Elektroautos und SUVs

Neuer Freelander 8: 800-Volt-EREV mit 60-kWh-Akku schockt die Elite

Ein silberner Freelander 8 SUV steht am luxuriösen Eingang.
Freelander 8

Die britische Legende ist zurück, aber sie spricht jetzt Mandarin. Jaguar Land Rover (JLR) hat den ikonischen Namen „Freelander“ aus der Rente geholt und ihn in ein hochmodernes Joint Venture mit dem chinesischen Giganten Chery eingebracht. Das Resultat ist der im September 2026 offiziell gelaunchte Freelander 8. Wer hier an einen braven Kompakt-SUV mit Land-Rover-Logo denkt, irrt gewaltig. Das Fahrzeug ist ein 5,11 Meter langer Technologie-Koloss, der das Konzept des Range Extenders (EREV) auf ein völlig neues Niveau hebt. Die Spezifikationen lassen europäische Ingenieure schlucken: Ein 60,3 kWh großer CATL-Akku (das entspricht der Größe eines VW ID.3), echte 800-Volt-Architektur, 6C-Ultraschnellladen in 12 Minuten, 610 kW Systemleistung und das brandneue Huawei Qiankun ADS 5 für autonomes Fahren. Mit 5.000 Vorbestellungen innerhalb der ersten 12 Stunden in China setzt dieses SUV ein unmissverständliches Zeichen. Wie gefährlich wird der Freelander 8 für BMW X5 und Porsche Cayenne?

Ein silberner Freelander 8 SUV am Luxuseingang
Freelander 8

In diesem Technik-Check sezieren wir die Hardware des Freelander 8. Wir analysieren, wie CATL eine NMC-Batterie mit 6C-Laderate in einen Range Extender presst, warum der hintere Elektromotor ein 2-Gang-Getriebe benötigt und wie die Integration von Huaweis ADS-5-Sensorik das Fahrzeug in einen rollenden Supercomputer verwandelt.

Der futuristische Innenraum des Freelander im Morgengrauen.
Freelander 8

1. Die Batterie: 60,3 kWh und brachiales 6C-Laden

Das Herzstück und gleichzeitig die größte Überraschung des Freelander 8 ist sein Energiespeicher. Während deutsche Hersteller bei ihren großen SUVs (wie dem BMW X5 xDrive50e) Batterien im Bereich von knapp 30 kWh verbauen, klotzt das Chery-JLR-Bündnis mit einem 60,3 kWh großen NMC-Akkupack (Nickel-Mangan-Cobalt) von CATL. Diese Kapazität reicht aus, um das 5,11 Meter lange Trumm nach dem großzügigen chinesischen CLTC-Zyklus 310 Kilometer rein elektrisch zu bewegen. Umgerechnet auf den realistischeren europäischen WLTP-Standard sprechen wir hier von echten 230 bis 250 Kilometern emissionsfreier Reichweite. Das reicht für 90 Prozent aller Pendler, um wochenlang keinen Tropfen Benzin zu verbrennen.

Doch die Größe der Batterie ist nicht das eigentliche Highlight. Es ist die thermische und elektrische Belastbarkeit. Der Freelander 8 basiert auf einer kompromisslosen 800-Volt-Architektur. Bei Range Extendern (EREV) ist das ein absolutes Novum. Diese Hochspannung ermöglicht eine 6C-Laderate. Das C steht für die Ladeleistung im Verhältnis zur Kapazität. Ein 6C-Rating bedeutet, dass die Ladeleistung theoretisch sechsmal so hoch ist wie die Batteriekapazität. Bei 60 kWh sprechen wir also von Ladepeaks im Bereich von über 350 kW!

Die offiziellen Werksangaben bestätigen dies eindrucksvoll: Der Hub von 20 auf 80 Prozent State of Charge (SoC) dauert exakt 12 Minuten. Für den Fahrer bedeutet das: Selbst auf der Langstrecke kann er den Freelander 8 an einer Ionity- oder EnBW-Säule wie ein echtes BEV behandeln. Kurz einen Kaffee holen, und das Fahrzeug hat wieder Strom für gut 150 bis 200 echte Autobahnkilometer. Das eliminiert das typische PHEV-Problem, bei dem Fahrer auf langen Fahrten das Ladekabel wegen zu geringer Ladegeschwindigkeiten gar nicht erst auspacken.

2. Antriebsstrang: 610 kW Systemleistung und das 2-Gang-Geheimnis

Die reine Antriebsarbeit wird beim Freelander 8 ausschließlich von den Elektromotoren verrichtet (serieller Hybrid / EREV). Unter der Haube arbeitet zwar ein 1,5-Liter-Vierzylinder-Turbobenziner (1,5T) mit 115 kW Leistung, doch dieser hat keinerlei mechanische Verbindung zu den Antriebsrädern. Er fungiert als reiner Stromgenerator, der bei niedrigem Akkustand anspringt, im optimalen, sparsamsten Drehzahlfenster läuft und die Elektromotoren sowie die Batterie mit frischer Energie versorgt.

Und diese Elektromotoren haben es in sich. Das Dual-Motor-AWD-System (Allradantrieb) generiert eine atemberaubende Systemleistung von 610 kW (knapp 830 PS) und ein maximales Drehmoment von 813 Newtonmetern. Trotz eines Leergewichts, das jenseits der 2,5-Tonnen-Marke liegen dürfte, katapultiert dieser Antrieb den Freelander 8 in brachialen 4,6 Sekunden von 0 auf 100 km/h.

Besonders raffiniert ist die Konstruktion an der Hinterachse. Hier sitzt der Haupt-Elektromotor mit 250 kW Leistung, der mit einem speziellen 2-Stufen-Getriebe (2-Gang) gekoppelt ist. Warum betreibt Chery-JLR diesen mechanischen Aufwand, den sich beispielsweise Tesla oder BMW sparen? Die Antwort liegt in der Auslegung des Fahrzeugs. Ein 5,11-Meter-SUV, das die DNA von Land Rover in sich trägt, muss einerseits massiv Anhängelast bewältigen und im Gelände extreme Zugkraft (Drehmoment) bei Schrittgeschwindigkeit liefern können. Dafür sorgt der kurze, erste Gang. Andererseits verlangt der Kunde auf der deutschen Autobahn Effizienz bei hohen Geschwindigkeiten. Ab einem gewissen Tempo wechselt das System unmerklich in den zweiten, länger übersetzten Gang. Das senkt die Drehzahlen des E-Motors drastisch ab, verringert die thermische Belastung, drückt den Stromverbrauch und ermöglicht eine souveräne Höchstgeschwindigkeit von 220 km/h (Vmax) – ein Wert, bei dem viele reine E-Autos aus Effizienzgründen längst abgeregelt werden.

3. Fahrwerk und Huawei Qiankun ADS 5

Ein Fahrzeug, das es mit dem Premium-Establishment aufnehmen will, muss mehr bieten als nur stumpfe Längsdynamik. JLR hat sein jahrzehntelanges Know-how im Bereich Fahrwerksentwicklung in das Joint Venture eingebracht. Der Freelander 8 steht auf einem adaptiven Luftfahrwerk (Air Suspension) mit kontinuierlicher Dämpferregelung. Zusätzlich verbauen die Ingenieure eine Hinterachslenkung. Diese ist bei einem Radstand von 3,04 Metern auch zwingend nötig, um das wuchtige Auto in europäischen Parkhäusern manövrierbar zu halten und den Wendekreis auf das Niveau eines Kompaktwagens zu schrumpfen.

Das digitale Gehirn des Freelander 8 stammt jedoch nicht aus Großbritannien, sondern aus Shenzhen. Chery hat sich die Dienste von Huawei gesichert und integriert das brandneue Qiankun ADS 5 (Autonomous Driving System). Dieses System verarbeitet die Daten aus LiDAR-Sensoren im Dach, hochauflösenden Kameras und Millimeterwellen-Radaren. Huaweis ADS 5 gilt derzeit als eines der fortschrittlichsten Systeme für urbanes und hochautonomes Fahren in China (NCA – Navigation Cruise Assist). Es erfasst komplexe Kreuzungssituationen, weicht Fußgängern proaktiv aus und kann selbstständig ohne HD-Kartenmaterial navigieren. Sollte dieses System in Europa rechtlich zugelassen (homologiert) werden, wäre es ein massiver Kaufanreiz, da es Level-3-ähnliche Funktionen im Alltag nutzbar macht.

4. NVH-Optimierung: Die Stille des Generators

Der größte Kritikpunkt an EREVs war bisher das NVH-Verhalten (Noise, Vibration, Harshness). Wenn der Akku leer ist und der Verbrennungsmotor anspringt, erlebten Fahrer oft ein unharmonisches Jaulen, das so gar nicht zum elektrischen Fahrgefühl passen wollte. Beim Freelander 8 hat man diesen Effekt nahezu eliminiert. Durch die massive 60-kWh-Batterie wird der Generator auf kurzen Strecken ohnehin nie gebraucht. Doch selbst wenn er auf der Langstrecke anspringt, profitiert das System von der 800-Volt-Architektur.

Der Generator kann seine 115 kW so effizient in den Hochspannungsspeicher schieben, dass er fast immer im akustisch unauffälligen „Sweet Spot“ (bei ca. 2.000 bis 2.500 U/min) verharren kann, selbst wenn der Fahrer auf der Autobahn 150 km/h fährt. Die Kapselung des 1.5T-Motors durch dicke Akustikmatten, aktives Noise-Cancelling über die Lautsprecher (ANC) und doppelt verglaste Scheiben rundum sorgen dafür, dass die Passagiere den Einsatz des Verbrenners physisch kaum noch wahrnehmen.

5. Aerodynamik und Karosseriesteifigkeit: Die britische Handschrift

Ein Fahrzeug mit einer derart gewaltigen Stirnfläche (2,05 Meter Breite, 1,89 Meter Höhe) stellt Aerodynamiker vor massive Probleme. Doch genau hier zeigt sich die Synergie des Joint Ventures. Während Chery die komplexe 800-Volt-Elektrik zuliefert, durften sich die Designer und Karosserie-Ingenieure von Jaguar Land Rover um den physischen Feinschliff kümmern. Die Karosserie des Freelander 8 wurde im Windkanal extrem strömungsgünstig optimiert. Versenkte Türgriffe, eine aktive Kühlerjalousie (Active Grille Shutter) für den Verbrennungsmotor und spezielle Aero-Räder drücken den Luftwiderstand (cW-Wert) auf ein für SUV-Verhältnisse herausragendes Niveau.

Zusätzlich profitiert der Freelander 8 von einem massiven Leiterrahmen, der durch das schwere, aber extrem flache CATL-Batteriepaket im Unterboden strukturell verstärkt wird (ähnlich einem Skateboard-Chassis). Diese Torsionssteifigkeit ist nicht nur für die Crash-Sicherheit essenziell, sondern auch für das Fahrgefühl. Europäische Premium-Kunden erwarten ein Fahrzeug, das selbst bei 200 km/h auf der Autobahn völlig ruhig und verwindungsfrei auf der Straße liegt. Genau hier trennt sich die Spreu vom Weizen asiatischer Start-ups. Der Freelander 8 bietet dank der britischen Fahrwerksabstimmung eine satten, souveränen Geradeauslauf, der auch bei starken Seitenwinden auf Autobahnbrücken nicht nervös wird.

6. Total Cost of Ownership (TCO): Ist ein EREV günstiger als ein BEV?

Wer sich ein 5,11 Meter langes SUV in die Einfahrt stellt, schaut in der Regel nicht auf jeden Cent. Dennoch ist die finanzielle Kalkulation (Total Cost of Ownership) beim Freelander 8 hochspannend, besonders im Vergleich zu reinen Elektroautos (BEVs) dieser Größenordnung. Ein vergleichbares, rein elektrisches Luxus-SUV (wie beispielsweise ein Mercedes EQS SUV oder der kommende Range Rover Electric) benötigt eine Batterie von mindestens 110 bis 130 kWh, um auf der Autobahn 400 bis 500 Kilometer weit zu kommen. Diese riesigen Batterien treiben den Kaufpreis (CAPEX) extrem in die Höhe und erhöhen das Leergewicht massiv.

Der Freelander 8 wählt den intelligenteren Kompromiss. Die 60,3-kWh-Batterie ist groß genug, um 90 Prozent aller Fahrten in Deutschland (Pendeln, Einkaufen, regionale Ausflüge) rein elektrisch abzudecken. Wer das Auto abends an der heimischen Wallbox oder im Büro auflädt, fährt im Alltag genauso günstig wie mit einem BEV – oft für unter 6 Euro Stromkosten auf 100 Kilometer. Das teure, 120 kWh große und schwere Akkupaket spart sich der Kunde jedoch beim Kaufpreis. Auf den wenigen echten Langstreckenfahrten im Jahr übernimmt dann der 1,5-Liter-Benziner die Stromerzeugung. Zwar liegen die Energiekosten in diesem Generator-Modus etwas höher als bei einem reinen BEV, doch der extrem günstige Basispreis des Fahrzeugs und der Wegfall des massiven Batteriegewichts kompensieren dies über die gesamte Laufzeit des Fahrzeugs spielend. Der EREV ist somit für viele Fahrer nicht nur der praktischere, sondern am Ende auch der wirtschaftlichere Weg in die Elektromobilität.

7. Technischer Vergleich: Die Daten des Freelander 8

Die nackten Zahlen des im September 2026 offiziell gelaunchten Fahrzeugs unterstreichen den Premium-Anspruch des britisch-chinesischen Gemeinschaftsprojekts. Wir haben die wichtigsten technischen Daten des EREV-SUV kompakt zusammengefasst.

Spezifikation
Freelander 8 (EREV)
Fahrzeugtyp
EREV (Range Extender) SUV
Batteriekapazität
60,3 kWh
Batteriechemie
Ternary / NMC (CATL)
Systemarchitektur
800 Volt
Ladeleistung (Rating)
6C (20 bis 80 % in 12 Min.)
E-Reichweite (CLTC)
310 km
Systemleistung
610 kW (ca. 830 PS)
Max. Drehmoment
813 Nm
Beschleunigung (0-100 km/h)
4,6 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit
220 km/h
Verbrennungsmotor (Generator)
1.5T (4 Zylinder, 115 kW)
Elektromotor hinten
250 kW (mit 2-Gang-Getriebe)
Assistenzsysteme (ADAS)
Huawei Qiankun ADS 5
Abmessungen (L x B x H)
5.118 x 2.050 x 1.898 mm
Radstand
3.040 mm
Sitzplätze
5 oder 6 Sitze

8. Europa-Perspektive: Ein gefährlicher Grenzgänger

Die Markteinführung in China war ein durchschlagender Erfolg. Über 5.000 bestätigte Bestellungen innerhalb der ersten 12 Stunden zeigen, dass Chery und JLR den Nerv der Käufer exakt getroffen haben. In China ist die EREV-Technologie derzeit der absolute Wachstumsmarkt, da sie die „Reichweitenangst“ im riesigen Land eliminiert und gleichzeitig in den Metropolen grüne Nummernschilder (NEV – New Energy Vehicles) erhält.

Doch was bedeutet das für Deutschland und Europa? JLR hat den Namen „Freelander“ nicht grundlos gewählt. Dieser Name zieht in Europa nach wie vor. Wenn dieses Fahrzeug nach Europa kommt (und davon ist stark auszugehen, da JLR seine CO2-Flottenziele senken muss), wird er die Diskussion um Plug-in-Hybride völlig neu entfachen. In Deutschland werden PHEVs oft als steuerliche Schlupflöcher belächelt. Doch der Freelander 8 ist durch seine 60-kWh-Batterie und die 800-Volt-Ladetechnik eigentlich ein vollwertiges Elektroauto, das den Verbrenner nur noch als absolute „Back-up“-Lösung für die Fahrt in den Skiurlaub an Bord hat.

Für etablierte Platzhirsche wie den Porsche Cayenne E-Hybrid oder den BMW X5 Plug-in wird die Luft extrem dünn. Der Freelander 8 bietet mehr Platz (mit bis zu 6 Sitzen und über 3 Metern Radstand), modernere Sensorik (Huawei ADS) und eine Ladeinfrastruktur-Anbindung, von der die deutschen Konkurrenten bei ihren Hybridmodellen derzeit nur träumen können (12 Minuten am Schnelllader statt zwei Stunden an der Wallbox).

Fazit und Empfehlungen von Juri Senkevich zum Freelander 8

Der Freelander 8 ist ein ingenieurtechnisches Meisterstück, das die Grenzen zwischen Verbrenner und Elektroauto auf brillante Weise verschwimmen lässt. Chery liefert die radikale Batterie- und Softwaretechnik (CATL 6C und Huawei), während JLR den Feinschliff am Fahrwerk (Luftfederung, Hinterachslenkung) und das Marken-Prestige beisteuert.

Die 60-kWh-Batterie gepaart mit 800 Volt und 6C-Ladegeschwindigkeit deklassiert die gesamte europäische PHEV-Konkurrenz auf einen Schlag. Dieses Auto ist kein Kompromiss mehr, es vereint tatsächlich das Beste aus zwei Welten. Das 2-Gang-Getriebe an der Hinterachse zeigt zudem, dass man auch das Thema Autobahn-Effizienz absolut ernst nimmt.

Wem empfehle ich dieses Fahrzeug? Familien und Vielfahrern, die zu 90 Prozent im Alltag rein elektrisch pendeln wollen (was bei 310 km CLTC-Reichweite problemlos möglich ist), aber am Wochenende mit dem schweren Pferdeanhänger oder Wohnwagen in die Alpen fahren, ohne Ladestopps planen zu müssen. Wem rate ich ab? Puristen, die ein leichtes, agiles Fahrzeug für die Stadt suchen. Mit über 5,1 Metern Länge und 2,05 Metern Breite ist der Freelander 8 in engen Innenstädten ein absolut dominanter Koloss, der trotz Hinterachslenkung jeden Millimeter Parkraum beansprucht. Wenn JLR den Freelander 8 zu einem aggressiven Preis nach Europa bringt, müssen sich München, Stuttgart und Ingolstadt warm anziehen.

Jurij Senkewitsch

Fachautor für Elektromobilität bei EvAutos25. Er spezialisiert sich auf Elektroautos, Batterietechnologien und Ladeinfrastruktur sowie auf die Analyse des deutschen und europäischen E-Auto-Marktes.

Ähnliche Artikel

Hinterlassen Sie Feedback dazu

  • Bewertung abgeben!