsten Sinne des Wortes.




Hinterlassen Sie Feedback dazu